280914 Trainingstagebuch (meine Toscana)

In meiner Toscana wächst kein Wein, aber Äpfel sind auch kein schlechtes Obst. Wer im Herbst unterwegs ist, findet im Westerwald immer etwas zu beißen.  Aus dem Tagebuch eines Zugezogenen.

http://www.bikemap.net/de/route/2813015-hachenburg-train

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Im Nebel gings los – wie zum Brötchen holen. Frickhofen, Frickhofen verlassen Richtung Dornburg. Die Sonne bricht durch, alles unterhalb von mir schlummert unter einer weißen Decke. Kurz runter ins Elbtal ,warmfahren . 9km, Gemünden, jetzt geht es  links abExif_JPEG_PICTURE

Post aus Alpe d’Huez

Hier wartet der Scharfrichter: (Peter) Winnen nach einer Diretissima. Meine Schaltung habe ich vorher mehrfach durchgeprobt, denn gleich geht es in Gang 1: die letzten 300m dieser 2 km gipfeln in 17 (echten) %. Wiegetritt 38×26. Hinsetzen: der Lenker hebt ab, wieder Wiegetritt. Wie der Stockeu. Die Gazelle macht mit, ich habe das Gefühl, die Bremsgriffe abzureißen. Irgendwie geschafft und beinahe ist mir schlecht geworden.

12km –  Richtung Wiesensee, die Luft prüfen. nach der Steigung dachte ich noch, die Wolle sei heute zuviel, aber jetzt spüre ich den kalten Zug in den Abfahrten. Oktobersonne Allegretto.  Den Wiesensee erkenne ich von der Hennef-Rundfahrt wieder. Im Ort Stahlhofen rechts hoch, dann links abbiegen und wieder ins Tal. Ein Kollege in kurz kommt mir entgegen.

Immer wieder steigt es an – 38×20, ein Mofa überholt mich. hercules. Vor Ailertchen , km 20, ist ein kleiner Flughafen. Eine Maschine mit offener Motorhaube wird für den Abflug in den Seidenhimmel über uns klar gemacht. Vor dem Flughafencafé steht der Mofafahrer und prüft den Getränkeaushang.

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Ich rolle flüssig auf dem großen Blatt nach Langenhahn . Versuche, 52×18 zu drehen und entdecke eine alte Automarke. Chrysler – die französische Chrysler war ein Kooperationsdings zwischen Simca, Chrysler Amerika und Chrysler England. Die letzte Eigenentwicklung von Simca, der Horizon, ein brauchbarer Kadett D – Rivale,  hieß bald Chrysler Horizon oder auch Dodge Omni. Die marke war ein gewaltiger euroamerikanischer Gemischtladen bei dem an den skurillen, aber billigen Chrysler 180 erinnert werden darf, weil er 1975 als Teamwagen von flandria carpenter diente .. Fiat nutzt heute das kurze Gedächtnis der Kunden.

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Aber ich bin hier beim Training und mein Ziel ist heute, mindestens 4h in wechselndem Tempo zu fahren, die Anstiege nicht schnell, im Flachen möglichst mit hohem Dauertempo, und hinab immer schön schnell Kurbeln, nicht rollen lassen.

Nach Ex-Chrysler biege ich kurz vor Langenhahn rechts ab, die touristische Route nach Hachenburg über Bellingen, Alpenrod, km 30. Außer ein paar verschlafenen Motorradgruppen kaum Verkehr und der Blick schweift weit über die Täler des hohen Westerwaldes. An jeder Ecke ein spitzer weißer Kirchturm,  die Täler sind dunstig, Dörfer lehnen sich an die Hänge. Welle folgt Welle.

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Abrollen nach Hachenburg. Das Schloß auf dem Berg dominiert, und wirkt trotz seiner leichten gelben Farbe etwas eintönig . Kadettenanstalt oder Gefängnis fällt mir beim Anblick ein. Am Eingang der Altstadt gleich zwei Denkmäler für Preußenkönige. Das schönere zeige ich mal. Es steht unter einer Friedenslinde.

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Altstadt in Fachwerk, hübsch hergerichtet mit Cafés und Pizaterassen. Feiner Marktplatz mit kirchenmusik .  Motorräder aus Aachen machen sich auf dem Weg, die letzte Gelegenheit, vor dem Ende der Saisonkennzeichen (4 bis 10) nochmals richtig  Luft zu schnappen.

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Hinaus aus Hachenburg über die schnurgerade Heerstraße. Guter Rhythmus möglich – sie fällt sanft oder steigt sanft . Unterlenker, leichter Gegenwind.

In Höchstenbach (km 43)  eine Tankstelle, direkt danach ein Bäcker – er hat geöffnet. ich gebe ihm den Vorrzug und tauche zwei Roggenrundlinge in meinen café. die junge Dame hat es eilig. Zwei neue Kunden werden abgewiesen, es ist drei Minuten vor elf. Wir haben geschlossen.  Als sie, kaum habe ich die Bäckerei verlassen,  die Türe hinter mir schließt, fällt das Rad um, daß ich an einen offenen Flügel angelehnt hatte. Danke, next Time Aral. Eine Gruppe von Motordreirädern, die mit den zwillingsvorderrädern, stößt auf die Heerstraße.  Wunderlich. Ich habe die Karte studiert – rechts an der Kirche vorbei. Fühle mich gut und leicht.

Beschließe eine Ehrenrunde über Berod und Oberdreis, um nach Roßbach (km 55)  zu gelangen. immer wieder eine kleine Steigung aus einem kleinen Tal, freies Feld im Wechsel mit Waldstücken, Vieh und Vögel: ich rolle, rolle  und genieße die gut eingestellte Cyclone Schaltung, die ich wegen ihrer Zicken schon wieder abschrauben wollte….

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Inzwischen habe ich auch einen Cashew Riegel geknackt und spüle ihn mit meinem Traubenwassersaft hinunter. Ich habe diese flachen, kandierten Energiespender bei Aldi entdeckt und beschließe, die meist klebrigen, zähen oder in der Kälte harten fantasieenergieriegel dadurch abzulösen. Herschbach, die nächste Metropole. Zwei Umgehungsstraßen – ich muß also auf die lokale Karte sehen, sonst ist mir die Richtung nicht mehr klar.

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Richtung Hartenfels folge ich dem Westerwaldradweg. Zum ersten male Schotter und zersprengter Asphalt. Die 23er hutchinson reichen, der brooks ist sehr bequem.

Dann Schlamm und vor mir eine Kuhherde. Das langgestreckte, schwarzbunte Peloton folgt dem roten Führungsfahrzeug. Als ich laut rufe, bildet sich eine Ausreißergruppe, die Kühe mit den schwersten Eutern müssen ziehen lassen.

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Lässig gehe ich am Hauptfeld vorbei und nehme den Anstieg zum Hartenfels in Angriff.

Diesem folgt ein weiterer nach Steinen (km 68), wo ich auf die Höhenstraße treffe, die alte Verbindungslinie von Köln und Frankfurt, seit 1949 B8 genannt. Hier esse ich die besten Äpfel der Welt und stecke mir einen weiteren ein. Das war nötig.

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In Freilingen in das ich mit 15% hinuntergestürzt bin, verlasse ich die Bundesstraße und halte das Tempo bis Rothenbach hoch. Hier meine ich im entfernten Dunst, einen heimischen Höhenzug wiederzuerkennen, wegen Antenne und Luftschraube. km?-  71 Also los! Leiden, Unterlenker, Frequenz, jetzt teste ich die Tempohärte. Wenn ich bei einer Welle aus dem Sattel gehe, spüre ich das Stechen, kann aber oben bleiben.

Kaden, heimatluft, lässiges Kurbeln auf der alten Bahntrasse, auf der ich schon einige Kilometer gefahren bin. 6km in 52×18 flott aber locker, das ist gut, daraus kann was werden.

Die letzte kleine Delle wartet in Molsberg, aber ich muß absteigen.

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Der Molsberger Markt hat das friedliche Dörflein in eine Festmeile verwandelt. Ich gönne mir einen Espresso und bewundere die Kirmesmädchen.

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Es ist ein schönes Land, und der Espresso dürfte anderswo kaum besser sein. Vielleicht kann ich ihn nächstes Jahr mit einem in Gaiole (di Chianti) vergleichen. Zuvor aber muß ich in  Würde  Berlin erreichen.  Noch 13 Tage . . . .

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Notizen:

 

 

 

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Eine Antwort zu 280914 Trainingstagebuch (meine Toscana)

  1. mark793 schreibt:

    Oha, der hohe Westerwald. Einige der Ortsnamen klingen mir aus fernen Bundeswehrzeiten noch seltsam vertraut. Die Schönheit des Landes habe ich seinerzeit nur bedingt goutieren können, aber wenn ich das jetzt hier so lese, freut es mich doch, dass ich mit der Gegend noch etwas verbinden kann. Selbst wenn es nur Erinnerungen sind an Blicke aus dem Fenster eines olivgrünen Mannschaftsbusses.

    Ansonsten: schönes Pensum – weitermachen!

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