Welche Räder?

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Eigentlich ist nicht klar, was die Eroica eigentlich ist. Aus der Veranstaltung historisch interessierter Bewahrer der weißen Straßen ist nach einem dutzend Ausgaben ein kleines kulturelles Gesamtkunstwerk geworden. Im Mittelpunkt steht das alte Stahlrad, aber am Tag vor der eigentlichen Fahrt geht das technische Gerät einem bunten Straßenfest unter.

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Natürlich hat die Eroica ihren sportlichen Charakter bewahrt (Blick auf den Streckenplan unten), aber Buonconvento schafft es mühelos und glücklich, davon abzulenken.

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Alte Herren auf verdächtig fahruntauglichen Rädern, Menschen in Jägeruniform und dazwischen  Kinder, Großeltern und Radler in alten Trikotagen. Doch vorsicht mit zu schnellen Urteilen! Einige hier haben einst vom Stahlrennrad  gelebt  und andere (wir) zahlen für die Fahrerlaubnis  Eintritt.

b7Die Anmeldung geht an diesem Samstagmorgen sehr einfach und schnell zu – kleiner Blick auf die Unterlagen, das medizinische Attest,prego, und schon gehts wieder hinaus in den Trubel. Cafés und Restaurants des Städtchens sind proppenvoll und wer jetzt schnell etwas warmes zu Essen braucht, kann auch  zum Hähnchengrill auf den Wochenmarkt.

Dort finden sich an diesem Tag parallel zu  allen Dingen des täglichen Bedarfs auch Fahrräder, Zubehörteile und weitere Waren, die man für die Teilnehmer der Eroica für begehrenswert hält.

b03Ein paar lederne Radschuhe nebst Aluminiumtrinkflasche in der Original-Eroica Edition wurden sensationell von 240 auf 120 Euro preisgesenkt! Ein nigelnagelneues, Eroica-spezifiziertes Bianchi (aus Taiwan) für 3000 koexistiert mit einem handgefertigten, pantographiertem und bestens erhaltenem C**li für 400 Euro. Da heißt es zugreifen und losfahren!b07

Der Teilemarkt ist gut besucht, aber die meisten scheinen Räder und Teile nur zu bestaunen. Wer für ein italienisches Rad noch passende Kleinteile braucht, wird hier fündig. Große Räder (für transalpine Heroen) sind so gut wie nicht zu sehen. Die meisten, die morgen in die Pedale treten sind ausgerüstet. Aber ein paar Handschuhe kann man immer gebrauchen. Die von tre emme  haben mir sehr gut gefallen. Morgen werde ich sie einweihen.

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Wer als diese Welt der alten oder eben nur scheinbar alten Räder betritt, hat schon vorher eine Frage beantwortet: welches Rad für diesen Kurs das passende sein wird ….

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Das Sägezahnmuster des Höhenprofils , die 3200 Höhenmeter (2 Alpenpässe) auf der 150km-Runde lassen nur einen Schluß zu, sobald klar ist, was 2/3 Schotterstrecke bedeuten: eigentlich müßte man für die Eroica ein Mountainbike wählen.

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An dieser Stelle zwingt der Veranstalter die Teilnehmer, den Helden in sich zu bekennen. Prinzipiell ist jedes Rennrad zugelassen, das vor 1984 gebaut wurde, Pedale mit Schlaufen (bzw Haken) besitzt und dessen Bremszüge von außen sichtbar sind. Sie heißen dann eben Wäscheleinen. b 10

Das Problem der frühen Jahrgänge ist jedoch eine gewisse technische Limitierung. Mit 7 Ritzeln hinten ist (eigentlich) das Maximum erreicht und die meisten Rennschaltungen vor 1980 schaffen hinten mit Mühe 26 oder 28 Zähne. Vorne gilt erst seit Shimanos Auftritt Mitte der 70er eine Zahl von unter 40 Zähnen als möglich. Das ist reinrassiges Rennmaterial.

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Für die kommenden Anstiege (es geht häufig über 15%) gibt es dann nur zwei Möglichkeiten: man schiebt oder montiert eine 3fach kurbel – denn die gab es durchaus schon in den goldenen Zeiten. Damit hat man beim Antrieb die Möglichkeiten des Mountainbikes fast erreicht. Mit 30×28 Z. muß sich niemand vor der Eroica fürchten.

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Nur bei den Reifen ist dann (nach heutigen maßstäben) nicht viel zu machen. Je jünger das Rad, desto weniger Platz läßt es für Reifen von 28 oder gar mehr mm, wie sie bei den Rüttelpisten ganz sicher die beste Wahl wären. Aber bange machen gilt auch hier nicht: Mountainbikes optimieren am falschen Ende, denn sie geben unsicheren Fahrern Material, das maximale Sicherheit erzeugt. Unsichere Fahrer aber sind die größte Gefahr.

Wenn nämlich  CrossMeisterschaften mit Reifen um die 28mm ausgetragen werden, dann kann einem das hier nur billig sein. Wichtiger als Reifen sind im Zweifel die Bremsen: Held hin oder -her.

b08Man kann meine Wahl als mutig an sehen: ich vertraue auf eine kurze Übersetzung von 39×26 und nutze genau die gleichen Reifen wie bei Paris-Brest, Panaracer von Pasela in 25mm Breite. Die haben eine schön weiche, also dünne Flanke, was zu einem sehr gutem Abrollkomfort bei rauhem Untergrund führt. Plattfüße durch weggeworfene Bierflaschen, Stoßstangenteile oder Blinkerklammern, wie sie auf unseren schönen Radwegen alltäglich sind, hat morgen niemand zu befürchten. Die Entscheidung ist also vor allem praktisch im Sinne der Fahrsicherheit.

Und so brauche ich  nichts umzubauen und kann bewährtes Material unter harten Bedingungen testen.  Die Verwendung neuer Lösungen auf einer solchen Fahrt erhöht nur das Risiko . Und naturbelassene Pisten sind eine harte Prüfung.

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Für eine Übersetzung von 26Zähnen ist eine ordentliche Zahl an Steigungskilometern Voraussetzung,  eine persönliche Vorleistung, die einem niemand abnehmen kann. Wer mit Steigungen über 12 % Probleme hat, sollte aufritzeln oder auf die erwähnte 3fach Kurbel setzen.

Allerdings ist für das Profil der Strecke  noch etwas  wichtig: die früher verbreitete Technik des Wiegetritts. Der will geübt sein, die Bremsgriffe sollten fest sitzen und dann ähnelt die Fahrt eigentlich dem Rhythmus beim Bergwandern. So sollte es  gehen.

Ich sah Fahrer mit 44p25 und 30p32: angekommen sind beide….

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Wenn alles gut geht, werde ich  morgen an dieser Stelle die letze Abfahrt nach Buonconvento nehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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4 Antworten zu Welche Räder?

  1. Takeshi schreibt:

    Die Farben auf Deinen Bildern zu dieser kleinen Serie sind der Hammer! Da ist sofort Italia, der Himmel, un Caffé und dieser einzigartige Geruch in den Straßen… danke.

  2. donferrando schreibt:

    Nochmal zum Eroica Bianchi: Laut Hersteller soll das Rad in Italien gebaut sein. Natürlich ist nicht ganz klar, ob nur zusammengebaut oder komplett inkl. Rahmen dort hergestellt.
    Mark793 und ich haben 2 davon unterwegs gesehen. Niegelnagelneu! Aber einen großen technischen Vorteil hatten die Fahrer imho nicht, trotz 10-fach Kasette.

    • crispsanders schreibt:

      Das Rad ist sicher noch in der Erprobungsphase. . . Ich gehe einfach davon aus, daß dieses Rad in Taiwan gefertigt wird, weil das für fast alle Angebote des Weltmarktes so gemacht wird. Die fahrradmanufaktur/vsf macht es so, auch rivendell, auch surly usw. Für eine handgefertigte Ausnahme, gelötet von einem italienischen Meister, erscheint mir das Rad dann fast zu billig.
      „Stahl gemufft“ wäre eine Formel, die für die Eroica schon hinreichend wäre. Alos ohne oversized und sloping Rohr. So wäre der optische Charakter hergestellt. Alles weitere entscheidet die Strecke.

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