290413 Sonne im Gelbach

290413 Sonne über dem Gelbach

Der Mai ist nicht mehr weit, die Sonne scheint ungehindert, umso ärgerlicher, wenn man sich ohne Flüssigkeit auf die Tour macht. Wo eine Flasche finden?

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Lidl wird, wenn in Sichtweite die Quelle mit frischem Wasser sprudelt, zu einer Zumutung. Die formlose Masse diverser getränkesorten in unterschiedlich kontaminiertem Plastik ist abschreckend. Aber was tun, wenn der April eine maximale UV Dosis herabschickt und keine Trinkflasche am Rad ist. ? Ei! Eine Flasche suchen, die ans Rad passen würde.

Ich kaufe schließlich deren zwei, die eine, Ceylontee mit Pfirsischgeschmack, weil sie in den Flaschenhalter passt, die andere, Kinder Fruchtsaftmix, weil sie einen Trinkverschluß hat und deshalb wahrscheinlich „Kinderfruchtsaft“ heißt. Das teuerste  an der Sache ist sicher der Verschluß, der die süßen Kleinen am Bekleckern des geleasten Touran hindern soll. Die Handelsbezeichnung Nektar ist natürlich eine Verdreheung der Tatsachen, die sich diese Fruchtabfallverdünnungsindustrie je ausgedacht hat. Die Sprache bringt es an den Tag

Aber so weit ich die Kunden hier sehe, haben sie nichts  Besseres  verdient. Tschuldigung, aber der Selbsthass lässt mich gerade sehr ausfallend werden.

Innenansicht Lidl

Innenansicht Lidl (Photo credit: Wikipedia)

Draußen prüfe ich tropfenweise den Inhalt beider Getränke und schütte den Kindersaft umgehend in die Zwangsbegrünung des Parkplatzes vor dem Supermarkt. Damit niemand denkt, Sträucher auf Gewerbeparkplätzen seien eine philanthropische  Einrichtung. Ich hoffe, sie überleben den Guß.

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Den Tee endlich  in der Flasche mit dem mühsam dichtgeschraubten Kinderverschluß – Untertehma Steigungsmaße von Plastegewinden – , stürze ich mich nach Isselbach hinunter, überhole ein trödelndes Rennradpärchen, das sich dann gleich an meinHinterrad heftet. Er lässt sich nichts gefallen und überholt mich demonstrativ. Ein Carlton mit Schutzblechen ist offenbar etwas, das nicht als schnelles Fahrrad eingeordnet werden kann. Wahrscheinlich liest er regelmäßig Lidl Postillen. Ich überhole wiederum und lege

Richtung Dies groß auf, die Sonne strahlt, Millarden kleiner Blätter punktieren die Luft:  es geht durchs Gelbachtal und ich  beschließe eine kurze Bergetappe, den Anstieg von Dies nach Charlottenberg, 3 schöne, zum Ende aber giftige Kilometer. Es geht kurz über die Brücke mit dem schönen gußeisernen Geländer und dann in zwei Serpentinen den Waldhang hinauf. Nichts stört mehr, Motorräder warten in Stadtgaragen aufs Wochenende und die übrige Menschheit sitzt zu Tisch. Forstfahrzeuge haben eine Kurve eingeschlammt. nadelbäume  Keine frischen Spleiße einfangen hier  –   und durch. Es rauscht, es knackst es lebt.

Es ist meine dritte Auffahrt und diese hier geht leicht, nicht wegen anderer Übersetzung sondern, weil Erfahrung hinzugekommen ist. Die Wegführungen aus dem Lahntal gehen fast immer nach dem Muster :eingangs schwerer Anstieg, passables Mittelstück und zähes Ende. Wenn also in der Mitte  aufgedreht wird, kann es am Ende schon weh tun, oder knapp werden mit der Luft. Heute in 42#26. Die alten Hutchinson Reifen laufen wie Neue, der Brooks Sattel scheint mir etwas breit . Das Ding sieht in dieser Saison schick aus, muß aber vielleicht doch nicht sein. Soll man aber unter 4h Fahrtzeit nicht beschwören

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Oben auf der Höhe sehe ich nach Westen über das frische Grün zum Feldberg, nach Osten auf den gegenüberliegenden Waldhang vor Gackenbach. Ich folge dem Waldsaum bis Charlottenberg, einer Waldensergründung.

Die Waldenser waren eine radikalchristliche Sekte des ausgehenden Mittelalters, die aus ihren Ursprungsgebieten, den Tälern der Savoyer, Walliser und Italienischen Alpen , von der Inquisition zu Häretikern erklärt, verfolgt und vertrieben wurden. Einer adligen Charlotte verdankte einer Vaduzer Gruppe die Möglichkeit zur Ansiedlung. Am Wendepunkt meiner Fahrt steht eine Erinnerungssäule an das Jahr 1699.

das Dorf ist nicht sehr groß, ein schlichtes Straßendorf. Die weißen Wände der Häuser werfen das Licht als blaue Schatten auf die Straße zurück. Niemand zu sehen.

Ich sollte mehr Geschichtsbücher lesen – war hier Nassauer oder Oranier Land? Oranier kämen als Wohltäter vielleicht eher in Frage, aber das sind Vermutungen. Ein bofrost Wagen liefert Tiefgekühltes frei Haus.

Glaubenskriege, Verfolgungen, Vertreibungen.

Womit leißen sich heute Verfolgungen rechtfertigen? Mit der Blockaden von LIDL Märkten? Der

Weigerung, Ökosteuern zu zahlen? Nur die radikale islamische Behauptung scheint im Westen völlige Enthemmung zu verursachen. Der konsumierende Rest erfährt eine telemetrische Engführung, die er kaum spürt, wenn er den Rechner öffnet und darum auch die Rebellionsgedanken verkümmern läßt. Ob seine Möglichkeiten genutzt werden eine gerechtere Welt zu schaffen?

 

Ich schweife ab. Es ist ein (in erinnerung an den Spätwinter) unglaublich schöner, feldlerchenbesungener Tag und die und die blühenden Bäume mussten nicht dem Frost opfern. Weit offen ist der Himmel .. Das Carlton in seinem Lagunenblau spiegelt die Farbe der Luft.

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