Kaufkraft

Der Regen ist erst einmal durch – die Augen können wieder in die Ferne schweifen, die Kilometer fliegen leichter dahin  als mit dem Kopf in nieselnder Watte. Ein kurzer Abschweif ins Gelbachtal, dann zurück über den Hirschberger Höchst. Rot leuchten Beeren von den Sträuchern, der Atem bläst kleine Wölkchen in den Tann. Oben angekommen: die Zeit ist in Ordnung, also auch die Form.

Zurück ins Dickicht der kleinen Städte.

Es ist ein Mittwoch – ein Wochentag mitten im Dezember, mitten in Deutschland in einer mittelgroßen Stadt. Auf der Einfallstraße war mir  die lange Autoschlange aufgefallen, an der ich bergab vorbeirollte. Vielleicht war die Autobahn gesperrt und alle mußten über die alte Frankfurter Landstraße?

An einem polnischen Sattelschlepper vorbei zwänge ich mich durch den Kreisverkehr. Ein (ganz) wenig schlechtes Gewissen kommt schon auf, wenn einen so viele Leute aus ihren Autos von der Seite ansehen. Besser nicht zurückblicken.

Dann war da das rote Licht auf der Tafel ; eine dieser Tafeln, auf denen die freien Parkplätze von Einkaufszentren angezeigt werden. Er war also voll und das sah man. Dennoch standen die Autos an diesen Schlagbäumen, durch die sie auf den Parkplatz gelangen. Die Autos drinnen fuhren im Kreis herum, in geduldiger Jagd nach dem nächsten freien Platz. Sobald irgendwo Rücklichter aufleuchteten, beschleunigeten sie von beiden Seiten, als hätten sie in der Wüste eine neue Wasserstelle entdeckt.

In Schlangenlinien  ziehe ich vorbei, an der Wand des alten Gebäudes lang und verlasse diesen Ort, an dem einmal zweitausend Menschen Lokomotiven und Waggons reparierten. in den Boden sind jetzt Glasplatten eingelassen, durch die man noch auf alte Reparaturgruben und Geräte blicken kann, über den Köpfen werden noch Portalkräne angedeutet. Dem kauflustigen Publikum soll ein historisches Gefühl vermittelt werden.

Wie jeder weiß, haben wir den Bahnverkehr im 20ten Jahrhundert zurückgelassen und Eisenbahnschienen zu Einkaufswagen umgeschmiedet. Es sind nur noch ein paar ganz Arme, die sich auf die waghalsige unternehmung begeben, einen Zug zu besteigen.

Denn die Zukunft gehört dem Fahrrad, das ist nun einmal klar.

 

 

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