Ferien Dividenden in Ober-Mörlen

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Die Sommerferien sind vorbei liebe Kinder – zumindest in den meisten Bundesländern. Schön ist es dann, wenn der Sommer nach den Ferien noch einmal durchstartet, was vielleicht auch den Zuspruch erklärt, den die Rundfahrt  im  beschaulichen Ober-Mörlen immer erfährt. Hinter dem Frühnebel wartet die Sonne.

a05Vereine aus der ganzen Region treten in Mannschaftsstärke an . Die ersten grauen Wölfe sind schon vor 7 auf der Piste. Als hätten wir uns verabredet, treffe ich in (täuschend) herbstlicher Morgenstunde den Randonneur-Haudegen Werner. Auf gehts.

a011Er gab mir vor drei Jahren auf dieser Taunusstrecke erste Tips für langes Durchhalten im Sattel – Paris Brest ließ grüßen –  und ist schon um 4h30 aus Frankfurt gestartet. Wir setzen seine Runde gemeinsam fort. Ein Jahr voller Radkilometer passiert auf den einsamen Feldwegen und Landstraßen Revue. a2

Da war der 400er im Hessener Norden: erst kalt, dann verregnet; dann die Flèche Allemagne mit der Nacht unter 0 und dem Schluck Whisky im Ziel. Sein 1000er von Saarbrücken an die Küste der Normandie und zurück: 500km Gegenwind. Und schließlich geht es für Werner am 10. September mit dem Flixbus zum Start nach Paris. Da wartet der  neugeschaffene Ultrabrevet Paris Hamburg: 1200+km auf Erprobung.  Und heute eine kleine Runde zur Einstimmung .

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Tous les matins du monde ziehen vorbei mit den violaklängen Marin Marais,  oder  einfach nice and cool.  Wie soll man es sonst sagen, wenn es sanft auf und ab, noch leicht nebelverhangen, Sonne unzweideutig ansteigend, über die Dörfer geht. Für einen Augenblick scheint die Welt vollkommen. a3Kurze Ruhe am Findling und schon geht es weiter, die erste Kontrolle ist für die einen nur kurze Unterbrechung, für andere vielleicht ein Frühstück mehr .

Für alle Teilnehmer ist es ein Ferientag mehr –  nicht wenige hier haben diesen Sommer als „integrierten Urlaub verbracht. Schließt man von Häufigkeit und Vielfalt entsprechender Trikots zurück, so steigt die Beliebtheit des allinclusive Radreisens. Neben den jährlich neuen heißen Aerorahmen dürfte dies die adäquateste Form sein, einer kaufkräftigen Generation von Middle Agern Radsport als ihr neues Golfen zu vermitteln. Ferien-Dividende garantiert.

Natürlich fahren hie und da noch die einsamen grauen Wölfe los, die alten Vereinsfahrer und  Urväter der deutschen Radsportbegeisterung. Früh und unverdrossen ziehen sie ihre Runde und grüßen freundlich zurück. a031

Für sie ist die zeit des Wettrüstens vorbei, das Rad ist ihnen kein neues Spielzeug, es ist weniger showtime als lifetime,  um die es an solchen frühen Sonntagen geht. Dieser hier vom RSC Grünberg fuhr ebenfalls an gleicher Stelle vor einem Jahr – und zieht  davon.

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Irgendwo bei Lich, vielleicht auch dahinter. Wir haben die größere Landstraße auf einem Kreisverkehr verlassen und streifen die Pendlersiedlungen, bevor es ins nächste einsame Tal und den nächsten grünen Hang geht. Die Wahlkämpfer stehen Spalier und nehmen uns kaum wahr. Sie warten auf  menschen, die in ihre Eigenheime zurückkehren und nicht wissen, ob die Lebensrechnung aufgeht. Von ihren wirklichen Absichten verraten sie wenig.

b 41Bis auf unsichtbare Details ist das Land durch das ich hier fahre seit Jahren gleich. Hier einmal besserer Asphalt, dort eine kleine neue Umleitung, Dörfer feiern ihre Jahrestage, Wiesen sind gemäht, die Stick- und Feinstaubdiskussion findet an anderen Orten statt. In einem agrarisch geprägten Umfeld mit sehr nachhaltigen und dreckigen Aggregaten ist sie in der Tat blanker Irrsinn. . . schonmal eine Stunde die Sense geschwungen?

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Die Gastgeber meinen es gut mit uns Werner wird von einem als alter bekannter begrüßt. Es ist unsere letze gemeinsame Kontrolle, denn er wird gegen 14h in bad Vilbel erwartet, weshalb er mich b1

allein auf die Extraschleife des 151km Kurses schickt. Jetzt, ab km 80 kommen die wirklichen Hügel und ich liebe sie. Immer wieder geht es so 100/150 höhenmeter hinauf, manchmal, wie hinter Weilmünster, mit starken Prozenten, dann wieder  mit dem Gehalt eines anständigen Pils, auf Dauer kostet es Körner.

b2Allein pirsche ich durch frische Wälder und sehe mich auf den Kämmen um, ob nicht doch jemand hier Rad fährt . .  Der Zacken hinter Weilmünster ist gut geschafft, das „moderne“ läuft süffig. Nur der tote Marder eben hat mich kurz verstimmt.

Dann, : nach Edelsberg, am Ende eines längeren faux-plats, nicht weit vom Weilburger Wildgehege hüpft er aus dem Busch: ein roter Silberrücken RTF-ler. Er sieht mich kommen und schwingt sich auf sein gleichfalls rot leuchtendes Gerät. Was nun geschieht ist jedem, der in den Grundzügen der Psychologie des Radtourismus eingeführt wurde, bekannt. Km 103.

b3Er wird versuchen, sich abzusetzen und ich werde ihn „beobachten“. Denn ist ein Fahrer  ersteinmal in Sichtweite, so übt er einen unerklärlichen Magnetismus aus. An der Zahl der Baken, die unseren Abstand anzeigen, fällt dieser Magnetismus mal stärker, mal schwächer aus. Bergab sind es mehr, bergauf weniger. Ich halte mein Tempo, er also weniger. Er hat mich gesehen, ich sehe ihn, aber er dreht sich nicht um. Das ist das Gesetz – denn wenn er sich umdreht, zeigt er offen, daß er mich fordert – oder aufgibt. Solange er sich nicht umdreht, ist es kein Rennen, nur eine RTF.  . .

braunfelsHinunter nach Braunfels über die schöne Allee, die der immense Kasten, für den Disney eigentlich heute noch Lizenzgeühren zahlen müßte, kurz überragt. Das rote Kombi-Auto gibt mir einen stattlichen Windschatten . Gleich geht es in den Anstieg, vorbei an der Burg und dort werde ich aufschließen zum Mann in rot.

b43Wenige Minuten später erreichen wir gemeinsam  die Kontrolle in Bonbaden zum zweiten mal (es ist eine Schleife). Immer noch kommen Fahrer an, aber es bleibt noch ausreichend Banane sowie 2xHarieBonns,  während ich mich langsam dehne. Auf gehts in die letzte Stunde des spätsommerlichen Festivals .

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Von meinem Sitzplatz aus kann ich die wichtigsten Akteure entspannt betrachten.  vornb links der rote Baron und im Hintergrund mit Brille 1 Movistar.

Eigentlich fahren wir hier eine gemütliche Runde. Immer am Solmsbach führt nun die Landstraße, die Mittagssonne läßt es warm werden. Die nächsten 20km sind anfangs wirklich gemütlich , doch irgendwann läßt sich nicht mehr leugnen, daß es ansteigt. Das  Solmstal ist wie ein langer faux-plat, –  ab und zu ein kleiner Abschwung – nur irgendwann läßt sich das kleine Blatt nicht mehr ignorieren.

Kurz habe ich mich ziehen lassen von einem Trikot namens bike-coach („Servus“!) . Dann erreichen wir ein plauderndes Gespann. Movistar und Campagnolo (das steht auf dem anderen trikot) fahren so wie eben noch werner und ich nebeneinander und reden.  Hier, so dachte ich, will ich mich gern einreihen und in aller Ruhe diese RTF zuende fahren. Der bike coach trat weiter seinen dicken Gang, entfernte sich, blieb im Solmstal aber sichtbar. Nun fahren wir nicht mehr nebeneinander, wie gerade noch sondern versetzt. Dann in Reihe.

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Oha! den kenne ich doch: der rote Baron hat aufgeschlossen und plötzlich sind wir zu viert, –  ganz mählich wurde das Tempo verändert. Der Mann im -kompletten- movistar dress (eine spanische Profimannschaft) und den grün verspiegelten Sonnengläsern gibt Gas. Was will er?

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Bald habe ich kapiert was Movistar treibt: zum einen der Vorfahrer , zum anderen die beiden Eindringlinge, erst mich, dann den roten Baron von Oberstedten.  Das war zuviel – movistar erhöht die Schlagzahl. Diese kleinen Zufallsgruppen wollen gelesen werden. Der rote Baron will Anschluß, weil er weiß, daß ich ihn eben schon eingerollt hatte. Movistar  will mich testen, bewußt oder unbewußt. Da mache ich Platz und lade seinen Genossen Campagnolo ein, die kleine Lücke zu schließen. Campagnolo übernimmt, läßt seine Elektrik einen neuen Gang einlegen. Anders als Movistar bleibt er gleichmäßig und abwartend. Schon besser.

Was ich noch nicht weiß: die Strecke wird nicht gleich abbiegen und eine letzte unangenehme Steigung nehmen, für die ich mir gerne ein paar Körner sparen wollte. Nein, diesmal folgen wir dem Solmstal bis zur Kuppe auf  400 m. Es dauert ein paar Dörfer, bis ich das verstanden habe. Die kleine Gruppe ist längst wieder beisammen, und wenn nicht alles täuscht , ist der Vorsprung von „bike-coach auf uns geschmolzen. Es steigt immer noch, sanft aber nachhaltig.

Es artet langsam in Arbeit aus, aber inzwischen hat sich ein Schalter umgelegt. Das leichte Völlegefühl ist fort, die Flasche mit dem Magnesium- Vitaminpulver wird noch ins Ziel reichen:  ich ziehe im eingeschlagenen Rhythmus durch und kümmre mich weder um campagnolo noch den roten Baron noch um Movistar – jetzt wird meine Ferien-Dividende ausgeschüttet. Gleich ist die Kuppe 400m+  erreicht und kurz vorher bikecoach.

Fahrradpsychologie3

Es geht abwärts und schnell merke ich, daß sogar mein kleines 13er zu treten  ist. 52×13 und Unterlenker!  Es ist warm, ich fühle mich gut, die Muskeln machen keine Verweigerungszeichen.  Bikecoach ist hinter mir. Nach zwei, drei Minuten mache ich ihm Zeichen, zu übernehmen. Er kommt auf meine Höhe, lobt mein Rad und geht aus dem Sattel. So haben wir nicht gewettet, diesmal kenne ich meinen Kunden; abwärts jemandem auf 52×13 wegfahren zu wollen ist schon frech. Denn eins weiß er doch: wenn er es nicht schafft auf 15km wegzukommen, wird es abwärts nicht leichter werden. Aber vielleicht weiß er es nicht. Raleigh kennt den Weg.

b5Bis zur letzten Geraden bleiben wir zusammen und wechseln; dann, als ich OberMörlen city erkenne (wir sind wieder auf der alten Strecke) nehme ich raus, denn nach dem letzten Schluck aus der Pulle hat etwas gezuckt. Ganz locker die Beine ausstrampeln.

Im Ziel ist kaum mehr ein Platz auf den Bänken frei. Auf den zweiten Blick entdecke ich Hefeweiße mit Alkohol. Dazu diese wunderbare Sahnetorte mit Blaubeeren. Die kleinen Früchte  zerplatzen Stück für Stück in meinem Gaumen. Um mich herum ist die Rede von den Anstrengungen der 110er Runde . . .. . . Ober Mörlenist ein Genuß.

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und falls jemand Lust auf Radferien verspürt . . .

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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WahlkampfRunde – Samstags im August

a frucht2Die Luft hat noch einen warmen Unterton, eine Leinwand, weiß grundiert mit einem Schuß Neapelgelb. Es ist Mitte August, Nachsommer. Der Wind bläst, schneidet aber noch nicht. Die Sonne hebt sich schon ein wenig träger empor, das Gras bleibt taufeucht bis weit in den morgen und ich rolle durch das kleine Gartentor.

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Der strahlende Himmel hat graue Tupfer, der Wind schiebt von West. Die Disteln am Straßenrand haben ihre Blüten verloren, in den schwingenden Kolben machen sich bunte Finken zu schaffen.  Um es mir leicht zu machen, fahre ich einmal Nordost – mal sehen wie weit das Wetter es zuläßt. Vielleicht bis Marburg . . . . Ohne Regenhaut gestartet , nur das mischgewebte Unterstück, doppelt kurz, –  den Wettergott fordern. Ich will keinen Herbst, also gebe ich mich sommerlich.

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Auf welcher Strategie fahren wir heute ? Gute Landkarten sind mittlerweile selten. Da gibts hübsche wasserfeste in merkwürdigen Maßstäben (70k, 110k), auf denen vieles wegfällt und die sehr detaillierten, aber  „bemalten“ 50k , bei denen man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Alles unter Bundesstraße hat Wirschaftswege-maß, dazu viele bunt überkleckerte Routen. So ist in der Übersicht kaum eine Strecke auszumachen. Mit feinen, leuchtenden Stabilos geht dennoch etwas und die Blickführung wird erleichtert . . . .b karte

Auf einer 50k ist jede Menge drauf , etwas bessres fällt nicht vom Himmel. Denn die Zahl der Kartenleser wird in einer Nation von Smart-navi- App Prosumern nicht zunehmen. Aber bitte: gedenken wir der Bundeswehr Meßtischblätter, als das Wandern noch geholfen hat . . . achja.

Die Karte bleibt zuhause, die Strecke ist im Kopf, diesmal merke ich mir  7 bis 8 wichtige Orte. Auf,  an den Rand des Westerwaldes, vielleicht bis Marburg.

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Es wird ein Tag nördlich der Lahn. Die Lahn ist eine sehr gute Hilfsline, sie teilt  die tausend Höhenzüge zwischen Nord und Süd und ihre östliche Krümmung bildet ebenfalls eine Grenze. Alles nordwestlich ist der Westerwald . Der wiederum geht über in Sieben -, Rothhaar- und andere „gebirge“,  keine Berge, sondern endlos viele Erhebungen ähnlicher Qualität, die man irgendwann administrativ verteilen mußte.

b koga63Mein Gardemaß-Koga (63) surrt fast lautlos, die Pasela Reifen sind immer wieder für ein plus an Komfort verantwortlich – auch wenn man es auf unseren Landstraßen prima mit Rennreifen aushält. Allmählich überschreite ich die 400m Marke, die Wolken verdichten sich, ihre Tönung jedoch bleibt hell. Für die nächsten Stunden habe ich nichts zu befürchten und folge weiter der klugen Straßenführung, die mich ohne böse Steigung von Tal zu Tal trägt.

a bildstockWas sich zwei Höhenzüge weiter zur Dill hin ändert ist die Konfession. Keine auffälligen Kirchtürme der historistischen Bauwelle des 19. mehr, keine Bildstöcke oder primitive Kreuze mit Blumenschmuck. Schlichte und ruhige Dörfer,  tiefer Frieden mit Heckenschere und Holzspaltern.

DSCF6163Ein letztes mal noch kann ich den Höhenzug des Taunus genießen. Die Straße ist angenehm breit und so gut wie unbefahren. Fernab kreuzen Motorradgruppen den Weg  hinunter zur Lahn, in einer Kurve  bunter Sand, mit dem Feuerwehren bei Unfällen ausgelaufenes Öl abbinden. Immer ein Auge auf den Belag, : kein Splitter ist vom Ereignis geblieben.

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Wind streichelt die Blätter und läßt die Erlen silbern schimmern. Ich folge dem Tal der Dill, weiter hinten die Brückenpfeiler einer Autobahn- sie hält die Straße frei und  Dörfer ruhig. Ereignisse aber werfen ihre Bilder voraus:

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Sie sind die Ersten auf dem schwarzen Brett von Dillheim.  Was Tolstoi zu dieser kleinen Werbung gesagt hätte? Ganz gleich: Die hotspots unseres Planeten sind nunmal wirklich weit weg. An dieser Stelle für Ordnung, Sicherheit oder Frieden zu werben muß ironisch gemeint sein –  2017. Auch das Thema Flüchtlinge hinterläßt  hier kaum Spuren: wer hier kein Fahrzeug  besitzt, wird es schwer haben mit dem Lebensunterhalt.

Es ist Wahljahr, aber seltsam lustlos wird das oberste politische Ereignis in etwas mehr als einem Monat angegangen. Eigentlich wollen ja alle nur das eine: gewählt werden. Für Sicherheit, für Ordnung, für sauberes Wasser und glückliche Kinder. Die einen reden vom Klima, alle machen schön Wetter. Lieb Wählvolk magst ruhig sein, denn auch Dir ist die Rente sicher. Gemeint sind zuvörderst die Gewählten – the happy few.

Wie sagte Janosch einst:  fast alles ist prima  und die Pille wirkt.

Meine erste (echte) Orientierungspause findet in einer gelbroten Tankstelle statt. Diesel kostet ungefähr 1Euro 13, das billigste Benzin 20 cent mehr. Der Cappucino mittel (es gibt keine Maßangaben)  ist für 2 Euro 30 zu haben.

a3Nach dringend erforderlicher Aktualisierung meiner Sportkenntnisse bewege ich mich weiter Nordnordost. Grobe Richtung : immer noch Marburg. Kölschhausen, Lemp, Bermoll die neuen Namen  in einem neuen Tal.

Die Zahl der Anstiege, der Irrwege, die  Windrichtung, – das alles läßt sich nur auf einer Erkundungsfahrt prüfen. Für ein spätes  Mittagessen in Marburg wäre noch eine Möglichkeit. Auch die beste karte, das schönste Routenplanungsprogramm sind nur grobe Orakel. Die Wahrheit liegt auf dem Tarmac.

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Zwischen beiden Orten ist  noch reichlich Platz. Aus dem Tal ging es sanft hinaus, einige Radfahrer grüßten mich entgegenkommend –  ein gutes Zeichen für die Streckenwahl. Die Hügel sind flacher geworden, die Zahl der Wirtschaftsflächen nimmt zu, bis Marburg sind es kaum über 20km . . .

Kurz vor Erda kreuzt ein  Höhenweg, der von einer Trutzburg betrachtet wird. Sie nennt sich Hohensolms, wie ich gleich erfahren werde

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denn eine Sportgruppe mit Weltmeister hat mich gerade eingerollt und ich wage den Anschluß. Vornweg der Mann mit dem Navi, vier weitere folgen ihm, sie fahren ihre Samstagsrunde. Dieser kleine Fernsehturm am Horizont , gleich über dem blauen Streifen im Trikot –  da wollen sie hin. Und dahinter  liegt Gießen.

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Das ist der Moment, an dem Marburg vergessen ist: es geht jetzt über die Dörfer. An den Anstiegen wird erst geheizt, dann gewartet. Bald ist mein Koga akzeptiert. Der Navigator hat sich hübsche Wellen auf versteckten Strecken ausgesucht – so ein Bergführer ist ein Genuß und ich knipse Dorfschilder, wie ich kann.

Den Horizont erweitern, den Mikrokosmos vergrößern. Die Form genießen und das milde Klima, die Fachwerkhäuser und Blickpunkte.

Nach einer guten Stunde verabschieden wir uns nördlich von Gießen. Der Marburger Landstraße folgend rolle ich stadteinwärts: Zeit, ein Mittagessen zu nehmen.

Hier ist es noch zu früh – also wie immer bei Gutburgerlich einkehren . 30min später.

Sitzplatz  am offenen Fenster. Ein steter Strom von Fußgängern kreuzt die Straße, an Unterhaltung mangelt es also nicht und lenkt mich davon ab, im Antiquariat nebenan keinen Erfolg gehabt zu haben. Drei Bände Kipling im Dünndruck, von denen ich nur einen hätte in die Trikottasche stecken können. „Tut mir leid, die gehören zusammen“.

Kipling ist kein Autor, den man als zeitgenössich einstufen würde, selbst wenn sein Dschungelbuch dem Disney-Imperium mehr einbringt, als das nicht erfolglose Schriftsteller- Dasein. Kipling als viktorianischen Engländer einzustufen ist ein halber Irrtum. Kipling ist Inder englischer Nationalität, Reporter einer Zeitung in Indien, der tief in die Geheimnisse des Subkontinent eintaucht und England zur allgemeinen Schulbildung besuchte. Beides prägt: die Kadettenanstalt und die Kenntnisse der Slums.

Seine Perspektive ist die des kolonialen Briten, doch seine Umgebung  beschreibt er als Kenner. Auch wenn seine imperialistische Perspektive (Untertreibung) nicht mehr zu teilen ist,  sind die Spannungsverhältnisse zwischen Kasten und Religionsgemeinschaften, die er immer wieder variiert immer noch die Wurzel der Konflikte, die eine mittlere Stadt wie Gießen zum Verwaltungszentrum für  Flüchtlinge werden lässt.

Vielleicht ist es nicht ganz unwichtig, sich mit ethnischen und religiösen Minderheiten, mit Bürgerkriegen und Folgekriegen  im Pandschab, Afghanistan, Ostafrika oder der arabischen Halbinsel zu beschäftigen – oder ein Grundwissen nachzuholen, daß in  unkolonialen Land nicht auf dem Lehrplan steht .

Rückweg

Kandidaten sehen dich an. Noch sind die Gesichter auf den Plakaten eine Überraschung, in einem Monat werden wir uns sehr daran gewöhnt haben .  An der Lahn reiht sich eine Versuchung an die Nächste, der Radweg ist gut besucht und irgendwann gebe ich dem Ruf der Imbißbude nach. Ein Licher Pils später :

kreuzt ein Paar auf perfekt restaurierten Kogas den Weg. Er hat verchromen und lackieren lassen und decals neu aufgetragen. Die Speichen glitzern, die Ritzel surren. Allein weiter durchs Lahntal, Kurs Wetzlar.

und an den Zeugen der vergangenen Ernte vorbei.

Ich streife Wetzlar kurz. Durch die schwerindustrielle Nordstadt weht noch eine Atmosphäre, die an den Wiederaufbau erinnert. Es herrscht eine Stimmung, wie in den Novellen Hans-Erich Nossacks. Oder Andersch „Alte Peripherie“ fällt mir noch ein . Über einem Fenster noch der Schmauch eines Zimmerbrands. Hinaus ins Freie

Altenberg: unten am Kloster vorbei

Leun: noch einen Espresso beim Italiener

Biskirchen: mit 18Z

Löhnberg : hinauf zur Sky Ranch

Merenberg: das 21er geht noch,  dann die Wetterwand

Nur noch eine letzte Stufe aufwärts und ich bin wieder am 400m Punkt . Hinter Merenberg (hi.)  ruht das gute Rad , Vor mir ein Schauer, der gerade abzieht, Traktoren wenden ein letztes mal Heu.

Der abziehende Regen legt einen zarten Schleier über den Horizont und dann kommt die Sonne wieder durch. Die Brombeeren sind noch zu rot, der Sommer noch nicht vorbei. 

21. August 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Face Value !!

face value2Meine (älteste) Tochter warnt: die Plakate von der FDP sehen am Besten aus. Meine Tochter ist noch nicht wahlberechtigt,  hat aber mit 15 jahren genau das, was öffentlichen Organisationen abgeht- ein Gespür.

Sie ist ein junges Licht und will überhaupt nicht wissen, wer da wofür steht und welches Programm nun zu bevorzugen ist. Es geht ihr  genau wie der Mehrheit.

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Pyrenäen 3 – das Rauschen der Biskaya

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Es summt und ich summe mit :  – eine Melodie von LanadelRey,  die mich seit dem kleinen Café in Azun begleitet. Die Bienen summen im Chor einen slow tango, genau meine Trittfrequenz hinauf auf den Soulor . . . .

a azunDieses kleine Café in Azun liegt direkt am Weg zum Col de Soulor, ein paar Kilometer hinter Argelès, wenn die ersten Höhenmeter schon gemacht sind.  Der Soulor hat mehrere Seiten, hier ist die Ostseite und dies ist mein erster Café seit heute morgen 6h20, dementsprechend irrwitzig seine Wirkung.DSCF5526

In den Bergen lohnt ein früher Aufbruch doppelt: man hat die Welt für sich, die Luft ist vollgepumpt mit Sauerstoff und superblau. Unterwegs begegne ich nur Menschen, die gerade vom Bäcker kommen oder auf dem Weg zu ihm sind.

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Er war eine der wenigen Ausnahmen  –  zweifellos hat er den Tourmalet zum Ziel und fährt auf der gleichen Strategie: früh los, früh oben. Unser Schnittpunkt ist die Landstraße zwischen Luz und Argelès. Dort hinten , wo die Sonne den Berg berührt geht es links hoch.

Azun (s.o) liegt auf halbem Weg zum Paß. Es ist die „zivile“ Seite des Soulor, die Hälfte des Anstiegs führt durch Gehöfte und kleine Dörfer, die auf einem kleine Plateau liegen. Gleich hinter Azun wird es dann grün und stetig steigend . Ein Schild erinnert an die Erstbefahrung durch die Tour de France und die bekannten Kilometertafeln trösten den Radler mit Prozentangaben zwischen 6 und 9. Alles im grünen Bereich, auch weil die Straße bis kurz vorm Gipfel unter Bäumen entlangführt. Ich fühle keinen Schmerz, nur ein Staunen.

DSCF5533Meine herrliche Einsamkeit wird  drei Kilometer vor dem Paß von einem „ufolep-limousin“ Amateur unterbrochen, der den Soulor zum Intervalltraining nutzt. Schwupp, ist er davon.

a soulor3Fliegenbewölkt galoppieren mir die wilden Pferde am Paß entgegen. Die Hütte ist noch geschlossen und so genieße ich nur kurz mein mandelcroissant aus der Boulangerie von Argelès. Ein mandelcroissant mit crème patissière, fast ein Kuchen. Fünf Sterne für die Adresse am Kirchplatz von Argelès. Auf in den Aubisque!

a soulor5Nur das Geräusch von Schafglocken ist an dem windstillen morgen zu hören. Auf der kleinen Abfahrt entspannen sich die Muskeln für den letzten Giganten.

Ich summe weiter den Tango und freue mich über den festen Schlaf der Wohnmobilisten, Motorradler und anderer Hindernisse auf dem Weg zum Gipfel. Zwei Motorradfahrer haben auf einem kleinen Grasdreieck biwakiert und knien auf ihren Schlafmatten, die sie wie Gebetsteppiche zusammenrollen. Tief unter mir nimmt der weiße Lieferwagen die Kurve zum Bergcafé.

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Englische Rentner, die mich eben in ihrem MG-R überholt haben, bestätigen 10 sharp meine Anwesenheit.  Stempel abgeholt, eintreffende Radfahrer (kamen alle von der Gegenseite)  zu ihren Plazierungen gratuliert. Auf mich wartet jetzt eine der schönsten Abfahrten der Welt hinunter nach Laruns. Immer mehr Aspiranten in geöffneten Trikots kommen mir entgegen. Sie sind eindeutig auf der härteren Seite unterwegs.  . . . . ein andermal.

(…die Abfahrt des Aubisque beginnt mit einigen harmonischen Schleifen auf der Alm, in einer letzten Geraden rast man dann sehr schnell auf ein Hotel zu, daß auf dem Bergvorsprung  liegt. Die Kehre davor  hat eine Auslaufzone. Dann geht es unübersichtlich schlängelnd am Hang hinab, die Straße ist schmal und taucht plötzlich weiter slalomierend  in eine Baumpassage ein, die man mit hoher Geschwindigkeit erst am Ortsschild von Gourette verläßt. Dort wird die Straße plötzlich sehr breit, in einem großen Schwung führt sie mitten durch die station de ski und verläßt sie mit doppelter Prozentzahl . Es folgt der Abschnitt mit den zwei überdachten  Teilstücken, eine lange Gerade,deren Anstieg sehr  viel Kräfte zehrt. In mehreren engen Kehren geht es hinüber auf die andere Talseite, die so gut wie immer im Schatten liegt. Sehr malerisch geht es dann im Wald neben einer rauschenden  Klamm hinunter , wieder den Hang wechselnd auf eine letzte Gerade, die mit einem scharfen linken Haken urplötzlich auf dem Marktplatz von „Les eaux bonnes“ endet. Die Autos , die man an den überdachten Passagen oben überholt hat holen ein nicht mehr ein . . . . ein letztes mal genieße ich die schlafwandlerische Stabilität meines Snel . . .)

 

b mammutlarunsAn den Mammutbäumen über Laruns endet der Rodeo. Wer genug Zeit hat,  kann sich in Laruns, Hauptstadt der Vallee d’Ossau, mit Spezialitäten der Region eindecken, darunter sehr gute Wildpasteten und den berühmten Schafskäse. Ich speise ganz bescheiden am Ortsausgang am Intermarché. Auch hier gibt es ein Chimay blau, 2017.

Neben mir scharren frischgesalbt Herren in Vereinstrikots mit den Cleats. Sie sprechen flämisch und immer wieder höre ich „de Soulor“. Ich kaue weiter und schütte Bier nach.

You this way, me that way – so um die 150km bleiben noch : es ist nicht einmal Mittag und es wird warm. Am liebsten würde ich jetzt in den Liegestuhl wechseln, der neben dem Eingang steht. Besser nicht – Sonnencreme und kurzes Trikot, und den Rest zurück in die Satteltüte knautschen.  „Kommt Kinder, wir fahren ans Meer“.

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Die Strecke zieht sich jetzt am Rand der Pyrenäen entlang. Wer will, kann über den Col de Marie-Blanque variieren, ich ziehe die sanfte Kühle des Bois du Bager vor. Ein ausgeblichener Kilometerstein am Rand. Dieses Relikt kluger Straßeningenieure ist wie von Geisterhand von  Frankreichs Straßenrändern verschwunden – dieser ist gemeißelt und auf ihm steht: Tardets 54km. Die nächste Kontrolle. In 2 Stunden?

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Knapp umfahre ich das Weibchen des Hirschkäfers, das auf dieser kaum befahrenen Nebenstraße wenig zu fürchten hat. Der bois du bager verbindet das Tal von Ossau mit dem Tal des Gave d’Oloron. Dann kommt kreuzt die Route die Landstraße nach Spanien, gleichzeitig  Pilgerroute von Compostela. Schnell übergesetzt und durch das Gebiet der Musketiere (Aramits) bis Tardets weiter, es wird warm, der Belag des schmalen grauen Bandes ist rauh – aber Tardets kommt.

b tardetsIn seiner Gestalt ist der Marktplatz völlig unverändert und das Restaurant „Pyrenées“, in dem ich die Vergrößerung dieser Postkarte hängen sehe, ist das haus mit den Arkaden links. nachdem das Mittagsbaguette mit Schinken und Käse von einem Leffe verrflüssigt wurde kommt der Patron noch auf mich zu – „Früher hatten wir noch das kleine Emailleschild des CycloClub.“

b tardetslespyEr meint ein Schild,  das den Teilnehmern des Raid Pyrénéen eine Herberge anzeigt. „Wir haben es aber demontiert, nachdem Jugendliche versucht haben, es zu stehlen . . “ aNch einem Blick in die Tageszeitung (das Wetter bleibt gut, maximal 26celsius quelle aubaine) noch den Stempel und weiter, mit dem Osquich wartet das letzte nennenswerte Hindernis. Tardets bleibt eine Perle.

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Kurz darauf die magische Zahl.  Liebe D 918/618, verschone mich von Pannen, Speichenbrüchen und Wegelagerern, dann sehe ich in 6 Stunden den Atlantik. Der eigentliche Kampf beginnt, wenn die geographischen Herausforderungen überwunden sind. Keine Hochgebirgsdramen mehr, keine grandiosen Naturschauspiele, nur kleine, unangenehme Steigungen, zunehmender Verkehr und Asphaltflirren – eine mentale Geschichte. Die letzte Fruchtpaste wandert in meinen Mund – Kirschgeschmack! Osquich, ich sehe Dich.

b osquich2b caféosqu

Zunächst einen Blick zurück auf die hohen Pyrenäen, dann noch ein schöner Kilometerstein, ein Café und ein kühles Glas Wasser am Pass. Die rote Steinkappe bedeutet, daß diese Straße ursprünglich eine „Nationale“ war. Wie viele mittlerweile zweitrangige Strecken wurde sie zur gelben Departementale abgestuft, was mit alten Michelin Karten schön nachverfolgt werden kann .

Der Weg führt durch die baskischen Pyrenäen, besser gesagt deren Ausläufer. Auffällig sind die häufig kahlen grünen Bergkuppen (mit heftigen Direktanstiegen), auf denen verstreut in ochsenblut und weiß gehaltenen Höfe liegen. Ein Weideland und dazwischen kleine  Wälder. Der letzte Abschnitt der Pyrenäen. Eine Stunde bis St Jean Pied de Port , einer idyllischen Festungsstadt, die ich von Touristikbussen umlagert finde. Die Straße folgt einem weiteren Fluß sanft bergab, was den Gegenwind kompensiert . Zwei tragen ihr Kanu.  Ich habe ausreichend zu trinken, aber wie ich jetzt merke, nicht ausreichend Sitzcreme angewandt. Ignore button on.

b cambo

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Vorletzter Stempel, ich feiere ihn mit einem Sorbet des Hauses. Nun kommen die sattsam bekannten Trainingskilometer zwischen Cambo und St. Jean de Luz, die ich so sachte und schonend wie möglich hinter mich bringe. Mit der Einsamkeit des Langstreckenfahrers ist es ab jetzt vorbei.

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Diese Ruderer trainieren für einen lokalen Wettbewerb auf der Nivelle, die ins Hafenbecken von St. Jean de Luz  mündet. Rhythmisch atmen die Ruderer aus. Sie klingen wie isländische Fußballfans, es sollten aber Basken sein.

c stjeanmadoneDann die Marienstatue, die mit ihrem Kind die Fischer grüßt – noch 12km. Die Sonne verschleiert sich, verschwindet aber nicht. Touristen promenieren auf den Klippen und grüßen die Biskaya. Dort hinten ist schon Spanien. La Corniche – Lorbeerduft.

c lacoteDie Sonne bescheint durch ein Loch in der Wolkendecke die spanische Küste Richtung Bilbao . Soweit muß ich nicht mehr, nur noch bis zur Strandpromenade von Hendaye, eine 1 km lange Gerade, direkt hinter dem schönen breiten Strand, der sehr gern von Spaniern besucht wurde. Noch eine Steigung, noch ein Kreisverkehr inmitten von Palmenbüschen und dann der letze Hang zum Meer hinunter. .  . .

c finisher2Die Sonne reißt auf, ein letzter Surfer kippt um , Passanten haben sich fürs Abendessen feingemacht. Im Café scheitere ich, aber der Surfshop hat noch einen, ein Relikt der analogen Epoche: einen Geschäftsstempel.

c carnetde routeDen habe ich jetzt gebraucht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Pyrenäen 2 – fünf an meiner Hand

b acouverture

Fünf ist die Zahl der Weltzonen, fünf Finger habe ich an der Hand und fünf Pässe sollte ich an diesem zweiten Tag des Raid schaffen. Es ist möglich, denn ich habe Zeit gewonnen – sicher ist nichts.

Ich schlafe in Massat, Hotel du Globe, ein kleines Hotel am Kirchplatz. Die sämige Kartoffelsuppe und das Kronenbourg  taten mir gut, während die Alten des Dorfes dem Patron ihre Gutenacht- Geschichten erzählten. Mein Rad steht in der Halle des Hotels neben einem Motorrad aus Klagenfurt. das Paar am Nebentisch beugt sich über Michelinkarten, Deutsche Ausgabe – aha : wir sind auf der gleichen Route, quer durch die Pyrenäen .

Wir gehen die fünf Pässe durch:

Portet d’Aspet

Menté

Peyresourde

Aspin

Tourmalet

und wünschen uns eine ruhige Nacht

Im Treppenaufgang hängt eine große Reliefkarte der Pyrenäen: Mittelteil. Mit den Fingern gehe ich über die Straßenlinie und folge den Bergen. Dann schaltet die Zeitschaltuhr das Licht ab. klack.

Fünf Finger meiner Hand für fünf Pässe. Eine typische Tour de France Etappe: St Girons – Tourmalet. Variante des Raid Pyréneéen, der eigentlich über den „kleinen“ Col des Ares führt und den Menté nördlich umfährt. Aber es gibt auf dem Planeten des Radsports eine Stelle, die ich unbedingt sehen muß. Die Stelle, an der Luis Ocana 1971 die Tour durch einen Sturz verlor. An dieser Stelle werde ich absteigen.

a mssatKlack. das Licht geht wieder an.

Das kleine Massat schlummert noch, die Häuserfassaden, deren Inschriften nichts mehr bedeuten  grüßen herüber. Einen Käsegroßhändler habe ich entdecken können im ehemaligen Marktflecken  für  Agrarprodukte der umliegenden Berge. Jetzt bleibt noch ein wenig Tourismus, aber auch der zieht sich lieber in  AllInclusive Regionen an die Küsten zurück. Auch die Alten bleiben fort, nur die Alten des Dorfes bleiben dem Tresen des Globe treu.  Der Maître stellt mir handschriftlich seine Quittung aus.

Morgendämmerung ;

Ganz sanft abwärts rollt die Straße aus Massat hinaus Ich kreuze den Kühlwagen, der den Supermarkt versorgt und die Lichter der 24h Tankstelle grüßen mich. Schon fliegt das kleine Radfahrerhotel lesdeuxvélos am „lieu dit Roquefort“ vorbei, das einst von einem gewissen Nick Flanagan gegründet wurde.

a massat saison2Locker und leicht fliegt  das Rad  durchs dichte  Grün, immer entlang am Fluß. Ein Fuchs jagt eine Katze, die auf ein Mäuerchen flüchtet. Als beide mich wahrnehmen verschwindet der Fuchs,  die Katze sieht mich an.

Einsame Straßen, auf minutenlang  freihändig rollen ist, während die Schokolade im Mund schmilzt. St. Girons kündigt sich durch ein Papierwerk an – merkwürdiger Geruch, Lärm, alte Maschinen.  Gleich kommt der nächste Stempel auf die Karte und es gibt ein Frühstück in der Bäckerei meiner Wahl.

a flammgironsDa ist die Flamme Rouge, die Bäckerei ist nicht mehr weit. Hier zähle ich meinen Vorsprung gegenüber dem letzten Jahr:  Es ist gleich halb acht, im vorigen Jahr gab mir  der Radhändler um 9  Luft. Ziemlich genau diese 90 Minuten werde ich am Ende, am Tourmalet brauchen, wenn ich in Ste Marie de Campan Proviant fasse.

a ariegeAber hier geht es weiter durch die grüne Ariege, dieses  halbwilde Land voller Dörfer und kleiner Bäche.  Wolken hängen in den runden Gipfeln, nicht zu fest, der Wind bewegt sie leicht, der Himmelsgrund ist blau, die Luft herrlich frisch. 30km bis zum „Daumen“, dem Portet d’Aspet. Als ich einen kleinen Dorfladen sehe greife ich zu  – für die nächsten 60km dürfte das der einzige Ort sein, an dem ich einkaufen kann.

a ariege2Die Österreicher überholen mich auf der Triumph und winken, zwei Radfahrer kommen mir in den ersten Wellen des Passes entgegen. Sonst nichts und niemand .a ariegefontaine

Im Brunnen schwimmen Goldfische , die im letzten Jahr noch nicht hier wohnten.  Bestätigung ohne Worte: es ist Trinkwasser. Die ersten langen Waldsteigungen kündigen den Paß an, doch erst nach dem Döfchen Portet d’aspet bekommt er durch Serpentinen „alpinen“ Charakter.

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So malerisch alles wirkt: allein auf der Hauptstraße des Ortes stehen fünf einwandfreie Häuser zum Verkauf. Nicht einmal Kondensstreifen sind zu sehen, und ich denke darüber nach, wieviele Quadratmeter Eigentum es in Frankfurt wären . .  .

Noch drei Serpentinen und ich kann den Daumen hochhalten. Es ging, aber spielerisch leicht war es nicht. Die Abfahrt des Passes ist berüchtigt, die Straße ist sehr eng und kurvig, manche Rampen haben über 15%.  Der große Poulidor stürzte hier und Fabio Casartelli ließ 1995 sein Leben. Die Karawane zieht weiter.

Der Zeigefinger.

In der letzten Kurve der Abfahrt geht es gleich links ab in den Menté. Der Menté ist zweigeteilt, wie ich seit der Fernsehübertragung von der 12ten Etappe weiß. Zuerst leicht bergauf nach der Kurve, die ich gerade verlassen habe und irgendwann nach einem Dorf rechts über die Brücke und dann erst richtig los: hier wurden die Ausreißer gestellt und hier griff Merckx 1971 an – mit 23 Zähnen im Heck. Hier gibt es keine Ausreißer und ich habe jeden meiner 28 Zähne bitter nötig , denn schon im „Vorspiel“ verstecken sich heftige Rampen.

a mentéole Eine Fernsehkamera täuscht eben.  Viele priapische Symbole kann ich auf der Straße entdecken. Die meisten wurden  allerdings vermalt. besonders einem gewissen Barguil wird reichlich Potenz gewünscht

a menténeedleDas erwähnte Dorf kommt spät und dann geht es über 6km ohne Pausen in Serpentinen den grünen Hang hinauf. Alles ist heute Bilderbuch und die Aussicht wechselt mit jeder Biegung. In regelmäßigem Abstand rauschen mir jetzt Carbonrahmen entgegen, die Hand wird lässig zum Gruß gehoben.  hui . . . der da war über 60 – das macht Mut. Die Luft klar, die Wiesen gepflegt, auch die Häuser, hier wirken die Pyrenäen wie die Schweiz.

a menté1Ich kämpfe und  halte durch. Die letzte Haarnadel ist erreicht, dann beginnt wieder der Wald: links steht ein alter amerikanischer Schulbus dessen Zweck ich nicht erschließe. ; Puls 140 – ein wenig Geduld noch, mit einer 400m langen, zähen Geraden  endet dieser unübersichtliche Paß. Puh!, und das war nur erster Kategorie.

a mente2Vor mir liegen jetzt die hohen Pyrenäen mit dem Gipfel des Pic du Midi d’Ossau. Sie beginnen nach dem Tal von Luchon, dem Mittagsziel. Nach dem Menté ist die Ariège überwunden. In der Sonne schmeckt mir die kleine Scheibe Wurst von dort, die mir im Dorfladen fast geschenkt wurde. Ein paar Kurven weiter statte ich der Geschichte (von 1971)  meinen Besuch ab:

a ocan1Tatsächlich: die Kehre ist bezeichnet. Sie folgt auf eine recht lange Gerade, also hatten die Sturzkandidaten 1971 im Regen reichlich Fahrt aufgenommen. Ich stelle mein Snel da ab, wo Knappe Zoetemelk Don Luis Träume zerschmetterte. Der Rest steht in jedem Werk über die großen des Radsports. Die Abfahrt des Menté (auch auf dieser Seite) eine wunderschöne Entdeckung und viele, viele pilgern mir jetzt im Schweiße ihrer Lycrawamse entgegen. Sie kommen von St. Béat hinauf, einem Städtchen von vielleicht 2000 Einwohnern, davon heute ein viertel Radsportler.  Dann Luchon (Bagnères de).

a luchoncyclingLuchon Cycles ist geöffnet, mein Luftdruck stimmt und ich lasse mich im Schatten des alten Tankstellendachs zur Mittagsrast nieder. Der Bäcker, der die Nachfolge der Tankstelle angetreten hat, macht auch einen sehr guten Café. Also zwei davon.

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Ein wahrer drive-in Bäcker, Auto um Auto hält und mit Broten beladen fahren sie davon. Noch 75km bis zum Tourmalet: drei Finger noch, Peyresourde, Aspin und Tourmalet.

Der Mittelfinger

Ein eindeutiges Zeichen, aber auch ein Zeichen des Aufbegehrens. Der Peyresourde verlangt mein Aufbegehren. Sein Hang liegt in der Sonne und die ist jetzt im Zenit. Irgendwann muß man Essen und irgendwann trinken. Und weiterfahren. Der Peyresourde ist auch deshalb so mühsam, weil er kaum Kurven kennt. Drei am Anfang und drei am Ende. Auf 15km ist das nicht viel. Kurven sind hilfreich, man kann die Steigung der Straße an ihnen ablesen. Der Anfang des Peyresourde ist steil, es geht unablässig den Hang entlang. Räder, die mir entgegenkommen sind absurd schnell, die Dörfer stumm: siesta.

b garin„La Vache!“ sagt der Franzose, wenn er eine böse Überraschung erlebt, aber  in Garin ist die Überraschung durch. Ich schnappe Luft. Der Peyresourde macht eine kleine Pause um am Ortsausgang die Zivilisation zu verlassen. nach der Gabelung begleiten Akazien malerisch den Weg, die Steigung aber bleibt mehr oder minder bis zum Ende des Passes.

b peyresourde1Hier nehme ich ihn das erste mal ins Visier. Ich hätte schon Lust auf eine Pause, aber die Entdeckung zweier Verfolger stimuliert mehr als alle törichten Wünsche. Der eine muß mich gesehen haben und sprintet voran.  Sie sollen mich nicht haben, sie werden mich nicht haben.

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Ich blicke auf die erste Halbzeit zurück. Einer der schönsten Kilometersteine der Welt. Auch auf der anderen Seite ist das Wetter gut (man weiß das hier nie) und in 17,5km werde ich ein deftiges braunes Affligem vom Faß genießen. einige km tiefer: die Kneipe in Arreau ist geöffnet, das Affligem kühl und malzig und  ich bereite mich mit der Lektüre von Equipe Magazine auf den Aspin vor.

Der Aspin ist der Ring an meinem Finger.

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Dieses Bild entsteht nach ungefähr 6km, der Blick geht zurück Richtung Arreau und die berge zuvor, irgendwo hinter dem wolligen Hügel steckt der Peyresourde. Am Aspin fühle ich mich genauso wohl wie im letzten Jahr. Die Straße ist schön, überall gibt es Bäume und herrliche Blickpunkte. Manchmal hat die Straße nur noch 5% Steigung  – fast nichts. genüßlich lasse ich dann die Schaltwerk aufs 24er Ritzel flutschen. Kette und Schaltseile sind frisch geölt, beides war nötig.

Dann überholt mich eine kleine Trainingsgruppe mit geölten Beinen. Auf den letzten drei Kilometern nehmen sie mir zehn Minuten ab. Ich denke an meinen kleinen Finger und den Tourmalet.

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Am Aspin herrscht das große Stelldichein . Alle Minuten kommen neue und fahren wieder los, manche locker, manche erschöpft. Eine gute Gelegenheit, mein Lachssandwich vom drive in boulanger in Luchon zu genießen – es schmeckt.

Was ich endlich weiß: von der Zeit wird es reichen für den Fünften. Ich sollte um kurz nach fünf unten in Campan sein.

(Wieviel Saft noch im System ist, weiß ich nicht,  es ist eigentlich nie klar, solange es keine eindeutigen Zeichen wie Krämpfe, extremen Durst oder Halluzinationen gibt. In meinen Flaschen löse ich immer wieder overstims, ein Maltodextrinpulver mit diversen Zusätzen. Gerne verlängere ich es mit Perrier. Zwischendurch nehme ich die Magnesium-vitamintabletten, die nach Limonade schmecken und schön prickeln. Nie zuviel auf einmal )

b campan

Kurz nach Fünf am Carrefour von Ste Marie de Campan, eine der berühmten Kreuzungen in der Welt des Radsports. Die Heimkehrer von Tourmalet und Aspin kehren nun ein, von Windwesten geschützt.  Um die Ecke liegt das kleine Hotel, in dem wir 1975 übernachteten und damals sah ich den roten, grünen, silbernen Maschinen hinterher, die surrend vom Paß kamen um, genau wie jetzt, im kleinen Café einzukehren. Ein Traum, damals. Und jetzt fasse ich im kleinen Supermarkt nochmals nach und bereite mich für den letzten Berg des Tages vor. Blick übers Tal – das Wetter bleibt mild und klar. Ein fantastischer Tag in den Pyrenäen, der einen würdigen Abschluß braucht.

c gripp

Als erstes kommt Gripp, der Ort, in dem es im letzten Jahr keine Unterkunft gab. Erste Höhenmeter. Dort hinten zieht sich das Tal der kleinen Adour zu, die Sonne wärmt noch. Die Urlauber kehren in ihre Unterkünfte ein, es riecht nach Heu entlang der Straße.

c selfBis zur Brücke über die Adour geht es ganz gut, danach beginnt das Leiden. Mit ganz regelmäßiger Steigung geht es nun durch den Tann. Tief einatmen und einfach weitermachen. In der großen Kehre mit der die Straße sich Richtung La Mongie wendet, werde ich aus Wohnmobilen ermuntert. ich sehe den Bergbach.

Dann kommt das Christophe-Denkmal in Sicht, die Legende, der Urahn aller  Motivatoren. Ein paar letzte Genossen kehren vom Paß heim. Ein Vater und sein Sohn schießen mir entgegen, die zu große Windjacke des Jungen flattert, er ist höchstens 12. Mit einem Lächeln übers ganze Gesicht sieht er stolz zu mir herüber. Mein Traum von 1975 ist mir begegnet – endlich hat er sich erfüllt.

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Und so sieht es aus, auf dem Weg nach La Mongie, den ich immer langsamer hinaufrolle. Ich nehme zwei Fruchtpasteten, Aprikose-Birne und Heidelbeere. Es hilft, nicht abzusteigen. Wiegetritt, hinsetzen, Wiegetritt: auf die Tunnel folgen erste Exemplare brutistischer Architektur. ich finde sie , warum auch immer, irgendwie ok.

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Vielleicht weil ich an Neo Rauch und den sozialistischen Realismus denken muß? Die Sonne strahlt gnädig über die Ski_Station und der kleine Supermarkt kommt in Sicht: den ich mir als Rettungsanker erwählt habe.

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Ein Liter Perrier, ein Baguette, gesalzene Cashews und Feta. Dafür gibt es den ersehnten Stempel. In Ruhe genieße ich die frischen Mineralien und die letzte Sonne in la Mongie .

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Dann mache ich mich im Gefolge einiger  katalanischer Mopedisten auf .

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Kühe ziehen vorbei wie indische Gottheiten und ich transzendiere in die letzten Kilometer. Der Paß ist frei und immer noch steht vor den letzten Kurven seinen Name: Ulle. Ich gehe aus dem Sattel und bei jedem ausatmen, rufe ich ihn an – Kraft und Glück soll er mir bringen.

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Die Kühe drehen sich nicht um –  da endlich ist der Paß!

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Darauf einen Apfel,  mein alter Zossen. 5 Finger – mehr braucht es nicht.  Die Abfahrt wird eine große Belohnung

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Luz St Sauveur -Heilsbringer des Lichts! –  heißt das Ziel, Terminus das Hotel. Der winzige Punkt dort unten werde gleich ich sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Face Value

5161e3164050be6b836d69f3a66f4ffd--paris-brest-henriWährend ich in meinen Pyrenäen-erinnerungen wandere schaue ich immer wieder auf die TwitterSeite vom Transcontinental Race. Die Bilder der Teilnehmer, die nach zehn und mehr Tagen im Ziel eintrudeln  sprechen für sich.  Es sind Gezeichnete, Gesichter, wie ich sie nur aus  Archiven von Radrennfahrern vor dem ersten Krieg kenne

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Unwillkürlich frage ich mich, ob ich auch „so einer“ bin – denn wenn ich schon drei oder vier Tage hintereinander im Sattel sitze, warum nicht dreizehn. Aber irgendwo habe ich dann das Gefühl, daß mir davon etwas abgeht , mir diese Form der Anstrengung nicht mehr zusagt  – das biwakieren, die erratische Nahrungsaufnahme . . . wer weiß.  Vor allem eine Form der Erschöpfung, die wie ein lock-in syndrom anmutet.

 

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Jedenfalls sehen heutige  Radrennfahrer bei  post-race Interviews schon lange lange nicht mehr so aus,  wie diese neuen Heldinnen und Helden der Landstraße.

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Pyrenäen 1

a pau pois

Es geht ums Bergtrikot, aber es ist kein Rennen. Der Raid Pyrenéen, die Durchquerung der Pyrenäen in maximal 100 h, ist beim zweiten mal vor allem eine Wette mit sich selbst,  gegen das ich vom letzten jahr. Die Wette beginnt in Pau, der verregneten Etappenstadt, die alle ihre Sieger auf dem Anstieg zum Boulevard des Pyrénées hat verewigen lassen.

Der Sieger der TourdeF- Etappe von 2017 hieß  Kittel und genau gegenüber der Ziellinie liegt der kleine Supermarkt  in den ich mich  vor dem Regen geflüchtet habe, um für die Zugfahrt  Proviant einzusammeln. Nur einige

a cry argelesStunden später stehe ich in der warmen mediterranen Luft des Sommerabends vor dem Bahnhof von Argelès -sur -mer. Neben meinem Kopf erahnt man den lombardischen Turm der uralten Kirche, eine Turmform, die im katalanischen Frankreich des 12. Jahrhunderts oft zu finden ist und an eine Burgzinne erinnert. Auf der gesamten Zugfahrt habe ich statt der Pyrenäen nur Wolken gesehen, immer wieder prasselten Schauer gegen das Abteilfenster. Hier leuchtet das Azur.

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30km windet sich die Corniche von hier bis Cerbère, dem Startort. Die See ist windgepeitscht, trockene Böen rascheln die Palmen durch und bringen die Fuhre ins wanken.  Kleine Schaumkronen auf den Wellen und  kein Segler zu sehen. Das Licht ist neu.

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Über der Bucht von Port Vendres versucht ein Paar sich mit dem Selfie-Stick zu digitalisieren. Dort unten gab es eben noch gemischtes Obst zum Feierabendpreis und jetzt stemme ich mich wieder gegen die Böen. Ein paar Kurven später ist es soweit –  das Cap kommt in Sicht.

a cerbere a pourt bou le cap

Es ist ruhig im Hafen von Cerbère, die Pizzeria ums Eck monopolisiert windgeschützt alle Gäste. Direkt vor dem Tresen der „Dorade“ (mein  Hotel) teile ich mir mit einem einlandend lächelnden Gast die Clubsessel, während es draußen fast die Terassenmöbel umbläst. “ Nur eine Brise “ beantwortet der schlaksige Patron meinen sorgenvollen blick und klickt „Windguru“ im Netz an.

Windguru ist eine Surferseite, auf der  stündlich Windegeschwindigkeiten der Küsten unseres Globus gelistet sind. „Aber nachts läßt er nach?“ frage ich vorsichtig (mit Hintergedanken an einen windstillen Frühstart). „Aber nein, dieser Wind bläst weiter bis übermorgen. Er ist nicht einmal stark : sehen sie : 40km ist die durchschnittliche Geschwindigkeit, nur die Böen sind unangenehm. Diese Nacht gegen 4 Uhr haben wir den Peak“. Böen, Rafales, unangenehm.

Wie mein Nachbar lasse ich mir eine Platte mit Käse und Schinken kommen, dazu Salat. Wir plaudern über dies und das, es beruhigt. Nur 10 Prozent unseres Hirns sind erforscht . . .

Die Tramontane, ein trockener Wind aus Nord, genau den habe ich für die ersten 100km gebraucht. Mein SNEL hat einen tiefen Lenker. Gemeinsam füllen wir noch die Startkarte aus,  denn seit den Jahrzehnten in denen „la Dorade“ der Startpunkt für den Raid Pyrenéen ist, hat der Patron viele kommen und fahren gesehen. Ein kleines Schild am Eingang sagt es dem Fremden.

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Am offenen Fenster schaukelt die Wäsche im Wind   – die Böen wiegen mich in den Schlaf.  Der Wind .  . .

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Mein Abschiedsbild von der gemütlichen Dorade. Gegenüber verfärbt sich schon der Himmel über der See, der Wind bläst und bläst – erst einmal unterwegs, gibt es keine Spekulation mehr, es herrscht das Gesetz des Ankommens, alles Geschieht in Gegenwart. Der Wind ist da, also wird sich ihm gebeugt und gefahren – irgendwann wird er fort sein . . . .

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Seelenruhig läßt sich in Banyuls die  bronzene Liegende von Maillol (Sohn der Stadt) eine Rafale um die Nase wehen, während die Kamera kaum zu halten ist. Außer der Müllbrigade niemand an der Küste unterwegs. Im kleinsten Gang nehme ich die Steigungen und erwarte die aufgehende Sonne.

a leverdusoleilKurz nach Collioure dann geht der erste Tag über dem Raid Pyrénéen auf. Die Corniche ist Geschichte und bei Argelès, wo tausend+ Urlauber noch fest schlafen, geht sie in die Ebene über. Schnurgerade führt die vieille route de Collioure durch die ockerfarbene Altstadt und wieder hinaus; dank Google earth entdeckte ich  parallel zur vierspurigen „voie automobile“  die  Reste der alten Landstraße.

Mittels Satellitenbildern geht die Wette also auf, ich überquere bald den Tech, einen fast ausgetrockneten Fluß.  Zeitgewinne, die ermuntern: es nervt nämlich gewaltig sich an so leichten Abschnitten zu verfransen, Zeit zu verlieren, die man in den Bergen  irgendwann gut gebrauchen könnte. Dort der nächste lombardische Turm: Elne.

Diesen aquitanischen Sarkophag werde ich auch diesmal nicht bewundern, die 1100 Jahre seit Wifred dem Behaarten , Abt Oliba und Papst Sylvester streichen vorbei . Lange schon muß der fränkische Vasall nicht mehr die Südflanke des Christenreichs (bis Barcelona) sichern.

Ein Bäcker hat schon geöffnet, das Café gegenüber auch. Zeit für ein kurzes Frühstück. Die knusprigen Mandelzöpfe heißen Sacristains – Meßdiener. Aber lange hält es mich nicht unter zwei, drei alten Männern am Kupfertresen, die das erste Weinglas des Tages vor sich haben.  Kurs Nordwest – so zwingt der Wind  auf der Landstraße nach Thuir  mich in den Unterlenker.  Sonne von seitlich, noch sehr morgendlich . Die Pedale werden gestreichelt. Zeit und Kraft,  beides will aufgespart sein, wenn die 250km nach Massat hinter den 77 Bergen gelingen sollen.

Endlos ziehen sich die Obstplantagen und Rebflächen des Languedoc-Roussillon dahin. Pfirsiche , Nektarinen und Aprikosen reifen zur Rekordernte. Langsam rücken neue Bergmassive näher.

Katalanische Ausläufer der Pyrenäen, der berühmte Canigou, an dessen Fuß sich die Abtei von Cuxa  befindet, das spirituelle Zentrum des Landes im Jahr 1000. Es ist immer noch ein Ort für Zusammenkünfte von Romanik Experten. An einen davon erinnere ich mich, damals war ich zehn und Anhängsel der elterlichen Reisegruppe: Pierre Ponsich, ein drahtiger Mann mit Nickelbrille und einem hellen Staubmantel, der die einzelnen Figuren über den Tympani der Kirchentore persönlich zu kennen schien. Die Augen folgten seinem Zeigefinger und alle hörten gebannt seinen Vortrag, von dem ich kaum etwas verstand. Ich sah nur die archaische Wucht der Steinmetzarbeiten. Er wäre heute 115 Jahre alt.

Unterhalb von Cuxa liegt Prades, erstes Etappenziel.  Heute ist Markttag , die Bäckerei,  die mir die feuille de route stempelt hat gerade noch eine Pizza übrig. Dagegen gibt es noch ausreichend feine Sachen.

Der Der bhausgemachte Nougat ist auch eine Energiequelle und dazu lasse ich mir die kleinen Blöcke pate de fruits in einen Beutel packen.  Wie im Vorjahr sind diese reinen Zuckerlis powergels für kritische Situationen.

Genug gebummelt. Mit zwei Postkarten und einem letzten Gruß an Monsieur Ponsich verlasse ich die kleine katalanische Stadt, dessen Festival Pau Casals in dieser Woche viele Menschen in die Cafés lockt.  Nun auf in die Berge, über denen die Sonne immer höher zieht.

Nach diesem windigen Hors d’oeuvre (wörtlich: vor dem Werk) folgt mit dem Anstieg nach Mont Louis der erste Hauptgang von über 1100 Höhenmetern. Mehr als 3okm folgt die Strecke in fast gerader Linie dem Lauf des Têt, einem kleinen Fluß der irgendwo dort oben entspringt und in einer Kerbe aufs Mittelmeer zufließt. Die Sonne ist da, aber sie sticht noch nicht, den Zikaden ist nicht heiß genug.

Ganz früh gehe ich in den kleinen Gang 2 – 24z und zwinge mich, das Tempo gefühlt  zu langsam zu halten. Auf Wifreds Geburtsort Ria und die Feste Conflent folgt in 10km Olette. Noch 900 Hm.  In kleinen Schlücken trinken, es ist der erste Anstieg am ersten Tag.

An dieser sehr schmalen Nationale wird gearbeitet, auch der Belag hat sich gebessert, aber das macht den Weg nicht kürzer.  Es ist das letzte Drittel dieses Passes: nach Olette steigt die Streke hier und da merklich, öfter aber unmerklich an. Zur Täuschung gibt es flache Passagen,

die kleinen Dörfer wirken ausgestorben, vielleicht sind sie es bald. Dann wird der Viadukt des  „Train Jaune“ unterquert, eine ganz enge, unangenehm steile Stelle an der sich die Autos in Fühlung vorbeidrängeln. Immer wieder warte ich darauf, vom gelben Zug etwas zu sehen oder zu hören, doch anscheindend fährt er nicht. Es folgen die Serpentinen und am nämlichen Parkplatz unter den Pinien mache ich kurz halt, um mir Magnesiumtabletten einzuschenken.

Dann geht es in die letzten Kilometer: nach diesem Aussichtspunkt  ist der zähe Teil geschafft. Die Muskeln haben gezuckt, aber das Magnesium ist rechtzeitig angekommen, ich rolle über den Montlouis und die fast surreale Hochebene der Cerdagne, rechts die Hotels von Font Romeu. Jetzt kann ich das Tagespensum abschätzen, denn es war nicht klar, ob die Wolken, die seit drei Tagen die Pyrenäen blockierten, noch über den Gipfeln hingen. Die Sicht ist aber klar und endlos, also wird der Puymorens , der zweite Gang 400m über mir, sich gnädig zeigen.

150km, Bourg Madame. Genug trinken, genug essen im Intermarché. Wo stehe ich? Es ist weniger hart als im letzten Jahr, vorsichtigeres Tempo und geringere Hitze haben (weniger) Reserven gekostet, der Durst ist kleiner. Heute wähle ich einen Möhrensalat, für dessen Verzehr ich 20 Plastikgabeln kaufe . Dazu ein gut belegtes Baguette mit Serrano und mittelaltem Cantal  – das reicht. Bonus: das blaue Chimay Jahrgang 2017. Als ich fertig bin, verschenke ich die übrigen 18 Gabeln und das Salz an eine verdutzte Kundin: für ihr nächstes Pique-Nique, Madame.

Wieder draußen: Die Straße zum Puymorens fühlt sich gut an, langsam geht es aus der Hochebene hinaus, Ich erkenne Felsblöcke , an denen ich im letzten Jahr absteigen mußte – heute winke ich ihnen zu. Wieder ein gutes Zeichen. Langsam weiß ich, daß dies heute nicht der letzte Paß ist.

Ein letztes mal erblicke ich die Farben Wifred des Behaarten, die vier roten Streifen der katalonischen Flagge, die, der Legende nach, die Spur seiner vier blutigen Finger sein sollen, die er sich auf dem Schilde abstreifte, nachdem er den Meuchler seines Vaters gerächt hatte . . . . so entstand die Fahne.

b catallanAuf den Schildern der Bushaltestellen erkennt man es noch deutlicher.

Nun zum letzten Abschnitt des  Puymorens, ein Paß, der als Versorgungsroute für den  Steuervermeidungsstaat Andorra dient. Das macht ihn weniger pittoresk, denn die Bahn ist breit, die Laster häufen sich, dafür ist er leichter fahrbar. Man winkt mir von Funkmasten zu

bpuymo2 Ein letzter Gruß aus den katalanischen Pyrenäen, die nicht zu grausam waren. Dankbar sehe ich mich um.

b puymo1b puymorens le col

Da ist der Paß . An dieser Stelle beginnt die Ariège, der nächste Abschnitt der Pyrenäen. Zuerst geht es hinab nach Ax les Thermes mit seinen 18 Heilquellen.a puymorensabfahrt

Immer wieder begegnen mir Autos mit deutschem Kennzeichen, Ersatzreifen auf ihren Dachgepäckträgern. Dann erkenne ich noch einen Aufkleber mit Startnummer. Völlig serienmäßige Fahrzeuge, viele aus Bayern einige verdreckt . In der Abfahrt schaffe ich es nicht, die Aufschrift zu entziffern. Am Kreisverkehr mitten in Ax gelingt es. München Barcelona . . the beaten track . . .  Randonneuren eine bekannte Bezeichnung.

(Notabene: wenn ich also lese, daß diese Rallye nur Autos zuläßt, die weniger als 500 euro gekostet haben, dann beweist das doch, wie pervertiert der (Gebraucht)wagenmarkt ist. Preis und Wert driften wohl aufgrund perfider Normenzwänge komplett auseinander. In den größten Teilen des Globus ist ein Auto, daß 3000km Schotterpässe im Gebirge bewältigt ein Neuwagen.)

b axlth20 km Abfahrt kühlen aus, aber in Ax gibt es mehrere schweflige Straßenbrunnen, aus denen das Wasser mit über 50Grad strömt. Zwei Café bringen den Kreislauf wieder in Schwung. Es ist Saison, viele Familien sind in Wanderausrüstung zu sehen, doch soll die Einwohnerzahl dieser Stadt an der Ariège um ein Drittel abgenommen haben. Die Fassaden  sprechen eine traurige Sprache, die ungewollt an die DDR erinnert.

c ariegeaDie Ariège und ihr Tal sind dagegen ein großartiges Schauspiel. Immer wieder leuchtet der Fluß durch das dichte Laub auf und rauscht über mächtige Gesteinsblöcke dahin. Beiderseits ragen steile Felsmassive empor, die wegen ihrer Steinzeithöhlen bekannt sind. Heute sind es Kletterparadiese.

Die Nationale 20 ist der Königsweg durchs Tal. Eine gut befahrene Straße mit kleinem Seitenstreifen, aber die 30km bis Tarascon sind zu verkraften. So mache ich Meilen.

c tarasconFast 2 Stunden früher als im letzten Jahr sehe ich die Altstadt von Tarascon hinter der Brücke. Diesmal werde ich dort keine Unterkunft suchen müssen und kann vor allem an einem Super U nochmal ordentlich Vorrat aufnehmen. Es ist kurz nach 19h und es herrscht Hochbetrieb. Französische Familien kaufen fürs Abendessen ein, sorgen für Bier und holländische Touristen suchen nach Sonderangeboten. Mein SNEL erntet einige Seitenblicke. Es ist kein Sonderangebot.

(Am Rad habe ich eigentlich nichts verändert. Es hat nun drei Lagen Lenkerband und hinten neue Bremsbeläge. Die Conti Grandprix sind noch gut, der Ältere von 2015 hat eher Verwitterungs- als Verschleißerscheinungen. Für mich hat dieser in Owatrol getauchte Zossen zwei eminente Vorteile: auch derart beladen kann ich mich rollend bei 40km/h aufrichten, strecken und dehnen, ohne daß der Rahmen flattert. Und bergab lenkt die Maschine wie auf Schienen ein, auch die typischen Asphaltwellen an Serpentinen bringen sie nicht aus der Spur. Ein Glücksfall. )

Wichtiger ist jetzt, nach Traubensaft mit Perrier, Schinkenbaguette und Banane am Rand des Super U-parking mit  an- und abfahrenden Renault Nevadas und anderen Relikten der 90er etwas anderes: wie werden die 18km bist zum Col de Port sein? Jetzt ist es kurz nach 19h –  bis 21h habe ich noch reichlich Licht und das Wetter ist stabil, -gut. Denn im letzten Jahr hatte ich erst am folgenden Tag mit Aufstieg begonnen und mich im Morgengrauen vor dem Frühstück quälen müssen. Gleich werde ich wissen, wie der dritte Gang im Tagesmenü schmeckt.

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Diesmal ist der Port ein Genuß. Vorsichtig taste ich mich über die Dörfer heran, denn der erste Abschnitt ist steil. Dann geht es schwungvoll wieder hinab und über den Salat (einen Bach), der immer wieder überquert wird. Dann noch ein letzter Weiler mit  Flachstück: sie sitzen schon beim Apéritif vor der Kneipe.

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Und hier, nach dem letzten Dorf,  beginnt der Paß ganz offiziell. Der kleine Weg wird immer wieder von Höfen gesäumt und auf den Weiden klingen die Glocken. Üppig wachsen die Kräuter am Weg und ich atme tief den Geruch von Minze und anderen Heildüften ein, während die Sonne schräg durch die Bäume strahlt. Kehrt die Straße nach rechts gibt es fantastische Ausblicke Richtung Ariège. Meine Bachblüten.

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Ein alter Volvo überholt mich  – keiner von der Rallye der 500 Euro Schlitten. De kleine Weg steigt jetzt unablässig mit 8 bis 9 Prozent, und ich arbeite mich vor. Die Kette ächzt trocken; aber ich weiß: die letzten drei Kilometer sind sanft. In einer Kurve steht ein kleines Häuschen auf dessen Holzveranda die Gläser eines kühlen Aperitif den Tisch krönen. Die Sonne läßt sie aufblitzen und von drinnen riecht es nach  Braten. Es strömt ein Ferienzauber herüber und ich spüre fast keine Anstrengung mehr.

c portvolvoDann, als ich gerade in die sanfte Zone übergehe,sehe ich wieder den schönen Volvo : friedlich geparkt – ein Auto wie aus einem alten Kinderbuch. Für die Abfahrt ziehe ich mir schonmal langes Trikot und Regenweste über, denn die Sonne wird gleich hinterm Berg sein

c port3Und da das Restaurant am Paß, daneben die wilden Pferde . Schon von weitem kann ich das Kaminfeuer riechen. Nadelholz.  Reißverschluß zu und ab!

Ich bin auf der kurvigen Abfahrt allein und genieße jede Sekunde. Schuß und Kurbeln und wieder Schuß.  Die Beine sind auf einmal so leicht! Im Tann: die Kurven sind unregelmäßig, versteckt und eng, aber die Luft wird immer wärmer und die Vorfreude auch. Kleine Brücken unter denen das Wasser rauscht; auf den Geraden dehnen; jetzt habe ich schon die Strecke der Tour de France erreicht und überrolle die Namen all derer, die sich vor zwei Wochen hier den mur de peyguères hochquälten. Auch ich bin ein …….

c massatMassat: dort hinten der Marktplatz, das Hotel du Globe wartet auf seinen letzten Gast.  In die heiße Kartoffelsuppe werde ich meinen Cantal schneiden und mich vom kleinen Konzert in der Kirche in den Schlaf singen lassen. Bis morgen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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