5 07 13 a poor man-s-sport

050713 Der Sport des armen Mannes

Exif_JPEG_PICTURE

Es war nach einem 150km ritt durch Schwaben mit wunderbaren Ausblicken über die Neckarschleifen. Beim sommerlichen chillout vor der lokalen Turnhalle fiel mir ein wirklich rostiges Enik mit einfachen Tatzenpedalen auf. daneben ein mitteljunger Mann in Sportschuhen. Gerade sprach ihn jemand an – ja, er sei die große Runde gefahren, nur die Schuhsohlen würden nach den vielen km drücken.

Exif_JPEG_PICTURE

Es war ein Pädagoge aus Br***. der die 25km zur RTF selbstverständlich auf dem Rad angereist war: denn ein Auto oder einen Führerschein hatte er nicht. Er war schlank und braungebrannt und offensichtlich von Rennrädern völlig kenntnisfrei. Für 100 Euro, sagte ich ihm, könne ich ihm ein Rad besorgen, daß nun wirklich besser rolle. Ich habe nie wieder etwas von ihm gehört.

Ich übernehme hier einen Artikel von Dave Moulton, den ich sicher schon einmal erwähnte,  als es um den „working class hero“ ging. Selbst wenn Moulton über die spezifisch britischen Verhältnisse nach dem Krieg berichtet und uns damit kulturhistorische Einblicke gewährt, die wir aus unserem eigenen Land kaum kennen, erkenne ich doch einige bemerkenswerte Parallelen,   auch zu Belgien und Frankreich.

Exif_JPEG_PICTURE

Zwar ist das Bewegen von Rennrädern, wie ich hier am Ventoux beobachte, nun wirklich nicht mehr bevorzugt der Arbeiterklasse alter Prägung vorbehalten, sondern, wie auch der blog  grimpeur bemerkt, möglicherweise auf dem Weg zum „neuen“ Golfclub.Aber eben nicht nur.

Da Radsport auf öffentlichen Straßen abläuft, keine zwingende Mitgliedschaft zu seiner Ausübung notwendig ist und es auch sonst keine Eintrittshürden gibt , hat der neue Arme durchaus seinen Platz darin. Der Preis für ein ordentlich erhaltenes Rennrad mit guten Laufrädern und frischen Reifen liegt um die 200 Euro, wenn es nicht mehr als 8 Gänge sein sollen. Das ist weniger, als für ein sogenanntes Kindermarkenrad ausgegeben werden muß.

Fast die gesamte Ausstattung kann in brauchbarer Qualität allherbstlich und in jedem Frühjahr bei discountern erworben werden. Der neue Arme, der über erheblich mehr Freizeit verfügt als sein Vorfahr ( von dem gleich bei Dave Moulton die Rede ist) hat also die Möglichkeit ausgiebig zu trainieren. Er wird dann auf den breit gestreuten Veranstaltungen lokaler Vereine die Gelegenheit haben, sich auf Selbstkosten mit anderen Fahrern zu messen, die im Jahr möglicherweise das 100fache für ihr Hobby ausgeben. Er wird sie bei ausreichender Begabung, Jugend und Fleiß in Grund und Boden fahren –  wenn denn das sein das Ziel ist.

Niemand wird mehr auf sein Rad, seinen Helm oder seine Schuhe herabsehen, wenn das geschehen ist, soweit geht der Sportsgeist schon (natürlich bleiben wir im Mallorca Trainingscamp dann unter uns). Ich hetze nicht zum Klassenkampf, will nur auf den „great equalizer“ Radfahren hinweisen.

P1100180

 

Andererseits wird dem poor man ohne Rennambitionen möglich sein, über das gut ausgeschilderte Wegenetz lange und schöne Strecken zu bewältigen. Mit weniger als 10 kg Gepäck wird er auf Spesen verreisen, im Iglu campen und feststellen, wie viele Idyllen ein Land neben den verstauten Autobahnkreuzen zu bieten hat. Er braucht dafür keine Gesetze zu übertreten, nicht auf Bahnhöfen zu warten und an Tankstellen muß er allenfalls Gaskartuschen kaufen.

Der Frühlingsradwanderer auf dem Weg ins 450 km entfernte Breisgau, den ich an einem Sonntagmorgen nach der ersten Schneeschmelze sprach, und  kein Foto wollte (ja, es gibt Deutsche Bürger mit eingeschränktem Bewegungsrecht), mochte dazugehören.

Nun wie angesagt zurück in die 1950er, zurück in die Zeit, in der Rationierung von Essen und Brennstoff noch nicht vergessen war.

SNEL Wiesbaden 500313

„A few weeks back I mentioned the slump in bicycle sales in the late 1950s and the 1960s due to working class people buying cars for the first time. One reader could not understand why that would affect sales of racing bikes.

Cycling, and cycle racing in the UK and the rest of Europe in the 1950s and before, was not like it is today. And it was nothing like the cycling scene as it is in the US today. Low income working class people rode bicycles as transport, it was how they got to work each day. A few raced on Sundays, but it was more a social thing, than a fitness thing like today.

Many owned one bike that they put mudguards on and rode to work on it all week.On a Sunday they would ride to a race, (In the UK that would be a time-trial.) carrying their best wheels with tubular tires. (Picture left.)

The mudguards would be removed, best wheels would go in and they would race.After the event the mudguards went back on, etc., and they would ride home. Many did no further training, other than ride to work and everywhere else.

Middle class people with a higher income, owned and drove motors cars, they did not exercise, or belong to Cycling Clubs. When the income of the working classes improved, they also bought motor cars and didn’t exercise, so they gave up cycling and cycle racing.

For many Cycling was never seen as exercise, it was what people did out of necessity. Joining a Cycling Club and racing on the weekends was a social outlet. Racing was easy because people were naturally fit.

It wasn’t until the US fitness craze of the 1970s, that sparked a second bicycle boom. Today, racing bicycle equipment is high tech and super expensive, low income people do not buy it. Cycle racing is no longer a poor man’s sport, and never will be again…..“

Dank an davesbikeblog!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Spleen & Ideal veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s