Was man für die Pyrenäen so braucht

Kleiner Exkurs in die Ausrüstungskunde.

a machine

Jetzt, wo die Reise hinter mir liegt kann ich auch einmal ein technisches Nachwort schreiben.

Zur Ausrüstung

Weil ich keine Nächte durchfahren wollte, reichte zur Beleuchtung die einfache Ixon-Batterielampe, die bei gedimmter Einstellung einen halben Tag, wenn nicht noch länger durchält, was auch irrelevant ist, da sie mit sehr handelsüblichen AA Batterien betrieben werden kann. Das Rücklicht war eine no-name Sattelstützenlampe,  die noch länger leuchtet. Diese Lampen sind in den Bergen, vor allem bei Nebel oder Wolken in Paßnähe sehr hilfreich, gerade, wenn einiger Verkehr herrscht.

Als Taschen haben zwei ausgereicht (eher 1 1/2) und ich bin fast stolz, alles benutzt zu haben, was hinten in der 11-Liter Apidura drin war. Vorn vor dem schon erwähnten decaleur die bereits erwähnte 2Liter Decathlon mit dem Naschzeugs, den Kosmetika etc.

a snel de plage

Hinten, in Verlängerung des Sattels  also alles, was ich am Leibe brauchte, angefangen beim Wäfo Biwaksack, den dünnen Neoprenüberziehern, 2 paar Socken, der Wechselhose und  drei Shirts: Sommer leicht, Sommer Medium und Sommer lang. Viele fahren mit Armlingen und Beinlingen, was eine leichtere Lösung ist, über die ich aber nicht verfüge.

Sehr wichtig (mir)  die Nachtwäsche: Boxershorts und Merino-T-shirt. Letzteres,  weil es die körperhygiensichen Vorzüge unter allen Bedingungen beibehält, erstere, weil sie über Nacht genug Luft an das geschundene Rückteil lassen. Zur  antibakteriellen Pflege verwende ich Teebaumöl aus einer kleinen Flasche, die Gegenseite, also das Sitzpolster habe ich 1x täglich mit der ozone-creme „eingeseift“, die nicht verwendete Hose in warmen Wasser ausgewaschen mit etwas Seifeund über Nacht trocknen lassen . Ich weiß, jeder hat für die langen Strecken seine Mittel, diese haben bei mir völlig ausgereicht.

a bagneresbaguette

Im Gebirge auch im Sommer unverzichtbar : der dünne Wollpullover und die Regenhaut, also keine „echte“ Regenjacke, nur ein dünnes Decathlon (oder Sportladen) Ding, das Wind und Feuchtigkeit abhält und nicht zu weit herumflattert wenns abgeht…

 

Die Apiduratasche wird hauptsächlich über die zwei starken Klettverschlüsse am Sattelrohr gehalten. Das Prinzip hat sich ja seit Viscacha und jetzt mit Ortlieb weitgehend etabliert. Für Rennräder hat diese Taschenform zwei Vorteile: sie wirkt als ein Behelfsschutzblech und ist im Fahrverhalten nicht zu spüren, auch bei freihändiger Fahrt blieb es stabil. Freihändiges Fahren ist ab und zu ganz nützlich – beim Essen und trinken beispielsweise, vor allem aber, um Rücken und Nacken zu entspannen. Frankreich hat genug Platz, um  Dehnungsübungen ohne Gefährdung der Verkehrssicherheit durchzuführen.

An der Oberseite der Apidura gibt es noch ein Riemengeflecht, daß ich sehr praktisch finde. Die Landkarten mit fueille de Route und die tägliche Tafel Schokolade halten darauf bestens. Tested and approved under speeds exceeding 75 kph.

Am Rahmen hing noch eine kleine Tasche von Scott mit isopulver, die (bei heutigen Rahmen mit querovalen Schnitten) eigentlich direkt hinter dem Lenker aufs Oberrohr gesetzt werden kann. An einem klassischenRahmen kann man solche Taschen nur aufhängen: sinnvoller wäre eine Dreieckstasche, merke ich mir fürs nächste mal. .

Obwohl das Snel als Rad alter Schule eigentlich nur eine Flaschenhalterung hat, habe ich zwei befestigt, was nun wirklich elementar war. Aus meinem Teileschrank hatte ich mir einen letzten Flaschenhalter mit Schellenbefestigung mitgebracht, der völlig problemlos seinen Dienst erfüllte.

a pecheurs saison

Rad

Ebenfalls ausreichend  war die Reifenbreite von 24mm bei den Conti Grand Prix, was vielleicht am SNEL liegt. Die Gabel hat einiges an Vorlauf, der Radstand liegt knapp unter 102cm und es ist eben ein Stahlrahmen. Stilettogabeln sind eine konstruktive Schande, nebenbei bemerkt sind sie einfach nur das Resultat verbilligter Produktion. So aber gleitet das beladene Rad dahin.

c snelaubisque
Die (einfachen) Conti GrandPrix Faltreifen haben ein sehr sicheres Fahrverhalten, gerade bei Feuchtigkeit. Ich fahre sie mit etwas über 7 bar-. Natürlich begibt sich auf einer solchen Tour niemand in Extremsituationen, aber Kurven mit unbekannten Radien können immer mal auftauchen und sind ein sehr guter Test. Für den Luftdruck hatte ich mir folgendes ausgedacht: die Köpfe der sclaverand Schlauchventile (schön, wenn aus Messing!) habe ich vor der Fahrt mit WD 40 geölt, um sie dann sehr sorgfältig zuzuschrauben. Ventil: immer schön in der Achse bleiben. Bilde mir ein, daß es geholfen hat. Meine Pumpe war übrigens vorne mit in der Tasche – eine Aluminium Lezyne mit anschraubbarem Schlauch paßte exakt hinein.

Das Kessels/SNEL ist mit einer Shimano 600 Gruppe ausgestattet, die vorn als kleinstes Kettenblatt 38 Zähne zuläßt. Obwohl die Schaltung vom Typ 6207 hinten auch 30 Zähne packen sollte, habe ich ein Standard Hinterrad mit 7 Ritzeln von 13 bis 28. Alle wurden gebraucht, das 28er so oft wie noch nie. Die Mavic open SUP und die MA 40 Felgen (vorne) empfehle ich uneingeschränkt. Weder ist es mir gelungen die Ultegra Bremsklötze zu verschleißen, noch kann man die Felgen als durchgebremst betrachten – vielleicht glänzen sie jetzt ein wenig mehr. Felgenflanken säubere ich regelmäßig, was sich sehr bewährt, denn Abrieb schmirgelt .Von der heutigen Nachfolgefelge open pro ist eine Haltbarkeit von über 50tkm bezeugt.

Die 600er Eingelenker Bremsen sind großartig, selbst, wenn sie etwas weicher bremsen als eine Campa Super Record (Federn), deren Konstruktion sie ja übernahmen. Sie weigen 100 Gramm weniger als entsprechende Doppelgelenker unserer Zeit und wirken unverwüstlich. Man muß den Bremspunkt kennen.

Hätte ich doch lieber 30 Zähne gehabt? Ich war nie ein Anhänger der Technik, die einst Lance Armstrong vorführte, das hochfrequente Kurbeln bergauf. Und weil ich weder wirkliche Kniebeschwerden noch Rückenbeschwerden hatte – auch nachher nicht – , darf ich annehmen, mich nicht überlastet zu haben. Rythmus ist alles. Mit 30Zähnen wäre ich bei gleichem Rhythmus einfach nur langsamer gefahren. Achja: mit dem Leichtgepäck ist auch der Wiegetritt unproblematisch. Ich bleibe also bei 28 – Bergfahren ist Technik.

b tourmalet3

Als Pedale nutze ich das 25 jahre alte SPD System, für das es eine breite Auswahl an allem gibt, vor allem aber erlaubt es, trotz cleat einen Laufschuh zu bauen, mit dem man ganz gewöhnlich zu Fuß gehen kann. Es hat sich nur beim MTB und ím Cross-Bereich durchgesetzt, obwohl es Anfang der 90er auch Bestrebungen gab, spd als Rennpedal durchzusetzen. Das Ergebnis sind eine Menge sehr schöner, kleiner und leichter Rennpedale, die fast nie mehrals 30 Euro kosten und sehr langlebig sind. Meines kommt von Wellgo. Nach ungezählten Kilometern hat es nun etwas Spiel, ich könnte mal die Spannung nachstellen . . .

Die oft als schwammig umschriebene Position des Schuhs im Pedal empfinde ich als Vorteil gerade auf langen Strecken. So kann man bei akutem Schmerz (Sehnen/Muskeln) das Fußgelenk leicht drehen und so eine Meidbewegung machen. Auch die Muskelgruppen werden durch leichte Drehung anders belastet, was ich als Entspannung empfinde. Meine Schuhe stammen von Carnac, einer leider untergegangenen französischen Firma. Mir passen Sie bestens. Wer davon in 45 noch etwas übrig hat, bitte melden. Made in France.

a chimay untxin

 

Voila, mehr fällt mir zum Thema jetzt nicht ein und wer interessante Gedanken zum Fahren im Alltag nachlesen mächte, der lese Rivbike/blug von Grant Peteresen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Antworten zu Was man für die Pyrenäen so braucht

  1. randonneurdidier schreibt:

    Genau. „Mache die Dinge so einfach wie möglich – aber nicht einfacher“ (Einstein). Erst dann, wenn du von der Ausrüstung nichts mehr weglassen kannst, ist sie gut.

  2. crispsanders schreibt:

    Wenn es keine erfahrenen Randonneure in Berlin gäbe, wäre ich sicher nicht so leicht auf die notwendigsten Dinge gekommen!
    danke also für die Erfahrungen von Deiner Seite, Didier

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