Das Gras ist Grüner dort

Es beginnt mit einem kleinen, leuchtender Punkt hinten richtung Kirche.

7Urt am Nachmittag. Wenn man von der weiten Ebene der Adour kommt, liegt das Dorf einige Serpentinen höher auf einem kleinen Vorsprung. Die Wände der Häuser sind weiß gekalkt, die Dachfirste und Läden häufig dunkelrot. Hier beginnt das Baskenland mit seinen grünen Wellen , die sich langsam zu immer höheren Hügeln steigern, bis die letzten Ausläufer der Pyrenäenkette sichtbar werden.

9Gleich nach der Kirche, die gerade vier Uhr zeigt hole ich den Kollegen ein. er fährt einen gesunden Tritt, spult routiniert das mittlere Blatt ab.

Ein schönes Exemplar habe ich da erwischt, ein sehr später Stahlrahmen, erkennbar an den verschliffenen, also muffenlosen Rohren in Übergröße. Individuelle Lackierung in makellosem Zustand.

8Ich mache dem Mann in lokalen Shorts meine Komplimente , Shorts von einem aufgelösten baskischen Radsportteam: die Geldgeber, die heimische Mobiltelefonfirma Euskatel sind ebenfalls Geschichte. manchmal erzählt der Radsport auch Wirtschaftsgeschichte. Der Rahmen stammt aus der Gegend um Orleans, so viel erfahre ich noch und wünsche dann gute Fahrt.

An der Kreuzung zur Straße nach Bayonne stehen die Gendarmen in einem Hohlweg und warten. Jetzt, wo so viele Radarfallen „neutralisiert“ wurden, ist für die Blauen vermehrt Handarbeit angesagt. Diese schrecklichen Gelbwesten .

a1Es wird immer grüner, so viele Grüns gibt es gar nicht. Aber das ist  nur mein winterliches Auge auf dem Weg in den Frühling. Ich folge dem Bachtal nach Labastide, die Pappeln wogen im Wind der seitlich kommt. Kurz gehts in eine Senke, ich richte mich auf für einen 360Grad Rundblick. Da sieht mein Augenwinkel ihn wieder.

Den kleinen orangenen Punkt, der wie eine vergessene Boje im Grün schwimmt. Dabei müßte er gefühlt etwas weiter weg sein; ist er aber nicht und es ist klar warum: ich bin im Fadenkreuz.

les ames fortes

Jean Giono gilt schon länger als ein wenig altbacken. Ein provenzalischer Schriftsteller der seine (tragischen) Gestalten über die vormodernen kleinen Dörfer schickt. Viel Natur, viel Klima in einer dichten, sinnlichen Sprache. Viel Archaik, seine „Phase“ waren 30 jahre zwischen 30 und 60. In den beiden Büchern, die ich gerade vollende, geht es immer wieder um umherstreifende Menschen, Vaganten, tragische Schicksale. Dreimal wird das Motiv der Jagd und der Verfolgung an unterschiedlicher Stelle neu erzählt. Zweimal wird einem Menschen nachgestellt, den Mörder in der Wildnis zu finden. Die erregendste aller Jagden, ist die auf den menschen stellt Giono lakonisch fest.

Etwas von diesem Jäger steckt in jedem Radfahrer, jedenfalls wenn er auf einem Rennrad sitzt.  Es prickelt also und das Tempo bleibt stetig. Gleich die  Durchfahrt von Labastide – mit ihren 9 Prozent. In der Ebene forciere ich nicht aber am Fuß der Steigung, gleich in der ersten Kurve zum Marktplatz hole ich Schwung.

07Heute halte ich nicht amCafé, andere Räder haben meinen Platz eingenommen. Ums Eck und Schulterblick: er ist am Anfang der Steigung.  Banane ausgepackt, Schale in den nächsten Bach, erster Anstieg Richtung Hasparren auf dem großen Blatt. Die Form stimmt, das Gras duftet frisch und sattder Griff ans Stoffband ist straff . Nach einer Partie Unterlenker brauche ich mich nicht mehr umzusehen . Ich bin aus dem Blickfeld des Orangenen,  oder er hat schon längst neben anderen Radfahrern im Café Platz genommen.

Die Jagd ist vorüber, der Rest Tourismus. Hasparren, Cambo – die kleine Kurstadt mit den dicken Palmen. ich umfahre sie über die nationale, dann halbrechts um über Itxassou zu fahren. Eine Passage des  Raid Pyrénéen, eine Nebenstrecke, die man vor der  Kontrolle in Espelette genießt, weil es dann so gut wie vorbei ist.

14Der Weg durchs Tal von Itxassou muß aber auch auf allen (spanischen) Reiseführern eingetragen sein, denn es ist mehr los als auf den 20km zuvor –  und das ist kein lokaler Verkehr

01Durchs Tal der Geflügelzüchter und Schinkenlieferanten, die den kräftigen Jambon de bayonne ergeben. Da sind sie, alle im Schlamm vereint. Nachdem viele kleine Augen sich nach meinem Rad umgedreht haben pendeln die Rüssel wieder durch den Schlamm. Ständige Bewegung mit freundschaftlichem Rempeln und Grunz-Stenogrammen. Die knappen Bewegungen der Stummelschwänze. Du schmeckst so gut.

1Espelette streifen. Die runden grünlichen Hügel werden jetzt häufiger von zackigen Linien abgelöst. Abzweig: nach Sare über den kleinen Pass von Pinodieta, den die Tour 2018 im Abschlußzeitfahren nahm. Wieder durch blühende Robinien. Überall an den Hängen die doldenartigen weißen Blütenstände, die sich in Teig schön einbacken lassen und dabei ihr feines Aroma abgeben. Eine Million Shampoos riechen wie plumpe Fälschungen.

11In Sare das kleine Café am markt- French spoken. Einmal L’Equipe durchfliegen, ein Schluck Wasser und das Croissant aus der Trikottasche. Karfreitag, sechs Uhr, die Kirche läutet. Ich werde die gebote achten und träume schon von Anchovies Pizza am Meer.  . . . . .

10Kleine Werbeeinblendung: diealten Mischgewebe (hier 50/50 Baumwolle/Poly) halten gut etwas aus, ihre toxischen Faben bleichen bei der Wäsche nicht, sie sind nur etwas schwerer.

15Und als Dessert das letzte, Robinienüberwucherte Hindernis zum Meer – (den heiligen Ignatz) bei der nur der erste Kilometer Paßcharakter hat. Sare verschwindet hinter einer Blütenwand. Es ist grüner dort.

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Und dann kommt das Meer.

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19 April 2019

 

 

 

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