Entdecke die Kroppacher Schweiz mit komoot und lass Dich überraschen

a1Unter den Navigationsportalen ist komoot das einzige, was mir geblieben ist. Gpsies wurde vor Jahren samt seiner Routen verkauft, bikemap schränkte die seit über 10 jahren von mir genutzten Funktionen so ein, daß ich meine eigenen Strecken, nicht mehr ohne Bezahlung herunterladen konnte. Komoot läßt mich zwar nur in meiner eigenen Region kostenfrei herumfahren, wenigstens beschränkt es mich nicht in der Reichweite. Da lade ich meine Daten  gern hinauf.

Heute habe ich dem Algorhythmus anvertraut, eine Strecke durch bekannte Umgebung zu gestalten. Völlig der Willkür einer Navigationsmaschine ausgeliefert, wird das magentane Band mich nördlich über den Westerwald in die Kroppacher Schweiz leiten. Es wird – und es soll ja auch –  Überraschungen geben.

a3Algorhythmen setzen zwei Prioritäten: Kürze der Strecken und die Ausrichtung an ausgewiesenen Radfahrrouten, Den R-Wegen. Diese R-Wege können sehr schön sein und den Fremden sicher durch Ballungsräume führen. Leider haben sie auch ein Problem, wenn man weiter aufs Land kommt:

aa1die Strecken können anstrengend werden. Nach diesem – glücklicherweise bekannten – Eröffnungsakkord sind die Bronchien definitiv durchlüftet, noch nach 4 Wochen sind die folgen des kleinen Pfingst Covid zu spüren Alles übrige wird leicht erscheinen. Zu den Problemchen der Radrouten:

Möglichwerweise werden sie nicht von Radfahrern geplant, sondern von Verkehrsplanern, die aus Verlegenheit und zu unserer Sicherheit auf Nebenstrecken führen möchten. Das gelingt dann zuverlässig. In einem Mittelgebirge sind die Strecken mit den geringsten Anstiegen eben dem Lastverkehr vorbehalten. Bis in die 60er Jahre waren mehr als 6% für einen beladenen 180PS MAN kaum zu schaffen. Und so bleiben dem innig geliebten Rad (diesem lästigen Parasiten des Fortschritts) nur die Feld und –Nebenwege.

Nach einer Stunde die erste Überraschung – und gleich habe ich den kleinen Abzweig in einen Feldweg auch übersehen. Steil und wenig übersichtlich geht es hinab in ein schattiges Tal. Die EBike Bremssättel dürften hier glühen.

a4Nisterbrücke, kühl und schön – nur geht es von hier an nur eine Richtung: hinauf. Und so geschieht es dann mit 8 bis 10 prozentiger Steigung über einen hübschen kleinen Weg durch den  Forst. Für mich eine erwünschte Übung – aber für einen Radtouristen? Bin ich schließlich auch.

aa2Über 200 Höhenmeter dürfen es gewesen sein, als ich dann diese massive Versorgungsstation passiere. Die schwarze Nister ist ein erstmals bezwungen. Das schwere Koga Miyata mit voller Wasserlast übt für seine Rolle als Tourenrad.

a2Jetzt kann die volle Aussicht genossen werden- gemähte Wiesen, Mischwald und die bedauerlichen Kiefernschonungen, eine Landschaft im August. Ich folge weiter der Nister auf Distanz, bis sie nördlich von Hachenburg beginnt, mäandernd ihren Weg durch das Basaltmassiv zu suchen.

a5Die Landschaft kleiner Schluchten und verborgener Dörfer wird Kroppacher Schweiz genannt –  nach einem kleinen Ort namens Kroppach. Bei Streithausen stürze ich mich hinunter, hinter Leimbach geht es kernig hinauf. Ein Radwanderweg für motorisierte und Fortgeschrittene.

aa6Kundert, Mörsbach – dann habe ich die kräftezehrende Differenz zwischen Tal und Höhenkamm das vierte mal bewältigt und bewundere die hübsche Postkarte, die sich vor mir ausbreitet. Dort liegt Burbach;  in einem riesigen Kirschbaum üben kleine Krähen laut rufend den Segelflug, ab und zu kommt ein Auto vorbei. Links hinten sehe ich einen Baum, den ich auf meiner Strecke nach Stein-Wingert passieren werde. Es geht also wieder abwärts.

Diese vielen kleinen Täler liegen nur wenige Kilometer abseits der Höhenstraßen und doch sind sie dem Blick fast völlig entzogen. Die Kroppacher Schweiz ist bekannt. Das Touristikdeutsch nennt sie ein „Naherholungsgebiet“. Einige Gasthöfe und Campingareale habe ich gesehen, aber überlaufen wirkt die Gegend nicht. An den Ferienhäusern erkennt man immerhin, es gibt Liebhaber.

aa7 In Stein Wingert, tief unten in einer kerbe finde ich mich plötzlich vor einer  Furt (die komoot geplant hat) und kann nur auf der großen Brücke über die Nister. Statt 500 meter werden es ein paar Kilometer bis zurgesuchten Stelle. Komoot muß man wirklich genau auf die Route sehen – nehmen wir es sportlich.

ab7und  folgen wieder dem anspruchsvollen Radweg im Wald, statt die doch kleine und einsame Landstrße zu wählen, auf die ich am Ende ohnehin treffe! . . . Ein E-bike Akku dürfte allmählich platt sein, bei mir leeren sich allmählich die Trinkflaschen.

Dort oben hinter den blondgelben Stoppeln zeichnet sich die Baumlinie der Höhenstraße ab, Bundesstraße zweiter Ordnung. Gleich werde ich auf ihr mein Zwischenziel erreicht haben .

Das kleine Schild mit unbekannter Biersorte ist der einsame, zarte Hinweis mitten im Forst.

a8Und der Weg hinunter in die Schlucht ist nicht vertrauensbildend. Doch plötzlich höre ich ihre Geräusche, die Motorsägen gleichen. Dort unten müssen sie sein.

a7Wie die letzten einer als ausgestorben geltenden Art entdecke ich eine kleine Go-Kart-Bahn, die sich in der Talsohle eingenistet hat. hier treffen sich Enthusiasten an Wochenenden, seit kurzem gibt es auch Leihkarts, die Anlage war etwas vernachlässigt worden.

Komoot weiß nichts hiervon – und das ist auch gut so.

Mit dem Malzbier in der Linken verfolge ich die rasenden kleinen Karts, die auch von Kindern bewegt werden. Gleich neben der Bahn fließt ein winziger Bach. und wieder hinauf aus der kleinen Schlucht – von den Karts ist bald nichts mehr zu hören.

aa8Der Rückweg über Altenkirchen (man braucht mehr als nur eine Banane) beginnt und verläuft über bekanntes Gelände. Wo es mir passt, werde ich komoot überstimmen, es hat seinen Dienst getan. Eine gute Karte (höhenlinien) als unterstützung bei der Routenplanung ist angebracht, damit ist es eine feine Sache.  Die Kroppacher Schweiz war Pflicht,  jetzt kommen 70 kilometer Kür, stetes und gleichmäßiges fahren mit wenig Kalorien und genug Flüssigkeit. Als Training für die nächste, lange Fahrt.

aa9Ich grüße die prominentesten Trafotürme der Region.

ab8Ich grüße die sanften Wellen und den hohen Sommer, der die Koppeln vergoldet.

ab6Ich grüße die verlassenen automobilen Träume und Dörfer, in denen kleine Bierpavillons aufgebaut sind.

ab4Ich grüße das glückliche Vieh am Trog

ab5Und die klugen Tiere, die den Schatten suchen

Überall sehe ich den großen Sommer und lasse rollen.

Werbung
Dieser Beitrag wurde unter Übers Land abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Entdecke die Kroppacher Schweiz mit komoot und lass Dich überraschen

  1. friedrichbandulet schreibt:

    Hallo,
    vielen Dank für den kurzweilig geschriebenen & schönen Bericht. Richtig, die Navigation per künstlicher Intelligenz hält positive wie negative Überraschungen bereit.
    Viele Grüße
    Friedrich

  2. Karsten Marx schreibt:

    Hallo Christoph, Hast du mal folgenden Routenplaner getestet? Der ist top. Man kann gpx Strecken hochladen und auch ändern. Auch Download ist möglich.
    http://brouter.de/brouter-web/#map=5/50.990/9.860/osm-mapnik-german_style

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s