040314 Bevor ihre Zeit (wieder) vorbei ist

 

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Cyclesport

Es ist nur ein Detail, aber ich sollte es erwähnen, bevor die steigende Sonne und die nächsten Monate sie überflüssig machen.

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Lesehilfe aus outre-manche

“Millar was the only pro I ever knew who, at his own expense, had a winter bike custom made for him by a local builder, partly on the premise that he wasn’t going to get a machine with mudguard eyes out of the sponsor – and, more to the point, that if he did and then changed teams, the sponsor was liable to ask for it back just at the point he was going to need it most. But mainly, he got that bike in the knowledge that he was going to ride it as much if not more than his race bike, and he might as well keep a bit drier while he did so.Although I never went to Millar’s extreme of putting a tubular inside a clincher to avoid punctures, I followed his winter bike example in 1996. It felt like a curious step, asking a builder to make me a frame to the same dimensions as the bike I raced on, using the same light steel tubing but with big clearances, longer forks, and all the relevant braze-ons.”

So schreibt es uns Mr Fotheringham in seinem Artikel für das Rouleur Magazine 36.

Schutzbleche an Rennrädern sind ein Ding der Unmöglichkeit. Für die meisten ambitionierten Amateure (und wer will  das nicht sein ?) sind sie schlichtweg undenkbar, denn „die Trekking Bike Optik“ ist das no-go schlechthin für die menschlcihe Würde des Roadbikers (Radfahrers).

Weniger bekannt ist wahrscheinlich, daß es ungefähr vor 30 Jahren in der Entwicklung des Rennrades zu einer für Schutzbleche fatalen Entwicklung kam, lange bevor Aluminium sich durchsetzte.

Erst verloren die „hochwertigen“ Rahmen ihre angelöteten Ösen, man fand sie nur noch in der Einsteigerklasse – ein anderes Wort für :lächerliche Nachahmer. Dann wurden die Raddurchläufe der Rahmen soweit verringert (aero!), daß es nur noch möglich war, Reifen von maximal 23mm Breite zu montieren. Diese Tradition hat sich über Aluminium und carbon fortgesetzt,  so daß es heute nur noch möglich ist, Schutzblechkrücken mit Kabelbinder, gummistrapsen, Clips oder ähnlichen Behelfslösungen zu befestigen.

Das bedeutete das Ende der echten Schutzbleche,  die in den seltensten Fällen aus Blech, sondern entweder aus Aluminium oder Plastik oder einer Sandwichmischung von beidem bestanden. Daß im Rennradbereich überhaupt keine Rahmen angeboten werden, die entsprechend konstruiert sind zeigt, daß der Markt für diesen Aufrüstungsoption nicht mehr existiert.

Dabei treffen wir nicht nur auf die gleiche meteorologische Situation wie im Vereinten Königreich, Heimat der Bluemels-Bleche. Von Oktober bis März sind auch unsere Tage kurz und die Niederschlagswahrscheinlichkeit hoch.

Glücklicherweise liebe ich alte Rennräder – und damit habe ich das geschilderte Problem umgangen. Wenn ich mir die Kleinanzeigenportale und anderen Plattformen ansah geschah das eine zeitlang immer mit blick auf die Ausfallenden. Hat es meine Größe? Frage 1  – Hat es Ösen  ? , Frage 2. Schnell war klar: wenn es ein sehr guter Rahmen sein sollte, dann würde er vor 1985 gebaut worden sein, als Raddurchläufe noch angenehm luftig waren …

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Gut. Meine erste Wahl fiel auf ein belgisch/holländisches Rad namens Snel, komplett aus Reynolds . Ich übersah die Rostflächen, ölte es ein und suchte nach einem schmalen paar Schmutzfänger. 35mm Breite sollten sie haben, das reicht für Reifen bis 28mm und passt unter die Gabelbrücke. Das vordere Blech  muß so tief wie möglich reichen, ein Schmutzlappen ist unbedingt zu empfehlen.

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Um die Vorteile zu kennen, sollte man einmal eine Stunde im Regen fahren, leichter Nieselregen genügt, nein, eine lediglich nasse Straße tut es auch. Wer im Herbst einmal einen mit Lärchen bestandenen Hang hinuntergerollt ist, wird staunen, wohin der Nadelmatsch überall schleudert.

Profillose Reifen haben die Eigenschaft, das Straßenwasser in einem feinen Strahl von sich zu leiten. Dieser feine Strahl landet bei Geradeausfahrt am Unterrohr und verteilt sich daneben auf Pedale, Lager und, bösartigerweise, Schuhe. Überschuhe mögen eine Weile den Fuß trocken halten, ein Kotflügel tut es viel länger.

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Auch die Maschine leidet. Selbst auf unseren besten Straßen schwimmt im Regenwasser gelöster Schmutz, Gummiabrieb, Sand, zermahlene Tierreste auch. Kommt man auf einen Wirtschaftsweg erhöht sich der Anteil an Schlamm und Sand und bildet eine schmirgelnde Masse, die sich fein in alle Elemente des Antriebs frisst. Nicht schön .

Am Hinterrad tut sich auch einiges: hier verteilt sich der Dreck über das Sattelrohr, die Sattelklemmung und den Sattel auf den Fahrer, dem sich eine feuchte Kerbe unweigerlich mit jedem km in den Rücken prägt. Das sieht nicht nur blöd aus, es ist unangenehm.

Wenn ich mir also die Reihe von Widerwärtigkeiten ansehe, die das schutzlose Fahren ab Oktober nach sich zieht, wundere ich mich, weshalb sich diese Möglichkeit, sein Rad ganz serienmäßig aufzurüsten, keine ausreichende Nachfrage findet.

Natürlich kommen mir ein paar Vermutungen – die freundlichste : Rennradfahren ist ein Schönwettersport .

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Eine Antwort zu 040314 Bevor ihre Zeit (wieder) vorbei ist

  1. kreuzbube schreibt:

    Ich halte es ja auch für blödsinnig, die schönen kleinen und praktischen Anlötösen für Schutzbleche „einzusparen“, als würden die in irgendeiner Art und Weise stören. Aber Genesis baut das Equilibrium mit Anlötösen, sowohl sie Stahl- als auch die Titanvariante. Hier eins in Stahl:

    Und eins in Titan mit Schutzblechen:

    Ich selbst habe eine alte Gazelle für jedes Wetter…

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