Köln Schuld Köln 2014

 

240314  KölnSchuldKöln

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Die Forsythien sind raus und schweben Gelb durch Vorgärten, Kirschblüten folgen und nicken im Wind: der Winter ist durch, aus, vorbei. Aber kühl bleibt es – 1, 2 dann 3 auf Grad steigt langsam das Thermometer in den Morgen. Wolken, Sonne, Wolken, während ich über die A3 nach Köln gleite.

Eine Premiere wartet:

Die Albert Richter Bahn ist die erste Radrennbahn meines Lebens. Sie liegt in Sichtweite des Müngersdorfer Stadions, gleich an der Aachener Straße. Sehr leicht anzufahren, und einen Abstecher ist eine Radrennbahn allemal wert – viele wurden abgerissen.

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Die Sitztribünen sind direkt über der Bahn angebracht . Das, was der Ballsportler das Spielfeld nennt, liegt unter freiem Himmel, Bahn und darüberliegende Tribünen sind überdacht. Ich staune über die Kürze der Geraden und fühle mich mit den beiden Steilkurven an die Anfängerpackung „Avus“ meiner Carrerabahn erinnert. Schwindelerregend. Nun zu den Anmeldezelten des Vereins Adler Köln, der hier die erste Radtouristik namens Köln Schuld Köln startet. Hier bekommt mein Rucksack die Nummer 177.

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Schuld?

Köln Schuld Köln ist ein alter Begriff im Radsport: Seit 1919, also gleich nach WK1, wurde das Amateurrennen in die Eifel und zurück über 60 mal ausgetragen. Seit 2013 nicht mehr. Vorher wurde schon das Ziel von Köln in den Vorort Frechen verlegt. Es ist eine Frage der Mittel, und so hat der ausrichtende Verein, Adler Köln sich eben auf eine RTF verlegt, eine offene Ausrichtung ohne Rennen ohne Preise, nur mit Eintrittsgebühr.

So bleibt von den zwei großen Kölner Radrennen nämlich Rund um Köln und Köln-Schuld nur noch eines, der Velothon Rund um Köln, der in die bergische Seite der Stadt führt.

Für Lizenzfahrer, die sonst hier ihr Rennen fuhren stellt diese Formel keine Aufwertung dar. Sie nutzen es als Trainingslauf oder aus Nostalgie.  Für mich aber ist eine RTF, in der vielleicht die Creme der Lizenzfahrer an mir vorbeirauscht, durchaus sehr aufgewertet. Und so machte ich mir nicht wegen der 15o km meine Sorgen, sondern eher wegen der Gnadenlosigkeit, mit der gleich junge Fahrer in vollem Saft mir meine Senilität deutlich machen werden. Ich muß jetzt also sehr stark sein.

 Lizenz?

Radfahren kann eigentlich jeder, aber nicht jeder hat eine Lizenz dazu. Lizenzfahrer, für jene, die die Karriere des Nachrichtensprechers Marc Bator nicht kennen, das sind die Amateurrennsportler mit einer BdR Lizenz, die zum Start bei entsprechenden Rennen befähigt. In Radzeitschriften sehen wir ab und zu Bilder ihrer Teams , durchtrainierte Körper in Kompaniestärke, laut lächelnd, Sonnenbrillen und einheitliche Trikots von einem Sponsor, dessen Name meist unbekannt ist. Also Leute, die wie Profis trainieren, wie Profis fahren, nur eben nie ganz Profis werden (müssen). Sie lauern hier in ihren Massagezelten.

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Stempel und ab: flach geht’s hinaus us Kölle, sehr leere Zubringer und Einkaufszentren liegen bald hinter mir, es geht ins offene Feld. Sonniges Rollen, 20km ohne Geschichte und einigen roten Ampeln.

 

Panasonic 3000 – ein Kind der Globaliseierung

Eine Fallstudie in spezieller Markenpolitik, (bitte überspringen für Rennbericht)

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Wenn man jemandem erklären wollte , was das Wort Mischkonzern ( Plastikwort) eigentlich bedeutet, dann ist Panasonic dafür ein ideales Beispiel. Panasonic steht seit über 1000 Jahren für alles, was im Haushalt elektrisch betrieben werden kann. Die handelsmarke Panasonic – Synonym für alle möglichen Kleingeräte mit und ohne Ton – klingt vor allem wohlig und Englisch. Das war lange vor dem Jahr 2000. Heute wollen Marken wohlig und nach Esperanto klingen (Meriva, Merida, Merano etc..) und wir nehmen das  als Merkmal des Zeitgeistes.

Das einzig reelle hinter Panasonic ist Matsushita. Matsushita  ist eine japanische Dynastie, eine Familie, die sich für ihre globalen Produkte globale Namen ausdenken mußte, um sie in einer (damals) nicht ganz multikulturellen Welt besser verkaufen zu können. Das hieß im Klartext, ihre japanische Herkunft zu verschleiern. Matsushita das ist National (und National Victor) , das ist Technics und auch Panasonic;

Panasonic 3000 –  ein Fahrrad aus der Zeit der VHS-Rekorder.

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Die skurille Idee, mit  diesem Namen ausgerechnet für Fahrräder zu verwenden, ab 1988 sogar ein ganzes Profiteam des Namens zu betreiben (blau weiß gelb rot ) ist eine rätselhafte Volte im Leben eines Mischkonzerns – eine fast poetische Blüte in dewn absatzstrategischen Gedankenspielen eines Weltkonzerns. Vielleicht auch nur ein Spleen.  Die Fahrräder waren perfekt – vielelicht verweigerte die sprachliche Empfindsamkeit von Eurpäern, ein Rennrad Panasonic zu rufen.

Aber es war der erste Versuch der Rad-Globalisierung – erfolgreiche sind gefolgt.

Inzwischen bin ich durch die Vororte Kölns gesegelt und  beinahe an einem Kreisverkehr abgeflogen. Ölspuren?

Wo w:ar ich jetzt? In Gymnich!

Gymnich ist ein kleiner Ort im Erftkreis, von der A61 kann man die bemerkenswerte Zwiebel des Kirchturms erspähen. Der für Kirche und Schloß verwendete Backstein hat eine eigene, karmine Grundtönung, was ihn zarter und weniger düster als anderen Backstein wirken lässt. Hier erste Kontrolle bei heiterem Himmel und dort der Besitzer des diskutierten Rades in Teamfarben. Der Besitzer zeigt nicht die üblichen Sammlerreflexe, als ich ihn aufs Rad anspreche. Ein Fahrer also.

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Weiter durch die flachen Felder mit drei Freunden klassischer Rennräder. Die Sonne strahlt, der Wind bläst frisch (und stramm) ins Gesicht, die Höhenzüge der Eifel sind noch weit weg. Tendenz Unterlenker. Wir sind nicht sehr schnell unterwegs, 39×20 möchte ich mal sagen und doch klappt es mit dem Ablösen nicht. Die Freunde wollen vielleicht unter sich bleiben? Oder fahren nur 100km – ich werde es nicht erfahren.

 

Denn da rauscht ein großes Rad vorbei, vielmehr ein großer Fahrer darauf.  Groß=Windschatten= Ideal, denke ich mir und löse mich von den Panasonikern. Doch halt, wieso komme ich ihm nicht näher, obwohl ich das Tempo erhöhe? Der Mann vor mir wackelt mit dem Kopf von links nach rechts und sein Tritt verrät Anstrengung. Na warte. Da sehe ich: dieser Spacko Sportsfreund hat eine Art Zahnarztspiegel am Helm und beobachtet mich! Man muß mit allem rechnen.

Inzwischen fahre ich 39×16 mit über 100 umin und so wird es langsam was mit dem Andocken. Hier bleibe ich erstmal und sehe mir an, wie der Vordermann sich die Beine ausreißt im wahrsten Sinne, denn beim Treten wackelt der 195cm Spargel im Wind hin und her. Na ja, und sei es nur, damit er seinen kleinen Spiegel benutzt, werde ich jetzt ein paar km hinter ihm machen und ihn dann ziehen lassen.

Einige Dörfer später hänge ich mich allein in den Wind, die langen Alleebänder voran werden von einzelnen Fahrern durchbrochen . Rhythmus finden, klein machen,  Rhythmus halten , jetzt an die 100 km vor mir denken. Da rauscht es hinter mir. Eine Gruppe von 6 Fahrern. Wir fahren Windkante, was mit der halben Straßenbreite so gerade hinhaut. Ein belgischer Zug, der gefürchtete Kreisel wird eröffnet.

Mischung aus Uni Fresenius, VfR Polch, einem Triathleten und anderen fitten Jungs. Ich bin dabei. Erinnert mich an HHB minus Regen. Bald ist vor uns der Mann mit dem Helmspiegel in Sicht, der den Radweg bevorzugt. Auf den Geraden läuft es gut, ich gehe auch mal in den Wind, der Helmspiegel biedert sich auf einmal an . Bei jeder kleinen Steigung und an jeder Ecke wird tüchtig Gas gegeben und irgendwann dreht sich einer um, blickt nach hinten und ruft:“ die sind nicht mehr dabei“. Ich sehe mich derweil auf der nächsten Geraden um und ergreife die Gelegenheit zum Ausstieg: ein Fahrer mit Triathlon Aufsatz, etwas langsamer als wir, gleichmäßiger Tritt. Ich falle hinaus.

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Tria mal2

Er trägt ein verwaschenes Trikot mit dem Aufdruck Laktatexpress, fährt ein grausilbernes Rad und auf dem Helm ist eine kleine Kamera angebracht. Vielleicht fährt er schön gleichmäßig, damit der Film, den er gerade über sich selber produziert, beim Betrachter keine Übelkeit verursacht?Mir recht und irgendwie gefällt mir eine Kamera besser als ein Rückspiegel. Es funktioniert, wir sparen beide Kraft und kommen voran.

Ein paar Dörfer weiter in dieser unendlichen, alleendurchzogenen Voreifel rollen wir einen anderen Triathleten auf, der mir aus der schnellen Gruppe noch in Erinnerung ist. Und jetzt funktioniert es nicht mehr, denn jetzt fahren zwei Triathleten gegeneinander. Der Rhythmus ist futsch. Mal wird er schneller, mal lässt er rollen, bei schlechtem Belag macht er Schlangenlinien. (carbon aerofelgen mit 11bar?) Irgendwann fahre ich sogar neben ihm und sehe ihm beim Schalten zu, was er ganz vorne am Ende der Liegehörner macht. Sein Sattelrohr, eine Finne, ist an der Stelle zum Hinterrad ausgeschnitten, so daß kein Sandkorn mehr dazwischen passt. Da hat der Seitenwind viel zu greifen. Ganz vorn sitzt er auf seinem Sattel. An der Ampel vor Satzwey sprintet der Laktatexpress- fahrer davon und lässt die Triafashion victim stehen –  Kontrolle in 500m: Wir sehen uns dennoch nicht wieder: das war der Sinn der Kamera.

 

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RUFA –Sport

Die Sonne ist scheint, die Kontrolle liegt geschützt hinter der Burgmauer von Satzwey, dessen Türme herübergrüßen. Einige Fahrer nehmen sie in Augenschein, Gruppen trudeln ein: die Stimmung ist gut. Meine schnelle Gruppe zieht weiter, Lizenzfahrer?  – keine zu sehen. Ich stelle mein SNEL ab (es sieht doch nicht nach Regen aus) und lasse die Kamera offen in der Sonne liegen, damit das schweißbeschlagene Objektiv aufklart. Ein paar Bundeswehrsoldaten schenken kalten Tee aus, es gibt die üblichen Eiwaffeln, grüne Bananenhälften und Schokokekse. Das Schloßdach glitzert, die rotweißen Läden grüßen lustig.

In meinem Rucksack habe ich neben Regensachen, Pumpe und Werkzeug einige Riegel, diesmal Apfel, Hafer und Schoko: die RTF -versorgung ist für meinen Kalorienverbrauch nicht ausreichend und jetzt, nach dem Wind und vor den Eifelhügeln muß ich irgendwas bunkern – Wind zehrt.

Von den Klamotten kommt es gerade so hin: Unterhemd, langes Trikot, Wollpollunder, darüber den dünnen Wollpulli mit Rollkragen und darüber die Softshelljacke. Also 5 Lagen. In den Winterschuhen Modell „defroster“ kombiniere ich dünne Wollsocken unter sogenannten Funktionssocken . Es ist gerade genug.

Ein kompakter Mann um die 60 hält an: ein orangenes Rufa Sport, daß ich auf 1972 schätze. Kurz lässt er stempeln und schon rollt er weiter. Die Optik meiner Camera sollte jetzt trocken sein:  dem seltenen Vogel hinterher.

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Die Strecke hat aus dem Wind gedreht, es wird welliger, aber sehr angenehm, nicht zu steil und windgeschützt . Wir folgen irgendeinem Tal, dann dem nächsten. Sonne hier und da, Wolken hoch über uns und schnell. Steinbachtalsperre steht auf einem Schild.

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Kurz vor der Streckenteilung, die die 110 von den 150 trennt habe ich ihn wieder, den Ru-Fa mann. Vor der Radrennbahn hatte ich ihn kurz gekreuzt und er knurrte nur „seehr großes Rad“ zu meinem 62er rahmen hinüber. Naja, er wird auch jeden Zentimeter seines 54ers brauchen. Jetzt staune ich: Starrgang, 42×17 oder so was. Ich wundere mich, wie er damit die Steigungen packen wird. Er hat gerade ein älteres Pärchen eingeholt – blaues Gios –  , sie kennen sich und ich höre , wie sie gemeinsam die kürzere Variante beschließen. Nicht weit von der Steinbachtalsperre trennen sich unsere Wege. Schaut mal bei Quäldich rein, da stets geschrieben.

 

CUBE

Alle, die ich ab hier treffen werde, haben die 150km in Angriff genommen. Erstmal sehe ich jedoch lange Zeit niemanden. Dann rauscht es wieder von hinten – und vorbei: der Fahrer in seinem Weiß grün blauen trikot wendet plötzlich, nachdem er 500m vor mir war. Auf dem Steuerrohr und dem Trikot sehe ich das Logo der Radfirma Cube, Würfel. Das war einer, wo sind die anderen?

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Der Wald wir dichter und tanniger ,es ist nicht warm, noch riecht das Harz nicht. Ab und zu ein Gehöft, eine Koppel. Ich schone mich und genieße die 28er Reifen, die auf dem groben Korn des Eifelasphalts recht nützlich sind. Bald sollte es aufwärts gehen. Ich überhole eine Frau: „jetzt geht es gleich hoch – ich habe schiß!„ , sagt sie zu mir und lächelt. Ich habe keine Ahnung, weiß nur, daß irgendwann der dicke Tünn erreicht wird, die Antoniuskapelle – und dann sehe ich ihn, den geraden Anstieg . Schwer abzuschätzen, aber ohne Serpentinen ist es immer steil. Ich gehe auf gang 2, ganz ruhig. Geht aber . Rufe im Wald – Hinter mir „ Da isser“ oder ähnlich. Ich bin wohl nicht gemeint, obwohl ich den einen oder anderen abtrünnigen Klassikfahrer aus Köln gern begrüßt hätte.

Schon sind sie neben mir, die Lizenzfahrer. Grün, gelb, rot, der erste im Wiegetritt, 4, 5, 6 der 7te keucht schon, mehr als ich jedenfalls, 10 Mann und dann noch ein paar Nachzügler. Die Steigung lässt nach, es geht rechts um die Kurve. Und dann erst richtig hinauf.

Jetzt bleiben vor mir einige der bunten Trikots im Hang regelrecht stehen die Gruppe um Merkur-Druck  platzt, während die Vorderen weiterfahren. Ich bin in Gang 1, was heute immerhin 39×28 heißt. Brave Schaltung, jetzt gehe ich in den Wiegetritt. Ich spüre die Oberschenkel , das leichte Ziehen, aber ich kann oben bleiben. Kuppe, dann noch eine Welle, nicht so scharf. Ein Fahrer vom RC Adler zieht wuchtig an mir vorbei – doch nicht etwa auf dem großen Blatt?

Dort hinten, wo der Waldweg auf die Bundesstraße mündet hole ich ihn wieder ein und fahre vorbei. Für ihn nur ein kleines Intervalltraining ,er regeneriert und wartet mit der Stoppuhr auf die Kumpel . . ..  Radsportler.

 

Der schwarze Bus

Mir geht es gut , mir geht es sehr gut, ich trete locker weiter. Die Kurve zum dicken Tünn erkenne ich wieder: hier im Hochwald war im Herbst 2012 Jungfernfahrt (Peloton Superlite) und oben habe ich gejapst. Der Einrollberg für die Eifel nennen sie ihn, lang und leicht. Japsen muß ich heute nicht, aber Übermut tut selten gut:  leider zuckt es im Oberschenkel. Woher jetzt Krämpfe? Wieso eben noch alle wunnebar? Ich nehme das Tempo raus, massiere dabei den linken Oberschenkel, verdrehe das Bein im Pedal. Es geht, kommt, jetzt einen Gang schwerer: es geht wieder . Der Hammer hat sich gezeigt und mich gewarnt.

Leute ziehen an mir vorbei, einer nach dem anderen. Sehr frustrierend : Selbstbeherrschung. Nach ein paar Minuten hänge ich mich an zwei Fahrer mit gelber Überweste – schaue jetzt nur noch auf ein Ritzel und denke nicht mehr über Krämpfe nach, schließlich ist die Steigung nicht der Rede wert. Vorbei am dicken Tünn, eine Radfahrergruppe im lauten Gespräch. Lachen.

Da sehe ich den schwarzen VW Bus auf der Gegenseite – Nummernschild aus den Augenwinkeln: er ist es – mein Bruder, der mich schon damals  hier hochgezogen hat, als ich noch etwas mehr Speck auf den Ripple hatte. Eine Senke : halten, Ende der Steigung.

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Leberwurstbrote können etwas unglaublich kostbares sein. Ich nehme noch eins, wir reden, während weitere Radler in einem ständigen Strom an uns vorüberziehen. Dann eine Banane, Traubensaft, genug Traubensaft, und noch etwas für die Flasche. Zu wenig gegessen also, zuwenig Mineralien. Vor allem wahrscheinlich zu viel Kraft gelassen, überzogen. Wenn Metzger nur Sonntags offen hätten.

 

Dann dem Bus hinterher in die Tiefe, vorbei am Radioteleskop. Eine kleine Dieselwolke umhüllt mich, sonst nichts, ich kann so schnell fahren wie ich will und bilde ein geschlossenes System mit dem Superderny vor mir. Ergebnis: der Reifen Vittoria Randonneur ist hochgeschwindigkeitsfest. Serpentinen ins Tal, es saust, dafür lieben wir diesen Sport.
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that’s me!

 

Nudelsuppe

Das Sahrbachtal windet sich sanft zwischen den Hügeln der Eifel. Kleine Dörfer, ein Campingwagen hier und da, blassgrüne Wiesen und Rauhputzwände, die Biker willkommen heißen – dort ein blauweißer bayrischer Wimpel und ein großes Werbebanner auf der Felswand. Hier gibt es Nudelsuppe. Sehr gerne. Bevor die Linse wieder Kondens- frei ist, haben die grünen Lizenzfahrer die Präsentation ihrer neuen CUBE Räder beendet und fahren vor anderen Lizenzfahrern davon.

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Ich genieße meine Nudelsuppe, denn gleich kommt der Aufstieg nach Krälingen , eine ebenfalls starke, aber schmerzhafte Erinnerung an meinen ersten Radler-Herbst. Ein schön serpentiniger Anstieg durch den Wald, der eine kleine Pause macht, dann innerhalb Krälingen wieder beginnt und erst später im freien (also Wind) endet. Der Wald ist weunderschön, auch im Schmerz.. Ich habe den kurzen Krampf vom „dicken Tünn“ im Hinterkopf und unterlasse es, mich der größeren Gruppe 500m voraus anzuschließen. Links ab, ade, du liebliches Tal.

 

Männer in Gelb

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In der ersten Serpentine kehren einige um, andere zögern: muß irgendein Teamkollege sein, denn die meisten Tragen ein Trikot auf dem Grenzfahrer steht. Ich orientiere mich an den beiden blaßgelben Männer die jetzt vor mir sind, genau die, die mich am Tünn einholten, bevor der schwarze Bus kam. Sie sind etwas schneller, wirklich nur etwas, aber ich bleibe bescheiden, ich gebe nicht dem Wunsch nach, einen Zahn zuzulegen, ich bin ein Weichei: doch irgendwo wartet der Krampf und oben der Wind. Man schließt auf, zieht an mir vorbei, ich lasse gewähren und bleibe stur im Trott.

 

The long way down

Es ist ein schöner, langer Weg zurück (und hinunter!) in die Rheinebene, kleine Wäldchen, Dörfer im Sonntagstrott und ich allein mit dem Seitenwind. WO seid ihr alle? Wo die Sonne von eben? Haselsträucher spucken ihre Blüten aus, Weidenkätzchen sind die Kamelle der Eifel. Der Wind kommt jetzt von der anderen Seite – ich suche die Straße nach der nächsten Gruppe ab, denn das wird ein heerter Tag, eine stramme kleine Prüfung in der Vorsaison. Niemand. Am tiefgelegten Horizont die Rauchfahnen von Wesseling und Godorf. Alleen in der Ferne.

 

Der leuchtende Punkt

Wie eine SoS-Insel im chinesischen Ozean sehe ich ihn am Horizont, den Einzelfahrer in leuchtorange. Es gibt kaum schöneres, als einen Schiffbrüchigen zu entdecken und ihm zu Hilfe zu eilen. Wie gut, daß immer noch Passagen in leichtem Gefälle die Rettungsfahrt erleichtern. Noch 2min, noch 1 min, – – auf einer windigen Ebene biete ich dem Mann in Leuchtorange auf seinem RedBull Rennfahrzeug meine Hilfe an. Er ist ansprechbar, weder dehydriert noch unterzuckert und wir kombinieren. Als das Schild „Kontrolle“ in einem Dorf auftaucht, rauscht es plötzlich: Grenzfahrer umgeben uns und wir steigen gemeinsam an einem öden parkplatz ab, den der Wanderzirkus nebenan aufheitert. Wir sind bei Km 100. In etwa. Die Männer in Gelb kauen noch ihrer Riegel. Der Leuchtorangene verschwindet, bevor ich gestempelt habe. Ist meine Gesellschaft so unangenehm?

 

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Es ist windig und ich spüre die Feuchte meiner Wäsche. Wolken treiben übers Land, Alleen erwarten mich, am Horizont eine dunkle Regenfahne, wie man sie oft in der Landschaftsmalerei und den Marinen des 19ten  findet. Dazwischen weiße WolkenTürme , das Frühjahr. Darunter die Bäume der Voreifel eine markante Birke in der Ferne und ein leuchtend orangener Punkt, der sich langsam von baum zu Baum bewegt. Als ich ihn zum zweiten male einrolle (ich werde heute keinen Krampf mehr bekommen!), spielt er nicht mehr mit. Dafür spiele ich jetzt in einem Trio.

 

Blitzende Klassiker

Ein Krabo in blau aus Aluminium, ein dunkelblaues de Rosa (meine Größe!), zwei Herren meines Alters, einen davon mit Rucksack, spreche ich kurz an. Höflichkeiten werden getauscht, mehr nicht. Wir haben Rückenwind, aber wollen ihn nicht nutzen. Na dann eben nicht – ich lasse laufen, die Kalorien sind da wo sie sein sollen: in den Beinen.

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Hier ein bunter Zug: mattschwarz unter glanzschwarz, rot und schwarz, dann etwas blitzendes weißhellblau: ein colnago master. Schön zu sehen. Hier bleibe ich und schließe mich dem chromblitzenden Ritzelpaket an. Mit gutem Wind zieht mir niemand mehr davon. Ein Club aus Erkelenz .Die Sonne wärmt an der letzten Labe am Fuße des kleinen Hügels der uns von Köln trennt und Ville heißt. Letzter Stempel, Stilleben mit Wappenbaum und Master. Hier ist niemand unter 9Ritzeln unterwegs, außer der mann mit dem RuFa.

 

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Nummer 1 an der Ville

Es gibt an einer RTF immer wieder schöne Momente des Wiedersehens .Fahrer die man bärenstark schon im Ziel wähnt, verlängern doch noch ihre Pause. da sind die zwei Gelben aus dem Sahrbachtal, die Nachbarn von der Nudelsuppe. Auf einmal sind sie wieder im Sattel, haben den Hügel schon in Angriff genommen, vielleicht eine Minute vor mir.  Weiter dann, die 100er Strecke und die 150er sind jetzt zusammengeführt, was zu immer neuen Überholungen führt, die mich sehr sehr fit fühlen lassen.

Am Ende der Ville-Steigung sehe ich die rote 1. Was für ein gefühl: ich hole gerade die Nummer 1 ein. Das muß so etwas wie der Vereinspräsident sein muß, der Chef der Veranstaltung – ein Mann mit Routine und unendlich vielen Streckenkenntnissen. Also frage ich ihn: „ war das die letzte Steigung?“ „Ich denk schon.“ „Wie ist das Streckenprofil zum Schluß?“ „Wer weiß dat schon..“ „????..   „Du bist doch die Nummer 1 hier, du musst es wissen!“ Er lacht. „Ich bin nur die Nummer 1, weil ich so früh da war!“

Feuchte Träume

Alles klar und wieder tempo aufnehmen. Da ist der dunkle Bildhintergrund ganz nah. Rein in die Regenwand, den Schauer vor mich hertreiben und die zwei Gelben noch holen. Jetzt wird die Strecke feucht, jetzt ist sie naß, jetzt hat sich das SNEL noch gelohnt. Schutzbleche, Profilreifen, beste Wahl nach dem letzten Stop, eine reelle Chance, Positionen gutzumachen.

Die nächste Gruppe, die ich einhole folgt auf einmal einem roten Pfeil, der zu einer Bootsmesse führt. Rufe! Sie kehren um. Jetzt klar denken. Kleine winklige Kurven. Feldwege, Radwege, Zweige und Blüten im Sande. Raus aus diesem Erftstadt.

Noch 18km? 15km? Diese Stelle kenne ich noch genau von der Ausfahrt mit „Klassikerfreunde linksrheinisch“ aus dem Rennradforum, eine S Kurve in den Wald hinein und dann die Ville im Schuß bergab – hier haben die Gelben sicher Zeit liegen lassen. In der Kurve rutschen die Räder unter mir gleichzeitig weg ; ohne mein Zutun löst sich das Rad von den Schuhen und ich bekomme eine Breitseite Feldweg mit Kies zu spüren, als letztes schlägt der Helm auf. Langsam aufstehen, Beinkleid abtasten, fluchen, Rad prüfen: 1 Blech hinten locker, Schraube weg. Adrenalinschub und zurück aufs Rad – ich werde sie nicht wiedersehen ……………

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Noch viele Kilometer liegen vor mir.

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Eine Antwort zu Köln Schuld Köln 2014

  1. axelhensen schreibt:

    Schön das zu lesen, in den Gegenden sind wir früher Sonntags unsere Runden gefahren.

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