CP 1 – Pierre St Martin

ab22Hier ist es ruhig, nur ein kühler Hauch über dem Paß. 1765 m. Die Sonne strahlt eigenartig weißlich – auf der spanischen Seite stehen Bäume  auf kargem Geröll, unsicher wie Plastiktannen einer Modelleisenbahn . Als ich anhalte, endlich, sehe ich erst einmal nach dem Hinterrad. Dieses Geräusch, das nach geplatzter Nuß klang; . .  ist die Speiche 14 von 36.

Ich bin zwar am Ziel, aber noch nicht angekommen. Für die Rückfahrt bleiben hinten satte 35 Speichen übrig, eine absolute Mehrheit. Was den Wiegetritt zum Labays ertragen hat, kann eine Abfahrt aushalten. Nur in den Kurven werde ich etwas vorsichtiger sein. Die 16km abwärts sind sanft, viele Geraden und guter Belag.

ab4Die Pierre St Martin ist ein eher einsamer Paß nach Spanien, auch wenn die Straße breit und übersichtlich ist. Der Schwerlastverkehr bevorzugt andere Wege, den Tunnel vom Somport beispielsweise. Die Straße ist für Urlauber ausgelegt, die (nicht im Bild) in den Schnee wollen. Die Paßhöhe dürfte bei schlechtem Wetter ein sehr unwirtlicher Ort sein, keine Hütte, kein unterstand, nichts.

Dennoch stand hier vor wenigen Tagen der erste Checkpoint des TPRNo1, ein improvisierter Stand von einer handvoll Helfern, die mit dem Auto den Radfahrern vorausgeeilt waren . Aber davon ahne ich nichts, als ich  mich wieder auf den Weg mache, zu tief steckte ich in meinem eigenen Rennen.

ab1Die letzten 7km zur Pierre St Martin als Fortsetzung vom Labays waren die Kür. Der Wille, diesen Paß endlich zu schaffen bestimmt alles, auch wenn es Widerspruch gibt, auch wenn die innere Stimme sagt: ein andermal: Es geht weiter und es geht gut, die schöne Straße ist ein Boulevard, die Prozente sind mild, – na bitte.  Jenseits von 1500m spürt meine Lunge die dünnere Luft über der Baumgrenze und es wirkt, als würde das eigene Blut dünner. Die Sonne ist auf meiner Seite.

ab2Rundum öfnen sich milchige Panoramen in die umgebenden Täler, aus denen die verschiedenen Anstiege zur Pierre kommen. Der letzte endet am Col du Soudet, der Anstieg von Osten. Sie münden alle in die Straße zur Skistation, den Boulevard.ab5Dann bewegt man sich in einer gewissen Unwirklichkeit, zwischen den Masten der Skilifte, letzten Hütten und im Felsgestein herumlaufende Ziegenherden.

ab6Und dahinter wartet Spanien, Aragonien, viele Täler ,viele unbekannte Pässe.

Umkehr

ab71

zurück ins Grüne, hinab. Schon ist der Labays passiert, lehne ich mich auf den Geraden vor, um das Hinterrad nicht mehr zu belasten. Sanft und vorsichtig bremse ich die großzügigen Kehren an, kann immer eine weite Linie ziehen, wenig Fliehkraft aufs Rad bringen. Keine Überraschungen, kein Verkehr: nur 1 Wohnmobil läßt mich großzügig passieren.

ab7Im Schatten des Hangs föstelnd, aber die Luft wird zunehmend wärmer. Erste Höfe sind  in Sicht, dann Wiesen und  Kirchturm. die Abfahrt, dieser besondere Zustand, ist beendet, die flache erde hat mich wieder. Arrette, ich kenne es, weiß sogar wo ein café ist,

ab81und die Wand der lokalen Helden. Der Stolz der Region. Aber nicht genug:

ab8Hier ist ein Radladen. Fast so viele Räder wie Einwohner. Vollgestellte Hütte, hinten die Werkstatt, einige Kunden, Männer im besten Alter. Einer studiert sein neues GPS, ich habe mein Hinterrad in die Werkstatt gereicht. Dort hängen an der Decke dutzende von Laufradsätzen. Aber: meine Speiche , eine Größe, die es 20 Jahre gab, findet sich hier nicht. Hier im Reich der Schönen Materialien, der 134 Carbonrahmen.

In Arrette bin ich nur wenige Kilometer vom kleinen Dorfplatz entfernt, auf dem mein Auto steht. Die Sonne wärmt und strahlt nachmittagsmild von den hellen Gebäuden zurück. Nach ein paar Keksen in der Werkstatt (und einem Trinkgeld für die vergebliche Mühe) , auf in die letzten Kilometer, vorbei an einer Schule – das Durcheinander aus Großen, Kleinen, Eltern, Bus , Auto und Mopeds.

a72Ich bin wieder am Fuß der Pyrenäen, am Piémont, die kleine D918, die die gesamten Pyrenäen durchquert schlängelt sich hinauf ins Grüne. 117 km bis zum Atlantik! Es ist der Weg des Raid Pyrénéen den ich auf diesem Rad schon 2 mal fuhr. Von hier wären es nur noch 600km bis zur Ostküste. Snel, erinnerst Du Dich noch?

a73Gerade komme ich aus einem Wäldchen,  als mir aus der nächsten Kurve ein Radfahrer mit Sonnenbrille und wilder Mähne entgegenschießt. Zwei rosane Flaschen sind an seiner Gabel montiert.

Sofort weiß ich, wer das ist und mir ist gleichzeitig völlig klar, warum wir uns gerade hier auf der Straße meines Raid Pyrénéen treffen, obwohl wir uns noch nie gesehen haben. magisch. Es ist das @tprno1 – „Hey Nico!“ Er blickt auf . . .

 

 

 

 

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