201214 Wie ich gestern KJU entkam

201214  (und beinahe hätte ich die Weihnachtsfeier verpaßt.)

IMG_2523

Ich habe mir ein wenig zu lang die uniformierten Männer mit dem jungen Staatsoberhaupt angesehen. Die Uniformen (Schirmmützen!) sind ein Designerzitat aus dem kalten Krieg, und die 50 Jahre alten MiG nachbauten sehen wie eine Kulisse aus , die eine alte James Bond Produktion hinterlassen hat. Ich konzentriere mich auf die Flugzeuge, ich schaue auf die groben Nieten und den totsilbernen Anstrich. Sie sind echt, wir sind im Dezember 2014, genau wie das Bild. Der Mann in der Mitte, KJUn, hat seine befehle erteilt – er kennt keine Gnade. Ich sollte mich beeilen, selbst wenn sie von mir noch nichts wissen.

 

In 40 Minuten werde ich erwartet. Einen Kindergarten werden sie nicht angreifen, zumindest nicht sofort. Mit der Gazelle aus der Altstadt hinaus, ein Fahrrad im kalten Krieg. Die ersten Kilometer, die ich gegen den Nordwind fahre sind kühl, aber der Fleece-Schlauch schützt. Als ich im Tal das gelbe Barockschloss passiere, sehe ich daneben die endlosen Garagenzeilen, in denen die Mannschaftsfahrzeuge parken.; nur noch etwas mehr als eine halbe Stunde. Die Garagen sind alle geschlossen;

IMG_2657

Von weitem sehe ich einen Güterzug. Drei Hügel Der erste ist kurz und führt mich über den Dorfplatz von St++++, – von der Höhe wieder zurück ins Tal. Ich sehe die geschlossene Schranke, die Autoschlange davor. Nichts geschieht. Ein Schild empfiehlt den Autos, ihren Motor abzustelllen, aber wer friert schon gern vor einer Eisenbahnschranke? Ich auch nicht. Ein scramble für die MiGs dauert 15min.

 

Ich sehe die hupende Güterlok, die sich mir mit Schrittgeschwindigkeit nähert. Auf der Plattform erkenne ich schemenhaft Uniformen. Schnell zwischen den Schranken hindurch. Zurück in den Sattel: die Straße überquert auf den nächsten Kilometern die Bahnlinie dreimal, alle Schranken werden unten sein, dreimal wird mir also der Weg abgeschnitten.

Exif_JPEG_PICTURE

Also auf den kleinen Radweg, der in einem Gewerbegebiet beginnt: unter der ICE Strecke hindurch, unter der Autobahn hindurch, über den harten, feuchten Sand. Es rollt gut, aber die touristische Wegführung (eine Tarnung) ist eine Zickzackfahrt durch die Wiesen. Ich rege mich nicht auf, die nordkoreanischen Piloten sind noch nicht in der Luft. Meine nächsten Minuten sind mit voller Konzentration auf Kurven, Pfützen, Hunde an Leinen und zivilen Geländewagen erfüllt. Schnell fahren, aber trotzdem Kraft für die letzten zwei Hügel behalten.

img kmja

Autoschlangen ignorieren, Kreisverkehre stürmen, zwischen Schulbus und Gegenverkehr. Ha#####: hie die Schranke ist oben. Durch. Flucht :weiter an der Tankstelle vorbei,  – sie haben keine Patrouillen –  auf den Berg zu, er endet (laut Schild) mit 12%, was nicht stimmt, aber reicht um der Lunge schmerzen zuzufügen. Die MiGs sind jetzt abgehoben, die Generale wissen, daß der große Bruder langsam unzufrieden wird. Es ist das graue kalte Wetter, bei dem Knollen aus dem Boden gekratzt werden, damit irgendetwas zu essen da ist.  Aber was schert das KJU.

IMG_2266

Tempo halten, kleiner Radsoldat, die Wolken hängen tief und ihre Radare sind 60 jahre alt.Die Lastzüge werfen Wasserfontänen über mich –  letzte Meter im Anstieg, freies Feld, nichts geschieht, die Kirchturmuhr schlägt.

Fünf Minuten über die Zeit, aber sie haben im Kindergarten auf mich gewartet. Sie jubeln drinnen , als ich meine Gazelle mit letzter Kraft durchs Eisengitter schiebe. Es rauscht, aber das sind nur meine Ohren. Ich gebe ihnen den großen Schokonikolaus, in dem die Listen mit den nordkoreanischen Hackern eingelassen sind.

 

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Übers Land, Spleen & Ideal abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu 201214 Wie ich gestern KJU entkam

  1. mark793 schreibt:

    Vorbildlicher Einsatz, Radmelder Crispinus! Hiermit verleihe ich Ihnen das dreifache Speichenkreuz in Silber.

    • crispsanders schreibt:

      Abgelehnt – keine Orden annehmen.

      • mark793 schreibt:

        Okay, dann eben Beförderung zum Oberradmelder. 😉

        MiGs über dem Westerwald – da hätten wir im FlaRakBtl.23 vor 30 Jahren echt Spaß gehabt. Ich weiß nicht, ob die Geschichte stimmt, aber angeblich soll sich in den 60ern tatsächlich mal eine MiG in den westlichen Luftraum verirrt haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s