marginal gains

Dieser  Begriff muß Anfang des Jahres in den Pressemappen des Sportjournalismus aufgetaucht sein. Ein sportlicher Direktor verwendet ihn gerne, um die Siege seines Teams zu begründen.  Im Kern werden sie dadurch begründet, daß es nur winziger Unterschiede bedarf, um sportlich einen großen Vorsprung zu erreichen. Ist eine Theorie.

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Es hat lange gedauert : erst in diesen letzten Sommertagen habe ich es geschafft, mit diesem Rad die Madonna von Molsberg zu besuchen. Das Rad besitzt einige kleine Unterschiede: man schaltet am Bremsgriff, 53 statt 52 Zähne vornrechts, look pedale und den 12cm Vorbau, der (für meine Verhältnisse) tief im 61cm Rahmen steckt.

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Es ist ein später belgischer Stahlrahmen von 1996, wenn man den Komponenten glaubt. Lack und Verarbeitung sind ausgezeichnet – es könnte ein berühmter Name darauf stehen, so sauber sind Muffen und Ausfaller ausgeführt.  Startnummernhalter und wilder mix aus Komponenten lassen auf einen individuellen Aufbau schließen, wie er für Amateurrenfahrer typisch war. Es wurde genommen, was funktioniert und wenig kostet. 1996 dürfte auch eines der letzten Jahre gewesen sein, in denen Rennfahrer sich für Stahl entschieden. Aluminium, Titan, das erste Carbon hatten schon die Ablösung angetreten.

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An die look pedale hat man sich schnell gewöhnt, zusammen mit der Carbonsohle sitzt der Fuß härter und fester „im “ Pedal,  alles paßt wie angegossen. Aber wenig Spielraum läßt es doch.  Schalten ist natürlich jetzt schön bequem, klickklick undrrrrrrt, das funktioniert und klingt sauber.

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Mit Schwung geht es an der Koppel vorbei, hinauf auf den Berg und auf die Teststrecke: eine 10km lange, fast ebene Bahnlinie, die einmal Wallmerod und Westerburg verband. Hier kann ich ungestört die Unterschiede spüren. Die um einen guten cm gestrecktere Position, die größere Überhöhung  sind meine marginal gains – sie fordern den Körper insgesamt ganz anders. Einmal hin- dehnen – einmal zurück.

Über die Zeit ergibt sich eine mehr oder minder ähnliche Position auf meinen Rädern, sie variiert in der Länge um 0,5cm.  Aber hier werde ich um ein oder zwei cm weiter gefordert und fühle schon mich fast wie ein Anfänger, der wieder aufs Rennrad steigt. Der Tritt geht rund, problemlos  – allein: ich liege flacher, die Hände werden schneller taub. Der ganze Körper muß seine Arbeit ändern, es ist anstrengender insgesamt: ich fühle, wie es der Geschwindigkeit dient. Die marginalen zwei Zentimeter sind es, an die sich mein Organismus gewöhnen müßte, um auf die nächste Tempostufe zu kommen. Für Menschen über 50 ist das wahrscheinlich mehr als nur marginal.

Organismus ist das richtige Wort. Es ist nicht ein bestimmter Körperteil, nicht nur die Beine fahren Rad. Aber um sich in dieser Position locker zu fühlen, die Kraft ohne Daueranspannung zu leisten- wie lange würde das wohl dauern?

DSCF6042Wie lange würde es dauern? Wahrscheinlich 1500km, möglicherweise ein Monat oder zwei –  weiß es nicht, aber gehen könnte es.  Was ich dabei im Selbstversuch ermittle, hat ein erfahrener Trainer bei einem jungen Rennfahrer nach 100km im Blick; er erkennt es ohne Messung und das ist sein Berufsgeheimnis, das ihm Daten nur bestätigen werden. Für uns ist da wenig sichtbar.

Mit Systematik, Dehnung Yoga und konsequenter Praxis möglich wäre es möglich, die Grenze nochmals zu verschieben – Kein Muskelwachstum oder Krafttraining, sondern über eine leichte Veränderung der gesamten Körperhaltung. Es ist keine Frage der maximalen Kraft sondern eben einer individuelle Technik, der optimalen Nutzung des Körpers, der uns gegeben ist.  Alles Dinge, die in der Literatur vergeblich zu suchen sind, anderen vorzumachen, es handle sich um winzige Vorteile ist Unfug.

Die Pferde auf der Koppel, die Kühe auf den Weiden – sie grasen weiter.

 

 

 

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