140615 De Winnen

Der Winnen

Unter den Büchern zum Radsport soll dieses schon ein Standardwerk sein : Post aus Alpe d’Huez. Das Buch verdankt seine Entstehung dem seltenen Umstand, daß der Autor ein Staatsexamen fürs Lehramt ablegte, bevor er sich entschloß, eine professionelle Radsportkarriere zu verfolgen: sein grund, Tagebuch zu führen.Als dies Tagebücher beginnen, ist Peter Winnen ein arbeitsloser Lehramtskandidat, der den Wehrdienst abkürzt und Anträge für seine Arbeitslosenunterstützung schreibt. gleichzeitig trainiert er Weiter und fährt für kleine Amateurvereine . . . .

alpe winnen

L’Alpe d’Huez ist nicht nur einer der bekannteren Anstiege der Tour der France, für Peter Winnen ist es der Schicksalsberg: Symbol seines frühen Ruhms und gleichtzeitig Gipfel seiner Radsportkarriere. Seite für Seite nähern wir uns dem Gipfel.

Und auch wenn das beschriebene Umfeld dreißig Jahre zurück liegt : nach wie vor gibt es nur sehr wenige Innenansichten eines so hermetischen Berufsfeldes. Winnen betreibt keine theoretische Analyse, wir entdecken das Milieu über seinen Werdegang, verstehen Arbeitsprinzipien und Abläufe. Vieles wird sichtbar, ohne Personen zu verletzen oder zu entwürdigen. Wir sehen, daß es in dieser Welt nicht immer eine Wahl gibt.

Zwei Dinge, die dieses Buch beschreibt, haben mich tief beeindruckt: die Suche nach einem vertrauenswürdigen persönlichen Umfeld – und die unablässige (manchmal verzweifelte) Jagd nach der besten Form. Der masseur Jomme –  Ich wusste, daß Masseure eine Schlüsselrolle in diesem „Beruf“ spielten, aber daß sie geradezu Überväter sein mussten, wird hier deutlich. Sicher ist ihre Rolle seit der totalen Datenerfassung und der Verpflichtung von Teamärzten reduziert, aber Winnens beschreibt, wie Masseure außer Muskeln den unbeständigsten und unsichersten Teil der Profiseele verwalteten: die Psyche.

Wir erleben den Athleten als ein dauernd um die körperliche Verfassung, seelische Balance und Selbstvertrauen ringendes Wesen, dem ständig das Glück (und Geld) zwischen den Fingern zu zerrinnen droht – nur selten (und oft nur für einen Nachmittag) deckt sich die Heldenfigur mit dem Sportler.

Lieben wir den Radsport nun mehr? Wir verstehen ihn besser. Denn allen, die Rennen fahren weil sie gewinnen wollen, wird sich diese Frage nie stellen.

fpd4

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