020314 Eroica

020314 L’Eroica

Der Beiname einer der großen Symphonien Beethovens. Zufälligerweise auch der großartige Titel einer toskanischen Sportveranstaltung.

Ich empfehle einmal eine musikalische Einspielung dazu, die einen wirklich in Stimmung versetzen sollte, die weißen Straßen der Toskana hinauf, aber vor allem hinab zu fahren. Beethoven dachte vor allem an das heroische Gefühl – Fahrräder gab es noch nicht. Hier eine bekannte Umsetzung:

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Dieses (möglicherweise noch) bekannte Stück klassischer Musik entstand in der Stimmung, die Europa durchwehte, als ein gewisser Napoleon anhob, die segensreichen Früchte der französischen Revolution durch kriegerische Heldentaten dem restlichen Europa zukommen zu lassen, nachdem dies lang genug vom Fallobst absolutistischer Herrschaft hatte zehren müssen.

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Wie die Sache mit der Freiheit verlief ist  bekannt. Möglicherweise war nur ein Tyrann neuen Typs entstanden, der dann nachgeborenen und begabten Strategen als Vorbild diente, sich als Freiheitshelden darzustellen – selbst wenn das auf Kosten sehr vieler völlig Unschuldiger geschah, die dann die Wahl hatten, sich als Helden oder Opfer zu sehen.

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Auf meinen wegen durch die Nebentäler der Lahn durchquere ich viele kleine Ortschaften, die kaum 500 Einwohner zählen. In diesen abgeschiedenen Idyllen fallen immer wieder Gedenkstelen auf, Plastiken und Reliefs und eingemeißelte Namen, mit denen die Dörfer ihrer gefallenen Jugend erinnern. Mich beschleicht ein  trauriges Gefühl, wenn ich bedenke, daß die Heldentoten des ersten Weltkrieges fast genau der Zahl männlicher Erben eines Dorfes entsprochen haben dürfte – so patriarchalisch das auch klingt.

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Der handwerkliche Aufwand der Denkmäler lässt jedenfalls ahnen, wie hoch der Wert der darauf Eingeschriebenen für jene war, die sie in Auftrag gaben. Nach dem zweiten Krieg werden die Erinnerungsbilder schlichter, gehen eine Stufe zurück.

Die Sache mit Heldentum und Freiheit ist eine sehr zweischneidige. Für welche Idee soll gestorben werden? Welche Werte,  welche Freiheit lohnen das Menschenopfer?

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England beispielsweise gewann an der Balaklava mit seinen Verbündeten in der entscheidenden Schlacht des Krimkrieges von 1854 die Oberhand gegenüber den russischen Streitkräften, die sich die Krim als Flottenstützpunkt zu eigen gemacht hatten. Eine Pariser Metrostation, Réaumur-Sébastopol erinnert an die auch für Frankreich glorreiche, „blutige“ Eroberung der Hafenfestung Sewastopol. Sterben für Sewastopol? Vor 160 Jahren jedenfalls mit Ruhm.

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Die Schlacht an der Balaklava half, das ottomanische Reich vor seiner Zerschlagung zu bewahren. Auf die Türkei nämlich hatte es der Zar abgesehen. Die vielbesungene charge of the light brigade ist ein Heldenstück der Kavallerie, dessen Erinnerung in britischen Heldensagen weiterhin hoch gehalten wird. An der Krim, wohlgemerkt, wurden Engländer zu Helden.

Vom helden zum Opfer ist es nicht weit. beide stehen fast in verwandschaft – bevor der Held vor allem eine siegreiche Sportfigur wurde, geeignet zur Vermarktung von Gebrauchswaren, war er nicht selten jemand, der sich opferte.

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Es ist eine zweischneidige Sache und voller Schrecken.  Krieg in einer Welt, deren Friede im nächsten jahre 70 jahre währt, ist zu einer surrealen Vorstellung geworden. Die eigenen Kinder zum Zweck des soldatischen Ruhms zu verschenken, dürfte kaum jemand heldenhaft finden. Diesen Unterschied machte man auch vor bald hundert Jahren im Dorfe Giersbach. Die Unterschrift des Bildhauers nennt das Kind beim Namen:

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Eine Antwort zu 020314 Eroica

  1. kreuzbube schreibt:

    Inschrift einer hiesigen Bronze:

    „Selbstverständlich darf man einem Prinzip ein Menschenleben opfern. Aber stets nur das eigene.“

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