Meine top ten

blossm16Es war eine harte Woche und meine Beine fühlen sich noch schwammig an. Drei Tage kämpfte ich gegen einen Magenvirus mit schwarzem Tee, Ingwer und Quark auf Knäckebrot. Der erste Kaffee schmeckte phantastisch, wirkte wie ein flash und ich setzte mich aufs Rad

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Für diese Fälle nehme ich immer den Raleigh –  Tourer mit der komfortablen Position. Die drei Tiefdruckgebiete hatten Waffenstillstand geschlossen und ließen mir Zeit, die Umgebung zu geniessen. Die Luft war klar und so frisch – ich fühlte mich wie ein neu befüllter ballon und atmete tief und tiefer.

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Meine Gedanken gingen nach Berlin zurück und die schier endlosen Winter, vor allem die Wochen mit Inversionswetterlage, wo der Kohlenbrand jeden Tag weiter zu sinken schien , um in die Wollmäntel zu dringen . . .

Von diesen Jahren, die ich der Photographie widmete, blieben mir Bücher… viele Bücher über Berlin. Warum nicht einmal meine top ten daraus vorstellen? Sie werden jeden Tag historischer . Hier also meine prvate Auswahl :

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Natürlich gibt es auch band 2. diese Lichtdrucke aus der ehem. DDR geben nicht nur unzählige Ansichten vom Ostberlin vor der Wende, sie sind natürlich auch politisch erstklassige Dokumente. Eine Grundlage für alle, die den seither am stärksten umgemodelten Teil dieser Stadt erkunden wollen. berlin2

Hier spricht das große Berlin, die dynamischste Metropole vor dem ersten Weltkrieg. Im Unterschied zu vielen Werken jener Epoche sind die Straßenansichten lebendig , keine bloßen Steinhaufen. Die phänomenale Detailschärfe läßt sich hervorragend für alle Berlin Romanen von Fontane bis Fallada als Hintergrundbild nutzen.berlin3

Westberlin im Alltag. Ein sehr bildreicher Band, der von der Zeitungsphotographin Renate Mangold Bezirk für bezirk zusammengetragen wurde. Wir sind irgendwo zwischen nachkrieg und 68 unterwegs. Auftrag: ein heimatgefühl wecken, denn Westberlin hat nur eine Sorge: die Migration nach Westdeutschland.berlin4

Ein Werk das auch photohistorisch Epoche machte. Mit den Mitteln der traditionellen Architekturphotographie zeichnet Michael Schmidt, ein Kreuzberger Ex-Polizist, das architektonische Sein und das private Bewußtsein des Wedding und seiner Bewohner nach. Der Bezirk, der dieses Buch als Bezirksporträt mitfinanziert hatte, beschloß darauf, nie wieder derartig realistische Ergebnisse zu fördern. Dennoch kamen viele Zuwanderer, um gute Arbeit bei Siemens!, BBC!, AEG!  und und und zu finden.

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Von der auf dem Tore proklamierten Anarchie ist nichts geblieben. Karl Ludwig Lange fängt die Stimmung in den Tagen nach dem 9. November hautnah ein und blickt als einer der ersten konsequent hinter die Kulisse Ostberlins und Potsdam. Dagegen war die Wedding-Tristesse eine Lachnummer.berlin6

Der zweite Schmidt, zur 750 jahrfeier der Stadt als Kunstband erschienen, von mir um das Jahr 2000 im Ramsch für nen 5er gekauft. Phantastisch gedruckt. Ein subjektives Zeugnis von der latenten Aggressivität der Punk 80er, die hinter den maroden Mauern sehr lebendig war. Schmidt lieferte ein ähnliches Werk über Berlin Kreuzberg ab.

Die eingefangene Stimmung liefert David Bowie in einer Anekdote aus dem Jahr 1977: „Iggy (Pop) berichtete mir von einer Punk Party zum Jahrestag der Mauer. Sie hatten auf eine Berlinkarte Kuchenstücke als mauer gelegt. Um Mitternacht aßen sie die Mauer auf.“

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Wieder Lange: ein Querschnitt durch die  vielfältigen Perspektiven, die der Photograph auf die Stadt  wirft. Lange, der sich vielleicht am produktivsten von allen Photographen mit seiner Stadt auseinandersetzt,  liefert homogene Qualität über 40 Jahre – und erfindet Berlin mit der Kamera neu.

Nachtrag:

Ein Buch, das ich in der nächsten Woche erwarte: Berlin,  von Jean Luc Moulène. Ähnlich den genannten Dokumentaristen schafft der Franzose ende der 90er ein Porträt vor allem Westberlins in Farbe,  längst vor unserem Jahrhundert begonnen hatte, abzublättern.

Aber die Farbe des Frühlings kommt. holz1

 

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