020715 PY10 raceproof am Nürburgring

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„Die Jungs fahren schnell“ hatte Jonathan gesagt und da sie etwa eine halbe Stunde nach mir gestartet waren, konnte das ja nicht ganz falsch sein. Peugeot ahnte noch nicht, daß es jetzt nicht mehr ganz so gemütlich werden würde und ich dachte mir: na ja, erstmal geht’s hier bergab.

Fortsetzung des Marathons von Rodenkirchen. Reifferscheid.

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Vor allem aber ging es ab. Die Aerofelgen rauschten los, hier ließ sich niemand den Hang hinabgleiten. Mein Gewicht kompensiert den Felgennachteil, aber an Bilder  ist nicht wirklich zu denken. Auch weil ein rosafarbener Daihatsu Schuhkarton uns auf der Abfahrt die Sicht versperrt.

Unten im Tal erkenne ich den Rewe Supermarkt von Adenau wieder, eine der wichtigsten Nachschubquellen für den Besuch des Nürburgrings. Palettenweise wird hier beim 24h rennen je nach Witterung Bier oder Korn abgezogen und dann über Campingplätze von Breitscheid getragen. Direkt dahinter dann eine Reihe Cafés, an denen sich Motorrad- und Sportwagenfahrer laben.

Wir biegen aber zuvor links ab. Der Anstieg zur Hohen 8 beginnt, begleitet von kernigem Motorendonnern das sich eine Sekunde lang parallel zu uns bewegt.

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Schon ziehen die besten davon. Ich versuche gar nicht erst, irgendein Maximaltempo zu gehen, Jonathans Rhythmus reicht völlig aus. Noch ist Unterhaltung möglich, die Steigung gemäßigt und gerade: unsere Gruppe zerfällt bald zu einem sehr langen Faden. Ich kenne die Strecke von meinen Ringbesuchen und respektiere den oberen Teil. Gut, daß die Serpentinen oben im Wald liegen, denn es ist heiß. Aber alle Befürchtungen sind überflüssig: an der dritten oder vierten Kehre, für die ich hier Kraft spare, geht es  links ab und einfach geradeaus: steil geradeaus.

Aber dann ist schon die Kuppe erreicht, fünf oder sechs Fahrer warten hier. OK.

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Und ab ins Tal, wie zuvor. Touristische Beschreibungen müssen entfallen. Mein einziges Bild kostet mich den Anschluß an die Gruppe, die mit 60plus davonzieht. .

Ich habe alle Mühe, die Kamera wieder in die Rückentasche zu stecken. Und dann versuchen Jonathan und ich Boden gut zu machen. Die Abfahrt aber ist jetzt flacher, dazu Gegenwind. Unterlenker – nichts zu machen. Sie sind weg, ab und davon, und ich bin am Anschlag: nur noch 100km.

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Wie gut, daß an der Talsohle die nächste Kontrolle ist. Wasser nachfüllen, Melone greifen, Schatten hinter dem Hund suchen. Ich beschließe die Pause zu verkürzen –  muß jetzt Zeit gewinnen und werde fünf Minuten im Regenerationstempo vor dieser Höllengruppe fahren. Dann werden wir sehen. Bis später . . . .

Den Puls flachhalten zum nachdenken. Ein oder zwei richtige Hügel liegen noch vor uns. Dann geht es aus der Eifel hinaus, später langsam hinunter und über 30 km flach durch die Kölner Bucht. Dort ist es besser, in einer Gruppe anzukommen. Die Jungs, die sich hinter mir gleich wieder auf den Weg machen, sind schnell, schneller und viel schneller als ich. Dabei locker und entspannt riechen sie nicht nach Weichspüler. Ich kenne Jonathan und Laufi, die auch beissen müssen und habe (vielleicht?) einen Exotenbonus: das goldene Schaltwerk . Ich darf keine Zeit liegenlassen, dann könnte ich später ohne zu platzen den Anschluß finden.

Ahrbrück, Eldorado der Motorradgruppen. Sie halten Mittagsruhe auf den vollen Caféterrassen und füllen die Kassen der Schankgewerbe Bitte mit Sahne. Zick über die Brücke und Zack rechts herum und das Ortsschild sagt: Lind.  Es geht auf die Linder Höhe, Freunde der Eifel. Gang2, bitte nicht dicker. Keine Fahrer vor mir, jetzt also allein durch den Wald. Der Anstieg nach Lind, noch kenne ich ihn nicht. ….Kein Krampf, aber die Melone war gut. Zwischendurch sehe ich einen Fahrer in der Schleife unter mir– niemand aus der Gruppe, das  beruhigt: also halte ich das Tempo und nach dem Wald erkenne ich das Dorf auf der Kuppe. Vor allem erkenne ich, daß der Weg dorthin steiler wird, steiler als zuvor im Wald und steiler als nach Reifferscheid hinauf.

Und darum beschließe ich, jetzt zu leiden. Als es kurz flacher wird rufe ich der Eifel zu, daß ich sie langsam satt bin. Da überholt mich mit 90er Trittfrequenz das schwarze Feld/Sturmvogel Trikot: einer von uns. Ortsschild, aber bis zur Höhe sind es noch zwei steile Passagen im Dorf,  die mir beinahe den Zahn ziehen. Wiegetritt, der Gang springt nicht raus . . ; dem Sturmvogel ist kein weiterer aus der Gruppe gefolgt. Ihr seid nicht mehr weit hinter dem Spitzenfahrer.

Diese Abfahrt hier kenne ich. Damals, von Köln-Schuld und im Herbst zuvor, als ich das Giant Peloton probefuhr. 2013, das scheint ewig her. Jetzt nutze ich den trockenen, sonnigen Asphalt auf der Abfahrt ins Sahrtal und habe Glück, daß auch die Wohnmobile Pause machen, so kann ich die ganze Farhbahn nutzen. eifel1

Sahrtal, holprige Schönheit. Es geht leicht bergab, nur der geflickte Asphalt verhindert geschmeidiges Gleiten. Trotzdem immer wieder schön. An einem Vitus vorbei. Einen weiteren Fahrer im Blick. Und schon knickt es scharf links ab und diesmal kenne ich meinen Killer.

Krälingen! 3,6km

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Das sind zuerst Serpentinen, dann eine Erholungspause- am Waldrand entlang – schließlich letzte knackige Kilometer durch die Ortschaft. Wenn ich oben bin, ist alles geschafft, danach ist das Leiden vorüber.

Die ersten Serpentinen sind gleichmäßig, nicht zu schwer, aber jetzt nicht zu schnell werden – Mountainbiker ziehen lassen. Dann rauscht der schwarze Sturmvogel wieder vorbei – er hatte in Lind auf die Gruppe gewartet. Ich imitiere ihn 10 Sekunden: er tritt den gleichen Gang wie ich, nur eben mit 90 Umdrehungen statt 65. Sagenhaft. Der Mountainbiker macht keinen Boden mehr gut.  Am Ende des Waldes haben sie mich, die 5 oder 6 flotten Reiter. Jonathan ist dabei, sein Kopf ist rosarot. Im Flachstück schließe ich mich an, es geht, es hilft. Dann, am Anfang des Dorfes lasse ich ziehen. Ich entdecke die Abkürzung: hier geht es kurz und gerade mit 13% zur Sache und spart 250m.

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Jonathan auf 3 – die Überraschung gelingt nicht ganz, aber dieses schöne Bild der vorbeiziehenden Gruppe zeigt, daß sich die Abkürzung lohnte…

Ich schließe zum Mountainbike auf und weiß, das ich nicht am Ende bin. Ich grüße die Dame auf dem hellen Surly – erst dachte ich, sie sei bei der RTF dabei- Warum auch nicht?

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An der Kontrolle werde ich begrüßt, Jonathans Augen liegen etwas tiefer , kurze Erholung ist nun erlaubt. Km 143. Ich kann zufrieden sein, die Pflicht ist gelungen, das wird eine Trainingseinheit der besonderen Art.

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Der capitaine de Route beschließt hier, in der Gruppe bis ins Ziel zu rollen. Die nächsten zwei Stunde genieße ich den Kokon des Pelotons, den Schmerz der kleinen Temposteigerungen und Neustarts an diversen Ampeln, die uns auf dem Weg nach Köln aufhalten wollen.

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Es ist eine neue Erfahrung für mich und PY, ein Vorstoß in unbekannte Tempozonen. Meinen Mitfahrern Bewunderung und ein Kühles Kölsch!

eifl4Es war alles dabei!

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3 Antworten zu 020715 PY10 raceproof am Nürburgring

  1. alex schreibt:

    …bei der Hitze ! Alle Achtung, denn ich drücke mich erfolgreich.

  2. crispsanders schreibt:

    Es war sonnig, nur eben nicht wirklich HEIß, wenn ich das mal mit den 200km heute vergleiche. zurück aus der Moselhölle regeneriere ich gerade . . . .eine wichtige Erfahrung.

  3. randonneurdidier schreibt:

    sauber, sauber! Dann wirst Du demnächst geradezu genussvoll in die vielen Hügelchen von PBP beißen!

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