Viel Information – zuwenig Wissen: Dialog im toten Briefkasten

DSCF4126„Sag mal Krüger, bekommst Du jetzt auch so viele Flehbriefe?“

„Flehbriefe?“

„Mails, die dein gefälliges Einverständnis erbeten, damit Du weiterhin die Newsletter Deiner ornithologischen Post erhalten kannst! Our new privacy policy..“

„Tatsächlich,  die haben mir auch geschrieben. Gegen Bestätigung der aktuellen Adresse geht es nun weiter.  Tja, Cornwell, damit sind wir endlich mal wieder auf der richtigen Seite des Schreibtischs…“

„..und die elektronischen Spione in deinem Rechner eine Runde weiter, alter Knabe. Was in Deinem toten Postfach liegt, ist verglichen mit dem Eisklumpen in Deinem Whiskey nichtmal das oberste hundertstel , Krüger.  “

„Ach was, ein Sturm im Wasserglas. Wir sind an Land, mein Lieber. Dir gehören 1000m dieser schönen Küste während die anderen da draußen versuchen, nicht in einem Meer nutzloser, redundanter , unzusammenhängender Information unterzugehen, das immer weiter aus irrelevanten Quellen gespeist wird.  Ich weiß schon, Daten, der wertvollste Rohstoff unserer Zeit, aber welche Daten denn? Etwa meine kleine Liste mit Gartensingvögeln, die ich dem NABU zugeschickt habe, um endlich das neue Zeiss-Glas gewinnen zu können? Informationen ohne Wert!“

„Täusch Dich nicht. Wenn wir damals wußten, von 100 Informanten ist einer vielleicht die gute Quelle, war das schon deprimierend. Nur, was ein kleines Büro in Bloemfontein  ins Schwitzen bringt, kratzt den smarten Algorythmus nicht. Der frißt nur Strom, ist nicht erpreßbar und muß nicht schlafen. Er sortiert weiter, bis er die richtige Information hat.“

„Und Strom ist billig. Wer hatte uns kurz vor der Pensionierung nochmal Moores Gesetz vorgebetet? Yates oder DuMoulin? “

„Zeit für Deine Sudokus guter Junge, weder noch. Es warFroome. Redete uns auf seine neumodische Art schwindlig um zu erklären, daß , anders als in unserem Primatenprozessor diese Kisten jedes zweite Jahr Geschwindigkeit und Kapazität verdoppeln. Den Maschinen ist die Menge der information egal. Wir können uns vielleicht an ein dutzend Cupsiege erinnern, das Ding dagegen an jede Spielsekunde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. “

„Faszinierend so weit und ich finds ja auch notwendig, endlich Ergebnisse der Cricketsaison 61/62 nachzuprüfen, wenn Du wieder im recht sein willst –  aber wer will das eigentlich alles wissen? Seitdem wir die Sache mit dem Arpanet beobachtet haben, sind doch nur Amateurfilmer, Kuppler und Versandhändler dazugekommen. Es ist doch ein einziges Rauschen, eine weitere Milchstraße erloschener weißer Zwerge die tote Information senden. Was hat man an Leuten einstellen müssen, um diesen Müll zu strukturieren.  “

„Babylon.“

DSCF4446.JPG„Cheers!“

„Privacy Policy ist tot, Control lebt.“

„Klar. Schlaf nicht ein Cornwell, Du hast mich neugierig gemacht. Wenn meine Enkel jetzt  . . . .“

„Deine Enkel werden Dir erst wieder zuhören, wenn Du ihnen ein paar alte Tricks beibringst. Wenn Du unser ABC auf ihre Tablets schickst:  Botschaften splitten oder Texte anfügen, die aussehen wie die Mitteilung einer Nachrichtenagentur – oder gleich einen Code entwickeln.  “

„Polari?“

„Als Privacy Policy? – keine schlechte Idee für einen Mann der Etappe und der Ornithologie. Ich kann Dein prickelndes Gefühl aus dem alten East End nachhvollziehen. Aber Polari kann jeder als Wörterbuch  herunterladen.  Quellen, die älter sind als das Netz – sind ein interessanter Ansatz der Täuschung. Der beste bot wird nie nach etwas suchen, was vor seinem Ursprung liegt. Außerdem kann der beste Algorhythmus nie begreifen, daß wir morgen das Gegenteil behaupten werden !  “

„Und das eine brillante Idee im nächsten Augenblick wie der größte Blödsinn klingen kann.  Ich erinnere mich, wie Du begeistert die ersten Surfer beobachtet hast, Cornwell.“

„Eine Plage geworden.“

„Und dennoch suschen sie darin immer noch Freiheit und Abenteuer. Genauso wie sie das Netz noch den Raum der unbegrenzten Möglichkeiten nennen.   Interessant bleiben die Ersten, von denen es keine Aufzeichnung gibt, von denen man nicht begriff, warum sie das machten – weil sie niemand wahrnahm, weil sie arm und bedeutungslos waren und das, was sie taten völlig absurd erschien. Sie bleiben Legenden, fallen durch alle Netze. Leute die so ticken, brauchen auch das neue Netz nicht, weil die Mitteilung ihrer Leidenschaften direkt gelebt wird. Aber in dem Moment, wo ich meine Parkuhr nicht mehr mit Münzen bedienen kann, ist  alles klar. Wir sollen nichts mehr spurlos tun können, sind alle  Teil des Spiels und wissen: es gibt eine neue Mauer. Und wer keinen Zugang hat, ist weniger als ein Unberührbarer. Das Verfassungsgericht schwenkt dazu Weihrauch: Neutralität, Datenschutz, Transparenz. Aber es geht um dirnnen und draußen. Keine Verfassung kann davor schützen, von der société civile des Netzes ausgeschlossen zu werden. Wer den ignore button drückt ist tot.“

„Akzeptiert, Hardy: wir sind alle im Wasser und müssen surfen lernen. “

„Oder Fliegen, David. Fliegen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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