Zur Madonna von Molsberg – eine Pilgerfahrt

130115

Besonders fromm bin ich nicht,aber Rituale, Weihfeste und Kirchenkalender gefallen mir. Weihnachten ist, wie unlängst beschrieben definitiv vorüber, und doch sind da Weihnachtsgeschenke ,die zwar schon lange im Keller stehen, aber erst an einem trockenen und milden Tag ausgepackt werden dürfen. Ein neues Rad fahre ich so erst einmal nach Molsberg  – um dort von der Madonna Glück zu erbitten.  Exif_JPEG_PICTURE

Am Fuße des Schloßparks, dessen gewaltige Bäume schon aus Kilometeren zu erkennen sind, steht, direkt neben einer 500jährigen Eiche ein Bilderstock – ein kleines Gnadenlicht mit authentischer Porzellanmaria; die Madonna meiner Räder.

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Dieses Eddy Merckx soll, auch das ist ein frommer Wunsch, den Schlußpunkt meiner kleinen Sammlung bilden, deren Zahl die der Finger meiner Hände nicht übersteigen darf. Es ist von 1989 und diese Lackierung nennt sich (nach der professionellen Mannschaft die es nutzte) „Team Stuttgart“. Aus diesem Team ging das Team Telekom hervor mit allseits bekannten Folgen.

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Dieses Rad ist gewissermaßen der Endpunkt einer Entwicklung, nämlich der Entwicklung des stählernen Rennrades . 1990 war Titan der letzte Schrei, dann kam Aluminium und nicht viel später Carbon. Das Geschah nicht auf einem Schlag, aber die Perspektive, so drei bis vier Kilo einzusparen ist für einen Profi  ein Vorteil, der nicht lange diskutiert wird.

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1989 ist auch im Radsport eine historische Zäsur; EPO beginnt das Fahrerfeld zu dominieren, Doping tritt in eine klinische Phase ein – wir wissen mittlerweile wie sehr. Es ist das Ende einer bestimmten Form des Radsports, das Ende der kleinen Fürstentümer. Die Zeit der Konzerne und des Corporate Designs war gekommen.

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Der bescheidene Amateur, der hier schreibt, kann nur feststellen, daß alles etwas präziser, leichter und genauer geht als bei meinen anderen Rädern. Ich habe eben mal bei über 50 den lenker losgelassen: der rahmen vibriert, schwingt aber nicht auf: good stiffness –  der Segen der Madonna wirkt schon.

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Die Dimensionen entsprechen exakt meinem (guten!) peugeot galibier – aber das hier ist ein anderes rad. Möge es mich noch viele viele Meilen tragen  – und hoffentlich regnet es morgen nicht……

Für Neugierige:

1989 ‚er Eddy Merckx Corsa extra „Team Stuttgart“

  • Rohrsatz Columbus SLX
  • Ausstattung Dura Ace 7402 –  8fach – Shimano UG
  • ITM Vorbau und Lenker
  • Ghirardi Sattel
  • Campagnolo Sattelstütze
  • syncros Innenlager mit Titanachse
  • Mavic MA 40 Drahtreifenfelgen auf Dura Ace Naben

 

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6 Antworten zu Zur Madonna von Molsberg – eine Pilgerfahrt

  1. mark793 schreibt:

    der rahmen vibriert, schwingt aber nicht auf:

    Tja, das ist womöglich der kleine, feine Unterschied zwischen Columbus SL und SLX. Gratuliere zu diesem schönen Neuzugang in der Sammlung!

  2. crispsanders schreibt:

    Wenn es wirklich am SLX liegt, dann kann ich nur jedem empfehlen, sich ab Rahmengröße 60 danach umzusehen – es darf ja auch ein anderes Fabrikat sein.

    • mark793 schreibt:

      Bin kein Experte für Geröhr, aber soweit ich es verstanden habe, ist SL mehr auf Leichtigkeit optimiert, und die SLX-Rohre haben innen so spiralförmige Verstärkungen (also praktisch das Gegenteil von Zügen in Geschützrohren und Gewehrläufen), welche die Stabilität erhöhen und dafür einen kleinen Gewichtsnachteil gegenüber dem SL mit sich bringen. Könnte mir schon gut vorstellen, dass das die Neigungen zum Schwingen wirksam reduziert.

      Ich weiß das aber auch erst, seit ich merkte, dass Monsieur Mercier in der Schwingungsfrage nicht über alle Zweifel erhaben ist und daraufhin den Rohrsatz recherchierte (es ist SL). Ich denke, vor allem die sehr filigrane Gabel ist da der potenzielle Schwachpunkt, mit einer SLX oder anderem schweren Geröhr wäre das weitgehend kuriert. SLX-Rahmen sind ziemlich gefragt und werden entsprechend vergleichsweise teuer gehandelt, kann daher gut sein, dass man in Sachen Stabilität mit einem weniger prestigeträchtigen und nur wenig schwereren Cromor- oder Thron (letzteres ist glaube ich die neuere Produktbezeichnung) auch auf seine Kosten kommt.

      Aber davon abgesehen ist das Eddy Merckx so wie es dasteht einfach ein geiles Gerät, das muss einfach mal gesagt werden.

      • mark793 schreibt:

        KORREKTUR: Günter Schuhmacher schrieb mir, das Mercier-Rad wäre ein SLX-Rahmen, aber da die Gabel nicht die originale ist, dürfte das der kleine Schwachpunkt an dem Rad sein.

  3. crispsanders schreibt:

    Es darf gerne gesagt werden – denn so ist es . Danke

  4. crispsanders schreibt:

    Erstmal freut mich das apgräde des Mercier („levelo“ de mercier?) Das Aufschwingverhalten ist m.E von vielen faktoren abhängig. Im Gr. sollte man immer unter gleichen Bedingungen (Ort, Geschwindigkeit, Sitzposition) beobachten. Sicher hat jede Gabel verschiedenes Einschwingverhalten- wie auch jeder reifen /Druck anders überträgt. Der Tausch der laufräder 1) und der Gabel 2) wäre in diesem fall die leichteste Methode. gabeltausch ist ja auch kein so schweres Ding, zumindest bis RH 60 finden sich einige Ersatzstücke – wenn es denn so tragisch schwingt . . .

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