Die neue Nummer ab dem 24ten

a carnet et numéro

Ab dem 24ten gilt es wieder. Ich reise mit der unteren Nummer. Die Montur sollte gleich bleiben, vielleicht ein paar Gramm weniger. Die Strecke ist bekannt – der Rest noch  nicht.

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Sommer : dem Himmel Farbe geben

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Erinnerung an den Sommer 2017 (Fortsetzung folgt)

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Bitte nicht falsch einsortieren

Neues Leder ist phantastisch.

IMG_1575nach Paris Brest und anderen Rundfahrten war es Zeit. Die neuen, eigentlich etwas älteren Handschuhe sind da.  Für mich gibt es nichts besseres als Leder mit gehäkelter Baumwolle.  – ich schwitze einfach anders darin. Die Farbe der Streifen war so wie abgebildet, gut daß eb’#y als marktplatz für gebrauchte Alltagswaren so gut funktioniert.

 

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Zahlen, damit einem der Stecker gezogen wird

Eremitage, Sommerfrische, Buen Retiro. Wenn es zu heiß wird ziehen sie sich zurück, entkommen der Umweltzone Frankfurt, den Asphaltblasen von Los Angeles, dem Euro5 Kessel von Stuttgart.  Nur wenige Höhenmeter machen enormes aus. Die Hitze des Sommers wird verstärkt durch den Treibhauseffekt der Abgase, Urlaubsflieger, Klimaanlagen und endlosen Asphaltflächen. „Seit Jahrzehnten bin ich auf der Flucht. Allmählich habe ich den Motor als meinen Hauptfeind erkannt . . . “ schrieb 1978 ein Konservativer mit anarchischen Zügen.

Als Radfahrer würde ich das nicht bedingungslos unterschreiben, eine Koexistenz ist möglich, vielleicht nicht immer erwünscht.

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Hier oben (400m) habe ich die Frischluft erreicht. Ailertchen ist ein kleiner Flughafen für Hobbypiloten und Segelflieger, aber vor allem Fallschirmspringer. Ganz regelmäßig sehe ich dieses einmotorige Maschine über unserem Garten kreisen. Sie ist leiser als die Rasenmäher der Nachbarschaft.

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Hier machen sich Springer bereit für ihren nächsten Flug. Gleich werden sie einsteigen und für kurze Zeit in die Lüfte entkommen.

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Wie riesige Blumen senken sich die bunten Schirme über der Sommerwiese. Mein Roadracer trägt mich gleichmäßig und locker an Sportplätzen und kleinen Dörfern vorbei. Ich genieße die frische Luft und den Schatten der Waldpassagen.

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Immer wieder folge ich bekannte Straßen, die sich am Hang entlangziehen und den Blick auf  Täler, Wiesen und Felder freigeben. Die Hallen der Landwirtschaft haben riesige Dächer, es sind Fußballfelder voller Solarkollektoren. Kurz folge ich der alten Nistertalbahn mit ihren rostigen Schienen. Vorbei an Basaltsteinbrüchen, aus denen Quellwasser rinnt.

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Es ist warm, aber die Luft bleibt leicht an diesem Julimittag. Hohe Wolken ziehen in bizarrer Form über den Himmel und lösen sich auf. Ab und zu ein kleines Flugzeug, wenige Autos, wenige Räder.

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Ein Signal grüßt die fernen Kondensstreifen. nach einer letzten Waldpartie erreiche ich Hachenburg von Süden. An einem renovierten Lokal entdecke ich ein riesiges buntes Tuch, das vor der Sonne schützt. a tuch

Die indischen Muster erinnern gleichzeitig an das Fenster einer gotischen Kathedrale. „Der Chef hat es in Mallorca gekauft.“…ein Stück Malle in Hachenburg.

Mein Weg führt ganz üblich zur BellOil Tanbkstelle am Ende des Ortes. Ich entdecke am Eingang bestplaziert Zeitschriften.

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Beide Magazine beginnen mit W und sprechen den Naturmenschen gleichermaßen an . Auch wenn im Walden Familien-SUV inseriert, spielt der Motor in der Welt der schönen Landschaften keine große Rolle (das Fahrrad aber auch nicht) . Es geht um Freizeit und das wahre Leben.  Berge und Wiesen sind das Szenario, Thoreau der Pate.

Walden – or Life in the Woods (1854),  sein Bericht über das einsame Waldleben in der selbstgezimmerten Hütte: das legt die Latte für ein Magazin natürlich hoch. Gut, vielleicht sind wir alle ein bisschen Walden möchte uns der Geo Verlag sagen und vielleicht sind wir alle ein wenig Landwirt, wenn sich unsere Träume  von „Werden “ erfüllen . Ich sehe die ersten Mähdrescher .

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Seit der Industrialisierung Europas entstehen Träume von der Flucht aufs Land; Reformbewegungen und Selbstversorger starten vor über 100 Jahren ihre Unternehmungen,  gründen Kolonien wie Eden vor den Toren Berlins. Der Historiker Hobsbawm berichtet aus den 60ern von Londoner Freundeskreisen, die sich verfallender Höfe in Wales annehmen. Mit jeder Generation kommen Gedanken zum „alternativen Leben“ wieder an die Oberfläche.

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Die einzige wirkliche Alternative zum motorisierten Leben lehnt gerade an einer haltbaren Leitplanke über dem Nistertal. ich lasse rollen, denn mein Ziel auf dieser Tour ist das Training von Nachhaltigkeit. Mit ein bis zwei Aufback-Croissants und 2,5l Wasser möchte ich heute die 120 km schaffen. Das ist hilfreich, wenn man den Körper auf das einstellen will, was die Pyrenäen an Infrastruktur bieten. Dort wäre für die Leser von Walden noch einiges zu kompensieren, was die Landflucht an Lücken hinterließ.

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Ich will nicht polemisieren – nur bewege ich mich gerade durch  Landstriche, die durch rein technische Errungenschaften jahrhundertelanger Armut entkamen. Die Eine ist der    (durch Steinbrüche und Tongruben rentabilisierte) Bau von Kleinbahnen, die Andere die Mechanisiserung der Landwirtschaft.  Wer diese Rundballen sieht, braucht sich nicht mehr an das mühselige und personalintensive Heumachen erinnern, mit dem das Vieh durch den Winter kam.  „Lehrer, Priester und Basalt, dies alles hat der Westerwald“ ist in diesem Zusammenhang ein hiesiger Sinnspruch. Er besagt auch, daß für zwei Söhne auf dem Hof kein Platz war.

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Klatschmohn und Kornblumen, mein roadracer rollt weiter nach Westen, bis ins Holzbachtal hinunter.  Nach der Höhenluft ist es hier warm und fast stickig, der Verkehr nimmt zu. Die A3 ist nicht weit und die Talstraße führt nach Koblenz. Eilige Ausflügler und Motorradkolonnen die mich überholen , nichts wildes aber störend und in einigen Minuten werde ich diese Straße verlassen –  hinauf  zu den Segelfliegern, die über meinem Kopf kreisen.

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Ein Warndreieck bremst meine Fahrt. Schweigen liegt über der langgezogenen Kurve – ich erkenne die Motorradkolonne wieder , dahinter ein gelber Hubschrauber, ein Krankenwagen, der Stiefel eines Motorradfahrers.

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Wo ich herkam waren Kornblumen,  Dolden und das reife Korn. Weiter weiter weiter.

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Hier: Segler warten auf ihre Zugmaschine, um die  Welt wieder aus ihrer Zeitkapsel unter Plexiglas sehen zu können – Walden Momente .  Während ich mich durch die Felder von Dorf zu Dorf vorarbeite, denke ich zurück an Thoreau. Seine Bewegung erklärt sich als Reaktion auf Urbanität und menschliche Verdichtung . Genau aus derselben Richtung stammen die genannten Magazine. Aber ihr Experiment, ihre Blockhütte, hat immer den Charakter des „als ob“, sonst wären die Artikel auch praxisbezogener.

b truktur2 Ich denke da an autarke Stromversorgung,  Finanzierungsmodelle und konkrete Lösung der Alltagsprobleme strukturschwacher Gebiete. Es sind urpolitische Probleme und keine Lifestyleverhandlungen;  Zur Problemlösung kann das hier  kleingedruckte herangezogen werden, das Wikipedia uns zur Verfügung stellt.

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Medien werden nach Katz und Foulkes (1962) zur Alltagsflucht selektiert. Nach diesem „Escape-Konzept“ von Katz und Foulke werden so durch alltäglich erlebte gesellschaftliche Rollenausübungen erzeugte Spannungen abgebaut. Motive sind demnach das Vergessen und Entfliehen vor eigenen Problemen sowie passive Entspannung und das Erzeugen von Emotionen und Ablenken von Regeln und Normen der Realität.[6]
Ergebnisse des medialen Eskapismus sind eine Identifikation mit vorgeführten Lebensweisen, Projektion eigenen Versagens auf fremde Handlungsträger und Kompensation für offene oder unerfüllte Wünsche.
Die Ursache nach Katz und Foulkes für die Spannungen, die Menschen in modernen Gesellschaften durch die Ausübung ihrer Rollen im Alltag aufbauen, sind Deprivation, Einsamkeit und Entfremdung. Mit dem Wunsch, diese Spannungen abzubauen, verwenden die Menschen Medienangebote, die als Kompensation dienen.[7]

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Hartenfels kommt in Sicht und ich grüße alte Bekannte.

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Gebt mir Eure Milch! Es geht -schon wieder  hinauf : jetzt beginnt der Trainingseffekt.

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Dann ist  die „haute route “ des Ländchens erreicht, die B8, welche Frankfurt und Köln verbindet. Das zweite Croissant und ein wenig Koffein müssen langsam her. Es gibt da eine kleine Tankstelle an der Kreuzung und sie ist gut besucht. Ein Stützpunkt zwischen Freilingen und Altenkirchen……

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Meine Meditationen über die Weltflucht enden hier. Mit dem alten Vorbild Jeremias im Hinterkopf kehre ich schnell in mein Tal zurück, wo die Schwalben fliegen.  Es gibt Leute, die heute dafür zahlen, daß ihnen der Stecker gezogen wird

 

„honey, disconnect the phone . . “  Lennon, Back in the USSR.

 

 

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Endlich Ferien

Schüler atmen auf, Wecker werden entsorgt. 6 Wochen ohne zu schnell verschlungene Frühstücksbrote liegen vor den Kindern  – und ihren Eltern. Danach wird eine neue Seite aufgeschlagen im Buch des Lebens, der Kindheit, der verlassenen Kindheit.  Aber das verraten wir  ihnen noch nicht, sondern lassen sie schlafen.

Mit der  Ältesten verreisen: ab zur Gastfamilie, denn mit fünfzehn ist man fast schon selbständig – und ich bin der ergebene Chauffeur, der sich gerne erinnert an die allerersten Monate.

Diesen Bildband entdecke ich auf einem Altbüchermarkt, den es, trotz internet und allen bequemlichkeiten unserer Zeit, immer noch gibt, im 15ten Arrondissement, Place Georges Brassens.

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Es ist das erste publizierte Werk des „zugewanderten“ Ungarn Andrè Kertesz, 1933 in Paris veröffentlicht, im achten Jahr seines ersten Exils. Das zweite (Exil)beginnt 1936 mit der Auswanderung in die Vereinigten Staaten, als Jude hatte man keine Wahl.

Paris gab ihm alles und er gab Paris alles zurück: seinen Nachlass stiftete der alte Kertesz vom Washington Square, NYC, dem französischen Staat. Für das Vermächtnis der Photographie ein Glücksfall.

Für mich ein Glücksfall dieses schmale und einfache Buch zu entdecken, es bestätigt mir die Stellung, die Kertesz in seiner Zunft einnimmt. Der weitaus berühmtere Cartier-Bresson sagte doch  „wir alle schulden ihm etwas.“

Als photographischer Autodidakt schulde ich ihm ebenfalls viel. Ende 1990 entleihe ich der Stadtbibliothek Köln einen üppigen Bildband, den ich mehrfach verlängere. Drei Monate müßte dieses Buch bei mir gelegen haben; bei manchen Bildern sah ich immer wieder hin, um den Schlüssel zu finden. Alles sah einfach aus und dann gab es eine zweite Ebene, die so in den Magazinen und Bildwelten der Werbung gar nicht vorkam.

Dabei nannten die Amerikaner es „candid photography“, also ungestellt, ungekünstelt, beinahe naiv. Im Vergleich zu einem Studiophotographen von damals und später, der fast pompösen Aufmachung mit der professionelle Photographen ihre  .(… sie nannten es Produktionen) ….. Bilder entstehen ließen, war diese Spielart der Photographie vor 1930 auf der Ebene des Knipsers. Aus den Knipsern wurden Reporter, die im spanischen Bürgerkrieg dann schlagartig zu Ehren kamen, und aus Reportage wurde Propaganda – häufig jedenfalls. Also alles andere als „candid“ im Sinne von unschuldig.

Würde Kertesz, Flüchtling des zerfallenden Habsburgerreiches,  von der Migrationsmetropole Paris  verunsichert sein? Für mich nicht vorstellbar. Gerade sein Blick auf die Welt ist ja frei vom Vorurteil, das immer hineinspielt . Die Bohème und die Clochards von 1926 sind verschwunden, ein ganzes Spektrum neuer Kulturen wird an den Stadtgrenzen sichtbar und lebendig . . .

Vom Frexit träumen auf diesen Plakaten ausgerechnet jene, die einst eine Internationale des Proletariats beschworen und die Verbrüderung der Völker. Jetzt wollen sie die Ketten des vereinten Europas sprengen . . . . was ging nur daneben?

Meine Kinderaugen bedauern die geborstene Fensterscheibe und sehen das typische Brot. ich decke mich ein für die Rückreise. Croissants die endlich fett nach Butter schmecken . . .

Morgen wird mein Kind mich anrufen und das knorrige Graubrot vermissen. Wie der Franzose sagt: there is no thing as a free lunch!, ma chère….

 

 

 

 

 

 

 

 

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Von Windpark zu Windpark

Die EDF hat gerade ein Brexit Problem. Die staatlichen französischen Elektrizitätswerke, verantwortlich für die vielen vielen Atommeiler im Nachbarland,  sind mit dem neuen Kraftwerk in UK über den Kostenrahmen (1mrd)  hinweg und völlig aus dem Zeitplan: mit vorerst einem Jahr Verspätung werden sie den Briten frischen Strom liefern – zum dreifachen Preis .

a windparkEs gab zwar mahnende Stimmen, ein Finanzvorstand warf hin, aber das alles wischte  der strategische Befürworter in seinem Ministerium beiseite . Sein Name: Emmanuel Macron.

Wir hingegen (D) sind seit Fukushima ein Land der alternativen Energien, nicht wahr? Wir haben Rotoren und lassen sie kreisen.

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Hier oben, im baumlosen Maifeld zwischen Mosel und Eifel weht der Wind kräftig genug für die neue Energie. Die Gerste ist erntereif und wiegt die Köpfe. Der Radfahrer, der an diesem 25. Juni duch die Gegend streift, neigt ihn tief über seinen Lenker.

a tworkEs ist der Tag des Koblenzer Marathons (232 km) und es ist meine vierte Teilnahme. Was in den vorigen jahren die Hitze war,  ist diesmal der Wind. Nördlich und südlich der Mosel, auf den Weizenplateaus von Hunsrück und Eifel läßt er die Rotoren kreisen und immer wenn die Strecke aus einem Tal hinausführt, zeigt er uns Sterblichen seine Macht.

a windpark nord Windräder stehen in ländlichen Gemeinden unter Verdacht. Sie werden als Zerstörer der Landschaft gesehen. Die Tiere flöhen, man schreibt Petitionen aus gegen die Horizontverschmutzung. Andererseits ist es bislang weder gelungen, den Strom über unterirdische Leitungen durchs Land zu führen, noch haben selbe Bürger die Axt an die unzähligen lieblos metallenen Masten und ihre singenden Drähte gelegt.

Heho spann den Wagen an –  sieh der Wind treibt Wolken  übers Land  – hol die goldnen Garben, hol die goldnen Garben!

Denken Bewohner luftiger Höhen, Bewohner von Kraftwerkstälern in Belgien oder Deutschland seien allein mit ihrem Schicksal ? . . . .  ich vernehme das regelmäßige Schwingen des Rotorblatts wie ein gigantisches Luftpflügen, ein eher harmonisches Geräusch und die gewaltigen Blätter der Luftschraube sind raffiniertestes Design.

Man sagt auch : es rechne sich nimmer. Wem nutzt es dann ? Ich zwergenhafter Radfahrer daneben wäre nicht unglücklich, mich daheim mit einem dieser Geräte verbunden zu wissen. Zumindest bei den Letzten dort oben.

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Not anybodys cup of tea, sicher – also zurück zum Sport… Früh geht es los. Koblenz ist schnell erreichbar und der Startort Pollenfeld-Schule  ideal gewählt. Als Nummer 121 nehme ich meinem Eddy die längste Variante des Veranstalters RTF Koblenz.

a meldeungeddyNoch einige Kilometer durch die Felder,  bevor der Höhenmeterzähler einsetzt; dann im Schuß hinunter zur Mosel. Die Freizeitkapitäne schlafen noch, über den weißen Schatten der Wohnmobile liegt Stille. Es ist noch nicht sieben Uhr,  aber die Westbrise ist schon da.

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Die Koblenzer Strecke läßt sich leicht in zwei Abschnitte teilen. Über hundert Kilometer im Süden der Mosel, der Rest nördlich davon. Die Hänge auf der Hunsrückseite sind üppig grün, da dort kaum Reben angebaut werden.  Auf den Plateaus stehen die Windparks.

Das morgenfrische Grün duftet wunderbar und die ersten tiefen Atemzüge verdoppeln den Genuß . Die Anstiege sind mal steiler mal mäßig, so vier bis 5 km lang gerade recht für den Anfang.

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Buchholz km 33 Die erste Kontrolle  wird gerade erst von der aufgehenden Sonne gestreift, aber mein Teamkapitän Falko von der Flèche Allemagne steht mit seiner Frau schon lange bereit;  dann geht es auf eine Stippvisite hinunter zum Rhein, knapp vorbei an  Boppard. Wieder im Wald  fast 6km bergan, eine schöne schmale Straße  zurück in den Hunsrück und den Wind.

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Einige Mitfahrer habe ich an der ersten Kontrolle ziehen lassen, im nächsten Anstieg schließe ich mich einem weiteren an und prüfe den Rhythmus. Nicht leicht heute und ein ziehendes Gefühl hinten im rechten Oberschenkel kommt auf. Ich sollte vorsichtiger sein, sonst drohen später unangenehme Stunden im Maifeld. Dehnung.

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Die kleine rote Bahn zieht durchs Tal und ich muß weiter. Auf den nächsten Berg folgt Macken km 72, die erste Kontrolle im Hunsrück. An den Rotoren vorbei geht es auf-und ab, der Wind von seitlich vorn ist  kein Freund.

In so einem Fall ist eine kleine Gruppe  das Beste, aber die Letzten Mitfahrer sind zwei oder drei Minuten entfernt: ab und zu sehe ich ihre gebeugten Umrisse  an einer gegenüberliegenden Kuppe.  Ah! Ein neuer Fahrer in schwarz/schwarz. b sturmvogel ahrweiler

Mit einem gewissen Tempo schießt er vorbei – soll ich mich ranhängen? Ich probiers fürs erste. Sein Tritt ist schnell und rund. 1 Versuch ist es wert. Und ein Anstieg geht immer. Keine Anstalten,  den ungebetenen Gast abzuschütteln, auch im Anstieg  sehr gleichmäßiger Tritt – gut. Wir reden nicht, er sieht sich nicht um, fährt seinen Rhythmus weiter über die Dörfer. Sturmvogel steht auf dem Trikot, nicht ganz zu Unrecht heute.

Der zweite Anstieg geht auch noch, aber mehr muß nicht. Keine Einladung zur Zusammenarbeit . Jeder hat halt seine eigenen Sorgen.  Ich weiß jetzt, daß der Mann mit mir im Schlepp immer etwas schneller fahren wird als ohne. Beschließe also, nicht dranzubleiben;  dem Vordermann nicht das Gefühl geben, der Radlutscher zu sein.

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Beobachte, wie er in den Abfahrten ordentlich Tempo macht: da steckt also die Kunst.. . dann in einem Bogen an einer imposanten Ruine vorbei und ich peile meinen Abstand mit den weißen Baken vom Straßenrand ein .  Ich synchronisiere den Tritt und der Abstand bleibt unverändert  – ohne das Gefühl, gleich zu explodieren. Die lange Rampe beginnt gleich nach der Burgruine , ein zähes, aber gleichmäßiges Stück bis ans Dorf und dann am Ende nochmals auf die Anhöhe. Der Rhythmus des Vordermanns hilft.

DSCF3966Wie durch eine Schnur verbunden fahren wir die nächsten 20km auf gleicher Distanz –  weiter bis zur nächsten Kontrolle, Sosberg km 114,  am Dorfbrunnen. Dort ein letzter Blick auf die bekannten Rückennummern der ersten Hügel.

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Sonntagsgruß an ein kleines Mädchen mit Fingerspinner. Sie läßt ihn kreisen. Mein Spinning ließ zu wünschen bisher jedoch: der Muskel macht nicht mehr zu, der Tritt ist stabilisiert, gleich geht es nochmal in eine tiefe Talkerbe und über die letzten Felder weiter hinab Richtung Treis Kaden  – zurück an die Mosel

b publicviewUnd dieser stattliche Gasthof sucht einen Nachfolger. Eine saubere, schöne Gaststätte – schade. Jetzt gegen den Wind die letzten Wellen im Hunsrück,  letzte Dörfer und eigenwillige Kirchen  -diese (pseudo)romanische Basilika hier –

a schindelkirche aus demselben Stein errichtet wie die angrenzende Scheune Ein brauner, flacher Tuffstein, geschichtet . Hinunter durch ein langes grünes Tal .

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Dort genehmige ich mir den Espresso , der so lange gefehlt hat. Er soll mir einen kleinen Flügel am Müdener Berg  km 142 verleihen. Der wartet nämlich nach der nächsten Kontrolle und ist der  Abschied von der Mosel auf dieser Tour.

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Schon ist es soweit.

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– und ich bin froh, diesen Blick (halbwegs) genießen zu können. Mit 26 Zähnen geht es immer höher . Die Serpentinen ziehen sich durch den Weinhang und oben wird der Wind warten.

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Ein alter Traktor grüßt zum Abschied, er hat seine Arbeit schon lange getan und hier beginnt der Marathon erst richtig. Um die 100 Kilometer sind mit gut gefüllten Kohlehydratspeichern ja machbar. Dann beginnt die Umstellung, die Rhythmuswechsel schmerzen, der Wiegetritt wird gut überlegt, der Körper ist wohl dabei, sich seine Energie in den Fettzellen zu suchen. Spätestens nach dem Müdener Moselhang ist es bei jedem so weit.

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Weizenfelder und Dörfer, kleine Kapellen am Rand der baumlosen Straße und Wind in Mengen. Es hilf nichts, ich muß tiefer greifen und spüre wieder, das ist heute nicht mein großer Tag. Die Schinderei hat begonnen und wie immer das Nachdenken über Ursache und Heilung. Zu viel Gewicht? ja , sowieso . Zu viel Körner verschleudert? eigentlich nicht. Verkappter Infekt? die Kleinste hatte Halsweh . . . und dann höre ich Stimmen.

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Es sind zwei compagnons auf strahlenden Rössern mit geölten Waden, die plaudernd und mit ganz kleinem Tritt an mir vorbeiziehen. Zwei!  – also Platz für einen Dritten. Sie bieten mir großzügig Windschutz ,  denn sie haben meine Not erkannt. Der Linke schaltet  klack -klack elektrisch auf und ab und kurbelt noch leichter als sein Nebenmann.

Beides überzeugt mich: die Schaltung und Tritt. Und es wird die Lösung meiner Probleme

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Knie schön hochnehmen, leicht und locker die Beine kreisen lassen. Immer von oben treten, nicht zu flach. Der Muskel, der sich meldet, sobald ich feste durchdrücke, bleibt still. Es dauert einige Minuten, bis ich mich an die Frequenz der Vorderleute gewöhne, aber auf den schweren Kilometern gegen den Wind ist es ein treffliche Mittel: 39×20 in unserer Sprache. Es waren entscheidende Minuten.

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Licht am ende des Tunnels. Ich habe meinen Tritt geändert und bleibe wo immer möglich in der hohen Kadenz. das Pommerbachtal, das Eltzbachtal, beides liegt hinter mir. Auch die zweite Begegnung mit Falko an der kleinen Friedhofskontrolle km 172, wo es nochmal Honigbrot und Magnesiumtabletten gibt. Mit neuer Energie trete ich ein Allegretto und winke den großen Windrädern zu . . .

a maifelddrohneWährend ein Mann mit seiner Drohne den reifenden Weizen filmt,  schiebt mich der Wind nun mächtig an. Jedem, der etwas gegen eine Nutzung der Windenergie aus ästhetischen Gründen vorbringt, empfehle ich einmal dieses Erlebnis, den Wind von hinten zu spüren. . Das Geld, das andere darin sehen,  liegt auf der Straße – es ist mein Speed. Der Wind ist eine große Kraft.

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Energie ist am  Ende alles. Km 232 

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und im Wein steckt Wahrheit. Danke Koblenz  – eine Lehrstunde für die Pyrenäen wars.

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Phaser auf Betäubung

DSCF3441Es war still geworden um ihn. Irgendwann bekam er eine Sonderbriefmarke überreicht von seiner Nachfolgerin. Die war eine, die er großgemacht hatte in seiner Partei und auch sie wäre vom casting her  die rechte Frau an seinem Rollstuhl gewesen.  Die andere  hat ihn dann von der Bühne gerollt.

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Mätressen sind auch nicht mehr das was sie einmal waren, hätte Liselotte von der Pfalz in ihr Tagebuch geschrieben.

 

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Was mir eher Sorgen macht als die Frauenwahl des alten Kanzlers und sein exakter Stellenwert in der Geschichte dieses unseren Landes ist die auratische Aufladung nach dem Tode.

Die Zeugen der Kohl Ära sind heute Rentner oder im Bergiff es zu werden. Sie stellen die critical mass der nächsten Wahl dar. So wie die Bildzeitung mit Auftauchen des Kaisers in untertänige Duldungsstarre  verfällt, wird von solchen die Verklärung eines schon lange ehemaligen Kanzlers stattfinden.

bilod1Diese Kernwähler fliehen oder verharren mental in die goldene Zeit vor dem Mauerfall einer Zeit, in der alles irgendwie besser war, Europa auch und Deutschland sowieso.

Gerne wird übersehen, daß gerade die zwei Katalysatoren der Globalisierung,  – Mauerfall und Eurozone  – ein Vermächtnis des „schwarzen Riesen“ (Eigenwerbung 1976) sind . Aber viele glauben lieber an das goldene Gestern, das vor allem eine andere Welt war.

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Wir vergessen schnell und pflegen ausdauernd kleine Vorurteile. Wir haben Angst vor der Zukunft und greifen gierig zur nächsten App.

 

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Aber topmodels, die sind nun wirklich nicht mehr was sie mal waren.

Alle Bilder: BildZeitung Wurfsendung vom 22.6.017

 

 

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