Iris Basque

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Blumen! Auf gehts,  mio Snel.

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a1Zum Einrollen blicke ich auf die Bergkette in der Ferne, dann hinab ins Tal des Gave de Pau  und folge der alten Nationalstraße mit ihren Platanen und den Linealgeraden:- auf und ab. Ich sehe die erste Kirschen blühen und rausche nach Westen.b3

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In Peyrehorade geht es  vor dem Schloß  über die Brücke auf die Südseite des Gave,  die baskische Seite. An der Uferstrecke,  vermutlich dem alten Treidelweg, passiere ich Fischräuchereien und Pastetenkonservenfabriken. Kein Land für Veganer. Hier kreuze ich bereits andere Fahrer : es sind schon über 15 Grad,  der Lorbeer steht baumhoch und setzt zur Blüte an. Sanft schmeichelt mir seine Duftwolke.

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Urt, ein kleines Dorf auf der Höhe über der Adour.  Erste baskische Station. Zeit für ein Schokocroissant, während es vom eigenartigen Kirchturm 12 blechern schlägt. Dann in Wellen weiter durch Sonne und hellgrüne Wälder, vorbei an

bder Abtei Bellocq, die den harten Schafskäse des Landes weithin berühmt gemacht hat. In jedem Supermarkt stapeln sich die Laiber, die ein wenig an Pecorino und Parmesan erinnern, doch damit  nicht zu verwechseln sind. Der Geschmack der Pyrenäentäler (und Ausläufer)  ist ein ganz anderer, das Gras hier ist grüner als anderswo, und saftiger.

Auch ich suche ein Pflanze . Baskische Iris nennt sie ihr Schöpfer: hier, in LaBastide- Clairence, einer kleinen, sehr ursprünglichen Stadt gibt es nicht nur die üblichen kleinen Läden,  Cafés und Restaurants, sondern auch einen ortseigenen Parfumeur: Christian Louis. Seine Düfte werden in einem schlichten Aluminiumflacon angeboten, dessen Verschluß mit Kork ummantelt ist.a8 Die Iris (also Schwertlilie) ist, neben Agave, Mimose und  Glyzinie traditionelles Ziergewächs an den Außenmauern der Höfe, links und rechts der Einfahrten. Die Duftkreation von Christian Louis ist frisch und grün und paßt gerade in meine Lenkertasche. Meine Tante wird sich freuen. Für alle die es suchen Das Ladengeschäft liegt oben am Ende des langgezogenen Marktplatzes von La Bastide-C., schräg  gegenüber meinem Lieblingscafé.

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Koffein im Blut, Parfum vor der Nase – weiter direction Hasparren.Hasparren –  ohne stop geht es dort  Richtung Cambo hinaus.

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Die grünen Hügel um mich herum werden allmählich höher, Schafherden als große wollige Flocken auf schiefer Ebene.Irgendwo rauscht immer wieder ein Bach, Bäume und Sträucher zeigen ihm seinen Weg durch die Wiesen.

Dann Cambo, der kleine Kurort, ein kleines Boomtown der Gründerzeit.   In seiner Mitte ein Stadtpark umgeben von Wochenendvillen der Kaufleute aus Bayonne und Biarritz. Dort ein (sehr) kleiner Flohmarkt, ein Bücherstand.  Glück winkt: das einzige Buch zum Radsport im Sortiment ist ein kleiner  Urknall aus dem Jahre 1999.

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Die Beichte Willy Voets. Willy Voet war der flämische Masseur und Soigneur (ist nicht ganz dasselbe) im Team Festina von 1998. Der Skandal platzte,  als Voet an der grünen Grenze mit den „Medikamenten“ für die Tour 1998 vom Zoll abgefangen wurde. Voet trat in der Untersuchungshaft die Flucht nach vorn an und das Ergebnis war  dieses Buch, das erste umfassende und dokumentierte DopingGeständnis. Seine erste Sorge bei der Verhaftung war, den eigenen Amphetamincocktail vor den Polizisten zu verbergen.

Mich wundert heute  nur, daß der ganze Zirkus nicht nur 1998, sondern auch in den Jahren nach Erscheinen des Buchs unvermindert weiterging. Denn alles was Voet darin über Festina behauptet, galt ja für den gesamten Radsport, wie die Zeitzünder der Beichten von Secret Défonce von Erwann Menthéour,  Robert Millar, Tyler Hamilton etc. noch 10! Jahre danach bewiesen. In der  Decathlon Lenkertasche findet der Zeitzeuge Platz

b9Zurück zu den schönen Seiten des Radsports: auf zur Küste, über Hügel auf deren Hängen Bauern Wintergestrüpp verbrennen

Für die letzten 30km: an einer  kleinen Tankstelle fülle ich den Tank auf (H2O). Die drei Männer an de Zapfsäule unterhalten sich weiter. Ein Fahrer überholt mich. Bis St Jean de Luz werden wir uns ablösen. Der Wind kommt von schräg und es ist gut, jemanden zu haben, der wirklich mitspielt. Wir sind beide am Anschlag und erreichen dann sehr zufrieden den Golfplatz von Chiberta, wo die Ferienhäuser entlang der Nivelle beginnen, 3km vor dem Zentrum von St-Jean.b91

Wünsche für ein Wiedersehen. Cambo – St.Pee – St. Jean, das ist die Hausstrecke der Radler hier: immer wieder hebt sich die Hand zum Gruß .

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Warm kommt die Seebrise herüber, gleich werde ich das Meer sehen. Da liegt es vor mir, das große Amphitheater der Bucht von St.Jean de Luz. Einsame Ruderer  durchziehen das kräuselnde Wasser. Von der kleinen Corniche bei Ciboure  kann ich den Strand sehen.  Wenig los. Nur die Ausländer (=wir) haben schon Ferien und Engländer sind im Wasser.  . . .

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Jetzt ein gutes Bier.

 

 

 

 

 

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3 Antworten zu Iris Basque

  1. alex schreibt:

    Was für ein schöner Bericht, ich war quasi auch dort. danke!

  2. randonneurdidier schreibt:

    Da macht das Lesen Freude. Danke! Und ich bekomme so auch wieder das richtige Frankreich-Feeling.

  3. crispsanders schreibt:

    Solche Kommentare machen Freude! Herzlichen Dank. Ja, in dieser Ecke hat es jemand besonders gut mit den Radfahrern gemeint – entsprechend verbreitet ist der Sport. Jetzt wo der Winter uns nochmal ein paar Tage die Faust zeigt, fange ich besser mit dem nächsten bericht an . . .

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