Flaneur im Gewerbegebiet

Niemand, der je die Ausfahrt Limburg Süd benutzt, wird das Areal um den ICE Bahnhof als irgendwie reizvoll empfinden. Doch Tausende kehren hier täglich ein- und aus. Pendler, Urlauber, Lastkraftfahrer auf ihrer Suche nach Pausenplätzen.  . .

a1Das Areal rund um den kubischen Sichtbetonbau (2002) verströmt die Aura eines unvollendeten Gewerbegebiets mit Autobahnanschluß. Etliche Hektar bis zum Bahnhof stehen hinter der ersten Reihe an Zweckbauten noch zur Erschließung bereit, aber die Lücken schließen sich langsam.

a3An einem warmen Sommerabend strömen die Freiflächen entlang der geparkten Autos abendlichen Heuduft aus. Die Gebührenpflicht endet am Freitag um 19h, dann füllen sich die Parkreihen für ein Wochenende. Die Besitzer sind mit dem ICE Richtung Frankfurt oder Flughafen und genießen ein Wochenende London, Paris oder Rom. Oder Istanbul, wo der Euro vielleicht für eine Flasche Champagner reicht.

a11Etwas weiter vorn, an der Zufahrt, bei Mc Donalds, und der HEM Tankstelle herrscht reger Verkehr. Ein stetes Kommen und Gehen – niemand, der hier länger verweilt, es sei denn,

a4er arbeitet in der gewaltigen Anlage von Schäfer Brot, einem lokalen Produzenten,der im Dreischichtbetrieb Brot für die Welt herstellt.

Was machen dann die zwei oder drei Männer im kurzen Hemd – leger (es ist ein Sommerabend),  die ich in weitem Abstand entlang einer künstlichen Allee an den gelben Wiesen herumstreifen  sehe? Sie scheinen nichts besonderes vorzuhaben, während die Schlange am Drive in wieder ein paar Meter vorrückt und das nächste Familienauto mit holländischem Kennzeichen von der Tankstelle auf die Autobahn zurücksprintet. Sie gehen und schauen in die Luft, oder in die Ferne Richtung Westerwald.

Vielleicht bewundern sie den noch unvollendeten Bau eines weiteren Hochparkgebäudes, vielleicht botaniseren sie? Suchen eine seltene Schmetterlingsart, die nur zwischen der A3 und ICE Schnelltrasse lebt? Nein, niemand hat ein Netz in der Hand, nur einer ein Smartphone. Wohin dann? Auch die Pizzeria namens l’Osteria ist in der anderen Richtung. Sie haben also keinen Hunger.

a2Als ich mich langsam wieder aus dem Areal „Limburg Süd“ hinausbewege, fällt mir auf der rechten Seite etwas auf. Gleich neben dem Spielplatz von KFC liegt ein weiterer Parkplatz, leicht abgesenkt:

a10die Tankstelle der Zukunft. Tesla steht auf den vielen Gebilden, aus denen gewundene kabel kommen, die in die parkenden Autos gesteckt werden.  Es ist ein Ladeparkplatz von Tesla – ein Mann im Sommerhemd steigt ein, das Nummernschild ist gelb.  Die relaxten Wanderer warten also. Warten auf die Zukunft, wenn in 2 Stunden (so das Stromnetz liefert) der Tesla endlich wieder aufgeladen ist.

In der Zwischenzeit überlegen sie, was sie mit der vielen Zeit machen sollen…

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