Die Schraube der Knebworth

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Schon ein Periskop gesichtet Cornwall?

Offenbar weißt Du immer noch nicht, was ein Ornithologe mit einem Fernglas macht, Krüger. Und der Port-Vieux hier ist einer der vorzüglichsten Plätze für dieses Hobby . . .“

Und einer der besten Plätze, wenn man seine Ruhe haben will, prima Funkloch diese kleine, windgeschützte Bucht in der der Wellenschlag alle Gespräche überdeckt. Die Kneipe ist auch wieder „fréquentable“, jetzt wo sie alle wieder in ihren Home offices, Co-Working Spaces und Logistiktürmen sitzen.

Hast Du die Schraube gesehen?

Was für eine?

Die Schiffsschraube der SS Knebworth, hinten an der Mauer. SS bedeutet übrigens Steam Ship, Krüger, nichts für ungut.

Keine Ursache, Cornwall,  ein Frachter also wie der Kahn da am Horizont, nur mit Dampfantrieb. Jedenfalls kein U Boot.

Auf die Anspielungen komme ich gleich,  einen kleinen Moment noch. Erstmal müssen wir den mühsamen Umweg über die Geschichte der Knebworth mehmen.

Hm. Aber bitte nicht länger als ich brauche, um mein Scourmont-Triple zu leeren.

Selbstverständlich nicht! Die Knebworth ist ein Kohlefrachter, ein paar tausend Tonnen nur,  aber das ist 1930, lange vor den Öltankern schon eine Menge Brennstoff. Sie wollte die Ladung in Bayonne löschen, ein paar Seemeilen von hier, genau wie die unzähligen Frachter, die hier seit Jahrhunderten vorbeizeihen, um in die Mündung der Adour einzulaufen.

Und was mach die Schraube dann hier im alten Fischerhafen von Biarritz?

Sie ging verloren, genau wie der Rest des Schiffes, das nur ein paar Kabellängen von hier in einem Januarsturm auf Grund lief. Das Wrack war eine Zeitlang geradezu eine Touristenattraktion.

Und weil die Ladung nur aus Kohlen bestand, blieb Biarritz von der ersten Ölkatastrophe der Geschichte verschont . . . nicht sehr aufregend. Hätte der Kahn nicht wenigstens von von der U96 versenkt werden können?

Krüger, Du hast meine Schlußfolgerungen instinktiv erahnt. Du hättest mit Deiner Intuition ein brillanter Mitarbeiter werden können. Nun ja.

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Weil ich Periskope sehe, wo es keine geben kann? Nicht einmal die kleinen U Boote der Drogenkartelle  kämen hier entlang. Die Spalte von Capbreton beginnt erst einige Seemeilen nördlich. Nur noch 25 cl . . .

Wie bitte?

Entschuldigung, ihr müßt ja wieder in Flüssigunzen rechnen – in meiner Flasche sind noch drei Schluck.

Genau, flüssige Unzen, fl Oz, die Maßeinheiten des Empires.  Wir hatten Kohle, viel Kohle, das war unser Vorsprung. Dann hatten wir auch das erste Öl. Zusammen mit der Royal Dutch und vor allem der Anglo Iranian – den Kanal hatten uns ja die Franzosen gelegt und wir haben gut auf ihn aufgepaßt.  

Und so eine Allianz gebildet, die die Deutschen zwang, sich unter anderem eine Standard Oil Raffinerie in Ingolstadt bauen zu lassen.

Oder sich bis heute mit schottischem Brent beliefern zu lassen. Sehr richtig, aber auch diese Zeiten  gehen dem Ende zu, nach allem, was man aus dem kontinentalen Wahlprogrammen vernimmt. Der Wettlauf der Pipelines . . .

… vorher noch die Raffinerien in Schwedt oder Schwarzheide

…und Leuna, wo man für die ungeliebte Deutsche Einheit den Franzosen ein Vorkaufsrecht faktisch einräumen mußte. Aber auch das ist tiefes 20 Jahrhundert, lange her, nicht wahr?

Und lange vorbei – und vor allem ohne irgendeinen Zusammenhang zu einem alternden englischen Kohlefrachter, der in einem Biskayasturm absäuft.

Nicht so schnell Krüger – Du hast doch noch einen Schluck übrig?

Mindestens.

Natürlich schmerzt es mich irgendwo, wenn ich sehe, wie wir unseren Vorsprung – unseren riesigen Vorsprung – über die Jahrzehnte verspielt haben. Natürlich haben auch die kaiserlichen wunderbare Schiffe gebaut,  die Imperator, die zweite Bremen,  die schreckliche Bismarck.

Kriege werden in der Luft gewonnen,  das haben wir gemerkt, Cornwall.

Aber vielleicht werden sie auf der See verhindert ?

Mit Periskopen?

Nicht so laut, unsere französischen Gastgeber sind zur Zeit sehr schlecht auf Periskope zu sprechen.

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Wegen dieser Australischen „magouille?“

Wegen des plötzlich erwachten Interesses, das Gleichgewicht des Schreckens aufrecht zu erhalten –  ihr Deutschen leistet mit der Herberge in Ramstein einen äußerst erfolgreichen Beitrag dazu, vergiss das nicht.

Und ihr Briten?

Wir sind das gute alte Lions Inn und seit kurzem wieder ein ungebundenes Elektron,  gewissermaßen eine oder zwei Schalen nach außen gehüpft, nachdem die europäische Molekülgruppe ein wenig abgespalten wurde.  . .

Ihr dürft euren Wein jetzt selbst anbauen!

Verzeihung,  es sind nur neue Fakten und die  lassen uns wehmütig an alte Freunde denken. Wenn das Commonwealth ruft – 

Achtung, ich verschlucke mich.

Nun ja, . . .  wenn Joe uns an das Commonwealth erinnert.

Bevor Du rot wirst Cornwall,  und weil Du womöglich gleich noch von patriotischer Pflicht sprichst, will ich Dir einmal sagen, was mein Periskop gerade sieht: wir wickeln gerade mit den Kaugummis diese endlos peinliche Afghanistan Geschichte ab, ok. Wir verstehen, daß auch für Joe der Zweifrontenkrieg allmählich zu teuer wird. Vielleicht erklärt das auch die plötzliche Eile, mit der die alten Hubschrauber und sonstigen Spielzeuge jetzt afghanischen Kindern in die Hände fallen. Der französische Deal mit den U Booten für Australien war so etwas wie der kleine Stachel im Fuß – und für die Känguruhs am Ende eine schöne Gelegenheit,  die Schutzmacht Nummer 1 an weitaus dringendere Angelegenheiten zu erinnern. Beispielsweise an eine wirksame Abschreckung in den Straßen von Formosa und Malakka,  gleich vor der Haustüre des neuen Kontinents.

Etwas derb formuliert aber intuitiv richtig. Gegenfrage: Was hätten die Australier denn von konventionellen U Booten und ihrer vergleichsweise bescheidenen Leistung erwarten können, wenn dann plötzlich ein Angebot kommt, das sie nicht ablehnen können? Vielleicht haben sie die teuren französichen Kisten nur auf eine weitaus bessere Idee kommen lassen? Die Fähigkeiten atomgetriebener submarines sind in jeder Hinsicht überlegen: Tauchtiefe, Geschwindigkeit, Lokalisierung,  Reichweite.

Und bitte nicht die kleinen nuklearen Speilzeuge vergessen, die man darauf transportieren kann. Aber auch das hätten die Franzosen liefern können!

Mit einem Unterschied – die Franzosen sind nicht in der NATO – also eher zurückhaltend, wenn es um die Betriebsgeheimnisse der Force de Frappe geht. Sie sollten mit dem Gejaule aufhören und dann ernsthaft mit den Deutschen über kontinentale Angelegenheiten reden.  Aber als nuklear-neutraler Pazifist sieht man alles nur vom Spielfeldrand, Krüger. Wir – und damit meine ich uns Engländer-  teilen dagegen sehr viele nukleartaktische Geheimnisse mit den ehemaligen Pilgervätern und das Commonwealth ist doch unser altes Wohnzimmer. Es war doch ein Deutscher, Haffner nannte er sich, der schon vor 50 Jahren sagte: Durch  ihre Insellage sind die Briten in einer einzigartigen strategischen Position, man sollte sie nie unterschätzen.

Guter Punkt Cornwall,  wir hören da immer häufiger von leeren Regalen im Supermarkt . 

Privat waren wir schon immer sehr bescheiden und haben lieber den  gesicherten Welthandel im Blick, als die Delikatessenabteilung des KdW. Der Untergang der Knebworth erfolgt am Ende des Kohleschiffahrt. Diese Zeit ist vorbei,  fossile Brennstoffe sind endlich. Unser neuer Rohstoff ist all das, was Südkorea, Taiwan und – disons le nom –  Rotchina uns wohlfeil fertigen und per Schiffscontainer liefern. Ein Spiel mit hohem Einsatz und das Empire hat an dieser Naht 1940 schon einmal alles verloren: Singapur, Malaysia, Shanghai, Hong Kong. Wire sind zwar keine Experten im Weinbau -leider- aber dort hinten haben wir einen Wissensvorsprung, und Schiffe bauen können wir auch.  Darf ich mit einem altdeutschen Spruch enden, Krüger?

Dafür geht die nächste Runde auf Dich Cornwall

„Ist fatal bemerkte Schlich, aber diesmal nicht für mich“….

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