Requiem Motobecane

5 12 12 Durchhalten Motobecane

Motobécane

Motobécane (Photo credit: Wikipedia)

Es wird doch knapp bis zum Nikolaus. Paßt die Kurbel ? Na ja – wird irgendwie eng für den Umwerfer. Passen die Bremsen? Der Steg hinten ist schon zu hoch, da verrät sich die Tourenradvergangenheit, wenn eine Schenkellänge von 57 noch weiter aufgefeilt werden muß. Passende Felgen? Wir werden sehen, was Herr Pfeuffer uns heute abend beschert. Seine Ambrosio Elite haben vielleicht etwas mehr Bremsfläche?

Nicht , dass es hier um große Summen ginge, aber für ein Komplettrad muß man am Ende weniger zahlen, wenn man Geduld aufbringt. Was Gott einmal zusammengefügt hat…es ist ja so: bei einem gebrauchten Rad, haben ja alle Komponenten zueinander gefunden und auch funktioniert. Nun will man bessere, andere, Schönere!. Und schon ändern sich die Parameter. Die vorhandene Achswelle muß ja eine andere Kurbel aufnehmen, passende Bremsen für die vorhandenen Abstände bestimmt werden. Schon ist man in der Geschichte eines Übergangs.

Der Übergang vom hexagonalen (französischen) zum globalen ((taiwanesischen?) Fahrrad zum Beispiel. Von der Geometrie der 1960er zu den 1980ern, anderen Sitzrohrwinkeln, Kettenstrebenlängen , Bremsstegen, so wie hier. Nun verstehe ich auch, wie viel Suche in dem Wiederaufbau eines rein französischen Rennrads steckt: Wenn die Rohrdurchmesser und Gewindemaße nämlich von dem abweichen, was sich nach 1983 in der Welt durchsetzt, dann heißt es heute Geduld haben.

Auf der anderen Seite bedeutet dieser Fall für mich: auch einmal Lehrgeld zahlen dürfen, aus Irrtümern Schlüsse  ziehen. So ein Einfach-Rennrad ist ja doch nichts, (eine vertane historische Chance in Sammlerkreisen). Anders gesagt – es lohnt sich dann, genau auf die Abstände und Verbindungen zu sehen, die passenden Maße nachzufragen, ein gutes Sammlerauge zu entwickeln, nur eben in Fahrraddingen.

16.12.12

Verdammt diese Woche kaufe ich eine 105er Kurbel und eine passende Bremse. Ist doch noch ein teures Rad geworden. Sehr relativ: für  den 100er gibt es schonmal ein kinderfahrrad.

260213

Was ja nicht heißt, dass diese Geduld belohnt wird. Ja ich habe mit ach und Krach jetzt doch eine 600er Kurbel draufmachen lassen, eine hässliche und billige PointBremse wegtauschen lassen in der gewißheit, dass, nach erfolgter Bezahlung, das Motobécane einigermaßen angenehme Fahrt ermöglicht. Doch halt, da wackelt was am Vorbau – ist er es selbst. Und beim ersten Tritt mit Kraft versetzt es das Hinterrad dergestalt, dass sich die blaue Färbung des mantels an der Kettenstrebe abreibt ….. Unmöglich diese Felgen festzuziehen – dabei sind es so hübsche gepflegte, zeitgerechte Ambrosios. Warum spannt denn der Schnellspanner so lasch. Verflucht, wenn das nicht mal ein zusätzlicher Spacer an der Felge ist, die ist ja gerademalso mittig zu stellen.

Ich rätsele, ob der Monteur meines Vertrauens sich nicht etwas kursorisch mit dem Stück beschäftigt hat . . . doch das Faß soll den Boden erst noch verlieren, als ich nach einigen Umdrehungen bemerke ,dass es um das Tretlager irgendwie alles weich ist. Eierig und eigenartiges Gefühl.

Leider ist Nieselregen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kein guter Anlaß, sich ausgiebig auf Fehlersuche zu machen. Ganz sachte also trete ich mir einen kleinen Gang über die kleine Runde. Alles fährt sich komfortabel, die Laufräder sind in gutem Zustand, brauchbar an jedem Rad.

Denn an  diesem Motobecane wird bald nichts mehr dran sein: zu Hause faß ich den bitteren Entschluß, das Rad zu demontieren bis auf Rahmen und Point Bremse und alles fein zu veräußern. Es soll mir eine Lehre sein, und die Quittung bekommt der nette Monteur. Mann ohne Ehre, oder vielleicht mit Problemen, von denen ich gar nichts wissen will. Mag er jetzt Bauernräder flott machen und Dreigangschaltungen verwurschteln.

Ein Lerneffekt mehr.

So lange die Vorbereitungen und Erwägunnen um das Motobecane dauerten, so leicht fiel dann der Abschied und so schnell habe ich es wieder vergessen. Das Rad war Ruckzuck von einem fähigeren Mann demontiert, die Teile gingen an das Raleigh-Carlton. Es war ein ordentliches Rad, aber eins mit Macken. man hätte etwas Anderes draus machen sollen: Ein Stadtsportrad für Frankfurt aber dann passen wieder so viele Sachen nicht und das Spiel beginnt nur Nerven zu kosten, wenn man sich nicht selbst eine Werkstatt hält.

In gewisser Weise war das Rad nie zu einer funktionierenden einheit geworden, nichts also, das man „mein Rad“ nennen könnte.

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Es war aber das erste Mal, daß ich begriff, wie variabel und teilbar ein Rad ist. Was ich früher immer als Einheit sah ist in Wahrheit ein Baukastenprinzip (mit Einschränkungen).

Weshalb ich mich so leicht trennen konnte:

Man hängt nicht dran, solange keine positiven persönlichen Erfahrungen damit gemacht werden, das ist sicher.

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