130715 Golden Flash : ein Sommertag im Lahntal

110714  – wieder ein Samstag voller Sonne full cinellis Blau ist der Himmel, auch um 12-noon noch, als ich das Tor hinter mir über die Basaltkrümel ziehe. Blau ist das Koga, weißkorkig (mit Vanillekrümel) das neue Lenkerband. 1cm mehr vorbau = 11! , und auf in die (beinahe) flache Etappe nach Westen. Nach Wetzlar, eine Kugel Eis und dann noch kurz nach Gießen, der Bildung wegen. Grobe Richtung: Lahnaufwärts. Büchnerpreis für Rainald Goetz: drum hinfahren und nachsehen, ob die Universitätsstadt darauf vorbereitet ist. gi1 Pferde tauchen hinter Graswänden auf, die sich im Wind verschieben. Feldwege, Schotterwege auch – mit 25er Paselas ein Genuß. In Stufen 3 Dörfer hinauf, die letzen Fransen des Westerwaldes bis Merenberg. – der Burgfried steht von weitem über den Feldern. gi2 Was im Winter noch kahl war ist heute gemäht und in zylindrsichen Rollen, groß wie Blechcoils für Autokarrosserien, über die Wiese verteilt. Nochmal ins Tal, den Waldrücken umfahren, der sich zwischen mich und Löhnberg schiebt. Rechts ab, am Brunnen vorbei.  Nicht zu flott, immer an den Rückweg denken. Löhnberg, Tor zum Lahntal, das von hier bis Marburg weit genug wird für 1bahnlinie, 2fahrradwege, 1 Autostrada und die Parallelroute über die Dörfer. Auftanken. bsa2 Eine BSA twin im Reisetrimm. Solch ein Ding mit 80/110 über die Landstraßen rollen – komfortabel. bsa3 Mit meiner Espresso-pappe in der Hand sehe ich dem Fahrensmann hinterher. Eine lange Geschichte –  British Small Arms. Golden Flash heißt die maschine: das Motto nehm ich mit. fendt Dann ist der Fendt an der Reihe – auftanken und mit Hänger zurück zum Mähdrescher. gi3 Im Zickzack über den Radwanderweg. Touristische Paare mit Lenkertaschen stellen sich der Mittagshitze. Dann eine bunte Gruppe von lustigen 20 Jährigen – Der Letzte zieht den Anhänger mit Reiseproviant und kühlen Getränken. Wir grüßen uns mit v-Siegeszeichen. etwas weiter wird slalomfahren mit dem Motorrad geübt. Schwitzen unterm Integralhelm. gi6 gi4Links steht der Mähdrescher, rechts vorn leuchtet die gelbe Weste: der Reisefahrer. Alle Last auf der Hinterachse ein dreifaches Kettenblatt und ein Rahmen aus Stahl. Ranfahren, reden. gi6reyva Ein Pfälzer, seit Jahrzehnten immer mit dem Rad unterwegs. Dieses hier aus St Etienne, Reyva : aus Vitusrohr. Arbeitspferd. Wir unterhalten uns kurz an einer schattigen Bank, er kommt aus Diez und  packt die Brote aus Wie weit es bis Marburg ist.? Machbar! Die gerade Straße nach Wetzlar, noch sehr März-präsent, ich navigiere frei. Ein deeh-emm Markt (das alte Wortspiel!) empfängt mich klimatisiert & kühl. Frauen suchen schlafwandelnd die Gänge ab. Ich befinde mich vor 3m Gesundheit pur . Nahrungsergänzung in Pillen, Pulvern und anderen Darreichungsformen. Ein unüberschaubarer Mischmasch an Produkten für Schlaf, Potenz und sonstige Störungen. Das meiste bezieht sich (indirekt) auf die älteren Jahrgänge und ihre Sorgen.  Also mich. Nur- !4 Euro für ein Gebinde von MagnesiumKaliumB123Folsäure Kapseln? Abtei macht gutes Geld aber bitte nicht heute, und ich greife auf die bekannten dextro-energens zurück. Zeit verloren,und auch gegenüber nicht fündig geworden gi7 Und eigentlich haben wir schon geschlossen, sagt der augen-zwinkernde Mann aus dem AntikRecordshop ggü d Eisdiele, nachdem ich meine Kugel Schokoeis verleckt habe. .. aber für die zwei weiteren Interessenten legt er dennoch mit wissenden Kommentaren Scheibe um Scheibe auf. „Das kennt jeder, schon nach den ersten Takten kommt der aha Effekt ! – „ Aaah“ antwortet es aus dem Publikum (meine Altersgruppe, Kenner). HiFi für Aufsteiger: die Klassik Auswahl ist klein und mir fällt wieder ein: Rainald Goetz steht im Buchhandel –  rolle pflastern durch die Altstadt. Kurz vor der alten Lahnbrücke Eiscafé rialto. Der espresso steht wie’ne 1! gi8 Die old Brücke besetzt mit professionellen Nichtmusikern, einer spielt drei Töne auf einer Plastikhohnertröte  und hält den Korb her . . . die berühmte böhmische Musiktradition . gi9 & & die nächste Einkaufsstraße, gründerzeitlich und nachkriegslich gemischt, weitläufig schöne Bäume nur etwas zu leer – denn am Ende der Straße, vis-a-vis, der Schlussakkord: das große KaufZentrum, (bei dem alle Parkplätze auf Decks verteilt sind : roll in please) , saugt den Kunden ins klimatisierte 21te Jhdt. ((Was willste später mal machen? „GesundBrunnenZentrum“ (R.Goetz)). Ab ! (Z900)! nach rechts Richtung Gießen. Buchhandlung also erst dort. Der Radfahrer als krüppeliges Stiefkind der Verkehrsplanung. Doch viele viele Schilder, Kilometerangaben aufs komma jenau. Bitte langsamer! gi11 Heute aber ist Bade und Bootstag an der Lahn, sehr verständlich. Unrhythmische Fahrt – Gekurve zwischen Tätowierten Oberarmen, die in Bierflaschen enden.  Also eine Landstraße gesucht, und miteinemmale heißt-s nur 8km bis Gießen. 8? – Es werden doch mehr, denn der Könisgweg nach G-Zentrum ist Radfahrern verwehrt . Unten durch, irgendwo einen Schotterweg finden. Auch schön,  mit Schatten. Auf die Zukunft des Rades als Pendlerfahrzeug ist Gießen (noch)nicht vorbereitet, geborstener Steig am Brückengeländer entlang . Dafür aber in der generösen Innenstadt :die Menge der Studenten machts. Es ist heiß, die Caféterrassen gefüllt die Radparkplätze gefüllt und ich steuere das Antiquriat an. gie1 Erwin Fieger, Japan. Das Buch ist riesig, ich kenns vom Hörensagen. Jetzt mustere ich eingehend was der Naturkorkeinband verbirgt – : das Ambiente des Antiquariats lädt ein. Herrliche Farben, fetter, satter Druck, vor-digital. Fieger hatte ganz offiziell zwei Prachtbände über die Deutsche Olympiade 1972 veröffentlicht.( Sie werden überall verramscht, da häufig). Sehr gut eingebunden, sehr grafisch, für die Zeit eine Technikorgie: Unmengen des teuren Kodachromes verknipst, die neuen Pentax Teleobjektive jenseits der 400mm formatfüllend und seitenfüllend eingesetzt.)

b1

Vor der Winterolympiade -Sapporro- war Fieger also nach Japan gereist, ein Land, das 1971 noch sehr weit fort war, verglichen mit der Präsenz, die Asien heute hat ein unwirklich fern Märchenland. In der Bildsprache der Report/Sportfotografie präsentiert

gie2Fieger eine Art GEO-Super-luxe Edition „avant la lettre“ von Japan. Schreine, Hochöfen, Schnellzüge, Superteleaufnahmen von schönen Japanerinnen. Aber der Druck allein (macht keinen Hokusai) . Nur alles in Farbe: 1971! (der Abzug 10×15  so DM2)  aber am Ende nur Megareportage, eigenartig flach, will alles zeigen, alles komprimieren. Für CoffeeTableBook Junkies liegenlasssen, wir suchen hier  Goetz, gnädige Frau!. In einer Kiste ErnstJüngergesamt, einer anderen Meyer die 6te von 1907 – Oh! Aber das Papier wird keine Jahrhunderte mehr halten. Schade, auch weniger chromolits.. gie3 Und dann die Preisfrage: irgendwas von Rainald Goetz? Mal im System sehen. Nein. Mal die Regale ansehen. Nein. Suhrkamp TB – nix. Ich hatte doch, da war doch, meine ich . . . .etc. Kein Rainald Goetz beim Antiquar, trotz 4m st und suhrkamp „Reihe“. gi12 Also Goetz in neu, Hauptsache jetzt und als TB für die Trikottasche. Hindurch Gießen, Universitätsstadt., – Fußgängerzone, die DLRG wirbt Mitglieder. Plärr . Endlich, nach zwei Pommesbuden,  nach ha! und ämm? , dort, vor dem penetranten Douglas eine große Buchhandlung. ? – so groß aber: . . . leider nicht. Ist bestellt;  fragen sie bitte_nen Kollegen da_drüben. Kollege bedächtig, . . leider heute nichts eingetroffen (es ist ein Samstag). Der deutsche Buchhandel braucht zur Auslieferung also mehr als 48h derzeit. Oder selbst ein Büchnerpreisträger ist am ende nur printondemand. gie5 Was essen darauf? 1 Bismarckhering im Brot. Jetzt aber raus aus der Stadt, der Generlaplan- Wiederaufbau Innenstadt, dem Cinema Luxor. Gießen City, großer bundesrepublikanischer Neubau – ein Museum. Max Goldt hat hämisches drüber geschrieben. : so schlimm aber isses nicht. Hinaus auf Schotter durch die Kleingärten. 1 Schild: Wetzlar links und rechts! 2Radwege ? Sonnenmäßig links. Nach Westen! Irrwege am Badeweiher vorbei. Eine Mutter beobachtet mit dem Trinovid 10fach die Fortschritte des Segelsprösslings, ältere Männer mit freien Oberkörpern und Hüten, Kühlkoffer achtern, schlängeln (KettlerAlu) sich durch junge Sonnende. Vorsicht Glas, die Zeit rinnt . – und durch. Weiter, gegen den Wind. gie7 Wetzlar umfahren, am Gerippe der Buderus-Werke vorbei: der Reichtum der Stadt,( Leitz sein Ruhm). Wieder ein Stolperweg: Querfugen, Flicken, Rinnen und Bordsteinkanten. Kurzes Gespräch mit dem Mountainbiker unter der Ampel. „Dort entlang?“ – Leun?, ja,aber da kommt ein kleiner Pass mit zwei Serpentinen, seine Brauen wandern hoch. gie6 Nur weiterfahren. Eine Gerolsteiner Bombe habe ich nachgeholt bei  ARomaten u.ALiphate vom Bochumer Verein – den Rest in die Rahmenflasche gefüllt. Wie es Volvic, Perrier und Pellegrino je zu höherem Ansehn bringen konnten ? Nun,, Weil: Botschaften aus dem Jenseits zählen – sonst nix.

Nun Sing Pasela, sing! gie8 Nach dem Bahnhof geht’s los. Ein hübscher Paß ist das von Ehringhausen nach Leun, wird am Ende sogar steiler. Mich freut die gute Luft, den schönen Hauch kühler hier oben. Ärger kommt nur nach der Abfahrt: wieder 8km Umweg. Dann letzte Flachkilometer, vorbei an der Löhnberger Tankstelle und rein in den Westerwald, den dunkelzackigen im Gegenlicht. gie9 Das zehrt – ob das im Magen gebunkerte SchinkenKäse-croissant „Aral-petit-bistro“ reicht? und – jetzt schon! das letzte Wasser. Kleine Brücke, dann hinauf zur big sky ranch „Westernreiten im Westerwald“. Abendliche Dörfer, Schulbusse ruhen sich aus. War hier nicht ein Brunnen? Zwei Kinder spielen darauf. Kein Schild. = kann man das Wasser trinken? Er schüttelt den Kopf, grinsend. Woher er das weiß? Ratloser Blick . Ich fülle die Trinkflasche randvoll. „Wenn ihr mal richtig Durst habt …“ allein, sie kennen nichts anders als die Plastikgebinde, die im Keller stehen.- und als recyclete Knautschware zu hübschen Vereinstrikots unter den Christbaum kommen. Das Wasser ist kühl, der Ort liegt in einer Talsenke, 8% führen mich hinaus zum Bergfried : Merenberg, 2te Durchfahrt Das Wasser ist gut, weil auch frisch, ich ermuntre mich für den letzten Anstieg: – komm, oben gibt es einen schönen Blick auf den Taunus und als extra: Dextro Energen . Die Autos eilen zur Sportschau, mächtige Audis geben Gas und lassen mich den Zustand ihrer Katalysatoren wissen. gießende Letzte Abfahrt in den Vorabend mit Goldrand – Die Sonne macht auf 40km rundum das grün satt, warm und tief. Ein dextro energen aus der Folie pulen, dann noch eins und noch eins. Durchspülen. Umwerfer schnalzt aufs große Kettenblatt. Rolle dahin mit freier Hand. Dorfausgang gie11 Erythreer, oder Sudanesen oder Äthiopier kommen schlendernd vom Supermarkt, zwischen Zweien eine Kiste Bier, dahinter der 3.Mann mit der Grillkohle. Getreidestaubwolke über der Sonne: gleich seid ihr daheim –  und ich auch. gie13

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