Soulor 2018 – après tour

b05Wenn ich mich recht erinnere, ist es fast 30 Jahre her, 1979. Das Peloton zieht vorbei, 500m vor dem Ziel – ein Schlußsprint bis zur Kuppe eines Boulevards in der Nähe von  Paris. Ich photographiere mit einer Instamatic, die Fahrer sind später nur winzig zu sehen. Ich erinnere mich an das Gesicht von Baronchelli, der italienischen Hoffnung und die Beine von Thurau im grünen Trikot .

Aber das ist später, im Zielbereich. Als kleiner Junge konnte man hineinspazieren und ich höre aus zwei Metern wie der Deutsche Reporter (Ehmig) D. Thurau interviewt.  Ich stehe direkt dahinter, niemand hat mich aufgehalten oder kontrolliert, alles ist laut und ein wenig durcheinander. Hinault wird morgen zum zweiten male die Tour gewinnen und sogar die Shclußetappe auf den Champs Elysees. Thurau hat nicht gewonnen, er ist insgesamt immerhin Zehnter. Ich sehe die rasierten Beine und wundere mich: so dünn hatte ich mir das nicht vorgestellt .Wo sind die Muskeln, die so viel Kraft haben?

a78Auf dem Soulor herrscht buntes Treiben. Die Stimmung ist friedlich und locker. Man wartet auf die Fahrer und vertreibt sich die zeit mit Späßen. Vor allem Gendarmen, die die Fahrgasse frei halten, sind Zielscheiben von Zurufen. „Allez les bleus!“ rufen sie, wenn wieder jemand aussteigt. Es gibt keine Absperrgitter, man lustwandelt. Die Karawane hat ihre gaben verteilt, die Flaschen sind gekreist, die zwei Cafés machen den top-Umsatz des Jahres.

b13Immer wieder kommen Motorräder vorbei, dann wieder Autos. Immer wieder Autos oder Teambusse. Irgendwann halten zwei graue Kombis und Männer steigen aus. Lokalpolitiker, die johlend begrüßt werden. VIPs. Alle Autos der Tour , alle Fahrzeuge haben Nummern. Manche Nummern sind vierstellig. Ein gigantischer Troß, die Werbekarawane nicht mitgerechnet. Mehr Fahrzeuge als Räder. Jemand hat einen Fernseher in seinem Bus installiert, Satellitenantenne auf dem Dach. Wir folgen kurz dem Renngeschehen. Noch ist Zeit.

b15ich sehe mir kurz die Trikots an einem Stand an. Sogar Exemplare aus Wolle gibt es wieder. Saftige Preise und die Muster der großen Zeit: die Zeit, die mit Hinault und Thurau zuendeging. Die Zeit, bevor der Hintern des radsportlers als Werbefläche entdeckt wurde, bevor alles bunter, immer bunter und kleinteiliger wurde. Bevor die fahrradhersteller sich aus  Treams zurückzogen, die sie über jahrzente versorgt hatten. Peugeot, Mercier, Gitane. das Ende des eurozentrischen Radproduktion.

Es hat sich nicht grundlegend geändert. Die Regeln und Formen sind grob die selben geblieben. Sponsoren, Verträge, Prämien. Nur an den Zuschauern merkt man, daß Radsport ein fast dörfliches Phänomen ist. Die bretonischen Flaggen für Barguil , baskische für Landa, die irische für Dan Martin. Die Treue der Fans ist groß.

b10Dann bewgt sich die Menge wie ein einziger Körper. Eine Welle geht hindurch, Smartphones werden in die Höhe gereckt, Rufe, Fahnen. Sie kommen.

Es geht blitzschnell – die ersten sind durch, die Furchen im Gesicht von Majka, die angespannten Körper der Spitzengruppe. Gels werden aufgerissen, die Fahrer blicken sich an, checken sich.

b01Dann die Verfolger und das gelbe Trikot, zwei drei Tritte zum ausruhen. Der Vorjahressieger ist nicht dabei, ich zähle die Sekunden. 25, dann kommt er hinter seinem Edeldomestiken, dem 21Jährigen Bernal vorbei. Die junge Hoffnung aus Kolumbien.

b03Es folgen noch immer berühmte Namen –  aber ohne Hoffnung auf Sieg oder Plazierung. Der andere kolumbianer: Quintana, wie ein trauriges Wunderkind, oder einfach nur müde. Der Ire verschwindet hinter der Fahne.

Immer und immer neue Fahrer, die von den fans gefeiert werden. Alaphilippe mit den roten Punkten wird bejubelt, ein Ton drunter Barguil, dessen Körpersprache alles ausdrückt: enttäuschte Hoffnung, vielleicht eine grimmige Müdigkeit. Danach weitere Edelhelfer, die sich in den Pässen zuvor aufgebraucht haben  als erster Deutscher Simon Geschke, ein Bergfahrer.

b06Es werden noch eine gute halbe Stunde Fahrer kommen und viele werden auch den Letzten feiern. ich gehe in die SnackBar und bestelle einen heißen Kakao zum aufwärmen. Die Familie ist erschöpft – heute abend ist alles vorbei, sagen sie mir, dann kehr die große Ruhe ein.

An einem Stand lagen Zeitungen herum, ich habe sie mir unters durchgeschwitzte Trikot gestopft. Bevor gleich die Massenbewegung einsetzt und die Paßstraße blockiert,  verschwinde ich lieber. Wie klein und zerbrechlich und ausgelaugt die Fahrer gewirkt haben. Wie unbedeutend im ganzen Getriebe, daß angeblich ihretwegen veranstaltet wird.

b04Der Hubschrauber des Fernsehens bewegt sich langsam davon und das Publikum winkt immer wieder in seine Richtung, als hoffe es auf ein letztes Werbegeschenk oder einen Gunstbeweis – vielleicht den, einmal im Leben ins Fernsehen zu kommen.

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Soulor 18: la grande boucle

DSCF4870Die große Schleife, la grande boucle, das große Volksfest im Juli. Bevor man die Tour verurteilt oder in den Himmel hebt, sollte man sie gesehen haben. Die Gelegenheit ist günstig, die letzte Bergetappe ist in Reichweite meiner bescheidenen Fähigkeiten, die nach einer Bänderverletzung im Rücken noch bescheidener geworden sind.

Dienstag : ich kann ohne Abstützen aus dem Bett. Mittwoch: für einige hundert Meter aufs Rad setzen – so lala. Schwimmen hilft. Donnerstag: Bis zum Bäcker gehts, immerhin 150 Höhenmeter. Ich spüre den Rücken, aber der Schmerz wächst nicht mit der Bewegung. Nochmal Schwimmen, nochmal für eine Stunde das Gefühl schwereloser Schmerzfreiheit.

Freitag – der Soulor ruft, denn am Nachmittag passieren sie den col auf dem Weg nach Laruns. Sie haben dann Aspin und Tourmalet schon hinter sich, und einen kleinen Zwischenpass. Der Soulor ist die vorletzte Schwierigkeit, denn als Sahnehaube der Etappe folgen noch die lächerlichen 7km bis zum Aubisque und dann die schwierige Abfahrt nach Laruns (unten).

a1Der Soulor hat drei Anfahrten, nur eine davon ist heute frei. Die anderen sind seit dem morgen gesperrt, Wohnmobile und Fans haben schon vor Tagen Stellung bezogen; Einheimische nehmen die Ur-Route, die ich gleich fahren werde. Es wird mein erster Paß in diesem Jahr, denn im Frühjahr war kein Paß über 1000m befahrbar.

DieStraße geht durch das Val d’Assons, einem langgezogenen Tal, das immer enger und verwinkelter wird, bis in Ferrières der 13km lange Anstieg beginnt. Für die tour de France ist das die Variante der Erstbefahrung  -die historische Route von 1910. Für mich ist es die wildeste und schönste Strecke zum Soulor, denn sie führt nicht in ein Skigebiet, sondern einfach  ins Herz der Wildnis.

-40km

Hinter Pau sehe ich schon die erste Radsportler, wir sind vom gleichen Gedanken getrieben: die Königsetappe. Um 14h parke ich in Assons und packe das Rad aus, so wie zwei drei andere Herren neben mir. 25km sind es bis zum Paß, die Wette gilt: vor der tour oben sein. Dank Dampfradio weiß ich, daß man gerade erst im Tourmalet ist. 16h30 rechne ich mir als den Zeitpunkt aus, bis zu dem ich es geschafft haben muß. Ich steige mit gemischten Gefühlen auf das SNEL.

-20 km

a2Die ersten Kilometer sind nur ganz leicht wellig, es geht auf das Bergmassiv wie auf eine Wand zu, noch ist das Tal breit und die Wiesen üppig, ein paar Höfe teilen sich den Piedmont. Es ist grau über mir, dunkelgrau, gelbgrau, aber gleichzeitig schwül. Typisches Pyrenäenwetter. Die Sonne ist nicht weit und der Schweiß fließt, während ich die Kadenz hochhalte.

a23Bei der ersten Befahrung im April 17 war ich so unerfahren, diese ersten Kilometer auf dem großen Blatt anzugehen. Aber eine Steigung von 1 % oder 2 ist eben auch eine Steigung, sie zieht ganz unmerklich die Kraft die man im Anstieg braucht.

-15km

a11Hinter mir hat es irgendwann geklickt. Dann zieht eine kleine Gruppe zügig vorbei, der erste kleine Anstieg liegt hinter mir und das Tal wird eng: nur noch ein paar Bäume , die Reste einer Schmalspurbahn und der rauschende Bach haben noch Platz. Zweimal teilt sich die Route auf und besetzt beide Hänge, für alle ist kein Platz.  In allen verfügbaeren und legalen Nischen sind Autos geparkt, deren Nummernschilder auf belgien und vor allem! England hinweisen. Viele tragen Gestelle für Räder. Links geht es in den „kleinen“ Col de Spandelles richtung Lourdes, der aus der Soulor Tour eine beliebte Runde macht. Ein andermal

-13km

a4Ferrières -um die Ecke schon der Kirchturm. Der Dorfbrunnen, ein paar Bäume und öffentliche Toiletten. Das Dorf Ferrières verdankt kleinen erzgruben seinen Eisenbahnanschluß und einen recht großen Ortskern, wenn man die abgelegene Lage bedenkt. Mit einer Minigruppe in den Anstieg. Gang 1 für die ersten zwei Kilometer, die zum Teil über 10% steil sind.

a5Am Schild, das auf die Tour von 1910 verweist, verliere ich sie aus den Augen und werde von einem anderen Fahrer in altem Francaise des Jeux trikot überholt, der ihnen nachsetzt. Er macht das  mit 26 Zähnen, seine Waden sind kupferbraun und durchgezeichnet, unter dem Helm flattert weißes Haar . . .

Ein letzter Blick auf das Dorf , dann weiter das Tal hinauf. Hinter den Begrenzungssteinen fällt der Berg steil ab bis an den Bach hinunter, der hin und wieder zu hören ist. Der Gegenhang ist nicht weit, die Bäume  – Laub und Buchs – stehen dicht. An jeder Kurve fragt man sich, wie es weitergeht. Der Schweiß tropft von meiner Kappe. Hier, auf diesen ersten Kilometern im Wald gibt es nochmal die Gelegenheit, Luft zu holen, sich zu schonen -ein letztes mal.

-10km

immer noch im Wald; es ist 15h, ich nehme mir vor, diese letzten 10km in einer Stunde zurückzulegen. Sport muß sein. Gleich geht es um die Ecke, es wird lichter und das Ortsschild vom Bergdorf Arbéost ist nicht mehr weit. Im April strahlte die Sonne wohltuend durch die Bäume, jetzt bin ich froh, verschont zu werden. Unmittelbar vor den ersten Häusern, konnte man rechts oben den Höhenzug des Aubisque erahnen, aber dort sind jetzt Wolken, die ein unsteter Wind hebt und senkt.

-9km

a51In Arbéost macht die  Strecke nochmals eine kleine Abwärtswelle die man aber zügig fahren sollte, denn es geht aus der Senke ganz scharf wieder hinan und die letzten  Häuser und der Kirchturm liegen hinter dem schwitzende Radler.  Von hier an säumen nur einzelne Hütten und zwei drei Höfe den Weg. Erst einmal die 10% verdrücken.

-8km

a61Zurück in die Wälder. Die Straße folgt einer tiefen Kerbe und steigt gnädiger, ich halte den Rhythmus und freue mich über fehlende Rückenschmerzen. . Eine wunderschöne Serpentine gibt einen motivierenden Anblick auf die darunterliegende Straße frei. a62Hinter dem Wald zeichnet sich die Höhenlinie des Aubisque ab, die ab und zu frei wird, aber oberhalb 1600m sind es Wolken. Der Soulor ist auf 1400, also gute Aussichten.

-7km

a6Nach einem Knick links endet der Wald, ein paar kleine Bäume säumen den Straßenrand, und geben dahinter den Blick frei über die gemähten Almwiesen. Ich passiere einen weiteren Kämpen der bedauert, nicht mehr als 32 Zähne zu haben.

-6km

a7Ein Mann schaut zufrieden über die sonnige Wiese, die tief ins Tal hinuntergeht. Der Aubisque ist kurz sichtbar  – phantastisch ; das Dach eines Fiat Panda ragt aus dem Gras. Der Weg wird spürbar steiler – gleich habe ich das Halbrund mit dem satten Heu verlassen. Die Echos der Werbekarawane sind zu hören. Der Cirque du Litor, der Bergkessel zwichen Aubisque und Soulor, bildet einen großen Schallraum; gleich werden die Felsen kommen,

-5km

a71zwei junge Engländer auf  haben mich flugs überholt. Das ist also das tempo der Amateure. Gleiche Übersetzung, doppelte Umdrehung . Der eine mit einer Zenit Kamera auf dem Rücken. Die Engländer entschwinden, andere werden folgen; es wird schroffer (und anstrengender), die Straße schmiegt sich an den steil abfallenden Fels. Gleich muß der Vorsprung kommen, den man so schön vom Aubisque gegenüber beobachten kann. Ich gehe aus dem Sattel und kämpfe mich vor  -nicht beeindrucken lassen, nicht an die Beine denken.

-4km

die Geier liegen hinter mir und führen ihr Ballett der Lüfte weit über dem Abgrund fort. Sie sind hier so häufig, wie bei uns der Mäusebussard. Mein Trikot ist völlig durchnäßt, mal zieht eine Wolkenfassade den Hang hinauf, mal sticht die Sonne durch. es bleibt unentschlossen, aber warm. Ich kämpfe weiter, nur einmal die Frequenz des nächsten Päärchens (Exeter) treten, das mich eben überrollt hat.

-3km

a8Die Autokarawane beginnt und zeichnet deutlich den Weg zum Paß vor. Plötzlich ist wieder Zivilisation, dazwischen rinnt ein Wasser aus  dem Fels. Die Baumgrenze ist längst durchbrochen, von weitem dringt Lärm vor.

-2km

DSCF4848Zwischen den Campern und Touristen auch Verpflegungswagen der Teams. Die Paßhöhe ist frei, der Aubisque gegenüber unsichtbar. Nichts zu bereuen, Wolken fließen davon und gewinnen an Höhe, es wird gelingen und die Fans werden mich nicht aufhalten.

-1km

Die Zielgerade, alles geht leicht auf einmal, vielleicht ist es auch weniger steil? Die Menge hat die Hänge besetzt, der Paß ist kaum wiederzuerkennen. Es ist eine Minute nach Vier und  ich steige ab – gleich berühre ich (ohne Rückenschmerzen, durchgeschwitzt) die tour de France: La grande boucle!

O km

b1Ein Mann trägt ein Schild , auf dem Vogelarten abgebildet sind. Ein Fernglas hängt um den Hals, er schreitet durch die Zuschauer.  Polizisten sichern locker die Straße, es ist ein Familienereignis, ein Ausflug mit Freunden.  Die Fahrer sind noch weit, alle sind entspannt, die Werbekarawane hat viele Kappen und trikots mit roten Punkten hinterlassen. Überall lehnen Rennräder an den Brüstungen und Geländern. Immer wieder kommen Motorräder vorbei.

b3Fahnen werden geschwenkt, fahrende Händler haben Stände mit Devotionalien aufgebaut. Alte trikots, Mützen, Zeitschriften. Im beliebten café herrscht Ruhe, ich kann mich setzen und die Postkarten genießen. Die Familie Poulou ist mit Tanten und neffen vertreten. Seit gestern fahren sie Sonderschichten. Heute Abend ist Schluß, dann ist der verrückteste Tag des Jahres vollbracht und sie können sich auch wieder um ihre Schafe und Kühe kümmern, deren Käse sie hier verkaufen.

b4Die Atmosphäre ist entspannt, es wird viel gelacht, steigt ein Lokalpolitiker aus einem der Begleitwagen wird er johlend begrüßt. Mein SNEL kann ich ganz unbesorgt abstellen und auf die Fahrer der Tour warten. Kuhglocken im Hintergrund.

b2Als ein Gendarm aus dem teamwagen ein Bidon bekommt ruft jemand vom Hang: „Trink nicht daraus, sonst hast du 15 Tage lang eine Erektion!!“ Gallien und die Gallier….

Die Abfahrt brauche ich nicht zu beschreiben – sie ist nicht nur die Kompensation sondern der eigentliche Grund für die ganze Schinderei. Bis zum nächsten mal.

 

 

 

 

 

 

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Trends in Bikepacking (TCRNo6)

Beim Preis habe ich dann kehrt gemacht. Eine Superleichtluftmatratze – immer noch 270g – für 200 Euro. Der Outdoorshop meiner Stadt ist gut sortiert und schöne Kataloge hat er auch. Bikepacking auf diesem level ist nichts für Schnäppchenjäger. Da ziehe ich mir  die Angebotsbibel der Firma Ortlieb vor, um ein Gesamtbild zu bekommen.

a5Aha. Die Firma uns die erste wirklich monsundichte Tasche baute (commuters delight) hat nun Trendpotenziale entdeckt (commuters dream) und das Sortiment in Weite und Tiefe ausgedehnt. Da spielt der gute alte Katalog, den die Warenversender gerade abschaffen  doch alle seine Vorteile aus. er verschafft ein schönes und präzises Bild darüber, was alles am Rad möglich wäre.

(noch ein Nachruf : ein Katalog stellt rechtlich ungefähr so etwas wie einen verbindlichen Verkaufsprospekt dar – auch wenn man sich Änderungen vorbehält. Das ist ein schöner Vorteil – ein online Angebot bleibt dagegen furchtbar virtuell und ist superschnell und superspurlos  gelöscht – von der Preisgestaltung ganz zu schweigen. Aber das wissen wir).

a3.jpgDas ist das Angebot.

Wenn es nun einen definitiven Test für bikepacking gibt, dann ist es das TCR. Das haben auch Ausstatter erkannt. Doppelsieger James Hayden fährt erfolgreich die neuen Produkte von Rapha spazieren, die Rahmentasche wurde sogar nach seinen Anforderungen gestaltet. Noch konsequenter ging René Bonn die Frage an und schuf selbst aus Segeltuch und Faser dem Rad völlig angepasste Gepäckfächer. Das TCR ist nun bei seiner sechsten Ausgabe , ähnliche events gibt es rund um den Globus, das experimentelle Stadium liegt also hinter uns.

Wie fing es an und was kam dann?

Jemand, der unermüdlich diese Nische der Brevets pp beackert ist Jan Heine. Mit seiner Zeitschrift bicycle quarterly und seiner Firma Compass hat er eine Reihe NeoRetro Produkte für Radreisen und Räder aufgelegt, zT neu entwickelt. Schon vor dem TCR.  Vor allem wurde er durch seine unermüdlichen Untersuchungen zu breiteren Reifen bekannt. Tatsächlich sind Rennreifen von einst 23 auf meist 25mm angeschwollen und im gravelbiking durchstößt man hin und wieder die 28mm Marke.

Matthew+Falconer+descends+into+Meteora.+Credit +James+RobertsonDie Fahrzeuge im Bildhintergrund gehören nicht zum TCR Team, vermutlich sind es Teilnehmer  einer 500 Euro-Auto Rallye

Da das TCR ein Rennen ist, wählen Teilnehmer aus ureigenem Interesse, das für sich beste Equipment. Einen Meilenstein setzte wohl vor 5 jahren die Firma apidura mit ihrer Satteltasche, ein Produkt dass wiederum stark von der Viscacha inspiriert war. Randonneurdidier hat letztere ausführlich vorgestellt und erprobt. Da die apidura variante schnell verfügbar war habe ich mich kurz vor Paris-Brest 2015 dafür entschieden und erzähle seitdem nur gutes darüber.

Wer sich die Unzahl an instagram Bildern ansieht, die über das #tcrno6 im Umlauf sind, wird nicht nur erkennen, daß sich diese im Berliner Volksmund „Arschrakete“ genannte Hecktasche durchgesetzt hat, sondern auch ein zweites bikepacking Produkt: die Rahmentasche, die unter dem Oberrohr befestigt wird. Auch hier sind inzwischen ein halbes Dutzend Hersteller mit ganz ähnlichen Produkten auf dem Markt . Zuletzt wurden lenkertaschen in verschiedener Form entwickelt, unter anderem weil durch die Verbreitung der „Auflieger“ eine weitere, praktische Befestigungsmöglichkeit entstand.

Obwohl Ultradistanzrennen dieser Art kaum ein Jahrzehnt alt sind, sind das schon bemerkenswert viele Entwicklungen auf einem Sektor, der allenfalls eine Nische in der Nische des globalen Fahrradmarkts darstellt. Das zeigt, wieviel Signalwirkung von diesem Extremsport ausgeht aber auch, wieviel Innovation darin steckt. Diese Seite vom Sponsor Kinesis erlaubt den Überblick.

a7Den Positionen Jan Heines, die sich ja ganz konservativ an der französischen Randonneurstradition orientieren, wird dabei in vielen Punkten nicht gefolgt. Dabei kannte schon die Randonneurstradition ihre Gewichtsoptimierungen, Geschwindigkeitswettbewerbe und Rekorde über die verschiedenen Brevets und Raids, die Diagonales de France und andere. Den Rekord Calais-Brindisi von 1974 hält bis heute Jean Albert Richard, und zuletzt  war es Kristof Allegaert der 2011 den Rekord des Tour de France Randonneurs einstellte.

Die Schaffung von Ultradistanzrennen ist nur eine logische Fortsetzung dieser Tradition und sie hat neue Lösungen gefunden, um sehr schnell sehr weit zu kommen. Wichtig waren dabei ein bekannter und ein neuer Faktor: Gewicht und Aerodynamik.

a6Bei einem Ultradistanzrennen geht es weniger um das Gewicht des „nackten“ Rades als um das Gesamtgewicht. Die klassischen Packlösungen mit Packtaschen oder Lowridern sind (erst recht wenn wasserdicht beschichtet) eindeutig im Nachteil und ihre auf Volumen designten Formen in Zeiten ultraleichter Radbekleidung nicht mehr zweckmäßig. Der zweite Grund für die neuen Taschenformen ist Aerodynamik, so wenig diese bei einer 3000km Reise erstmal relevant scheint.

a2Wenn man aber bedenkt, daß der Luftwiderstand schon ab einer Geschwindigkeit von 25kmH ausschlaggebend wird und die besten Brevet- oder TCR teilnehmer  dauergeschwindigkeiten jenseits der 30kmH (flach) fahren, dann gewinnt der Faktor entscheidend. Daher auch die Verbreitung von Lenkern mit Aufliegern, die zwei Zwecke erfüllen: sie sparen ca 25% Energie und entlasten auf der Langstrecke das kostbare Hinterteil. In Kombination mit Gepäck wird der gleicher Faktor angestrebt :die Verringerung der Stirnfläche von Rad und Fahrer. Deshalb wandern die Gepäcktschen in eine neue Konfiguration vor, unter und hinter dem Fahrer und nicht mehr an die Seiten.

a4Der ander technische Wandel betrifft laufräder und Bremsen. Ich wage die Prognose, daß der TCR Sieg von Allegaert 2016 auch der letzte auf klassischer Felgenbremse war. Natürlich ist die Scheibenbremse ein aufwendiges Produkt, natürlich erfordert sie spezielle Ersatzteile, doch nach ihren Ursprüngen im MTB Sport – wo sie einfach wegen der Schmutzunempfindlichkeit unumgänglich war –  ist sie definitiv in Langstreckenrennen aber auch auf Brevets angekommen. (zur Differenzierung: brevets sind explizit keine Rennen).

Das liegt weniger an Wirkungsvorteilen des Bremsentyps, es ist wahrscheinlich ein Zusammenspiel  begünstigender Umstände. Der erste Umstand sind die Laufräder . Carbon ist unschlagbar leicht und steif, das wurde nie bestritten, doch Felgenbremsen auf Carbon waren immer ein Problem. Die Scheibenbremse umgeht es. Dadurch, daß die gesamte Mechanik in die Nabenumgebung  wandert, entsteht am Rahmen Platz für Gepäckauflage, Beleuchtung oder auch Schutzbleche. Die Seilführungen der  Bremsen stören nicht mehr und Gabelbohrungen werden anderweitig nutzbar. man erhält also ein leichteres, stabileres Laufrad und muß für gleiche Bremsleistung geringere Handkräfte (Abfahrten mit Gepäck!)  aufwenden, weil Scheibenbremsen hydraulisch arbeiten. Und ganz offenbar sind sowohl Laufräder als auch Scheibenbremsen inzwischen zur vollen Betriebsfähigkeit ausentwickelt. Auf Dauer führt das zu geringerer Ermüdung – auf der Langstrecke vielleicht der wichtigste Punkt.

Eine Scheibenbremse bleibt dennoch ein komplexeres, leider zu oft proprietäres System (was nicht an der Bauweise liegt), dessen Wartung schwieriger ist . Wenn es aber für ein TCR reicht, dann für geringere Distanzen allemal.

a1Nicht durchgesetzt haben sich Reifen jenseits von 32mm oder in andere Felgengrößen als das 700c Laufrad.  Beim Kompromiß von Geschwindigkeit und Komfort sind 28mm Breite wohl die goldene Mitte. Komfort wird an anderen Stellen erzielt: am Lenker und an der Sattelstütze. Mehrfaches Lenkerband und Auflieger wurden erwähnt, was mir noch auffiel, war die mehrfach gezeigte „gespaltene“ carbonsattelstüzte, die von Canyon gefertigt wird. Es wird eher dort als am Reifen  angesetzt – die schnellen Fahrer wissen warum;  Stahl aber findet man immer noch. Zum dritten mal in Folge nutzt Doppelsieger Hayden denselben! Rahmen: Komfort ist der Grund. .

a11Bei aller Liebe, die ich zur alten Technik , vor allem aber zur „alten Ästhetik“ habe und auch weiter pflege – es ist doch faszinierend zu sehen, aus welch unwahrscheinlichen Ecken Fortschritte angetrieben werden. Waren es eingangs der 80er eine handvoll Downhill Freaks, die das MTB „erfanden“, ist es nun die (doch überschaubare) Szene der Brevets, Ultra-Brevet und Ultradistanz-Rennfahrer, die all diese Entwicklungen antreibt: eine Handvoll leute – aber was für Leute!

Morgen werde ich mit meiner kleinen Hecktasche wieder auf ein bewährtes Stahlrad steigen und fünf Stauseen abfahren.

BRM 300 ab Gießen

 

 

 

 

 

 

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Hexenturm 2 (chance 3000)

ca3Das Gemüse wartet in den Gärten auf Wasser.

Heißer als im Juli – Katzenelnbogen. Das Lieblingscafé (Commödche! ) ist noch geschlossen. An der Raiffeisen-Tankstelle Zwischenbilanz ziehen.  Die (plusminus) 120km waren auch ein Gewinn, weil sie den kleinen Rad-Kosmos rundum nochmal erweitern – nach vier Jahren wächst das Kleeblatt von Westerwald Lahn und Taunus.

ca5Kohlehydrate: das waren  Doppelsnickers, 1 Banane und kleiner Nußriegel unterwegs als Nachschub. An die zwei Liter getrunken, keinen Durst aufkommen lassen. Der Körper ist schmerzfrei, der Rücken nicht zu spüren und über 140 wird der Puls nicht gegangen sein. Alles ist also gut: das ist der Moment, an dem sich die Sorgen um den Marathon hoch in die blaue Luft auflösen.  Man fängt immer von vorn an auf dem Rad.

ca4Die Sonne ist am Scheitelpunkt, Luft dringt ebenso warm in den Körper, wie sie ihn wieder verläßt. Die Wiesen und Weiden sirren rundum, gelbe Felder überall. ockergelb, Goldgelb, Strohgelb, Siena-Gelb – (im Wiesbadener Naturkundemuseum eine Tafel, der natürlich gewonnennen gelben Pigmente). An eure Pinsel, Maler.

Die Route nach Osten überquert die Höhenzüge rund um die Aar, Dort warten Sauerbrunnen zum schnellen nachtanken.

b5Der romantische Teil ist vorbei, daß Ich ist ausgeflogen hat sich bereichert und geerntet. Jetzt kommen bekannte Strecken und nach der Improvisation die Berechnung, das Haushalten mit der Kraft  – im Finale steigt es wieder hart an.

a8Die Eisläden sind voll, eine Aral bringt notwendigen Nachschub an Zucker und Flüssigkeit: mein Lob dem karamalz, völlig unterschätzter „softdrink“. Das italienische Rad zieht mit dem Sternsingersegen weiter.

ca6Ich streife die letzte Kontrolle und winke, eine Dame mit Strohhut winkt zurück und lächelt  – allen ist heiß jetzt.

ca7

Kurze Gesellschaft: ein Mitfahrer vom 400er brevet hat mich erkannt und wir lassen die Vergangenheit Revue passieren. Heute erprobt er ein 34×25  und zieht davon. Münster (Hessen); – die letzten Steigungen kommen. Jetzt sind die Beine schwer, die ersten Meter schmerzen – und dann geht es doch.  Vor der Auffahrt zur Tenne sehe ich große Weizenbiergläser auf einem Wirtshaustisch. Überwindung.

ca8Eine letzte giftige Kehre über Dombach, aber der Wald wartet schon und spendet noch einmal Schatten. Ein weinroter VW mobilisiert die Handvoll PS, die ihm bleiben und bullert vorbei.

ca9Dann in den goldenen Grund: wo es fruchtbar ist, gibt es weite Felder, die AfD hat keine Chance hienieden. ; und Sonne, vor allem Sonne: ich begieße mein Haupt und folge den Schattenpunkten der Alleebäume.

ca90

Von fern grüßt der Feldberg, einen perfekten Sommertag im August hat er gesehen, wahrscheinlich auch mengenweise Radfahrer, Motorradfahrer, Cabriofahrer, SUVFahrer, Youngtimerfahrer, Oldtimerfahrer und ein paar versprengte Wanderer vom Taunusverein.

DSCF5282Wie oft gibt es am Ende eine kleine Überraschung: frische, warme Tomaten direkt vom Bauern, von der Hand in den Mund. Nach einem harten Ritt ein unbeschreibliches kulinarisches  Erlebnis, 10 auf der inoffiziellen Siebeck-Skala. In dieser Sekunde tauchte der Mitfahrer wieder auf – gps error – und mustert das heroische Rad vom Willi. Ein sehr gutes Rad darf ich da bewegen.

Danke

 

 

 

 

 

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Aktuell Extrablatt! TCR No6!

Aus aktuellem Anlaß: 7. August 2018, 19h.

cp_02_insta+45In diesen Minuten ist James Hayden, Cap No1, nur noch weniger als 40km vom Kloster Meteora entfernt. er wird also diese Ausgabe des Transcontinantal Race in unter 7 tagen bewältigen und damit seinen Sieg wiederholen.

Das sollten dann 3390km gewesen sein. In Meteora hat er sich ein gutes Abendessen verdient.

In etwa 300km Entfernung folgt (wie im letzten Jahr !) Björn Lenhard, den Pannenpech und Streckenwahl zurückgeworfen hatten. Gerade die Gravelstrecke zur Anhöhe von Control Point 4 (Bild: camille macmillan) scheint sehr scharfsteinig zu sein. Die folgenden Fahrer sind recht gestaffelt dahinter. Wenn der Ehrgeiz nicht mit ihnen durchgeht, sollten sie nach einer Mütze Schlaf morgen früh eintreffen

Was mir an dieser Ausgabe auffiel, waren die offenbar sehr unterschiedlichen Routen, die die Teilnehmer nach den Alpen Richtung Karpaten zurückgelegt haben. Und die vielen Überraschungen, die ein vermeintlich vorhandener Track bereithält.

Ich bin mit immer sicherer, ein solches Abenteuer nicht einzugehen. Meine Bewunderung allen (wirklich allen), die es tun.

 

 

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Chance 3000 ( Hexenturm Marathon 1)

a1Licht im August

Unter dem Bremszug blickt der Feldberg hindurch. Es ist gerade hell geworden, den Himmel hinter dem Höhenzug durchzieht der erste  Kondensstreifen. Am ersten Sonntag im August, morgens gegen 6, ist die Luft  mild und es weht ein hübscher kleiner Nordwest. Nach den windstillen und heißen Tagen der letzten Wochen könnte es nicht besser sein.

be01

Ich sitze auf dem Benotto das ich hier einmal Willi nenne –  so heißt der Schulfreund, dem ich es verdanke; wenn Du also mitliest  . . .

Das Benotto 3000CS war das Paradepferd der Marke. Wirklich berühmt wurde es dank Francesco Moser, der damit 1975 ins gelbe Trikot fuhr, 1977 die WM gewann und 1978 den ersten seiner drei paris Roubaix Siege feierte. Soviel zum Pedigree und ich gebe mir alle Mühe keine jämmerliche Figur zu machen, denn die Form ist ein Fragezeichen heute. Der Schmerz der Rückenverletzung ist fast völlig abgeklungen, was es genau war, weiß ich nicht, es hat nur viele Kilometer gekostet.

a2

Der Marathon rund um die alte nassauische Residenzstadt feiert heute eine Premiere: er wird nicht mehr vollständig ausgeschildert, nur auf der „kleinen“ Strecke von 111km begleiten uns die traditionellen Pfeile der RTF. Für die übrigen Kilometer muß es ein GPStrack als download tun. Times – they are a changin‘ ! Nicht daß  am Ende die gute alte RTF dank Apps und StravaGruppen obsolet wird .

Ein Sehnsuchtsraum

Unverändert ist  die Strecke rund um den Taunus.  Das erste Drittel führt in die Mainebene hinunter und bei Niedernhausen wieder hinaus. Dann das zweite Drittel über Taunusstein durch den westlichen Rheintaunus, durch waldige Täler um Nastätten und Katzenelnbogen. Der dritte Teil beginnt nach dem Aartal, ostwärts in die Ausläufer des Maintunus – unter dem Feldberg…

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Bis auf den Mais sind die Äcker schon abgeerntet, meine Fahrt wird vom leuchtenden Gold der Stoppeln eingerahmt. 5ter August 2018: passend zum Ende der Schulferien  hat der Reigen der einkehrenden Passagierflugzeuge begonnen und verdichtet das Klima.  Mein Weg biegt nach Norden in die Wälder und Höhen.

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Um 8 Uhr lasse ich die Dramen der Welt hinter mir und beginne den Anstieg . Freshness and Delight – die Anstrengung kostet noch keine Mühe, die Beine drehen rund.

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Da ich Kontrollen überfahre, kreuze ich immer wieder die gleiche Gruppe, schließe mich an, um dann dem Sprint um die nächste Höhenwertung aus sicherem Abstand zu folgen. Dein Weg ist noch weit.  Meine große Flasche ist gut gefüllt  mit der Essenz der langen Kraft: Teebeutel, Salz und ein guter Schuß Traubensaft ins Wasser. Die Anstiege sind gleichmäßig, das schont den Rücken, der Tritt kommt von oben.

DSCF5208

Der Taunus war ein großer Sehnsuchtsraum, die Grimm Gebrüder gingen in den  abgeschiedenen Tälern auf Märchenjagd, ließen sich Varianten der Geschichten erzählen, die von Teufeln und Königen handelten. In der automobilen Welt (1939) taufte Ford einen Wagen nach dem Landstrich und verwendet die Modellbezeichnung über 40 Jahre. Dann verlangte der Weltmarkt nach globalen Namen und landet am Ende bei reinen Kunstbegriffen: Aygo, Vectra, Almera . . . um nur einige Orte zu nennen, die unerreichbar bleiben. Der Begriff Taunus aber bleibt von seiner automobilen Vergangenheit überschattet, das Produkt hat die Wirklichkeit überholt. Zu schade.

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Nach der Durchfahrt des Dorfes namens Strinz-Margarethä teilt sich die Strecke kurz vor Kettenbach.  Die rasende Vereinsgruppe folgt dem Pfeil, während es für mich nun links ab  ins Aartal geht. Ich hatte mich schon gewundert, daß eine geschlossene Grupppe einen Marathon unter Volldampf angeht – die gefürchtete Hitze trieb sie wohl so früh aus den Federn. Jetzt bin ich allein, so gut wie.

aar1Mit dem Aufstieg aus dem Aartal beginnen die ernsten Aufgaben. Dieser steilere Anstieg führt nach Reckenroth, ich kenne ihn. Reckenroth reprise: alles im Schatten, von der guten Luft gibt es genug , die Doppelpfeile der Landkarte  (10%) lassen sich mit 42×28 gut verdauen. Als ich den Höhenzug erreiche, höre ich im Aartal die Motorräder donnern – hierhin folgt ihr mir nicht.

akJetzt bleibt nur noch eine Pappkarte und meine Nase als Wegweiser, sehr leicht, und als Karton Schwitzwasserfest; hier also: halbrechts aus Laufenselden hinaus. Drei Wege führen hinaus, irgendwo geht die romantische Route durch die Wiesen – gefunden!

b11Unter den Reifen knistern die kerne der wilden Kirschen, die den Weg dunkelviolett einfärben und an den Laufflächen kleben bleiben. Dort ist schon der Wald, über ihm die majestätischen Windräder. Die Luft bleibt leicht.

Eroica ohne Namen

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Und dann wird es eine Piste; erst feiner, fester Schotter, dann eine Nummer gröber: eine Kreuzung, ich trete weiter, denn schon sind die Reifen zu schmal für größere Manöver. Gravlride à la mode oder ein kleiner Scherz des GPSTrackers? Heute bin ich klüger.

be2Ein  Stück Rotorblatt als Denkmal  – sie nennen es Kunst am Bau- beendet diese Passage. Der Wald rundum steht hoch und ich denke an ein Deutsches Radfest . Hier findet sich alles, was das Herz begehrt – dünne Besiedlung, ursprüngliche Dörfer und gerade hier Unmengen an schönstem Wald, durchkreuzt von festen, geraden Wegen. Daneben neueste Technik – so sind wir.

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Und so sieht der Traum aus, leicht könnte man Italiener, Franzosen, Engländer! in den kühlen Taunus locken und ihnen frischen Rheinwein einschenken, nur einen Namen bräuchte die  Germania für Radsportler noch…….

b2Dann ist der rechte Weg nach Nastätten gefunden, bald geht es aus dem Wald hinaus, bald wieder hinein, erste Radfahrer kreuzen, dann ein Schock alter Traktoren, Pferde grasen geduldig nebenan. b3

b4Die Grüntöne wechseln, hell zu dunkel, Buche zu Tanne –  unten leuchtet eine Mühle im Tal doch warte: es steht ein Bus davor. Hier entdecke ich ein schönes Revier, das erst am Rhein endet. Unser Weg aber führt wieder ins Innere zurück, wieder über verwunschene Pfade, an die grenzen des Römerreiches.  Gravel encore!

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Höllermühle, Oberfischbach, Mittelfischbach, Katzenelnbogen. Wie ich bald feststelle, liegen nicht alle diese Orte auf der eigentlichen Strecke, und wie ich jetzt weiß, hätte ich sie gegen den Uhrzeigersinn fahren sollen…. sie wird davon nicht kürzer – vielleicht sogar aufregender, denn der Weg, dem ich eine zeitlang folge, einen weiteren Gravel-Abschnitt bietet der absolut rennradtauglich ist.

quasi una fantasia

be04schriebe man über das Notenblatt dieser Strecke. Zwar ist der Kies auf dem Weg nach katzenelnbogen stellenweise verwaschen, es fährt sich aber gut und nur ein ganz feiner Staub legt sich auf die columbus Chromgabel. Katzenelnbogen, Ziel meiner Rast…..

 

Fortsetzung folgt.

 

 

 

 

 

 

 

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Hitzeflimmern 200

Keine 50km Luftlinie von dieser IP Adresse steht der alte Hexenturm. Er fehlt noch in meiner Liste heimatlicher marathon-Exkursionen. und das Willi-Benotto hat seine 200km Taufe noch nicht erhalten. Da kann es noch so warm sein – es gibt eigentlich keine Ausrede.

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Nur eine Frage ist offen: die physische.

Vor über drei Wochen muß es in meinem Leben eine falsche Bewegung gegeben haben. Eine Art Dolchstoß halbrechts war die Folge und ich stieg vom Rad. Hexenschuß nennt es der Volksmund und der schränkte Distanzen auf zwei Rädern sehr stark ein.  Mein erster Test war der col du Soulor, es ging, es war sogar phantstisch, aber das kann auch schon Verklärung sein – alles schon wieder Wochen vorüber. . .

Bericht folgt.

Wirklich Bescheid sagt einem der Körper erst nach 200km,  nicht nur wegen der Zipperlein, sonder auch über den Weg, den die Form in 3 eingeschränkten Wochen zurücklegt. Den Weg nach unten.

Bericht folgt.

 

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