An integrated action

Club Roger Nimier, Stendhal, Roger Nimier

Ich habe  etwas über die Telekom herausgefunden, über das Team, dem es sein Geld und seinen Namen lieh. Das Buch stammt aus dem Jahre 1994. Die gesamte Mannschaft wird vorgestellt,  zu jedem Fahrer der Bestellzettel, nach dem die Firma Eddy Merckx ihm das Rad baute –

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Alle werden bildlich und namentlich vorgestellt, auch Masseure, wie Jef d’Hont, den die Zollbeamten kurz vor der Tour 1998 an der Grenze festhielten. Aber da arbeitete er schon seit 2 Jahren für die mannschaft Festina, so daß der Skandal um die Medikamente und diversen Dopingmittel,  mit denen er zur Tour de France unterwegs war, den namen Festina trug. D’hont verdanken wir Zuschauer und Liebhaber eine der ersten umfassenden Aussagen zur methodik und Praxis des Dopings im professionellen Radsport. Ein unangenehmer Zeuge über dessen Aussagen schnell wieder der mantel des Schweigens fiel. Auch die  Telekom wollte Geld verdienen.

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Dr. Andreas Schmid ist auch dabei, von der Uniklinik Freiburg, er sitzt vor seinem Rechner und analysiert womöglich Blutwerte.  Ungefähr 13 jahre nach den Aufnahmen zum Buch wird er von der Uniklinik entlassen, nachdem ehemalige Fahrer ihn namentlich wegen systematischer Anleitung und Vergabe von Dopingmitteln belasteten. . . das war aber nicht die einzige integrated action:

der Stamm des Teams Telekom kam aus den Sportschmieden der DDR, Ludwig, Heppner, Ampler, Zabel . . . um nur einige der 17 zu nennen, die das Gerüst für die Siegedes jüngeren Jan Ullrich schufen, der erst zwei jahre später, ebenfalls von einer Sporthochschule zum Team stieß.

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Durch seine genaue bildliche Dokumentation (welch unglaubliche Trikotfarben), wirkt das Buch wie ein großer Rückspiegel, eine Reise zum Urknall des Dopingskandals Telekom,wenn ich es mal kosmisch ausdrücken darf. Eine historische Empfehlung, nicht nur, wenn man die genauen Rahmennummern der Fahrer des Jahres 1994 erfahren möchte.

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Ich erschaudere immer noch, wenn ich mich an die dunkle, spröde Stimme erinnere, die amAbend des 11. Septembers 2001 sagte: “ This was an integrated action and it has to be answered in an integrated way  . . . “  die traurige Wahrheit, die damals Henry Kissinger aufdeckte (und  uns fast täglich beschäftigt) gilt (in viel kleinerem Maßstab) beim Thema Leistungssport. Sie vergiftet ihn schleichend.

Allein, der Wille zu einem „integrated way“ fehlt, solange sich aus jeder Weltmeisterschaft  politisches Kapital schlagen läßt: was ich in unserem Staatssender an Flachsinn bei der letzten Wintersport WM erleben durfte – Danke.

„Jugend der Welt, ich rufe euch..“

Und jetzt ruft mich ein Rad in ähnlichen Farben, aus ähnlicher Zeit.

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9 Antworten zu An integrated action

  1. mark793 schreibt:

    So ein Eddy Merckx in Staatsfernmelder-Ornat lief mir neulich über den Weg. Aber sowohl Preis (zu hoch) als auch Rahmenhöhe (zu niedrig) hinderten mich daran, einen Erwerb ernsthaft in Betracht zu ziehen. Aber 1994, hach, das war das Jahr, als mich dank des Sperrmüllfunds Sir Walter I ein wenig das Rennradfieber packte und ich dann auch mal gelegentlich den Tour-de-France-Zirkus im Fernsehen einschaltete. Da war das Telekom hier, Telekom da noch halbwegs erträglich, in späteren Jahren habe ich dann lieber mal die Übertragung bei Eurosport eingeschaltet (trotz der eklatanten Fehlbesetzung von Toni Rominger als Co-Kommentator).

    In diesem Buch würde ich auch gern mal ein bisschen blättern…

  2. crispsanders schreibt:

    wenn ich höflich fragen darf – was wird denn für ein Merckx Telekom (corsa extra?) aufgerufen in dieser Ausstattung?

    • mark793 schreibt:

      Ich muss gestehen, dass ich den genauen Betrag nicht abgespeichert habe. Irgendwas zwischen 600 und 1000 €. Da das Rad mir auf den ersten Blick erkennbar viel zu klein war, habe ich gleich wieder auf „zurück zu den Suchergebnissen“ geklickt. Ich wollte übrigens nicht gesagt haben, dass ich den aufgerufenen Preis an sich zu hoch fand, es liegt aber über dem, was ich momentan für ein weiteres Rad ausgeben möchte (es sei denn, ich lasse mich von Don. A tatsächlich überzeugen, dass das graue Colnago C irgendwas, das er voriges Jahr erwarb, tatsächlich wie gemacht für mich sei).

      Ach ja, zu Deiner Neuerwerbung aus kristallinem Kohlenstoff drängt sich mir auch noch eine Frage auf: Ist das mit den Ergos und Systemlaufwädern nicht eine Spur zu modern? Ich sehe Dich sonst immer mit offenen Wäscheleinen und Unterrohrschaltung, insofern fällt das Diamant ein wenig heraus aus Deinem bisherigen Beuteschema.

  3. crispsanders schreibt:

    Meine Evolutionssprünge sind klein. Das Diamant ist aus Columbus xy, nehme an „brain“, obwohl mir das im gesamten Netz bisher keiner sagen konnte. Die Systemlaufräder gebe ich billigst her, denn das Rad habe ich , genau, wegen der ERGO schaltung gekauft – ich bleibe da <=9 fach, womit die Folgekosten niedrig sind.
    In meinen Augen der günstigste "Einstieg" in die Welt der Schaltbremshebel. Ein Merckx-Telekom wäre mit sehr ähnlichen Komponenten bewegt worden . Preise über 500 für die Budget-Ausstattung halte ich für überhöht . Die Telekom Aktie erreicht mit den Pinarellos ihren Höhepunkt. Merckxe waren aber noch ganz stählern, die Ausstattung fing 1989 mit Team Stuttgart (meins) an und endet glaube ich 1994. Soviel für den erleuchteten radsporthistoriker.

    • mark793 schreibt:

      Bei den Kleinanzeigen weiß man nicht, ob der aufgerufene Preis auch das ist, was bezahlt wird. Im Zweifelsfall wird der Anbieter etwas höher ansetzen, um noch bisschen Luft nach unten zu haben bis zum Wunscherlös. Gerade bei Teamrädern überschätzt manch ein Anbieter den Sammlerwert ganz beträchtlich, da wird z.T: selbst für Replicas ein Preis ausgerufen, als ob der Toursieger höchstpersönlich damit die Champs-Elysées runtergekachelt wäre. Da denkt man sich dann sein Teil und geht seiner Wege.

      Den Eindruck, dass Ergos einen günstigen Einstieg in die Welt der Brifter markieren, hatte ich bisher nicht gewonnen. Im Vorfeld der STI-Umrüstung von Sir Walter hatte ich mal sondiert, wie teuer ein Umstieg auf Campa käme, und irgendwie ergab es nicht allzu viel Sinn. Wenn einem ein gutes Rad mit dem Zeug dran zu einem vertretbaren Preis über den Weg läuft, mag die Kalkulation eine andere sein, aber ich habe den Kauf der Teilekiste mit den 600er-Ultegra-STIs drin bislang nicht bereut. Ich habe auch Ultegras und 105er im Einsatz, und nicht mal gegen die Sora Flightdeck-Hebel, die ich am früheren Winterrad hatte, kann ich was schlechtes sagen (unter der Prämisse freilich, dass ich auch bislang nie Reparaturbedarf hatte, in dem Fall ist man mit den Campas dann tatsächlich besser dran).

  4. crispsanders schreibt:

    Habe das Rad ja als Gesamtrad gekauft, nicht nur, um billig an „Brifter“ zu kommen, sondern weil ich fand, das Campagnolo in jenen Jahren um 1995 technisch den Anschluß wieder fand. Die Kurbel ist sehr schön, die Bremsen gefallen und der Rest ist tatsächlich gut erhalten: Abholung und Testfahrt vor ort.
    In der nächsten Woche sollte es mit der umrüstung der Laufräder klappen und neue Züge verlegt sein. Dann wissen wir mehr – einstweilen pflege ich gut erhaltenen Lack.

    • mark793 schreibt:

      Bin schon sehr gespannt, was Du draus machst. Die Kurbel ist eine der schönsten überhaupt, die Schaltung definitiv konkurrenzfähig, einzig mit der klobigen Optik der Chorus-Bremsen vermag ich mich nicht so recht anzufreunden, aber das ist persönliche Geschmackssache und überdies kein so prominentes Detail.

      Ansonsten bin ich auch neugierig, wie es sich mit der Zeit auf die Wahrnehmung des traditionell geschalteten Fuhrparks auswirkt, wenn Du mal damit angefangen hast, oben zu schalten. Mir hat es nachdem das Koga ins Haus gekommen war, irgendwann keine Ruhe mehr gelassen, auch Sir Walter entsprechend upzugraden. Allerdings war da vermutlich mein Leidensdruck höher, weil das bis dato verbaute Sachs-Huret-Geraffel deutlich weniger getaugt haben dürfte als alles, was Du an Deinen klassischen Rennern verbaut hast. Der Nachfolger Monsieur M. ließ sich dank der coolen Simplex-Hebel eigentlich recht komfortabel am Unterrohr schalten, aber nachdem ich die 600er-STIs vom Vorgänger eh noch da hatte, war klar, dass irgendwann auch dieses Rad wieder oben geschaltet wird. Schon allein, um es einheitlich zu haben und nicht mehr drüber nachdenken zu müssen, auf welchem Rad sitze ich jetzt und wie wird es geschaltet?

  5. crispsanders schreibt:

    ich fühle da eher historisch – das Schalten am Unterrohr ist ja auch wieder, ja nach Rad, sehr unterschiedlich. Eine Friktionsschaltungs-feineninstellung ist nämlich eine Sache für sich. das „Diamant“ wird sozusagen mein Schlußpunkt in der modernen Ära. Schon hier habe ich nur deshalb 9fach gewählt, weil damit auch 8fach geht und ich so mehr als einen Laufradsatz fahren kann. Wie die Sache arbeitet, habe ich schon am Rad meines Sohnes gesehen, es ist auch Neugier im Spiel.
    Der schlichte Charme der Friktionsschaltung wird deshalb nicht verloren gehen – da wird nichts nachgerüstet, eher kommt ein Rad von der Telekom ins haus.

  6. mark793 schreibt:

    Auch wenn das Schalten da unten bei keinem Rad exakt so ist wie beim anderen: Wenn ich auf der Fahrt davor Schremshebel geschaltet hatte, drückte ich dann auf dem anderen Rad manchmal zunächst vergeblich an den Bremshebeln rum, bis ich realisierte, ach ja, wir sind wieder im Reich der Retrofriction. Dass ich anderseits beim Koga oder Olmo vergeblich Richtung Unterrohr gegriffen hätte, ist nie passiert, da waren die jahrzehntelangen Gewohnheiten dann doch recht schnell wie weggewischt. Ich denke zwar, das wird bei Dir weder so schnell noch so gründlich gehen wie bei mir, doch wie gesagt, es verändert die Gewohnheiten schon. Dass deswegen aber nicht Dein gesamter Retro-Fuhrpark umgerüstet wird, ist mir schon klar.

    Was heißt, wo 8fach geht, tuts auch 9fach? Ist bei Shimano zumindest bei den Freiläufen doch auch so (da geht es sogar von 8 bis 10), nur dass 9fach schmalere Ketten erfordert als 8fach.

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