40513 Suche den Gang

040513 Die Suche nach dem richtigen Gang

Meine Fahrten setzen sich zuhause in der Suche nach praktischen Ratschlägen fort, die dem Novizen dienen. Immer wieder trifft man auf Meister die ihre Erfahrungen teilen.

Der Rahmenbauer Dave Moulton schrieb in seinem Blog (davesbikeblog.squarespace. com), dass Rennmaschinen auch deshalb unter der Mountainbike Welle untergingen, weil es Geräte sind, die an den Besitzer gewisse körperliche Voraussetzungen stellen, um richtig genossen zu werden.

Vor 1980 traf das ganz besonders auf Übersetzungen zu. Solange professionelle Rennsportler mit einem Maximum von 42×24 kletterten, gab es von den Komponenenteherstellern auch kaum anderes. „Mettre du 26 c’etait coton pour nos mécanos“, zitiere ich Thevenet(1977!), der von den schwierigen Versuchen berichtet, sein Leben auf Bergetappen leichter zu machen). Mir jedenfalls war an Aufstiegen wie dem Stockeu oder der Redoute deutlich geworden, dass ich diese wohl nie mit meinen heroischen 42×26  bezwingen würde.

Nun haben sich die Zeiten geändert, das MTB hat Massen begeistert, die Kompaktkurbel wurde marketinggeboren und so konnte ich für den Shimano-Lochkreis von 130mm ein Produkt finden, das sich  mit der Farbe der Kettenblätter vertrug. Auf der ersten Generation seiner Rennsportschaltung Dura Ace ließ der Hersteller ein 26t max prägen, damit jeder sah, dass er größer als die Konkurrenz ritzeln konnte. Das muß ich ausnutzen –  und so gelange ich in die Nähe der magischen 3m per Umdrehung, die auch mittelfitten und mittelalten Menschen Bergfahrten erlauben.

Und dafür muß ich ja auch gar nicht erst in die Alpen , denn im Westerwald und Taunus,  im Bergischen- und Siegerland wurden die Dörfer vor dem Automobil nicht durch Serpentinen verbunden, sondern mit trocken steigenden Direktverbindungen,- Hohlwegen und Pfaden, die inzwischen geteert sind.

Die 14 sind natürlich ein Mittelwert.

Bei diesen Aussichten ist die Aussicht auf eine kleine Leidenspassage erträglich:

n.b. die Flasche habe ich hernach überrollt u. verbeult. Gefährlich.

Die Motorradfahrer aus Unna, Köln und Neuß sind schon an mir vorbei. Der Duft ihrer Gase hat sich gelegt. Gleich wird das gelbe Postauto über die Kuppe kommen und ins Tal nach Isselbach hüpfen. Ich ihm hinterher.

Was Gabel und Steuerkopf hierbei mitmachen ist  allerhand. Es rüttelt und schüttelt uns auf der vernarbten, löchrigen Straße durch, dass die Bremshebel kaum zu halten sind.

Ob meine satten 88kg das material an seine Grenze führen?  Bei den rustikalen Abfahrten denke ich immer , daß es ganz gut ist, fast neue Reifen und einen gerade durchgesehen Satz Laufräder zu fahren. Beeindruckend, wie Kurven so viele enger als in der Gegenrichtung scheinen.

Kurz über Isselbach prüfe ich das Rad und trinke einen tiefen Schluck. Die Grüntöne an den Hängen sind myriadenfach weiß gesprenkelt, die Tannenschonungen legen einen tieferen Farbgrund und drüben nach der steinernen Brücke wartet der Aufstieg.

Mit einer 5mm längeren Tretlagerachse kann ich ein 3 faches kettenblatt anbringen und jede Diskussion über Steigungsprozente ist überflüssig.

Aber ich will es anders.

Nach dieser kurzen Steinbrücke im ursprünglich rauhen Basaltschiefer geht es kurz durch Essig , , ,        und dann langsam hinauf in Gang 1.

Gut geschützt zieht sich das Sträßlein den Hang hinauf wie eine Wand. Rechts und links blüht es, die Hecken schützen vor Wind, Viehweiden auf der abfallenden Seite. Aber ich bin schon längst in einem Stadium, bei dem der Blick sich auf die nächsten zwei Meter verengt und die leichteste Passage verzweifelt gesucht wird. Wieder erhebt sich die Straße, ich richte mich auf und habe das Gefühl, beinahe soviel mit den Armen zu ziehen wie mit den Beinen zu drücken. Ich kann mich wieder setzen, hart an der Grenze. Ich sollte nicht so viel über Kompaktkurbeln nachdenken,( gerade wird nicht gedacht). Irgendwann, nach einigen 100m kommt der Moment, an dem ein Rhythmus gefunden wird. Langsam, stetig, qualvoll.  Es ist härter als der Stockeu, vielleicht sogar härter als die Redoute – nur habe ich hier erst 20km in den Beinen . . . .

In dem Moment, an dem der Hügelrist zu sehen ist, gibt das Hirn von ganz weit den Befehl,  weiterzutreten. Vollast. Als ich mich ganz oben in Stahlhofen wieder umblicke muß ich husten, so habe ich gepumpt. Dann links hinunter nach Ruppenrod und wenn ich wollte könnte ich vom Gelbach wieder hinauffahren. Das machen besser mal andere.

Dieser kleine Versuch ist ein Fitnesstest, den ich zum Glück bestanden habe ohne abzusteigen. Ganz ehrlich ist er aber ein deutliches Argument für die Dreifachkurbel. Mit einer etwas längeren Achse kann auch ein schmaler Rahmen für 7fach alles bereit halten. Die zwei großen Kurbeln bleiben eng abgestuft, die Kleine kommt in den Notfällen zum Einsatz. Die 3fach Kurbel als Universalwaffe ist einfach ein Ding der höheren Vernunft. Mit einem klassischen vorderen Umwerfer oder einer 105er Gruppe kann dann jeder Rahmen umgerüstet werden. Es sieht eben nicht mehr so nach Hochleistungssport aus . Aber Leistungssport tut-s ja auch.

 

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