Samstagsmorgens, vor Weihnachten

161212 Wasenbach

Erst durch das Lahntal, den schmalen Weg nach Balduinstein nehmen, der direkt am Fluß vorbeiführt und im Sommer so beliebt ist , dass er mit dem Rad nur mit der Hand an der Bremse passierbar ist.

Der Frost ist gegangen, doch auf dem Feldweg liegt der von Traktorspuren verdichtete Schnee so vereist, dass ich schieben muß. Stille, völlige Stille. Gegenüber der Waldhang; dann ein Rauschen in der Luft. Ein Kormoran mit angezogenen Flügeln stürzt auf seinen Heimbaum am Lahnufer. Dort wartet seine Sippe auf weiß begossenen Ästen.

Ich schaffe es ohne Sturz über den gefrorenen Weg .

In Balduinstein ist die nächste Lahnbrücke, dort warte ich auf die Abfahrt der Lahntalbahn: Vectus Express. Der Fluß ist ein graugrüner Spiegel. Nach dem Ort der Anstieg nach Camberg, vorbei an aufgestellten, geschliffenen Marmorplatten, schräg und fast ohne Biegung den Hang hinauf. 10. Nach einem kleinen, kurzen Flachstück und dem Hof geht es links mit einem Schwung zum Gabelstein hinauf, die Schaumburg dräut neugotisch am Horizont. Fotopause auf der Höhe Ein Seminarzentrum oder Hotel soll sie werden. Warum nicht eine fantastische Ruine in der es spukt?

Wasenbach in seiner Talfalte ist noch nicht ganz wach, und sogleich geht es wieder die Serpentine hinauf vorbei an dem Deutz 7006 – was einst ein stattlicher Traktor war.  Schöner Blick zurück auf die barocke kleine Kirche. Ein Bergkamm und ein Wald trennt Wasenbach von Schönborn, am Waldrand beginnt eine kleine Allee von Obstbäumen und Birken. Dort hinten liegt die Bundesstraße und als ich einen anderen Radfahrer auf ihr sehe, stürze ich mich in die Verfolgung.

Er ist sicher Mitte Fünfzig und auf einem Tourenrad mit ganz kleinem Gang unterwegs, Gepäckträger und zwei Packtaschen sind voll, dazu ein Rucksack, aus dem ein Gehstock ragt. Ich halte an und wir sprechen uns kurz in der Wintersonne. Eine Weihnachtstour? Nein, er möchte kein Foto. Sein Akzent: nicht aus der Gegend –  vielleicht aus Hessen? Die Übergänge der Mundart: hier das Hessische, drüben, jenseits der Lahn, das Rheinische. Er ist aus Fritzlar und will heute in die Pfalz , hinunter an den Rhein. Dann bis Basel. Also gute Fahrt: der Ebene und der Wärme entgegen.

Ich nehme die Biege vor Katzenelbogen Richtung Hahnstätten. Hinauf und hinunter ist es schön gleichmäßig – der runde Tritt kann fein greübt werden. 4% Steigung sind dafür ideal, noch schöner, wenn kein Verkehr herrscht.

Das Aartal bedeutet 3 Grad mehr Wärme, darum liegt auf dem Radweg auch kein einziger Flecken Schnee – sehr gut: denn auf der Bundesstraße folgen sich die Autos wie an der Schnur, denn nach 12 beginnen an diesem Samstag die Weihnachtseinkäufe.Bild

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