A horse with no name

Einführungsrunde

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Bunte Farben und strahlende Sonne können nicht verbergen, daß in dieser Jahreszeit die Zahl der Radfahrer auch an einem Samstag rapide sinkt. Der Radladen in meiner Umgebung weiß das, und gönnt sich vor dem Weihnachtsgeschäft einer Atempause.

Der Herbst ist für Radfahrer ein Käufermarkt. Die Freizeit – Fitnessübung verlagert sich rapide nach innen. Es gibt da Rollentrainer, die man nie weider verlasssen möchte. Ob darum auch dieses spezielle Rad nach 10 Tagen Plattformangebot immer noch zu haben war?

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Wie häufig stimmte die Größenangabe nicht und die Beschreibung des technischen Zustands wies doch einige Lücken auf. Von plusminus 1cm aber sollte man ausgehen und ich komme damit klar.  Eine Luftpumpe fand sich erst im letzten Augenblick, als ich in der Dämmerung im kleinen Odenwälder Kurstädtchen stand.

Was auch immer man unter einem fahrbereiten Rad versteht, es reichte eben so, um fesstzustellen, daß es freihändig geradeauslief. Also unfallfrei. Und so kam ich zu meinem 5ten Rad in der Rahmengröße 62, nachdem ich auf deutlich sichtbare 8er an Vorder- und Hinterrad hingewiesen hatte, sowie die völlig zerfressen Griffgummis der Bremsen preislich nachdrücklich erwähnte. Schließlich mußte ich anschließend noch dringend ein Schleich Einhorn für den Kindergeburtstag finden.

cl10Möglicherweise war es einfach mein Glück, daß dieses nächste Rad ganz abschreckende Komponenten aufwies. jedenfalls in Augen von Sammlern. Die sehen in einer suntour cyclone Gruppe sicher ein Kaufhindernis, mindestens aber einen Makel, auch wenn sie so und nicht anders vor ca. 34 jahren fachmännisch an diesen Rahmen montiert wurde. cl11

nach einigen Rädern und sehr viel mehr Komponententausch kann ich allen Intereressenten nur sagen: bullshit. in den jahren ab 1978 gibt es nichts, aber wirklich gar nichts mehr, was japanische Hersteller sich in Präzision, Materialqualität und Haltbarkeit von einem namhaften italienischen Hersteller hätten lernen können. Zur gleichen  Zeit zweifelte niemand mehr an der Überlegenheit japanischer SLR Kameras.

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Aber wenn man aus dem Tal der Vorurteile, aus dem Nebel des Unwissens einmal zur Sonne der erkenntnis vorgestoßen ist, dann lacht man nur, weil einem ein Claus Lauer in passender Größe mit rassereiner . . . : wie gesagt, der Nebel des Vorurteils, der Sprech des marketings, das Talmi der Schmuckhändler. Denn es geht um das, was sich nie mehr ändern, ergänzen oder verbessern läßt. Das ist der Rahmen.

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Und ich muß schon sagen, daß ich aufgeregt war zu spüren, wie sich das ultramarinblaue Stück aus dem nahen Altenkirchen fahren ließ. man beachte übrigens das sehr ungewöhnliche, seitlich gekerbte Oberrohr mit den beiden Führungsösen für die Bremszughülle. Claus Lauer hatte damit zwei Probleme gelöst. eine elegante, bündige Aussenführung der Hülle an der richtigen Siete der Seitenzugbremse und, en passant, eine wirksame Versteifung des 59cm langen Oberrohrs.

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Ein Wunder an Leichtigkeit ist bei diesen Dimensionen nie zu erwarten,  erst recht nicht, wenn man ein steifes, fahrstabiles Rad sucht. Nur 40km von hier ist es gebaut worden – in Altenkirchen/Westerwald.

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Außer dem geringen Überstand am Steuerrohr fallen die sehr kurzen, schmucklosen Muffen ins Auge. Keine barocken Schwünge oder durchbrochene Fenster, wie sie dem Auge schmeicheln. Dafür solide, präzise Handwerkskunst, denn die Auflagefläche der Muffe ist hier beim Löten entsprechend  kleiner. 3 Sorten Silberlot, so heißt es, hatte Claus Lauer in Gebrauch. Erinnert an dieser Stelle  an ein Merckx von 1989.

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Und so steht es jetzt mit Dia Compe Griffgummis,  gerichteten Rädern, 23mm breiten Reifen und einer neuen Kette zur Einweihung an der Molsberger Eiche. Das Licht der Madonna leuchtet.

Steiles Steuerrohr, flaches Sitzrohr, so kommt das Oberrohr auf 59cm. Die ersten Kilometer bestätigen: safe at any speed, lautlos surrt die Kette; in der gestreckten Position, die die Geometrie erzwingt, geht es durchs bunte Laub, vielen Kilometern entgegen.

Und ein blankes Steuerrohr  – a horse with no name.

 

 

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10 Antworten zu A horse with no name

  1. randonneurdidier schreibt:

    sehr feines Teil. Gratuliere

  2. crispsanders schreibt:

    Danke, – nur noch ein paar klitzekl. Details; und erstmal 100km damit schaffen.

  3. mark793 schreibt:

    Schöne Neuerwerbung! Dass eine Sountour-Ausstattung ein Kaufhindernis für Sammler darstellt, wäre mir indes neu. Es gibt Leute, welche die Superbe-Gruppe höher einstuifen als die Dura Ace jener Zeit. Wie die Cyclone im Vergleich zu 600/105 (oder zu Chorus) bewertet wird, weiß ich nicht, aber in der einschlägigen Facebook-Stahlradgruppe gibt es immer wieder mal Anfragen. Wenn es darum geht, den Originalzustand von Rädern wiederherzustellen, kaufen manche Leute sogar Schaltwerke und Umwerfer von Sachs-Huret, wohlwissend, dass das Zeug wenig taugt.

  4. crispsanders schreibt:

    Interessant. Mittelklasse Gruppen treiben indes den Preis nicht nach oben. Und wenn decals nicht exakt so aussehen, wie im Netz etc. etc. Irgendeine Erklärung muß es ja geben (ich habe nicht nachgefragt) . Kann mir einfach nicht vorstellen, daß es im Ballungsgebiet RheinMain keine Interessenten gäbe. Die Einkommen geben es her.

    • mark793 schreibt:

      Ich vermute mal, die Marke wird nicht jedem was sagen.

      • crispsanders schreibt:

        Ganz klar ein Faktor. Allgemein ist auch schwer abzuschätzen, wie intensiv geesucht und oder gesammelt wird.

      • Hölkerath schreibt:

        Es ist ein wenig der Tanz um das goldene Kalb. Wie bei den vierrädrigen, in „Klassen“ eingeteilten Vehikeln, ist ein Unterschied in Punkt X nicht mehr direkt proportional zum Preis. Das Kastensystem der Marketingleute scheint mit den Altersjahrzehnten noch weiter auszureifen. Für Teile der Superbe Pro oder der Dura Ace wird in der Altmetallszene oft genug der anderhalbfache oder gar doppelte Preis, manchmal noch mehr, der nächsten niedrigen Kaste, also der Cyclone oder der 600er, aufgerufen – und auch gezahlt. Vom Gewichtsgesichtspunkt her ist das Cyclone-Schaltwerk top notch, vom Preis her discountig.

        Im Übrigen: Schönes, gut erhaltenes und harmonisch wirkendes Rad. Äesthetisch eine Wohltat gegen das Gros der Kohlenstoff verstärkten Plastikteile!

      • crispsanders schreibt:

        Ja, das sind wohl auch deshalb eingerichtete Kästchen, weil sie so wunderbar funktionieren. Ausnahmen bestätigen die Regel.

  5. twobeers schreibt:

    Schönes Rad! 7fach?

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