Vom Lande im Oktober

Man kann das nicht genau beschreiben –  es sind nur Andeutungen.

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Die kleine Trasse auf dem Höhenzug zwischen dem Salzbachtal und Montabaur war einmal Bahnstrecke und führte mit mäßigen Steigungsgraden zur ehemaligen Kreisstadt Westerburg. Dann hat es sich wohl nicht mehr gelohnt, eine Verkehrswende wurde eingeläutet, die Strecke asphaltiert. Seit vier Jahren befahre ich diese 11km und die Winter haben dem Asphalt nichts angehabt.

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Jetzt sind die großen Herbsthimmel da und die Stromleitungen nicht mehr besetzt. Die Luft ist frisch und klar und man kann den Unterschied zur Feinstaubzone mit Fahrverbot beim Einatmen spüren: der Sauerstoffgehalt ist gefühlt dreimal so hoch, oder welchen Begriff auch immer Luftreinhaltepläne für diese Qualität verwenden. Es wird eher eine dürre Zahl sein.

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Was man nicht messen kann ist Geruch,  oder besser gesagt Duft. Einer der Vorzüge der Jahreszeit und einer der Vorzüge ländlicher Stellung. Mit jedem Atemzug kommt fließt eine neue Variante von Geruch durch den Körper. Beeren, Laub und Erde. Dazu die  Abwesenheit stüörender Geräusche. So kündigt sich der Vogelzug schon lange an bevor man ihn sieht.

08

Es ist nicht einmal ausgeschlossen, daß  Kraniche diesen Kirchturm aus der Erinnerung anpeilen und als Wegmarke nutzen. Im Fernglas kann ich sehen , wie die tiefe Sonne die großen Schwingen vergoldet. Von unten grüßt sie der kleine Hahn gleicher Farbe.

Und mit ein wenig Einbildung ist auch das Laub golden, das meine schmalen Reifen aufwirbeln.  Auf diesen langen schmalen Geraden lasse ich die Kurbel schnell und flüssig kreisen – nach wenigen Minuten stellt sich ein spezieller Zustand ein, ein echter, ungestörter flow, aus dem nur kurz vom gruß der Passanten aufgetaucht wird.

01

Ich kehre von der Runde zurück ins Tal und beeile mich, letzte Sonnenstrahlen einzufangen. Ein par Äpfel hebe ich auf fürs Abendessen, in der Ferne höre ich die Landstraße mit den heimfahrenden Autos. Sie ist spürbar, entzieht sich aber den Worten: diese andere Qualität, dieses Mehr an Leben, das einem auf dem Land geschenkt wird.  Wir filtern nicht, wir nehmen auf.

 

 

 

 

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2 Antworten zu Vom Lande im Oktober

  1. mark793 schreibt:

    Grade nochmal nachgeschaut, es war September vor drei Jahren, als Du mich auf die besagte Bahntrasse mitgeschleppt hast. Da lagen noch nicht ganz so viele Blätter rum. Aber an den Flow, der sich beim Kurbeln in diesem grünen Tunnel einstellte, kann ich mich noch gut erinnern.

  2. crispsanders schreibt:

    Dank für diese Rückblende. Yes, die Blätter kommen und gehen in Wellen. Eine kleine Kehrmaschine ist auch ab und zu unterwegs…..

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