170714 Ein Geständnis von Richard Sachs

Die häufigste Reaktion auf meinen bescheidenen Fahrradkeller ist ein verwundertes, unausgesprochenes Fragezeichen. Mehr als fünf Räder! (Sammler, nicht lachen). Natürlich frage ich mich irgendwann selbst, ob da nicht das eine oder andere überflüssig ist, aber ich finde hin und wieder Verstärkung in meinem Wahn.

rsachs b

Hier schnappe ich ein volles Geständnis von Richard Sachs auf. Richard Sachs ist einer der anerkanntesten Stahl!Rahmenbauer der USA und „still in business“, was auf diesem Markt eine starke Leistung ist: www.richardsachs.com

Nun der Meister selbst

Heart of a Frame

……..  I began to look at every bicycle I saw. I bought all the periodicals about bicycles and bicycle racing. My first bicycle. How much more beautiful than all the others was my new bicycle? I had to know.

As the years passed… I just wanted to make bicycles like the revered European builders who were supplying the roadmen of the world, and whose names were on the downtubes next to me in my earliest days in the peloton. The details have stayed with me. Some of the equipment has changed—more gears, better tires, fewer spokes, etc. Even today, as I look at the racing bicycle, I still see those dream machines of my heroes of so many years ago.

I used to look at the decals, at who was using chrome plating and where… There were so many names—Magni. Liotto. Filotex. Molteni. Helyett. Faema. Peugeot. And on and on and on. I would soon learn that the sport was different then, and what it said and what is was were very rarely the same. The sponsors had to have their names visible, but it was a legion of only a few “artigliani” who could build light, serviceable bicycles for the roadmen to use, and their marques were frequently omitted from the frames. I would soon learn who these men were.They were my idols.

From a distance, the bicycles may as well have all looked the same. But upon inspection, it was the details and the workmanship that set the few apart from all others. Clean brazing. Strong looking seat-stay clusters. Wide section chainstays. The beautiful forks of the era. Not bent over minimalist, “banana-like” forms, as would one day become typical, but generous curves throughout their length, meant for the business at hand: to absorb shock, and to keep the rider comfortable for the duration. And atop those bladed monuments to steering sat what I believed was, and still is, the most beautiful detail on a bicycle—the fork crown…….“

rsachs

undsoweiter undsoweiter.

Du bist nicht allein, sagte ich mir dann.

 

 

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6 Antworten zu 170714 Ein Geständnis von Richard Sachs

  1. mark793 schreibt:

    Ich muss gestehen, dass für mich die Kontemplation von schön gearbeiteten Gabelscheiden oder den vielfältigen Verbindungsarten von Sattelrohr und Streben nicht so sehr im Vordergrund steht, wenn es darum geht, die Existenz mehrerer Räder in meinem Fuhrpark zu rechtfertigen. Eher ergeben sich aus Unterschieden in Details leicht unterschiedliche Nutzungsschwerpunkte.

    Was nicht heißt, dass mir dieses kontemplative Element völlig abginge. Aber ich kann das gut ausleben, wenn ich bei der Klassikerausfahrt oder der Rennradbörse mir den Rücken krumm gucke vor lauter Liebe zu den Details. Ansonsten lehrt mich nicht zuletzt das Fahren unterschiedlicher Räder immer wieder sehr viel über die Materie. So gesehen wird nicht mal das Peugeot-Bastelprojekt eine Fehlinvestition gewesen sein, selbst wenn ich mich davon wieder trennen sollte (womit ich dann wieder bei drei Rädern wäre, was sich im SInne von „aller guten Dinge…“ sehr in Ordnung anfühlt).

  2. crispsanders schreibt:

    Zuviele Räder

    Von einem bestimmten Punkt an gibt es eine Entscheidung. Das Netz mit seinen unendlichen Verästelungen läßt eine wissenschaftliche Tiefenerkundung der Materie zu, die es nie zuvor gab. Man entdeckt weltweite Verbindungen, Zugänge, Quellen.
    In der Gegenrichtung wird auch ein unabhängiger Einzelkämpfer wie Richard Sachs, in seinem Geschäftsmodell (Dorfgarage, Einzelanfertigung) überlebensfähig, weil er eine weltweite Plattform bekommt.

    Wenn ich dann sehe, daß seine Literatur aus Lebensgeschichten von Geigenbauern, Möbelgestaltern und Herenschneidern besteht wird einiges klar: hier geht es (siehe auch ein anderer blog von crispinus) um seltene Geigen, um vollendete Instrumente.

    Teilt man diese Leidenschaft, und das ist der Punkt weiter oben, dann betrachtet man machart und Herstellungsform von Rennrädern mit einem ganz anderen Auge, was nicht unbedingt mit reiner Verliebtheit am Detail gleichzusetzen ist: hier geht es um Werke, nicht um seriell hergestellte Gebrauchsgüter.
    Selbst wenn letztere durchaus ähnlich ihrem Zweck gerecht werden.

    • mark793 schreibt:

      Teilt man diese Leidenschaft denn tatsächlich, wenn man nicht selber Rahmen baut? Womit ich gegen sich kundig machen, bewundern und sammeln nichts gesagt haben will. Vielleicht habe ich den Punkt Deines Beitrags nicht so recht erfasst, aber den Dreh vom Fremdstaunen über Deinen Fuhrpark bis hin zu den Betrachtungen eines gefeierten Rahmenbauers konnte ich beim ersten Lesen und ohne Deinen erklärenden Kommentar nur bedingt nachvollziehen.

      Grundsätzlich pflichte ich ja gerne bei, dass der Kundige die Dinge mit ganz anderen Augen sieht. Aber folgt daraus notwendigerweise, dass damit auch auch die Haben-Will-Reflexe stärker ausgeprägt sind (um nochmal die Kurve zu Deinem Einstieg und meinem vorigen Kommentar zu kriegen)?

  3. crispsanders schreibt:

    Folge ich den Betrachtungen eines (gefeierten) Rahmenbauers, verstehe ich immer besser, was die Unterschiede sind, die sich nicht nur auf eine Fertigungsqualität bzw. -oberfläche beziehen. Natürlich kann man es handhaben wie mit dem männerschmuck und sich jeden Tag eine andere Uhr mit mehr oder weniger Mondphasen und Komplikationen anziehen.

    Für mich hat sich der Erfahrungshorizont bisher stes erweitert, nicht allein durch die Anzahl der Räder in meinem Keller. Vo vier jahren fuhr ich Felgen mit Schlag in jede Richtung und habe es nicht einmal wirklich bemerkt. Die durchaus physische Beziehungen mit meinen Rädern hat sich als Produkt von gefahrenen Kilometern und steigendem Dauertempo entwickelt.

    Da sind dann durchaus Unterschiede zu spüren und so entwickelt jedes Rad unter seinem Fahrer auch eine Persönlichkeit, selbst wenn dieser begriff im Vergleich zu einem Pferd natürlich etwas überdehnt klingt. die körperlichen Extreme, in die mich dieser Sport treibt, verlangen auch vom Rad, daß es ein „gutes gefühl“ vermittelt. Selbstverständlich bleibt die freude an Farbe und Form bestehen, aber es kommt etwas dazu : und das kann der Rahmenbauer natürlich erzeugen, er lebt schließlich auch davon, dieses „surplus“ zu erzeugen – es wird spürbar.

    Ich lade herzlich dazu ein, die Seiten von Richard Sachs zu durchblättern , sie sind sehr bereichernd.

    • mark793 schreibt:

      Da komme ich sicher noch drauf zurück, aber derzeit okkupieren mich Auswahlprozesse von Anbauteilen mehr als die Würdigung von Rahmen-Finessen. Zumindest hat mich ein Leihrad im Urlaub (und die damit absolvierte 150-km-Tour zum Cap de Formentor) ein klein wenig schlauer gemacht in der Sattelfrage. Meine Fahrlehrerin pflegte zu sagen, Auto werde in erster Linie mit dem Arsch gefahren (deswegen sei auch die Einstellung der Sitzposition und alles, was daran hängt, so wichtig) – und umso mehr gilt das für das Fahrradfahren, weswegen der Bizyklist ja auch vom Popometer spricht. Da sind wir grundsätzlich nicht weit auseinander, wenn es um den hohen Stellenwert des körperlichen „Erfahrens“ geht.

      Was freilich den schier unendlichen Ozean des im WWW verfügbaren Wissens betrifft, bin ich von der Hafenmole insgesamt bisher kaum mehr als eine Bootslänge weggekommen. Und das hat auch damit zu tun, dass mich mein Erkenntnisinteresse mal hierhin, mal dorthin treibt. Die Rahmen, die mir über den Weg liefen, waren gewissermaßen vorgegeben (z.B. weil geschenkt oder sonstwie zugelaufen), und entsprechend groß war meine Verwunderung darüber, dass RH 60 als gemeinsame Richtgröße doch noch jede Menge Raum für unterschiedliche Geometrien (und daraus resultierende Unterschiede im Handling und Komfort) läßt. Ich habe mich dann allerdings mehr damit verausgabt, herauszufinden, wie ich mit Lenkerneigung, Vorbaulänge, Satteljustierung undsoweiter zu Set-ups komme, die meinem körperlichen Wohlbefinden frommen. Dabei wäre es womöglich geschickter gewesen, einfach zu einem gepriesenen Rahmenbauer zu gehen und mir einen Rahmen mit schönen und praktischen Detail-Lösungen auf den Leib schneidern zu lassen. 😉

      Ansonsten: point taken, wie man auf Neudeutsch sagt.

    • kreuzbube schreibt:

      Also, bei mir verhält es sich wie folgt: Ich habe ja durchaus mehr als fünf Räder hier stehen. Und bei jedem ist es so: Egal mit welchem ich losfahre, es scheint mir sehr schön zu fahren. Sobald ich eine Viertelstunde darauf sitze, fahre ich es für den Rest des Tages, ohne dass es mich noch nennenswert kümmert, welches ich gerade unter dem Hintern habe. Seitdem ich mir das bewusst gemacht habe, kaufe ich keine weiteren mehr,(vorläufig… einstweilen…).

      Allerdings sind meine Räder alle von der Stange und -bis auf eins- letztlich Massenware (gewesen), wenn auch mehr oder minder passend für mich konfiguriert. Ich kann also nicht über Maßanfertigungen mitreden.

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