BiTitanio – Colnago on ice

Der Wuppertaler Winterbrevet fand bei klarer, kalter Trockenheit statt, deren Kern irgendwo über Norwegen lag. Es war immer noch genug.

Kann man dann ein Rad fahren, das üblicherweise die Zitronen blühen sieht? Die Gelegenheit muß genutzt werden und dank Roy kam es zur  Colnago on ice-experience. Eine Brevet Testfahrt mit unbekanntem Rad. Wie würde sich das handverlesene, perlmuttweiße Exemplar unter den verschärften Bedingungen eines Winterbrevets schlagen? Wie würde die Record titanium dem aus Norwegen verschickten Eiswind begegnen?

b05Colnago hat ja in den Ohren deutscher Rennrad-freunde einen recht guten Ruf. Den Ruf, teuer, edel und extravagant zu sein. Das ist nicht unbegründet. Colnagos beste Jahre fielen in die Zeit des Rennrad“booms“, der auch Deutschland Mitte der 70er erfaßte. Ernesto Colnago hatte sich da bereits einen guten Namen gemacht, da er in der professionellen Szene so einige erfolgreiche Fahrer und Teams belieferte und das sehr geschickt.

bit01Eddy Merckx war sicher einer der premium- Kunden und beide haben dieses Verhältnis weidlich genutzt, auch wenn Eddy vor seinem ersten Colnago einige Erfahrung mit Lizenzrädern und italienischen Rahmenbauern hatte: schon 1966 kamen seine Räder von Faliero Masi, einem Mailänder Meister.

Aber einige der orangenen Räder des Belgischen Kaisers waren halt von Colnago,  und das ließ man die Welt wissen. Der Radsportversender Nummer 1, Brügelmann, wurde dann ein sehr wichtigen Multiplikator für Deutschland und so gedieh der Mythos. Man muß wissen: damals fuhrendie Gründer von Canyon Bikes  noch mit dem eigenen Kombi nach Italien, um Komponenten für den heimischen Markt einzukaufen.  –

Colnago war nicht nur ein guter Löter und kluger Geschäftsmann, er war auch am Fortschritt im Rennradbau nicht unbeteiligt. Rahmenformen und – geometrien wurden weiterentwickelt, ovale und multishape Rohre eingesetzt. Vor dem Übergang zum definitiven Material des modernen Rennrads – Carbon – gab es Versuche in Titan. Wie diesen hier.

bit2Einen der extravagantesten Lösungen, das Bititanio, habe ich nun über 10 Stunden bewegt – bergauf, bergab und auf langen Flachstücken. Es erhielt seinen Namen aufgrund des Versuchs, die Steifigkeit im Unterrohr über zwei parallele Streben statt eines Oversizerohrs zu erreichen .

Vielleicht war es ein optischer Grund, vielleicht ein technischer. Ein Marketing-trick war es kaum. Denn wie sagte Tom Ritchey:“ it is one of the dirty little secrets in the bike industry, that an oversize downtube gives you a billboard  – so everyone immediately knows the name of your bike. And they won’t give that away . .. . .“

bit1Obs der Grund für die Seltenheit des Bititanio ist, einem weißen Wal unter den Rennrädern? Schon möglich, sicher ist aber auch, daß die Homologierung der Bauform von der UCI verweigert wurde, nicht zu reden vom baulichen Aufwand oder den schön verschliffenen Nähten. Whatever: entscheidend is aufm Platz!

bit3Und da hatte ich mit conti Classic 25mm nicht  zu klagen. Trotz optisch massiver Sitzstreben ist der Komfort am Hinterrad  sehr, sehr gut. Auf 6 bar lief es einfach geschmeidig. Vorne aber verhielt es sich ein wenig anders. Die stiletto gabel dämpft einfach weniger schön als der klassische Typ, und in den schnellen Abfahrtskurven fühlte ich mich nicht so risikofreudig wie gewohnt.

ac6Und bei einem meiner klassischen Tests fiel das Rad eigentlich durch: freihändig fahren . möglich wars schon, aber nur bei recht hoher Geschwindigkeit, also deutlich über 20kmh. Wer sich in der Abfahrt nochmal die SponsorenKappe richten will, oder ein schönes Croissant aus der Tasche ziehen, muß  aufpassen: das Ding schaukelt sich über 40 sehr schnell auf.

ad3ad3Zum Genuß wurde es dann auf den dem schönen Weg durchs Münsterland, auch weil das häufige Schalten entfiel. Denn, wie es scheint, mögen Record Carbon Schaltbremshebel Dauerfrost überhaupt nicht. Oft gelang es nur mit Tricks (oder nach Tankstellenpausen) , den Umwerfer zu bewegen, und das lag nicht an der fein eingestellten Schaltung, denn wenns lief, dann wie Vanillesahne durch den Bratapfel.

b21Nur, bittesehr, wer fährt schon Colnago im Winter?

Die Frage die sich aber am Ende eines langen, kalten Tages aufbaut, lautet: brauchen wir jetzt ein Colnago? Ich kann jeden beruhigen, der sich auf die Suche nach einem bititanio macht: häufig ist es nicht. Vielleicht auch eher ein showpiece, so wie es gewisse Kleinserien bekannter Sportwagenhersteller gibt . Wertlos wird es nie .

Aber rein vom Fahrerlebnis ist die Antwort : nicht, wenn man schon ein zwei andere gute Rennräder besitzt. Wieviel vom Mythos bleibt? Das Bititanio ist ein gutes, kein sehr gutes Rennrad, dafür ist es einfach nicht steif etc. etc. genug. Die 90er bieten genug interessante Alternativen, die in der einen oder anderen Richtung besser sind.

Ließe man mir an diesem Abend die Wahl, würde ich immer das unscheinbare Peugeot nehmen.

 

 

 

 

 

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Welche Inflation?

DSCF3660Während der Duchtschnittspreis eines Herrenrades (oder Damenrades) schon lange die 1000 Euro Marke durchbricht, ein kompetitiver Radschuh über 300 Euro kosten soll, darf, könnte, und eine „ordentliche“ Radsporthose nicht unter 100 gibt es sie andereseits, die billigen Dinge.

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Ich gehöre zu der Generation, die erleben durfte, wie die üppig ausgestattete Herder Buchhandlung im Haus an der Gedächtniskirche, Ranke Ecke Tauentzien, verkauft und dann von Hugendubel neu bezogen wurde. Mit stark verdünntem Sortiment, einem sehr angenehmen Café und dem faszinierenden Blick auf das Treiben unterhalb der Platanen. CDs gab es noch, nur plötzlich viel weniger.

Vor Erscheinen der 5fach CD oben hatte es schon den ersten Preisrutsch gegeben, der einst staunende Musikträgermarkt (den sie ab Weihnachten 1983 gerettet hatte) war zunehmend saturiert, die digitalen Produktionskosten schnell gesunken. Menschen, die sich mangels Geld CDs brannten, wurden damals Raubkopierer genannt.

Doch der nächste Kannibale wartet schon.

a1Eine intakte Sammlung von 5 Makrolonscheiben (Halbwertszeit 400 Jahre) ist heute niemand mehr 85 Mark Euro oder Dollar wert. Kaum ein zehntel. Digitale Warenwirtschaft und vor allem Streaming heißen die Killer, die die intakte CD aus dem Warenkreislauf  verbannen.

Bei normaler Behandlung werden diese großartigen Einspielungen der Klaviersonaten mit Mitsouko Uchida mich überleben.  Andere dagegen werden ihr streaming abo jährlich reaktivieren müssen, weil sie sich von den so überflüssigen Dingen getrennt haben, die ihnen die Sicht aufs wahre Leben versperren.

Weniges dürfte so entbehrlich sein, wie der Besitz einer CD von Mitsouko Uchida. Ihr Inhalt ist andererseits ein unermeßlicher Schatz: KV 332.

 

 

 

 

 

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Über den Taunus an den Spessart

Die Tag- und Nachtgleiche naht, in einer Woche schon. Auch wenn am Tag noch über 20Grad wärmen ist  die Abendsonne nur noch ein schwacher Abglanz des Sommers. Die Obstbäume sind dicht gefüllt, in ihrem Schatten wird es schlagartig kühl.

Die Klarheit der Sternbilder hätte mich warnen sollen.

Als ich kurz vor5 das Batavus aus dem Keller trage, geht die Morgenluft  durch und durch.  Schnell kurble ich los, kurzbehost, Windjacke, kleiner Rucksack, es gibt kein zurück. Quer durch den Taunus, bis an den Spessart. 110km. Glitzernde Speichen warten dort, Freunde der handgelöteten Räder…

a1Das Navi leuchtet zart und bei Vollmond genügt der reduzierte Lichtkegel einer AldiLampe, um auf heimischen Wegen zurechtzufinden. Sonnenaufgang ist um 6h57 angesagt, da sollte ich die Anstiege von Lahn und Weil schon hinter mir haben. Dann werden wir klarer sehen, wo es hingeht.

Ehrlich gesagt beginnen solche Fahrten fast widerwillig. Denn mit dem Sommer schwindet auch die Leichtigkeit der ersten Kilometer, es bleibt einfach kalt und dunkel.  Nur der runde Mond ist ein Trost. Im Licht der Straßenlaternen (stechend) stehen beschlagene Autos, die an diesem Samstag auf Einkäufe und Waschanlagen warten.

Was treibt einen an?

a3Die steigende Sonne, das Wissen um die letzten warmen Tage im Jahr, das Wissen um einen langen Herbst und einen zähen Winter, bis am 23 März die TagundNachtgleiche wieder erreicht ist und grüne Blätter zu sehen sind.

Alle Tage, die jetzt noch kommen werden kürzer, kälter und dunkler sein als dieser. Das treibt mich zitternd weiter Richtung Sonnenaufgang.

Hadamar, Runkel, Villmar: über die Lahn, beim Rewe jault die Alarmsirene, Lieferwagen fahren seelenruhig davon, um 8h öffnet der Backshop.

Lahnschleife Aumenau. Rechts durch den Wald hinauf. Auf dem Navi ist er grün, aber ringsum ist es dunkel, wie es in Märchen dunkel ist. Dann riecht es nach Tannenfeuer, Lichtflecken, einzelne Häuser, es wird angeheizt. Eine unbekannte, gleichmäßige und schöne Steigung. Schemenhaft tauchen Höfe auf, oben wird es hell, die Steigung hat den Körper gewärmt.

a2Landmaschinen vor Windrädern auf malvenfarbenem Grund.

Hinter dem Tann geht der Mond unter, während die Scheinwerfer eines Autos mich erfassen. Dann abwärts (gekrümmt) ins Weiltal. Eine Abfahrt vom Marathon in Hattersheim, ebenso bekannt (und anstrengend) wie die anschließende Auffahrt nach Heinzensberg.

a92 Auf dem Kamm geradeaus, in der Ferne der große Feldberg, die Sonne trifft gleich seine Oktogone. Im Tal hängt Nebel fest –  darauf eine Schluck kalten Tee.  Usingen mit seiner schönen Altstadt ist nicht mehr weit. Dort hoffe ich auf ein Frühstück im milden Morgenlicht , das die Fachwerkzeilen streichelt. Usingen, Nassauische Residenz, ehemalige Kreisstadt. Jetzt grüße ich erstmal einen Fuchs auf der Kreuzung der mich erstaunt anblickt. Wie schmal diese Tiere sind – und lautlos.

a41 einziges Bäckereicafé ist geöffnet. Der Wiener Feinbäcker hat einen türkischen Akzent, die Altstadt ruht tief in sich.  Das „Wiener“ Angebot ist eher dürftig. In der Nußecke schmeckt wenig nach Nuß, die Schokoglasur ist vom billigsten, aber alles macht das Koffein wett. Weiter.

a5Mit Usingen lasse ich Taunus, Nacht und Kälte hinter mir. Eine letzte Steigung und die Sonne erfaßt mich voll. Dann hinab, ganz sanft und schräg gegen den Wind. Plötzlich die Türme. Die Silhouette Frankfurts, klar und futuristisch; links von der größeren Turm-Gruppe der stumpfe Klotz der EZB. Millarden ohne Zins – aber nicht für Dich.

Als tauschte ich das illustrirte Grimm-Album am Kachelofen für einen französischen Moebius Comic in der Wohnmaschine. Aber wir sind im 21ten Jahrhundert. Hinter mir heizen sie mit Holz, vor mir sind die Klimaanlagen pausenlos aktiv. Unter mir surrt die Kette.

Wenn der Defektteufel nicht aus der Kiste springt, wird das Batavus mühelos in der Zeit sein Ziel erreichen.

a7Das Relief des Spessart (hellbleu, weit hinten), jetzt eine sanft gewellte Ebene durch die Sich die Schnellstraßen ziehen. Jetzt muß ich mich voll auf das von komoot algorhythmisierte Navigationssystem verlassen. Empfohlen sei, die ermittelte Strecke vorher auf einer Karte zu verifizieren. Manchmal sind um Ortsdurchfahrten oder Feldwegstücke die zwar kürzer sind, deren Wegführung aber bremst.  Schotterpassagen, Betonplatten, Poller.

a6Klingt unkultiviert: gefühlt kostet ein hübscher Markplatz mit Pflastern und Winkeln viel Zeit. Der eilige Radfahrer ist mit einer sauberen Umgehung oder der Führung über die Hauptstraße besser bedient.

a8Gassen alter deutscher Städtchen sind winkelig : klar und bauhausig reduziert dagegen unsere Tankstellen. Der Reiz einer Dachkonstruktion, leider ist das Angebot nicht so raffiniert.

Tankstellen-Feinheiten: Nur wer ein Frühstückslogo trägt, führt das volle to-go Programm. So bleibt es bei einer zweiten Andeutung von Frühstück (Snickers), mäßigem Kaffee und dem Anblick metallisiert-transparenter Gelfingernägel mit blauen Sternchen. Kurz nach acht, immer mehr Menschen brauchen Kaffee und drängen in den kleinen Raum. Ein Liter Diesel einsdreiunddreißig in klavierlackschwarze Autos.

Windjacke abstreifen und zurück auf die Landstraße.

Dort grobe Spuren und zerwalzte Biomasse . Schnelle Traktoren von titanischerGröße ziehen riesenhafte Hänger über die Straße und strömen auf einen unsichtbaren Punkt zu.

a81Mit ihrer Ladung, feingehäckseltem Mais,  füttern sie die eigenartigen Kuppeln der Biogasanlagen – Nachfahren der landesweit verstreuten Gasometer. 21tes jahrhundert, gute Energie, schlechte Energie.

a9Die Luft ist frisch, aber sie beißt nicht mehr –  ein strahlender, weißblauer Tag mit sanftem Nordost. Sie warten an der Barbarossaquelle auf mich. Tolle alte Räder, feine Leute: Niemand wird enttäuscht sein.

a91

Ich komme zur rechten Zeit.

14 09 2019

 

 

 

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Kleines Gleichnis

Radfahrer und Ruderer haben etwas gemeinsam:

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ihre Spuren verlieren sich schnell.

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Ich höre immer noch Radio

Man muß den Moment auskosten. Noch gibt es öffentlich bestallte Sender, noch gibt es UKW. Internet-Radio: klar, so ein Ding wird angeschafft, wenn UKW „zu teuer“ geworden ist oder warum auch immer für unerwünscht erklärt wird. In einer Kiste gibt es dann immer noch den Weltempfänger mit KW Bändern. Glaubt mir, so ein Ding frißt kaum Strom und ist immer empfangsbereit – zur Not per Mignonzelle.

Klinge ich schon wie der Opa aus dem Atombunker? Schluß mit dem Quatsch. Freudig schließe ich ein Stück Empfängergeschichte aus Fürth an, ergötze mich an den technisch grünen,  frühen Digitalschriften und höre dann auch Literatursendungen. Es gibt sie .

Und ich folge ihnen dann – nicht immer bis zum Ende. Diesmal aber ganz schnell und ohne zu zögern. Denn Horst Krüger kennt jeder. Aus Berlin.

Nein, nicht den von Ideal, die Stimme aus dem Radio, das ist Horst Krüger vom Eichkamp, damals, 1967 UKW Stereo. Er liest seine Erinnerungen vor: das zerbrochene Haus. Und da weiß ich, wovon er redet. in Eichkamp kenne ich mich ein wenig aus. Mit dem Rad durch die Siedlung und dann hinten rechts die Fußballplätze. Der Duft von Ahorn und Lindenblüten. Das Flutlicht auf dem Kunstrasen, 6 gegen 6 auf dem halben Platz. Als TeBe -Tennis Borussia noch ein angesehener Verein war im Mommsenstadion nebenan. Hätte das Union Berlin der West Millenials werden können. 2x die Woche.

Windiger Investor, Winnie Schäfer, weg vom Fenster – aber gute Jugendabteilung.

Der Horst Krüger, dessen Eichkamp et al. immer noch intakt so dasteht, wie er ihn Anfang der 1930er erlebt, war da schon lange tot. Aber nicht vergessen, wie ich dank Radioarchiv und dem Grundig t7500 brühwarm erfahre. Wer sich im Kraftfeld Halensee, an der Grenze zu Grunewald, Westend und Kudamm einmal orientieren möchte, der sollte das tun. Wer GEschichte nicht anhand von TV-Dreiteilern verdünnt bekommen möchte, der sollte unbedingt horst Krüger zuhören.

Horst Krüger, der also erlebt, erleben mußte, wie seine braven, fleißigen Eltern und ihre braven, fleißigen Nachbarn und das treue, korrekte deutsche Volk das Wegsehen vor der Wahrheit übt, bis sie ihnen um die Ohren fliegt. Und dann sieht, wie dieselbe Straße sich nahtlos, als sei nichts gewesen, in die neue Bundesrepublik einfügte.Wie leicht das geht und wie schnell das geht, darum gehts. Die Wut darüber bleibt.

Und ich: ich rieche ihn jetzt noch, den ruhigen Eichkamp mit seinen Alleen, den Vorgärten und VWBussen, den anständigen Leuten von heute, die an der grünen Lunge der Hauptstadt leben, in Ruhe ihre Runden drehen, bis zur Krone mit Rad hinauf. Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es. Aber sie hat ihre Muster.

Horst Krüger, Das zerbrochene Haus – eine Jugend in Deutschland. 1966, 1976, 2019.

 

 

 

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Station to station – Notizen zum Ersatzverkehr

August 2019,  Der Rückweg aus dem Weindorf: eine Reise mit Unterbrechungen.

Eigentlich hatte ich mir gar nicht so viele Kilometer vorgenommen. Der heiße Tag gestern hatte gereicht. Auf sehr warmen 250km verdampfen Mineralien .

DSCF2710Ein schöner Ausklang, gute Gespräche und das undeutliche Gefühl, wenn man einen Ort wiedersieht, an dem man gelebt hat, unverändert und doch nicht gleich, der eigentlich gar nicht mehr ist, weil er aus flashbacks besteht. Ein Wachtraum bei dem Bilder in Deckung gebracht werden müssen, die gerade durch die müden Pupillen fällt.  Muß I denn.

be21Die Magnetnadel zeigt nach Norden, die Sonne kommt schräg, später ganz von hinten Sie wird am ende links vorn untergehen. Die Wärme hier unten ist eine andere, liegt sofort auf der Haut, am Trikot, das frisch gewaschene.

Das schwebende Gefühl, wenn man die alte Trainingsstrecke wiedersieht, die gleich ist und sich soch überhaupt nicht mehr gleich anfühlt : flacher, harmlos und beinahe lieblich. Das ist der Lohn für viele Kilometer seit 2011 –  fast wie am Weinberg.

DSCF2686Dann den Film von gestern rückwärts fahren, nur mit anderem Licht und anderer Besetzung.

be1Ein paar Freizeitfahrer als Begleitung. Erst überholen sie keck, bieten (ohne es zu wissen) Windschatten, lassen mich ihre Muskeln studieren und ihre leichten Maschinen. Und Trikots, während sie versuchen, Dich und das Raleigh auf die ignore Liste zu setzen.

Jedes Trikot spricht seine Sprache. Die italienischen, die Bikeholidaytrikots, die Team Trikots und die Markenbotschafter. Vorsicht, wenn einer mit dem BDR Zeitfahrtrikot an Dir vorbeirauscht. Vorsicht wenn auf den Shorts nur steht: GER.  Den lass ziehen oder rede mit ihm.

be2Für Betrachtungen ergiebiger sind neue shorts und auffällig braungebrannte, rasierte Beine. Ein hübsches neues Rad auch. Entweder ihr fahrt damit euren 40er Stiefel auch über die Kuppe weg oder nicht.

be5Nach 50km bin ich gut eingerollt, die Hitze macht die Farben blass, auch die Lok ist blass, da unten werden Gleise repariert, die ich einmal wählen wollte.   Northwärts weiter.

be53Der Motor des Wohlstands liegt hinter einem Autobahnkreuz, von dem jeden Morgen in Radionachrichten zu hören ist. Die Bäume sind kantig geformt, in flüssigem Schwung  führen Straßen auf graue Kisten zu. Der Motor des Wohlstands ist grau, schlicht, eckig;  eine Lieblingsfarbe unter Automobilen inzwischen.

be50Von dieser eleganten Brücke kann ich lesen : Hasso Plattner Ring.

be52Formen Fürsten unserer Tage ihre Domänen nach ihrem Bilde? Gott zum Wohlgefallen, und ihre Residenzen zu seinem Ruhme ? Die Parkhäuser haben mehrere Stockwerke. Eine Ahnung. Nicht weit von hier liegt Schwetzingen, historisch betrachtet :vor der Aufklärung. Zur Sonne! Zum Licht!

80 oder 90km sind es.  Jetzt Mannheim oder Heidelberg?

Die Ebene durchkämmen, Odenwald als Schattenriß. Nach Heidelberg zum Bahnhof. Hinten kreuzt ein roter Strich die abgeernteten Felder. Nahverkehr HD-MA; nach Schnauze fahren, an einer Bücherkiste halten in Edingen, kurz nach der Malzfabrik. Nur Grütze. Einrichter eines Bücherkastens sollten den Mut haben, die Volksverblödung fortzuschmeißen, damit die zweite Reihe eine Chance hat. Man braucht nicht „um jeden Leser froh zu sein“. Miene Wahl fällt auf das Jahr 1954.

be61Das ist das Fresko, das sind unsere guten, alten 50er Jahre. Pferde und Sonnenwagen, so war das damals.

be62Das ist der Vorplatz. Der Bahnhof summt und brummt, verschwitzt unter den Helmen wird eine Anzeigetafel bewundert, der Fahrkartenautomat befragt.

Nach zwanzig Seiten stehe ich vor dem Eiscafe Bertolini, Am Hauptbahnhof in Weinheim. Sie haben uns rausgeworfen: „Der Zug endet hier, bitte nutzen Sie den Schienenersatzverkehr“. Aber Bertolini ist eine Augenweide, fahrt hin.

be63Pistazie, Melone und Haselnuß. Wie weit ist Darmstadt? Große italienische Augen.Dann spricht der Chef.  35km Bergstraße. Die Sonne scheint, sie brennt nicht mehr und ein Bus schafft das auch nur in einer Stunde. Ein Rad passt schlecht in einen Bus, viele Züge gehen nach Frankfurt.

be6Ich mache mir ein Zeitfahren auf der Bergstraße, Alleebäume, Geraden, leichte Steigungen. DAS geht mit dem Raleigh Record Ace moderne gut, oder vielleicht geht es mir gerade gut. Das heißt paradox: sich gestreckt quälen, Autos an Ampeln einholen, Busse und Bahnen verschmähen, wieder auf Tempo kommen.  Dieser späte Sommer ist ganz groß. Eberstadt, noch eine Steigung, noch eine letzte Villensiedlung mit Straßenbahnhaltestelle. Et voilà.

be7Den kleinen Zeichen folgen, dann liegt er vor mir. Im Stil der zeit. Wie ein riesiges landhaus – ich mag dreigeteilte, senkrechte Fenster. Die Sezession (Mathildenhöhe) wird schon angedeutet. Arts and Craft statt Wuchtbauten.

Während sich Wilhelm unser zweiter in die Gestaltung deutscher Bahnhöfe persönlich einmischte, mußt er hier dem Hessen-Darmstädter Fürsten freie Hand lassen (Verwandschaft). Das erspart den Darmstädtern bis heute historischen Schwulst. Hierzu: Wiesbaden et al.

be71Die Halle ist die nächste Überraschung. Bei heute konstant30 Grad ist es hier luftig und angenehm temperiert. Irgendwie zahlen sich Umwege aus.

Warum bauen nicht Milliardäre solche Gebäude? Stil, Qualität, Nutzwert. Am Geld fehlt es nicht.  Warum finden unsere Fortschritte in Nanobereichen statt, bei Mikroelementen und Nachkommastellen?

be8und schon werden die Tage kürzer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ins Epizentrum (der dunklen Macht)

a1Rundherum ist es grün, wellen sich die Hügel, fließen die Bäche mit sauberem, klaren Wasser. Die braunen Flecken der kranken und vertrockneten Fichten sind die Ausnahme. Auch vor zwei Wochen, auf 200km rund um das Basaltmassiv blieb das Bild eines sommerlichen, nirgends verdorrten Landes. Warum es also ohne Not verlassen?

Um ins Zentrum der dunklen Macht zu gelangen. Das liegt nur runde 50km entfernt. Für einen eingefleischten Liebhaber der  Rahmenschaltung (allenfalls gerastert), des schlanken Stahls und der filigranen Felgen gibt es das zweirädrige Böse, die dunkle Seite: alles, was in diesem Jahrhundert gebaut und gefahren wurde – letzte Ausnahme bildet die Gilde der edlen Ritter des gemufften Rohrs, der letzten, quichottesken Gestalten, die der Versuchung des Carbon, der 11 Ritzel und Scheibenbremsen widerstanden haben.

So also ziehe ich fort aus dem Idyll,  unverzagt ins Rheintal, in seine Gewerbegebiete, Bahntrassen und Autobahnkreuze, zwischen denen schon manche tapfere Männer auf stählernen Rossen für immer verschwanden.

a0Ohne Gepäck ist das weiße makellose Raleigh wieder ein schnittiges, straffes Rad, das mich geschwind über die letzten Ausläufer des Westerwalds hinunter an den Rhein trägt.

ab1Gemeinsam überqueren wir den langen ruhigen Fluß auf der titanischen Eisenbahnbrücke, durch deren Eisenkreuze stromab in der Ferne die Reste eines unglücklichen Atomkraftwerks zu sehen sind. Nie wird dieser Fluß, (der im letzten Sommer doch erheblich niedriger floß), das Experiment Mühlheim-Kärlich mit seinem edlen Wasser  kühlen müssen.

ab3Auch Gewerbegebiete altern. Als Mahnung für die Vergeblichkeit kaufmännischen Wahns wird hier ein mehrstöckiges Gebäude (von Bohlen empfohlen) abgerissen. Wie Schlingpflanzen umgeben mich die verschiedenen Trassen, Dreiecke, Auffahrten und irrwege.

ab4Unter einem kleinen Steg finde ich einen Durchschlupf mit überwucherten Angaben und fühle langsam den Randbereich der dunklen Macht nahen: Koblenz outskirts. Hauptstadt des stolzen Rheinland Pfalz. Garnisonstadt.  Gleich werde ich dem Feind ins Gesicht sehen.

ab5Ersteinmal über die Brücke kommen, an der die liebliche Mosel gestaut wird. Eine Schlacht entschieden. Dort hinten rechts hinter den Kasernen soll das Hauptquartier liegen. Das Fußvolk der Wächter in schwarzen Shirts weiß nichts vom Kommen des weißen Ritters Raleigh, der die Feste im Handstreich nehmen wird und für blankes Entsetzen in den unterirdischen Kommandoräumen der Weltregierung sorgt.

Denn ein Raubritter war er, Sir Walter Raleigh. Und die dunklen Kräfte, die die Hoheit über den Radsport gewinnen wollen, kleiden sich dunkel, schwarz in schwarz, nutzen offen die Sprache der Unterwelt.

Und dann betrete ich sie, diese Welt.

ab01Eine riesige Halle, verbaut mit eigenartigen kohleschwarzen,schrägen Wänden die schon fast die Vorstellung einer Unterwelt aufkommen läßt, eckig, assymetrisch, verwinkelt und düster.

ab02Doch schnell habe ich das Labyrinth durchschaut und gleich unter der Stelle, an der ein Zauberspruch  die Wand markiert stelle lehne ich meinen flite Sattel dagegen. Infiltration gelungen. Hinter massiven Rohren verschwindet der schlanke Rahmen.

ac1Die Sprache der Macht; ihre Kampfbegriffe stehen übergroß auf den Wänden: „Technologie“ und „Design“. Die Halle ist gefüllt mit gläubigen Paaren, junge Männer sind die Hüter der Stätte – ganz hinten (wo Licht eindirngt) entdecke ich noch ein kleines Café, – die einzige Frau, die hier arbeitet?

Die kleine Armee der Radmodelle steht bereit, ihre Divisionen räumlich voneinander getrennt. In Wandnischen flackern Bildschirme. Der größte Display zeigt in Endlosschleife die wilden Sprünge eines Mountainbikes, dessen Dynamik durch filmische und farblichen Raffinessen noch verstärkt werden soll – eine Menge postproduction steckt darin und dunkel pulsieren beats aus der Wand, die die  simulierten Kundenberatungen übertönen.

ab7Überall stehen Bildschirm quartette aufgebaut, auf denen die Mitarbeiter in schwarz  duzend eintippen und gleichzeitig reden, Menschen fischen die allzu willig ins netz gehen wollen.

ab91Hier wird eine Frau in nahender Extase bedient. Ein Karton erscheint. Das muß ihr neues Rad sein. Routiniert gewährt der junge vollbärtige ihr einen kurzen, erregten Kontrollblick in den Inhalt . Der gescheitelte mit dem frisch gesprossenen Schnauzbart schaut den vollbärtigen vertraut an.  Sie wird in die Gemeinschaft aufgenommen. Nun bitte zur Zahlung; der Beginn einer neuen Zeitrechnung.

ab8Unterdessen schwirren immer neue Räder wie aus einem Bienenstock ein- und aus. Da draußen wartet die weite Welt eines gepflasterten Parkplatzes. In dieser Bannmeile dürfen Kunden das Gerät ihrer Wahl testen. Sie haben geduldig gewartet, um an die Reihe zu kommen.

Ich versuche meinen Gegner einzulullen und lasse mich vermessen. Als einziger laufe ich in Radkleidung herum, es scheint niemand sich mit dem Rad herzutrauen, sommerlich leger aber gepflegt aus den klimatisierten Kombis gestiegen. Ich bin auf 1m83 geschrumpft und meine Schrittlänge ist angewachsen. Das merkwürdige Instrument, das ich mir zwischen die Beine klemme ermittelt 92 cm. Ich passe also noch in die Größe L sagt mir der Bildschirm. der junge Mann den sein braunes Hemd als eine der unteren Chargen ausweist bestätigt, .

ab03Technologie. Beats pulsieren (dezent), Wasserkrüge, durchsichtige Karaffen werden aufgefüllt und abgestellt, dann summte etwas in meinem Trikot.

Es ist der pager: ich darf nun . . . .

ab6Ich habe mir genau das Rad gewählt, auf dem Fiona Kolbinger das transcontinental gewonnen hat, Scheibenbremsen, eletrische Schaltung, die gegabelte Sattelstütze aus carbon, die mit einem Inbus von außen vorsichtig festgezogen wird. Sitzen sie bequem.

Ich bin bereit mich der Herausforderung zu stellen. Es ist ein Fahrrad. Es fühlt sich achtern sehr weich an, als sei die Sattelstrebe angebrochen – aber das ist die Stütze. Gummigleich. Die Position ist angenehm kurz, auch der 110mm Vorbau erzeugt keine große Streckung, die fetten Griffe der Schaltbremsen fassen sich massiv an.

ab09Ich komme auf Touren, kurble, lasse Scheibenbremsen wieder zupacken. Das mit der Schaltung versteht sich von selbst und geht „wie von Geisterhand“, lautlos. Alles superleicht und irgendwie ist auch das Pflaster in Perwoll gewaschen. Es wippt lustig und lenkt sich ein wenig träge. So ist das Canyon Endurace. Stop.

ab08Wir reden noch über Bremsflüssigkeit und diese kleine Buchse unter dem Vorbau zum Laden der Schaltungsakkus. Proprietär, Shimano only. Junge Männer in Shorts drehen weiter ihre Kreise, Frauen sehen ihren Männern zu, überlegen, wie das neue Rad zum S4  passt, zum Steingarten, zum Monatsende – und das ist heute.

a 00 cIm Epizentrum einer deutschen Erfolgsgeschichte. Vorsprung durch Technik und Design, die matten Farben der neuen Kollektion. Alles ist sauber, durchdacht und im Preisleistungsverhältnis unschlagbar- wie die vielen sneaker aus dem fashion outlet. Ich bin den Porsche mit tiptronic und adaptivem Fahrwerk gefahren. Ferdinand Piechs Vermächtnis als Rennrad.

ab07Ich  habe eine riesige Pizza intus und ich fühle mich gut, sehr gut, als ich wieder auf meinen alten Jaguar mit dem echten Ledersattel steige und die Kette straff auf das nächste Ritzel fällt . Schlack.  Ich habe die dunkle Macht bezwungen und lasse sie zurück in ihrem Kerker aus Technologie und Design.

DSCF3008Dort aber roch es nach : nichts.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Neue Wege zum Ruhm

aa4Um auf dem Rennrad berühmt, reich, oder vielleicht beides  zu werden, sind Extremdistanzrennen eher ungeeignet. Diese Menschen sind zu unsichtbar, zu selten und verstreut. Man wird sie kaum wahrnehmen, vor allem kaum darstellen können.

Genau das war irgendwann auch das Problem der Tour de France. In den ersten 20-30 Jahren fanden Etappenstarts gegen 3h30 morgens statt, damit die Strecke von 300 bis 400km an einem Tag bewältigt werden konnten. Die Reporter warteten an den Kontrollstellen, einige folgten den versprengten Fahrern per Auto.

aa5Solange ein Bericht zum nächsten Morgen in der Zeitung stand (die ja die Tour de France organisierte), war das kein Problem. Als dann Radio und Fernsehen folgten, schrumpften die Etappen, die Liveübertragung begann am frühen Nachmittag. Das eigentliche Rennen richtet sich inzwischen nach den Sendezeiten, Starts finden in voller Mittagshitze statt. . .

Fahrten oder Rennen über extreme Distanzen sind ein Gegenentwurf.  Es beginnt bei den Randonneuren, die zwar keine Rennen fahren, aber doch Strecken und Zeiten vergleichen und geht bis zu den Ultradistanzrennen, den Kindern des GPS Zeitalters. Beide verbindet sie der Glaube an die große Distanz, weil erst dort individuelle Leistung richtig zur Geltung kommt.

Die Möglichkeit dieser Rennformen sind bekannt: sie stammen aus den Anfängen : vor 1890!

Nun fand das TCR zum siebten male statt, diverse Länderdurchquerungen schon seit Jahren. Zeitungen geschweige denn Teams von Fernsehkanälen  sind nicht dabei. Was wissen wir von ihnen? Wenn man es genau untersucht erstaunlich viel. Die Teilnehmer führen Buch. Über twitter, über strava über spezielle Plattformen, mache über Blogs.

DSCF0939Es ist kaum Geld in die Veranstaltung involviert, Preisgelder schon gar nicht. Es ist eher so, daß es um das Minimum an Support und Struktur geht und reiner Selbstversorgung. Die mediale Struktur, die nicht mehr als Folge sondern (pervertiert) Voraussetzung für Ruhm, Aufmerksamkeit und Geld ist, fehlt darum.

Das Verhältnis Anstrengung zu Aufmerksamkeit kehrt sich um: Die Leistungen der Mitstreiter sind gewaltig, ihr Mediengewicht winzig. Es muß einem dazu nur klar sein, daß auch der 150te Teilnehmer des Transcontinental Race mehr Kilometer und mehr Höhenmeter in kürzerer Zeit bewältigt hat, als ein Sieger der Tour de France. Als jeder Sieger der Tour de France – ohne dessen athletische Fähigkeit in Frage zu stellen.

aa2Dennoch verschwinden diese Rennen und Sportler nicht im nichts – es gibt neue Wege zum Ruhm. Es gibt neue Formen der medialen Erzählung, feinere, klügere, direktere.

So wird immer mehr sichtbar vom Everest des Sports, der sich zum Beispiel transconrace nennt.  Tracker,  GPS-navigation, microcameras,  die Smartphones von Freunden, Zuschauern und Teilnehmer, die Kameras einer Handvoll Fans an den Kontrollpunkten . Wir bekommen von ihnen Bilder aus verschiedensten Quellen.  Wir sehen die Schnitzeljagd von strava, sogar die Wattmessung in Echtzeit.

aa3Da entstehen wirklich neue Formen des Erzählens,  ohne Embedding oder Medienpläne. Ohne Pressestäbe und Wortbausteine. Wozu auch. Niemand fährt von Paris nach Brest, um ein Produkt zu preisen. Es sind beinahe private Formen, die mir eine ganz andere Art der Identifikation ermöglichen, eine viel persönlichere Art von Ruhm. Der Ruhm des Kristof Allegaert, der Ruhm der vielen anderen Starter und Abenteure und Sportler, denen wir ein Gesicht und unsere Sympathie geben können. Uneingeschränkt.

Je lauter und gleichgeschalteter die „alten“ Medien sich mühen, das Podium in unseren Köpfen zu besetzen, desto interessanter werden dotwatcher und freie Beobachter. Erst so wird das Potential unserer neuen digitalen Welt ausgeschöpgft. Als frische, neue Quelle für die Abenteuergeschichten unserer Zeit. Für einen Ruhm der mit dem , den wir sonst verkauft bekommen wenig zu tun hat.

 

 

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