Mittwoch mit Cavanna

Russkoffs gelesen, ausschnittweise, ungeordnet. Ob das Buch vollständig übersetzt wurde? Das „Lied der Baba“ bei Aufbau /BerlinOst habe ich entschärfter in Erinnerung. Unter anderem Bombenkrieg in Berlin. Veröffentlicht ursprünglich 1979. Also lange vor „der Brand“ von Jörg Friedrich . Doch alles beschrieben: Carpet Bombing, Blockbuster, Zeitzünder, Luftminen, Lametta, Brandbomben mit Phosphor. Den Augenzeugen fällt auf, daß leicht erkennbare, schwerindustrielle Ziele verschont bleiben, ganze Wohnviertel dagegen untergehen.

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Cavanna gründete eine satirische Zeitschrift namens Hara-Kiri, und wurde dann Redakteur des (seit dem Attentat) überregional bekannten Charlie-Hebdo. Beide Magazine pflegten und pflegen eine anarchisch-derbe Variante der Satire, einen Kontrast zum geistreichen, feinen Spott französischer Tradition. Eine Klassenfrage.

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Sein Vater konnte kaum französisch und weder Lesen noch Schreiben. Mit der zweiten italienischen Einwandererwelle, der „faschistischen“ der 20er Jahre, war er in die Nähe von Paris gelangt, hatte eine Französin geheiratet und verdingte sich, wie so viele Italiener in seiner Lage, als Maurer. Ganze Vorstädte von Paris wurden weit über den den zweiten Krieg von italienischen Firmen gebaut, die ihre Mitarbeiter aus „ihren“ Familien rekrutierten. Das Lebensziel war, ein eigenes Mietshaus gebaut zu haben. (doch bis weit in die 50er jahre gab es in der heute zubetonierten Banlieue regelrechte Slums, sogenannte Bidonvilles).

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Dieses Milieu beschreibt sein erstes, sehr erfolgreiches Buch „les Ritals“ (die Itaker o.ä.) zu dem „das Lied der Baba“ die biographische Fortsetzung ist.

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Auch Pierre Cescutti, der Förderer Ocanas (Erinnerung an gestern) war ein Rital. Vom Maurer zum erfolgreichen Bauunternehmer  Mont de Marsans aufgestiegen, wurde er dann zum Förderer des Radsports. Er errichtete das dortige Velodrom und ließ den Sinnspruch „keine Ehre ohne Tugend“ darübersetzen. Der Club – Stade Montois- trägt das bauwerk im Namen.  Und Pierre Cescutti sieht, genau wie Cavanna, das kriegszerstörte Berlin. Im gefolge der 2ten Panzerdivision betritt er sogar den Führerbunker . . . . und nimmt eine Flasche Wein mit.

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