140714 Sei Weltmeister, sei Berlin, sei Museum! Ein Abschied am Feiertag

140714   Musealisiert euch selber! Ein Abschied in Berlin

 

Holland(e) hat die Tour besucht, die französische Kampfdrohne hat Serienreife, aber bis zur Paradeteilnahme am heutigen tag (über dem Präsidenten schwebend?) sind es sicher noch einige Jahre. Am 14 Juli nutzt Frankreich die Gelegeheit sich das gelbe Trikot der Zivilisation überzustreifen.

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Während also Frankreich rituell am nationalen Korsett zupft, müht sich Berlin auf der Suche nach Identifikation, seine Nachkriegsvergangenheit zum Wahrzeichen zu erheben: eine neue USP wenn man so will, so wie es Paris mit dem Eiffel-Turm, der Tour de France und den KochSternen seit 100 Jahren macht.

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In the west they got their idols: und welcher Kreuzberger hätte nicht einmal von ihm, dem David aus der Hauptstraße in Schöneberg geträumt, seinem Ruhm, seiner Farbenpracht, seiner Über-Existenz?

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Die Hauptstraße in Schöneberg ist nach wie vor keine vornehme Adresse, selbst wenn der rundum aufsanierte Kiez inzwischen sämtliche Mietpreisbremsen aushebelt, schließlich will da jemand sein Geld zurück. Ihr schönstes Stück ist die antiquarische Buchhandlung, eine Bücherhalle, die ihren Namen verdient, wenn man es mal mit den üblichen Flächen vergleicht, die solchen Kulturlumpensammlern zugestanden werden – Empfehlung.

 

Die übrige Hauptstraße, der Fortsatz der Potse – reimt sich ?… hebt besser :hob so gerade den Kopf aus dem Dreck um die Kreuzungen Akazien- und Yorckstraße, und David, also der Freund vom Iggy, dürfte seinerzeit keine 80Mark Miete in seiner WG gezahlt haben. Warm, versteht sich und Iggy mußte die Kohlen holen. In der Berliner Ausstellung findet sich bestimmt auch dazu ein Beleg!

 

Ja, es waren herrlich depressive Zeiten, so herrlich, sie aus der sicheren Distanz der Rente, der Grundsanierung und pneumatisch gedämpften Aufzüge zu besingen!. Aktuell findet aber ein neuer Häuserkampf statt, dessen Opfer nun auch ich geworden bin. Ja, Opfer, mein lieber Kevin Prince.

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Meine besten Tage, werde ich einmal sagen können, verbrachte ich in einer kleinen Gartenhauswohnung, versteckt zwischen K’damm und Stutti, falls jemand das etwas sagt. Weihnachten erhielt ich Post von der Hausverwaltung. Man wolle verkaufen, das heißt, der Eigentümer wolle jetzt, auf dem Kamm der Welle, sein 2009 erworbenes Objekt zu klingender Rendite machen. Sein gutes Recht .

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Für mich eher ein Akt der Katharsis, sprich: reinigenden Säuberung. Seit zehn Jahren nun vermietete ich das Zimmerlein an artig zahlende, nette Akademiker, die nie den geringsten Grund zur Beschwerde gaben. Eine wirkliche Rendite habe ich nicht erzielt. Nun bat man mich unmissverständlich, diesen durchaus bekannten, erlaubten aber dennoch widerrechtlichen Zustand in Monatsfrist aufzugeben. Man munkelt , das temporäre Weitervermieten wäre geradezu zum Geschäftsmodell geworden, an dem natürlich die Falschen verdienten.
Ich habe letztlich für diese kleine Erpressung zu danken – wer weiß, ob ich sonst jemals den Keller geräumt hätte, in dem sich ca 400 perfekte MC, 300 CD, ein komplettes SW Labor, 3500 Dias und 10 Kisten Bilder, Filme, Fotos langsam aber sicher auf den Weg in die Verschimmlung begaben. Über die Bücher schweige ich besser.

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Nein, ich hätte es nicht getan ohne Not und tiefen Grund. Das weiß ich, nachdem ich in einem Akt des fröhlichen Nihilismus viele dieser Dinge bei der BSR entsorgt habe, ein Ort, an dem Samstags mit der interessanteste Ritus der Konsumgesellschaft stattfindet : das geordnete Wegwerfen. Immerhin konnte ich ein hübsch bemaltes Skateboard einem 10jährigen Jungen vermachen, der aus dem Staunen nicht herauskam. Vielleicht macht die BSR in 40 Jahren eine Ausstellung mit meinen Devotionalien – aber ich schweife zu sehr ab.

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Denn einen trifft es: den ehemaligen Untermieter. Wie seine Vorläufer, alles junge ,nette, kreative oder akademische Menschen, wird er es schwer haben, in dieser tollen und inspirierenden Stadt eine Bleibe zu zahlen, zumal sie ihm seit sechs Jahren das Gehalt nicht erhöht haben. Ich hoffe, eines Tages zu hören, daß er es geschafft hat.

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Unterdessen werden Sie genau das, was die capitale zum Sehnsuchtsort machte, nur noch im Museum finden und am 17 Juni des Aufstandes der Massen waffenlos gedenken. War doch ne tolle Stadt -oder?

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