070714 Düsseldorf bikepunks : unter der schicken Mütze

070714  Schicke Mütze! – ein Vorgeschmack

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Das Parkhaus an der Kö wirkt wie ausgestorben, die Tankstelle trägt ein unbekanntes Logo. Der Büroturm, in dessen Schatten ich stehe, gehörte einst der imperialen West-LB ; tempi passati.

 

Und dort wo einst Photoläden auf mich warteten, herrscht Leerstand oder Umbruch. Etwas wird sichtbar? Vorzeichen? War Düsseldorf nicht auch die Gründungsstadt des deutschen Punk? (Berliner, bitte weghören).

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Dort ein hell gekacheltes Geschäftshaus der 60er mit großzügiger Toreinfahrt. Hier muß sie beginnen, die Zukunft der Fahrradkultur,  jenseits der Sponsorenkarawanen, Plastikbrillen und Einwegspritzen. Da erkenne ich die soft-psychedelischen Farben des Gastgebers www.klassikerausfahrt.de , eine geschmackssichere Radlertruppe die allmonatlich einlädt, die Umgebung dieser Stadt mit schönen Rädern zu erfahren.

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Heute, 20°, schwül-windig, also angenehm sommerlich, ist der Startpunkt erstmals das neue Ladenlokal in der Talstraße. Klar bin ich neugierig, mit welchen style-gags die jungen Düsseldorfer ihr Fahrradlabor ausgestattet haben, um dem Viertel ihren Stempel aufzudrücken.

Räder trudeln ein, werden ausgeladen, abgestellt und erstmal achtlos an die Wand gelehnt. Die Klassikerausfahrt ist heute gleichzeitig die preview für den frisch eingerichteten Shop. „Hereinspaziert!“ und „Habe die Ehre!“

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Ein großes Fenster mit Eisenrahmen bringt viel Licht in den langen, pavillonartigen Raum. Eine stattliche Theke und Tische in zurückhaltendem Industrial-Design schaffen die Balance zwischen Werkskantine und Espresso-Lounge. Niemand, dessen Finger nach einer längeren Tour incl. Reifenwechsel und Schaltwerkjustierung nicht mehr makellos sind, wird sich hier abgewiesen fühlen. Weiter hinten dann lauern die Pretiosen, eine feine Auswahl von alten und neuen Teilen für klassische Rennräder. Auch das Beiwerk kommt nicht zu kurz: Mäntel (sic!),Schuhe, Trikots und die Namensgeber des Ladens:

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Schicke Mützen!

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Auf geht’s, schließlich ist für den Nachmittag eine Regenmeldung über den Hof gegangen. In zwei Pulks verlässt die Gruppe eine Stadt, deren Cafés nun langsam voller werden. Es ist ein bunter Reigen der sich durch industrielle Relikte nach Osten vortastet. Grobe Richtung Wülfrath.

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Einige Stellen sind noch feucht und das macht sich an den ersten durchaus knackigen Steigungen bemerkbar. Wer hier mit 42×18 hinauf will, sollte Profil haben. Aber wir sind hier nicht bei einer RTF, wir nehmen Rücksicht, Respekt ist Programm und die Gespräche drehen sich nicht (nur) um Fahrräder. Lindenduft, Ahornduft und gute Aussichten beleben die Unterhaltungen wildfremder Menschen von Rad zu Rad. Mike der Einbeiner (nein, er war nie Pirat) kennt sein Revier und nutzt die Vorteile seiner wendigen Cross-Gazelle.

 

Schöner Panorama Weg! Vor wenigen Tagen noch sollen viele Stellen unpassierbar gewesen sein, das Astwerk am Rande spricht eine deutliche Sprache: Orkanböen hatten auf einem Streifen von 40km Breite zwischen Duisburg und Wuppertal die Wälder verwüstet.

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Eine bunte Truppe schlängelt sich über die Hügel und Wirtschaftswege im welligen, hübschen Osten Düsseldorfs. Ricci (Mr. Pratt von Ricci Sports) schießt voran. Neben mir fährt Roykoeln, der die gute Idee hatte, seine Heimatstadt hier würdig mit einem Weltmeisterrad zu vertreten. Seine sehr klassischen Bremsen quietschen höllisch , was den versprengten Sonntagsspaziergängern auf Kilometern eine Warnung ist: Schreie in der Wildnis. (Schützen uns vor Kollisionen)

 

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Kleine Pannen sorgen für Kurzweil, auch mich trifft es. Ein versetztes Hinterrad, Opfer des Wiegetritts. Es bleibt warm und die Bidons leeren sich, Unterzuckerung droht. Allerdings schwebt eine Wolkenwand als Damoklesschwert über der Klassikerausfahrt.

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So bleibt eine kleine Gruppe unverbesserlicher Gallier an der hübschen Waldgaststätte hinter Mettmann zurück , wo die kühle Hefe (Danke Einbeiner) und der frische Tabak so gut mundet: Irgendwann werden wir ohnehin alle naß.

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Beschwingt greife ich zum Bauer Weltmeister für die letzten Kilometer und erlebe einmal ein wirklich altes Rennrad. Sagenhafte Schaltwege, sturer Geradeauslauf – in Kurven muß ich mit dem ganzen Körper einlenken! – aber: komfortables Rollen. Als Lenkerband nur derbe Baumwolle, die Bremsgriffe sehr nackt und hölle schwergängig. Respekt Rudi (Altig natürlich)! Düsseldorf ist naß geworden,  Straßenbahnschienen bauen eine letzte Schwierigkeit in den technisch gewitzten Parcours. Finisher!

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In der neuen Heimat der historisch informierten Radhelden, in der schicken Mütze, wartet ein großes, duftendes Kuchenblech: Danke und Oi!, yo bikepunks

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ps.:

schöne Räder gabs en gros

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pps. : und wer die wirklich größte Auswahl an Radsportliteratur in Deutschland sehen will,  kommt auf seine Kosten:

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