250813 Garmin ix3o- die ostseite des Taunus

250813 Garmin ix 30  Rund um Ober-Mörlen

 

Es ist einer dieser älteren, rütteligen Feldwege, die man noch aus aneinandergefügten Betonplatten gebaut hatte, damit sie unter schwerem Gerät nicht nachgäben. Der Regen überströmt ihn seit bald einer Stunde und hat schon tiefe Lachen gebildet. Zu zweit schießen wir mit unseren Rädern die leicht abschüssige Bahn auf Ober- Mörlen zu, durch und durch naß. Die Autos, die uns hier entgegegnkommen versehen uns im Vorüberfahren mit erdigen Fontänen.

 

Meine kleine Kinderuhr mit dem bunten Stoffarmband, die ich in einer Pappschachtel voller Spielsachen fand, hat durchgehalten und zeigt mir, daß ich vor genau sechs Stunden, kurz nach 7h die Reise durch den Taunus begonnen habe.

 

Neben mir fährt Werner auf seinem Super Randonneur, an dem noch das Schild des Belchen-Satt 600ers befestigt ist. Die letzen vier Stunden habe ich in Begleitung dieses seltenen Vogels verbracht, dessen Audax Allemagne Trikot mir zeigt, daß er zu denen gehört, die 2007 Paris-Brest- Paris beendet haben.

 

Darum handelt dieser Bericht über die 150er Runde rund um Ober-Mörlen, einem Städtchen in der Nähe Bad Nauheims, vor allem von den Hinweisen, die Werner , den Gleichaltrigen, mir für erfolgreiche Bewältigung langer Distanzen gab.  

 

Das Wetter war schon am Vortag umgeschlagen, der Wind hatte spätnachmittags gedreht und das Tiefdruckgebiet die angekündigten Wolken gebracht, die Rede war von Schauern und zeitweiliger Bewölkung. Bei angesagten Temperaturen von „bis zu“ 25 Grad kein Grund sich Sorgen zu machen, wenn man mit dem Rad unterwegs sein will. Mit dem „bis zu“ in den Wetterberichten verhält es sich aber wie mit „ab 1 Euro“ Schildern auf  Wühltischen. Es wurden dann 16 Grad, so daß ich nach der Anmeldung am kleinen Vereinsheim nochmals zum Wagen zurückkehrte, in dem meine Regenhaut lag.

Da war der Audax Randonneur, der die 41 km aus Frankfurt bereits zu Rad hinter sich hatte, bereits davon.

 

Im Zickzack geht es über die Felder hinaus, der Mais steht hoch, die Luft ist still und der würzige Spätsommerduft weckt den Appetit auf Kilometer. Start war ab 7h und als ich kurz zuvor eintraf, waren nur einige ältere Herren bereits startklar mit Ihren BDR Ausweisen am Vereinshäuschen. Ab und zu erkenne ich einen rollenden Punkt am Hügel vor mir. Die Autobahn ist so leer wie vor 50 jahren und ein AMG Mercedes mit rotem Kennzeichen donnert unter der Brücke hindurch. Ein weißes Colnago begleitet mich ein stückweit, der Fahrer nimmt sehr vorsichtig die Kurven. Mal prescht er vor, mal lässt er langsamer rollen: kein Rhythmus.

In den Dörfern viel buntes Fachwerk, barocke Kirchhelme und verwinkelte Gassen. Das Obst reift, das Grün ist satt, einen wunderschönen Garten mit einer Rosenallee streife ich an einem Ort Namens heiliger Stein. Schon ist die erste Kontrolle erreicht. Stempel und ein Stück Prinzenrolle – flugs weiter.

Es ist mild, das Koga Miyata surrt geräuschlos wie nie, nachdem mein Nachbar mit Kennergriff die Spannung des Schaltwerks richtig eingestellt hat. Die Hoffnung auf einen Sonnenstrahl lebt fort. Manchmal geht es leicht aufwärts, aber das Profil bleibt der Taunusausläufer ist milde. In Lich erblicke ich Vorstarter: die Hauptstraße ist abschüssig, und an der nächsten Ampel treffe ich auf 2 ältere Fahrer in Vereinstrikots. Hinter Lich folgt ein sehr gemächlicher Anstieg und ich sehe bereits eine ganze Gruppe am Horizont. Ich versuche das Audax Trikot zu erkennen.

Kurz vor der Kuppe grüße ich die Mittfünfziger in grünen Vereinstrikots. Der Gesuchte ist nicht dabei. Lachend wird zurück gegrüßt. In der nächsten Gruppe, zu der ich an einer weiteren kreuzung stoße,  steckt er auch nicht. Aus dieser hat sich eine kleine Dreierabteilung abgesetzt, die nun eine Weile vor mir herfahren wird, zwei Gelbe, ein Blauer. Nachdem ich sie meterweise eingerollt habe (nie überziehen, genau die Teilnehmer beobachten) fahren wir die nächsten Kilometer bis zur Kontrolle gemeinsam, wobei ich zum ersten male bei einer RTF als Zugmaschine benutzt werde. An der Kontrolle verabschieden wir uns, die Combine fährt nur die 70er Runde und dort steht mein Audax Fahrer. Er ist so nett mich als Begleiter zu akzeptieren und die verbleibenden Kilometer werden wir in guter Unterhaltung zusammen den Taunus südlich von Wetzlar durchkreuzen. Dabei wird er mir einiges aus seinem Erfahrungsschatz mitteilen,

 

Anatomie eines Randonneurs.

 

Die Randonneure sind unter den Radfahrern eine besondere Spezies. Es sind  Spezialisten der Bewältigung extrem langer Strecken (bis zu 1000km) innerhalb von Zeitlimits. Diese Veranstaltungen werden Brevets genannt. Die zahl der Randonneure ist allein wegen des zeitlichen Aufwandes gering und neben dem Anspruch an die Physis geht es um die mentale Herausforderung, da diese Prüfungen nur selten in Gruppen gefahren werden, zu unterschiedlich sind die individuellen Stile und Rhythmen. Anders als bei den gewöhnlichen Rennradfahrern geht es nicht um einen maximalen Schnitt (ein Rennen fahren ist nicht verboten – führt aber selten zum Ziel), sondern um die taktisch beste Bewältigung der Prüfung und der eigenen Schwäche.

Es versteht sich, daß Randonneure eine marginale Gruppe unter den Radfahrern,  geschweige denn den Radsportlern darstellen. Ihre technischen Lösungen sind zu individuell, um eine vernünftige Zielgruppe für neue Carbonrennrahmen zu bieten. Ihre Komfortansprüche unterscheiden sich sehr von den meisten Reiseradlern, die durch die Trekkingmagazine besarbeitet werden. Man trifft unter ihnen alle Gattungen an Fahrern und Fahrzeugen, einige schwören auf Ledersättel und Stahlräder, andere fahren mit Sandalen, auch Liegeräder finden sich. Was zum Ziel führt, ist erlaubt.

 

Randonneure sind eine ursprünglich britisch-französische Bewegung, wenn man überhaupt von einer Bewegung reden kann. Eng mit dem Camping der 20erjahre verbunden und aus der Zeit geboren, in der der Besitz eines Automobils eine Ausnahme war, verstehen sich Randonneure seitdem als strikte Amateure und Enthusiasten, die sich vom Renngedanken und dem Professionalismus des Sports bewusst absetzen.

Sie entwickelten ihre eigene Form von Wettbewerb indem sie brevéts ausschrieben, Distanzfahrten, die den Nachweis der langstreckentüchtigkeit des Radfahrers erbrachten.

Damit ist auch eine ganz andere Form des Radsports als die der Amateurrennen oder Jedermannrennen unserer Lande gemeint. Dessen verschärfter Wettbewerbscharakter ist auch unter den meisten Teilnehmern von Radtouristikfahrten spürbar (man sehe das gefahrene Material) und darum ist es selten, einen solchen Reisevogel zu erwischen.

 

Werner  ist der erste Randonneur, dem ich leibhaftig und zu Rade begegne. Seit zehn Jahren fährt er brévèts, zuletzt den Belchen-Satt , eine 600km Runde mit 12000 Höhenmetern durch den Schwarzwald, den französischen und Schweizer Jura. Nur 20 Fahrer kamen bei Temperaturen von bis zu 40° in die Wertung. Was er mir in den paar Stunden sagte, die ich  mit ihm fuhr schreibe ich nun so vollständig wie möglich auf, damit es mir für meine Vorbereitung nicht verloren geht.

 

Kopf

 

Ein Randonneur muß an alles denken, alle teile seiner Ausrüstung müssen unter widrigen Umständen und in verlassensten Gegenden funktionieren. Jedes  Teil sollte bestens erprobt sein, und überall funktionieren.  Einer der wesentlichsten Unterschiede zum herkömmlichen Radfahren ist die Nacht, die gerade im Sommer maximal genutzt wird. Für den Kopf sollte man außer einem Helm eine Kappe oder ein Tuch haben, das den Schweiß fängt und vor Sonne schützt. Eine Kopfleuchte führt man mit, falls nachts unterwegs etwas zu reparieren ist. So sieht man etwas und hat beide Hände frei. Eine Brille ist eine nützliche Erfindung gegen fliegende Insekten oder Fremdkörper. Der Helm sollte vor allem genau zum Kopf passen.

 

Hände

 

Natürlich trägt man Handschuhe, aber es ist auch sinnvoll, das Lenkerband doppelt zu wickeln, so daß die Stöße der Straße nicht zu sehr durchschlagen. Nach 24h Stunden addieren sich alle Belastungen. Der Lenker sollte viele Griffhaltungen ermöglichen, so kann der Körper viele unterschiedliche Positionen einnehmen und immer wieder entspannen.

 

Oberkörper

 

Bis 12° Außentemperatur fährt Werner kurz/kurz, ein se ermittelter Wert. Er bevorzugt moderne Trikots aus Poly-stoffen, da diese schneller trocknen und pflegeleicht sind. 16 bis 20 ° sind eine optimale Temperatur zum Radfahren, die Balance zwischen frieren und schwitzen stimmt. Bei Kälte muß der Körper viel Energie aufwenden, die Körpertemperatur konstant zu halten, bei Hitze ist es umgekehrt, zudem mehr Flüssigkeit verbraucht wird. Auf seinem Canyon aus schwarzen Alu sitzt er sehr gestreckt , wodurch er im Wind weniger Kraft verbraucht. Sicher ist solch eine Haltung auch individuell und altersmäßig verschieden und am Ende eine Trainingsfrage, doch anders kann sie nicht ermittelt werden.

 

Magen

 

Unterschätztes Organ. Für die lange Strecke kommt es auf zwei Dinge an: den guten Stoffwechsel und guten Nachschub . Iss nicht soviel, rief mir Werner zu. Ich verstehe jetzt: Wer ausschließlich über Fettverbrennung die Energie nutzt, kann schier endlos fahren, denn die Fettreserven sind virtuell unendlich. Dafür sollte er im grünen Bereich bleiben. Anders die Kohlehydratspeicher: wer überzieht oder auf Tempo fährt, der holt sich die erforderliche Energie aus Kohlehydraten. Die sind aber schnell verbraucht und können im Zweifel gar nicht so schnell nachgeliefert werden, wie der Körper sie benötigt. Darum ist es wichtig, daß der Magen gut arbeitet und der gesamte Körper das Futter bestens verwertet. Dann geht es noch lange weiter. Wasser mit Salz ist der beste Mineralienlieferant, Magnesium andererseits nicht unbedingt wichtig. Die simpelste Methode ist ein wenig Kochsalz in die Wasserflasche zu füllen.  

Die Feinheiten verstehe ich zwar immer noch nicht ganz ,aber nun weiß ich, daß ich trainieren sollte, bei tempo moderato möglichst lange ohne Essen auszukommen. Damit erziehe ich den Stoffwechsel zu einer effizienteren Fettverbrennung und gelange zu längerer Muskelausdauer. Werner ist übrigens dünn wie ein Draht.  

 

Die goldene Mitte

 

Hier muß alles stimmen. Die Polster der Hose, die Stoffe und Nähte. Erproben. Bei der Qualität der Hose nicht sparen. Für Distanzen über 300 wird Sitzcreme zur Pflicht, Schweiß, Hitze und Reibung plus Schweiß können böse Folgen haben, von denen Wundscheuern nur eine harmlose ist. Es empfiehlt sich, nicht nur das Polster zu cremen, sondern auch die Oberschenkel. Einige nehmen  Nivea, andere anderes. Prüfen. Alles sollte peinlich sauber sein, Bakterien greifen nach jeder gelegenheit.  

Mir war aufgefallen, wie viel verschiedene Rhythmen Werner trat, mal leicht, mal schwer und immer wieder im Wiegetritt. Dieser Fahrstil hilft nicht nur, das Becken zu entlasten, auch die übrige Muskulatur von Beinen und Rücken entkrampft durch die häufig wechselnde Sitzhaltung.

Der Sattel sollte auf keinen Fall zu sehr gepolstert sein, die beliebten Brooks Sättel seien bei Regen ein Problem. Grundsätzlich solle man aber den Sattel nehmen, auf dem man sich am längsten Wohl fühlt.

 

 

Beine

 

Beine sollten viele Kilometer haben. Rasur ist nicht notwendig. Alle Kontaktflächen mit Textilien eincremen.

 

Füße

 

Die meisten Randonneure verwenden das langlebige spd System von Shimano, dessen Metallcleats robuster sind als die Systeme für Rennpedale. Ursprünglich ein mountainbke-Click-Sastem wird es wegen der variablen Einstellung und den Drehwinkeln  und der riesigen Auswahl am Schuhen, mit denen man auch laufen kann. Denn Laufen muß man früher oder später immer. Bei Hitze ist die Ausdehnung des Füßes ein Problem, weshalb der Schuh auch nicht zu knapp sitzen sollte. Fußcremes von Sixtus sind beliebt, der dauerhaft angenehme Geruch ein guter Nebeneffekt.

Bei Kälte und Nässe darf es auch keine Druckstellen oder Blutversorgungs- Engpässe geben.

 

Fahrrad

 

Hier gibt es die größte Bandbreite, da es ja in dem Sinne keine Moden oder Gewichtskonkurrenz gibt. Die Bauform des klassischen Rennrads hat sich durchgesetzt, versehen mit Licht und Schutzblechen, die nicht unbedingt fest angebaut sein müssen. Gleiches gilt für Gepäckträger und Taschen.  Die größte technische Neuerung der vergangenen zehn Jahre war der Nabendynamo mit LED Leuchte. Nachtfahrten sind dadurch erheblich sicherer und entspannter geworden. Das Navigationsgerät, eigentlich j a kein Bestandteil des Rades, ist eine andere Erleichterung, nimmt aber den ursprünglichen Charakter des Orientierungslaufs. Navigationsgeräte sollen am besten mit handelsüblichen Batterien laufen, das ist leichter, als eine Stromversorgung über den Dynamo zu konstruieren und die btterien halten im Dauerbetrieb 24h.

Bei den Rädern gibt es im Zuge der kleinen aktuellen Retro Welle ein fast missionarisches Preisen der Fähigkeiten alter französischer Konstrukteure und dem Deutsch-Amerikaner Jan Heine gebührt großes Lob für die Recherche  und Publikation zu Rene Herse und anderen. Seine Neuauflagen von TA Kurbeln und diversen Zubehörteilen sind wunderschön. In der Praxis jedoch kann auch mit neuem Material durchweg taugliches zustande kommen. Wie Dave moulton sagt, sind die meisten Menschen anatomisch durchaus ähnlich proportioniert  und werden somit auch mit nicht-maßgefertigten Rädern glücklich. So auch Werner der ein Rad vom Versandhersteller canyon aus koblenz fährt. Er hat es mit einer soliden 2×11 Schaltung und Bremsen von campagnolo ausgerüstet und keine Probleme. Seine reifen sind die bewährten 4000er von Conti, keine Sondergröße oder exotische Hersteller wie Grand Bois oder Panaracer.

 

Letztlich ist es die Physis und der Wille des Fahrers, die einen brevet entscheiden.

 

Kette und Ritzel

Eine Flasche Fett mitführen – bei Regen leidet die Kette Ritzel sauberhalten – ein möglichst breites Spektrum wählen, je nach körperlichem Zustand und Streckenführung ist  dasd Verhältnis 1:1 (28/28) durchaus nutzbar. Werner reicht eine 34×29 klein und 50 x12 groß.

 

Reifen und Licht

Felgenband sollte aus Stoff sein. Plastik kann sich bei langen Abfahrten durch Bremshitze so stark erwärmen, das der entstehende Überdruck zum Platzer führt. Daher neben 2 Schläuchen auc einen alten Faltmantel mitführen.

Licht ist zu einem sehr interessanten Ausrüstungspunkt geworden, seitdem es Nabendynamos und Led gibt. Werner fährt mit einem SON Nabendynamo und hat vorn radial gespeicht. Er empfielhlt ihn wärmstens obwohl Shimano „es auch tut“ .To be seen.

 

Tasche

 

Hier scheiden sich die Geister, es gibt Taschen aller Art für Vorder und Hinterrad, Lenker und Gepäckträger. Durch das vor dem Vorbau angesetzte Navi verzichtet Werner auf eine Lenkertasche, bei sehr langen Touren hat er einen Gepäckträger montiert.

Am Lenker kann Werner keine Tasche befestigen, da er in einer Klemmkonstruktion Navi und Tacho direkt über der kleinen Vorderleuchte im Blick hat. Für ihn ist es unpraktisch, wenn das Navi direkt über dem Vorbau angebracht wird – es ist dann in Fahrhaltung zu nah am Kopf.

 

Fahrstil und Fahrtechnik

 

Zunächst irritiert es mich, wie unruhig er fährt. Mal nimmt er schwerere Gänge, mal leichtere. Oft geht er aus dem Sattel, auch bei harmlosen Steigungen. Unterlenker, Oberlenker, mal so mal so. Ich frage ihn, ob er nicht eine bevorzugte Posotion hat. Nein, der Wechsel ist methodisch. Auf dem Rad muß man ein wenig rumhampeln, das vermeidet Ermüdung und Verspannung. Es gibt keine Dauerposition. Immer wider wechseln, dann bleibt der körper länger frisch.

 

Nach km 100

 

Nur ganz wenige sind heute offenbar bereit, die kleine 38 km Schleife über Altenkirchen Weilmünster und Braunfels zu fahren, die die längste Strecke von 151 km markiert. Es waren darin die steilsten Stücke zu fahren,  aber auch die Schönsten. Auch in den Anstiegen unterhalten wir uns weiter, aber langsam sind wir deshalb nicht. Die Laubwälder werden geräumiger, die Gegend  märchenhafter. Immer wieder tauchen Zinnen alter Burgen auf auf, die Silhouette von Braunfels. Wenige Autos, ruhige Straßen, ab und zu nieselt es, es bleibt angenehm und wir rollen gut dahin. Mit regen kehren wir zum zweiten mal an der kontrolle Bodenknoben ein. Einige spätere Fahrer sind ebenfalls dort .Ich streife meine Regenhaut über, die ich nicht wieder ablegen werde.

 

Wenn ich durch die vielen ruhigen Orte fahre, die schönen Wiesenstücke, Kirchen und Fachwerkhäuser, das reifende Obst im Blick, dann frage ich mich, weshalb Menschen aus dem Ballungsgebiet (das ist Frankfurt) überhaupt in die Fremde fliegen, monatelang von ihrem kommenden Thailand Urlaub reden, den klimaanlagen und Swimming-Pools. Wen wollen Sie dort treffen, was wollen Sie sehen? Hitze, Sonne? Ich weiß es nicht und vielleicht wissen Sie es selbst nicht. 

Und die Zeiten, als Autos nach diesem Landstrich benannt wurden sind lange schon vorbei.

 

Die Fahrt endet mit einer langen Talstrecke Richtung Süden, an deren Ende ein letzter Anstieg hinauf zur Limesstraße wartet. Wegen der hohen Fontänen fahren wir nebeneinander oder in gemessenen Abstand. Meine Schaltung wird schwergängiger, der Ölfilm an den Zügen ist jetzt heruntergewaschen.

Konstruktives Detail des Koga Miyata ist die klassische Schaltseilführung oberhalb des Tretlagers, bei der die Züge durch angelötete Stücke geführt werden. Diese Lösung ist 1982 schon eher selten, da die meinsten Räder ihre Züge unter das Tretlager führen an einer Stelle, die der größten Nässe und Verschmutzung ausgesetzt ist. Dave Moulton, der englische  Rahmenbauer in den USA schreibt dies den Einsparmöglichkeiten durch schlechtere Margen zu, mit denen Hersteller und Konstrukteure seit mitte der 60er zu kämpfen hatten. Für die Führung unter das Tretlager gab es billige Plastikeinsätze, die schnell und günstig mit einer Schraube anzubringen waren.

Die Innenverlegung der züge hat solche details  natürlich noch weiter marginalisiert, aber ein frei liegender Zug ist immerhin leicht erreichbar, kann im Notfall also auch auf der Strecke getauscht werden.

Da aber die meisten Sportradler eher Schönwetterfahrer sind (Weicheier, wie mein Mitfahrer sagt) und Räder vor allem Prestigeobjekte, werden diese Überlegungen genauso wenig eine Rolle spielen wie die Erwägung, beim Kauf eines Autos auf elektrische Fensterheber zu verzichten. Anachronismen. Akademismen.

 

Aber Regen ist eine Tatsache, der man sich stellen muß , selbst wenn es nur für die letzten 20km ist. Am meisten bedaure ich die guten Vereinsmitglieder, die sich wochenlang auf die Jahresausfahrt vorbereiten, Bier Würstchen und Getränke organisieren, genaue Statistiken über die Teilnehmerzahlen und Streckenführen und dann denn heftigsten Dauerregen seit Wochen erleben müssen. Alles ist durchweicht, ich gebe meine Startnummer  mit der11und dem Motobécane Logo wieder ab und erhalte 1 Euro Pfand. Werner muß nun weiter nach Frankfurt er darf jetzt nicht abkühlen. Wir geben uns kurz die Hand und wünschen uns ein Wiedersehen auf einem Brevet von Troisdorf.

 

Erst als ich zu Hause ein kleines Pfund Kartoffeln mit Spiegeleiern gegessen habe, gewinnen meine Fingerkuppen ihr Gefühl zurück.  

 

 

 

 

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