250513 Verfeinerung Vitus

250513 Verfeinerung Vitus

 

Kurz vor dem Ventoux: das Vitus anpassen.

 

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Ich hatte es im Februar gekauft – weil es so schön war, silber und mattsilber. Und so gut erhalten . Es war wohnzimmertauglich.  – etwas kürzer (1cm) Etwas kleiner (61cm c-t) als die anderen Räder. Ausgleich durch Vorbaulänge und Sattelauszug – meine Erfahrungen mit dem Galibier, welches ein 60er ist, haben mich ermutigt.

„Damit fahre ich den Vrentoux“, dachte ich mir als ich es sah und jetzt gilt die Wette. Nur verfeinerungen müsen sein.

Als eher athletischer Mensch brauche ich einen relativ breiten, geraden Lenker. Für den stark gebogenen „Gimondi“, der vielleicht auf Criteriumsrennen des Vorbesitzers hinwies, nahm ich einen geraden „tour de France“ – so fallen auch die Bremshebel besser unter die Hand. Die Hebel sind nicht nur für die Verzögerung wichtig – am Berg fahre ich mit Zug und die letzte Ventoux Bezwingung verdanke ich auch der guten Position der Bremshebel am Lenker.

 

Dann die  Schaltung verbessern: das ursprüngliche Campagnolo-Werk wollt nicht einmal 24 Zähne schalten. Da der Gebrauchtmarkt für diese italienischen Dinge gute Preise zahlt, fiel der Tausch gegen ein schönes glattes Dura Ace leicht.  Das erforderliche 28er Ritzel konnte aufgelegt werden. Es kann sein , daß dieses Problem nicht generell gilt aber Campagnolo Rennschaltungen aus jener Zeit sind nicht für alte Amateursportler konzipiert .

Ich wage mich mit also 39×28 an den Berg, der einen Anstieg von 20 km hat.

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Ich verfüge damit über  minimal 2m98 pro Kurbelumdrehung, was immerhin 20cm mehr sind, wenn ich es mit meiner Erstbefahrung im letzten Jahre vergleiche. Irgendwo muß es Fortschritte geben.

 

Natürlich sind die fehlenden Erfahrungswerte das größte Problem, denn 20 km Anstiege findet man eben nicht vor der Haustüre. Ich kann also nur über Wiederholung meine Anstiegskilometer  summieren und addiere dann am Ende der Trainingsrunde. Nehme dann das leichteste Rad und vertraue auf die Lernkurve.

 

Jetzt noch die Eingewöhnung. Erstmal eine Runde um die 5h, um die Harmonie zu testen. Kettenbach über Aar – hier warten erste Wellen. Position gut.

 

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Richtung Idstein, kurzer Anschluß an eine Dreiergruppe. Erst lassen sie mich vorn fahren und ich frage mich schon, warum, als am ersten Anstieg der Sprint loszieht. Ich gehe mit und sehe zu nicht Letzter zu sein. Nicht sehr angenehm, Misstrauen spürbar, aber ich bin vorgewarnt – die gruppendynamik der Radsportler will erstmal Beweise vom unbekannten Mitfahrer. Laurent Fignon berichtet genau das gleiche über seine ersten 6Tagerennen. Erst wird gefordert, ob Tour Sieger oder nicht.

 Schneller Abschied auf dem Weg nach Wiesbaden. Querfeldfantasie im Wald vor Orlen , eigentlich riskant: wer soll mich hier herausholen? Hält aber alles. Von der Platte runter nach Wiesbaden im Schuß. Das Rad sit stabil, kein flattern bei volle Gang. Bremsen packen gut, aber ich will sie nicht heute schon runterbremsen, die Beläge. Also mit Motorbremse das letzte Stück in die Stadt rollen. Ein Samstag.

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Bad in der Menge (dem Handel kann es hier nicht schlecht gehen) und guter Cappuccino beim Privatkaffeeröster. Ehepaare goutieren Spezialitäten, träumen von Chromskulpturen die 2Tässchen Kaffee auströpfeln.  Ein weiteres 1Kind Paar um die 40. Er trägt das Kind vorm Bauch gewickelt, Sie mit einem Hightech Kinderwagen hinterher. Stellt sich als Kaffeeimporteur (Plantagen in Indien!) und Cafébetreiber vor. Der postexistenzialistische Inhaber erläutert die Umrisse seines Geschäftsmodells. Ich bin einen Moment lang davon überzeugt, extrem reich zu sein, Wärme durchströmt mich bei dem Gedanken und ich kann meinen sehr guten Cappucino („mit einem shot espresso …“) zur Neige genießen. 

Dann zur Stadt hinaus und zur  Eisernen Hand über eine autobahngleiche Strecke wieder hinauf. Gang 3, das ist ok. Doch kein gutes Gefühl beim Tritt : der Sattel muß  reingerutscht sein, 2 oder 3 cm. Unten in Taunusstein finde ich eine Autowerkstatt. Nur die Selbständigen haben am Samstagabend noch geöffnet. Ein authentischer italienischer Schrauber, Name auf dem Overall.  Tatsächlich, die schicke Aero Stütze ist tiefer drin.  Inbus mit Ratsche, vorsichtig wieder hochziehen und dann sanft die Klemme festziehen.

Zu Hause werde ich die Stelle markieren und die Sache im Auge behalten. Bedankt, Banane gezückt und auf dem sanft fallenden Aartalweg mit Seitenwind 1h  am Anschlag fahren ,bzw. fast. Immer wieder der Blick, woher der Wind kommt.  Immer wieder der Blick in den Asphalt. Vitus rollt.

 

Wenig Verkehr, morgen soll der Weg für familien und fahrräder freigegeben werden. Der Autofreie Sonntag. Ein autofreier Samstag, das wär mal ein Experiment.

Morgen wird es ununterbrochen Regnen, es wird entsetzlich kühl sein . ich werfe einen Schatten auf den kalten Stein. Ich erkenne die Stellen alter Ausfahrten, das macht Mut. Kurz trinken. Es geht also:100km ohne viel zu zu essen.

Mein Körper hat es geschafft, er hat seinen Stoffwechsel für die langen Belastungen eingestellt. Allerdings nicht zu lange im roten Bereich fahren, so erzählt Hellriegel, der Meister aller Triathleten. Aber diese Typen sind völlig meschugge.

 

Vitus rollt, es fehlen nur noch sichere Reifen, dann geht es zum V-max mit ihm.

 

 

 

  

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