Requiem für einen kleinen Saurier

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Mittlerweile werden sie vereinzelt wieder aufgelegt, die Traumverzeichnisse der Kindheit: Autoquartette. Eines meiner allerersten hieß japanische Auto Asse, und das war 1973. Darin gab es Fahrzeuge, die auf unseren Straßen selten oder nie zu sehen waren, weil sie nicht exportiert wurden. Es waren eigenartige Gebilde, manche sahen italienisch aus, andere amerikanisch.  Wenn sie in der Öffentlichkeit  – also bei auto motor und sport  – besprochen wurden, dann nur um Unzulänglichkeiten und Geschmacksverirrungen zu beschreien. Mediales Kopfschütteln, während VW noch einmal versuchte, den Käfer zu vergrößern, ein Auto, das nie stehenblieb.

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Auf dem Brevet durch den Pays d’Herve konnte ich 42 jahre danach einem Auto- Asse aus Japan begegnen. Belgier und Holländer erlaubten (mangels eigener Industrie) einen tieferen Blick in die japanische Vielfalt. Die importeure hatten leichte Hand, denn der Yen stand billig, und die Autos fuhren. Und so stand er dann da, der kleine Saurier.

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Ein Crown (deluxe) in dunklem Grünmetallic

Ein Sinnbild seiner Zeit, ein archäologisches Stück Automobil. Deutschen Zeitschriftenredakteuren, die inzwischen jede neue Rokkoko- blechfalte zur Designkunst erklären, wäre der Crown ein schrecklicher faux-pas der automobilen Schicklichkeit gewesen. Japan Barock war die Mobbing bezeichnung. Die Verquickung von Stilelementen aus den USA mit europäischen Ausmaßen

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Doch der Crown ist ein grundsolides Auto, das sieht man gleich. Eigentlich ein Opel Rekord Coupé mit mehr lametta und Komfort. Während aber Ford und Opel versuchten, die stilistischen Vorgaben ihrer Konzerne geschmackskompatibel  (Europa!) umzusezten sehen wir hier US-Mimikry in Reinform. Wir sehen die von GM und Ford gern praktizierte verchromte Volleinfassung des KKühlers, doubliert mit einem feingeripptem Schlitz (blind) der in Seitenblinkern auslüft  – die waren Sicherheitsvorschrift.

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Vorn vier Scheinwerfer, Kennzeichen der Sportlichkeit, hinten große, wiederum chromgefaßte Leuchteinheiten, die den Sicherheitstrend zugrößeren Leuchteinheiten damals vorewegnahmen. Der suggestive Auspuff dürfte eine nachrüstung sein.

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Logisch, wenn man weiß, daß der erste Markt nicht Europa sondern Amerika hieß. Heute genieße ich die Attrappen aus verchromtem Blech, die kleinen Wappen, die so sehr an Buick, Mercury oder Imperial erinnern sollten. Die Zitierwut und mimikry wirkt fast schon postmodern: nur kleiner, bescheidener und langlebiger. Ein zäher Dinosaurier, dessen große Vorbilder ohne Pflege längst zerfallen sind. Blick nach innen: toy4

My Toyota is fantastic, sagte der Werbeaufkleber….

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