120214 Trainingspläne

120214 Trainingspläne

Nun habe ich sie wieder gesehen, die ersten Radsportler bei Tageslicht. Sie können wieder raus, denn es herrschen mehr als 5 Grad und der Trainingsplan ruft.

Geduldig schauen sie mir zu, einige scheinen mir sogar mit Blicken zu folgen, nichts lässt erkennen, ob sie sich freuen oder einfach nur rätseln, wer oder was da direkt am Waldsaum den ersten Hügel des Tages entlangrollt. Ich bins nur, ruf ich den Schafen zu und ziehe weiter auf meiner Runde.

Bild

In einer Radsportzeitschrift entdecke ich diesen monat eine üppige Beilage mit vielen Diagrammen, Farben usw. Sehr beeindruckend, das war fast umfangreicher als alle Stundenpläne meiner Kinder zusammen. Es handelte sich aber um Trainingspläne für Erwachsene. Und weil Radsport so komplex ist, müssten diese Trainingspläne von Profis erstellt werden.

Radsport ist nach meiner Erfahrung aber  eher unterkomplex, Quantität ist ausschlaggebend: mehr km, mehr hm, mehr h, das sind die (Vor)Bedingungen, um einen Berg der ersten Kategorie in 39×23 aufzurollen. Ich kann es immer noch nicht;  obs an unprofessioneller haltung liegt?

Der Leser als Profi. Der Prosumer. Wenn die Schafe das wüssten.

Trainingspläne haben natürlich ihren Sinn, gerade im Wettbewerbs-Radsport ist eine methodische Vorbereitung bei Leistungszielen wichtig, aber ist Sie für den gewöhnlichen Alltagsfahrer möglich ?

Für die nötige Fitness braucht es  Zeit, Willen und Ausdauer. Vor allem Zeit, Zeit und noch mal die gleiche Zeit, wenn die aktive Erholung eingerechnet wird. Da sehe ich in gewöhnlichen Erwerbsbiographien, besonders zwiscen den Jahren 25 und 55  einen Widerspruch.

Und hat man diese Zeit nicht, kann man bescheiden bleiben und wird keine Wunder erwarten, daran ändert die Lehre des intensiven kurzen Intervalltrainings nur wenig : unter drei wöchentlichen Einheiten tut sich auf dauer (also über eine Saison hinaus) eigentlich nichts. Allerdings kommt man weiter.

Bild

Mein Training ist , um es im Arbeitsdeutsch zu sagen, quality time orientiert.: eine zeit für immer weitere und neue Verschiebungen körperlicher und geographische Eckpunkte mit dem Rad, oft eine rein persönliche Auseinandersetzung mit diesem oder jenem Hügel, dieser oder jener Allee. Und ohne meine kleinen Mittelgebirge und ihre wunderschönen Kehren würde ich nicht die Hälfte meiner Stunden im Sattel sein! – : Der Baum,  den man habituell grüßt. Ich grüße auch grimmig die heranziehnde Wolkenwand, ich stelle mich ihr, ich verdamme sie nicht.

Bild

Natürlich klingt das jetzt nach Grundlagenausdauertraining wie es der personal coach  nennt, aber das muß es nicht sein: drei sprints hier, einen größeren gang da – man kann auf der gleichen Strecke sehr unterschiedlich unterwegs sein.

Unterwegs sind auch andere – nur kann ich über deren Erfahrungen wenig sagen, denn Grüßen ist so ein Thema: die wenigen Artgenossen , die ich auf dem Rad sah, waren einsilbig („hlloh“) und suchten nicht gerade nach Information. Wahrscheinlich waren Sie zu stark in ihre Trainingspläne vertieft, oder in ihre multiplen Messgeräte – beides nicht gerade ein Ausdruck von quality time, sondern von Zeit, die man dem Smartphone geopfert hat.

Ein gutes (also schönes) Training ist immer eine Geschichte!  Sie handelt vom Wetter, der Strecke, kleinen Dörfern, Geschwindigkeit und 1em kleinen café zwischendurch. Es ist eine Zwiesprache mit der Übersetzung und der surrenden Kette, ein Eintauchen  in den Schatten des Waldes, eine Entdeckungsreise, die oft in satter Erschöpfung endet.

Bild

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Spleen & Ideal veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s