Zwischen Platanen ein neues Radar – April 22

ab2Es war im Februar, gar nicht lange nach der Booster Impfung. Die Grundschulen meldeten jede Woche weitere kranke Kinder, manche mit positivem Covidtest, manche ohne. Maskenpflicht im Unterricht, weitere Tests, es half nichts. Die Mutanten setzen sich durch, der Unterricht ging weiter, der Virenexport auch, reihum wird die Familie krank.

Der Frühling lässt auf sich warten.

a8Zwei Monate später sind diese zwei Wochen im Februar schon Vergangenheit, aber Erkältungssymptome, Kopfschmerzen und manchmal Schwindelgefühle bleiben als flüchtige Gäste im Haus. Irgendetwas, ein Rest, ein schlummerndes Tier war geblieben: deutlich zu sprüen, wenn ich mich auf den ersten Kilometern meiner Runden immer wieder freihuste.

So also bis in den April. Irgendwie infiziert, aber nicht krank. Keine Statisitik dazu, kein Name dafür, nur ein ärgerlicher Zustand, der doch irgendwann einmal aufhören muß.Sonne und frische Luft könnten helfen. Blüten können helfen. Luftveränderung hilft. Kräutertee sowieso. Im Frühling aufs Rad.

a4Der Frühling ist eine große Woge, sie treibt mich über die alten Hügel. Das Erste: wieder zu lernen, wie man mit dem Rad eine echte, französische Landstraße schaltet. Der Umwerfer wird zur wichtigsten Waffe, großes Blatt, steil hinunter, 13 Zähne, mit Schwung die ersten hundert Meter hinauf, dann hoch auf 18, 20 Zähne und dann am Ende den Umwerfer aufs Kleine schnappen lassen.

a01Oben ankommen, Glyzinie und Hausbesitzer grüßen und dann wieder hinunter.

a3Das Spiel ist alt, die Straße ist alt. Sie verbindet die Hafenstadt Bayonne in möglichst gerader Linie mit der Residenzstadt Pau. Vor Jahren wurde sie, wie viele andere, von der roten Nationalstraße  zur gelben Provinzstraße degradiert. Der Autobahn gehört seit einem Vierteljahrhundert die neue Zeit. Die Platanenreihen bleiben, der Asphalt wird allmählich rauh, in den letzten Jahren war es ein ruhiger, einsamer Pfad, den nur Anwohner benutzten.In den Hintergärten finden sich Autowracks – Ersatzteile.

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Heute aber herrscht  Andrang auf der napoleonischen Landstraße. Einst  grüßte ich hie und da ein verfallendes Haus, dessen aufgemalte  Werbung nicht mehr zu entziffern war. Blasses blau, Reste von Gelb, Produkte, die keiner mehr kennt. Gewesen. Jetzt hat das Haus eine neue Mauer, ist ein halber Rohbau, die Wäscheleine wird am Strommasten festgemacht. Das von den Gelbwesten zerstörte Radar ist durch ein neues Modell an gleicher Stelle ersetzt worden, der weiße Zyklop überblickt von unerreichbarer Höhe die Straße. Und der Verkehr hat sich verdoppelt.

a1Die neue Zeitrechnung: Wer hier  mit 80 rollt statt 120 auf der Autobahn hat nicht nur Maut gespart, sondern gleich auch drei oder vier Euro Sprit. Schnelle Lernkurve. Die Croissants haben ihren Preis, gegessen wird immer, Tankstellen schließen, Bäcker bleiben.

a7Geruch von Sonnencreme und rinnender Schweiß – Frühling auf dem Rad . Die Hügel des Baskenlandes zeichnen sich allmählich ab, gleich geht es hinauf und hindurch.

ab1Unter einem rauschenden  kleinen Meer von Glyzinien stelle ich kurz das gute alte Roß ab. Covid ist nur noch ein Schatten.Wir werden bis zum Ozean kommen und Eis essen. Versprochen.

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