Rheinspazierfahrt

230116 Rheinspazierfahrt

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Bahnlinie, Bundesstraße, Gewerbegebiet. Dann die neoromanische Kathedrale, ahh! Andernach – deine Zubringerbrücke zur B9 auf den hohen Betonpfeilern. Die goldene Meile . . .

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Es ist kühl, nicht mehr kalt . Aber der Eisregen hat das Dorf mit einer 8mmdicken Schicht Panzerglas überzogen. Die ersten Meter machte ich vorsichtig zu Fuß, bis ich das Gartentor erreicht habe. Es sieht aus wie frisch gefirnißt. Dann kracht es auf und ich entkomme auf die salzgetränkte Straße.

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Der Westerwald gab mich frei.

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Nach dem Limes kommt die (relative) Wärme, das Rheintal. Die goldene Meile. Aber es ist ein grauer Tag, der heute die Frostwoche beendet. Kaum Farbe zu erkennen, schmutziges weiß auf den Hängen, nur die Tankstellen und Burgers leuchten bunt und verheißungsvoll. Ein großer Kaffee mit NußnougatC. .

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Ich fahre den Rhein spazieren zwischen Neuwied und Bonn, – die letzten Abschnitte der Weinberge, Zinnen und romantischen Bögen, doch die Idylle werden zerhackt von Gewerbe- und Industrie. Hin und wieder verengt sich das Tal, dampfende Waldhänge überragen meine Fahrt; die vereiste Passage durchs Namedyer Streuobst testet meine Spezialreifen.

Gestreckt bin ich auf dem Galibier unterwegs, die Stiefel sind schon lange durchnäßt (Keine Schutzbleche, also Spritzwasser), mein Tempo stellt das Wärme-Gleichgewicht her: schön klein machen, dem Wind , der den Körper auskühlt keine Fläche bieten. Mein kleines Positionslicht blinkt, drüben sind es die Lichter der Schiffe. (Der lange gerunzelte Strom, hohl und schmutzig, schwang sich faul an mir entlang; überschwemmte Werder; trauernde Gruppen von Bäumen; schraffiert von Nieselregen . . .  A.S.) . Langsam mach ich Boden auf den Frachter gut, dem ich seit der Europabrücke folge .

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Wann immer der dicke Randstreifen glatt gestrichen ist, fahre ich auf der weißen Linie, die Autos und ihre Gischt können mir nichts anhaben. Wenn ich eine Hupe höre winke ich froh: wir wollen doch alle nur einkaufen. –denn es ist ein Samstag, Ende Januar.

120, sagt das Verkehrsschild und ich folge ihm so schnell ich kann. Nicht erst verirren im Labyrinth der Gartenlauben, Lagerhallen, Zementmischsilos, . . .Container, Baracken, Container. Dann wieder der Rhein: die Maersk Line setzt auf der Innenbahn an und bremst den Frachtkonkurrenten aus. Zieleinlauf Rotterdam, Etappenziel Duisburg?

Kurz runter von der grauwässrigen Bundesstraße zu einer kleinen Partie direkt an der Wehrmauer entlang, den Rhein neben mir. Waschbeton und Fantasieschlösser . Historienwahn und miefige Nüchternheit im Wechsel . Gegenüber tauchen auf die Vulkankegel, auf einem davon das mächtige Schiff des Petersberg-Hotels. Gute alte BRD. Du winkst uns vom Drachenfels herüber und blickst auf Deine alte Hauptstadt

Bonn ist „die kleine Stadt in Deutschland“, soweit bekannt. Bonn beginnt schon 20km vor Bonn, ein langer Schlauch von Siedlungen, mehr oder weniger auf den großen Strom blickend. Zur Eisenbahntrasse gesellt sich die Straßenbahn , die Pfeile auf dem Asphalt vermehren sich, die Ampeln auch. Dazwischen hindurch irgendwie, denn der Radfahrer wurde im 20Jhdt für eine aussterbende Spezies gehalten.

Godesberg, 13h. Es geht mir gut nach einem Laugeneck, 1 Glas Wasser und dem Körnerbrötchen von Kamps. Rentner und ihre erwachsenen Kinder ziehen einkaufend an mir vorbei, zufrieden wie ich. Ob die Sperrmüllfunde (Diplomatenumzüge!) heute noch so ergiebig sind wie vor 30 jahren?Ärzte, Anwälte, Beamte der höheren Laufbahn bilden 50 Jahre über den Kapitalstock der Residenzstadt.  In Richtung Wachtberg verlasse ich sie,  Behaglichkeit und Entspannung, denn ich habe es (eigentlich ) geschafft .

Jedoch: in W.- Pech (sic!) klärt mich ein aufschließender Rennfahrer über meinen Fehler auf: ich bewege ich mich am Südrand eines Höhenzuges, der mich vom Ziel trennt und  den ich nicht mehr umfahren kann: den Kottenforst. Der Forst ragt zwischen mir und dem Zielort auf– er ist 10km tief. Der junge Mann mit den chromglänzenden Ritzeln am mattschwarzen Rad schickt mich dann einen steilen Weg zum Wald (R8) hinauf. Dort macht mir eine detaillierte Karte, schön foliert in einem Holzrahmen,  alle Orientierungsfehler deutlich. Schachbrettartige Geraden, nicht alle geteert . . .

=> nach 2 Minuten ist das Rad braun eingeschmiert – ich verstehe die Crosser nicht, ich verstehe die MTBs nicht , die den Schlamm so gern durch die Ritzel jagen. Maschinensadismus

Letzte Orte . Röttgen, Witterschlick, Alfter – ich schlüpfe durch einen winzigen Einlaß zwischen den Ligusterhecken, auf den mich ein Rentner hinwgewiesen hat : und bin da!

a dreimännerZwei Kürbissuppen später machen sich mittelalte Männer in Lycra auf den Weg um die Dörfer. . .

a gölpreis

 

 

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