Erhellende Einsichten

Noch bin ich – wie sagen – leicht geflasht von der Überleistung der jungen Fiona Kolbinger. Meine zwergenhaften Bemühungen in einer kleinen Hügelkette kurz vor der spanischen Grenze treten einmal zurück. Ehre wem Ehre –

fiona kolbinger setup und taschen.jpg

Diese Reiseausrüstung hat jedenfalls in meinen Augen schon Devotionaliencharakter. Mehr braucht es auf zehn Tagen nicht. Seht ihr die grüne Flasche F100 Kettenöl? – , sie salbt auch meine Ketten. Seht ihr die kleine Tube Meridol zahnpasta? Mein Rossmann verkauft sie mir auch, usw. usw.

Natürlich ist ein weiblicher Sieg in einem Langstreckenrennen eine Nachricht wert , eine Premiere, eine schöne Überraschung. Aber wir konnten mental darauf gefaßt sein.

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200, das einzige magazin für Radtouren über 10 Stunden, hatte in der aktuellen Ausgabe 21 das Thema angerissen: die Kompatibilität, ja die Gleichheit der Geschlechter vor der langen Distanz. Es beschrieb die dazu Geschichte eines Damentrios, das die letzte Fleche Velocio mit 500km bewältigte. in 24 Stunden.

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Subtitel: Auf der langen Distanz scheinen sich die Leistungsunterschiede von Männern und Frauen auszugleichen, hinter persönlichen Qualitäten zurückzutreten, wie der Trainingsbereitschaft, oder der Fähigkeit zu leiden und auszuhalten. Oder halten wir nur unsere fenministischen Wünsche für Wahrheiten? Wir haben Trainern und Coachs die Frage gestellt und hintersinnige Antworten auf eine Frage bekommen, die manchmal keine Sinn hat.

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Und hier im genannten Artikel die Aussage von Frederic Hurlin, Spezialist für Ausdauersportarten:

„In einem Zeitfahren von 30km werden die Ergebnisse immer gleich ausfallen. Aber wenn wir Rennstrategie,  Taktik und die Einteilung der Kräfte einbeziehen, ist nicht ausgeschlossen, auf der Langstrecke eines Tages eine Frau an der Spitze zu finden. Meine Erfahrung als Trainer, der mehrheitlich mit Frauen arbeitet ist daß, je länger ein Rennen dauert, sich der Vorteil  eher zugunsten einer Frau verschiebt, denn sie wird auf der Langstrecke besser ihre Energiereserven nutzen. Frauen verbrennen Fett im allgemeinen leichter als Männer, die dagegen bessere Zuckerverwerter sind. Der Zuckervorrat, den ein Körper naturgemäß in Form von Glykogen speichert entspricht dem Energieverbrauch, den der Organismus auf einem Paß von 10 km benötigt. Das entspricht einer vollen Stunde Höchstleistung.  Hätten wir keine Fettspeicher im Körper, würden wir auf der Paßhöhe vom Rad fallen. Was auf eine Dauerleistung von 10 bis 15 Stunden pro Tag über mehrere Tage gerechnet doch störend wäre. Es gibt also nicht nur Parameter wie die Maximalkraft und Sauerstoffaufnahmekapazität. Radsport ist etwas anderes. In der Wirklichkeit der Anstrengung muß gerollt, geklettert, gegen Wind und Kälte angekämpft werden. Wir sind nicht mehr auf dem Gebiet der Höchstgeschwindigkeit. Bei Ultradistanzrennen könnte es also Überraschungen geben.“

Der Mann hat wohl schneller recht bekommen als er dachte.

Ich habe diese Passage aus 200 frei übersetzt, ohne mir die Zeit zu nehmen den Herausgeber Alain Puisieux um Erlaubnis zu bitten. Er trifft in wenigen Tagen hoffentlich als TCR Finisher in Brest ein….

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Als Tourist durch Frankreich

Touristen!  , –  – das sagt sich nicht mehr ganz so leicht. Eingeführt als Bezeichnung für privilegierte und vermögende Reisende, denen die schuftende Bevölkerung bei der Feldarbeit hinterhersah, bezeichnet dieser Ausdruck ab dem 20ten Jahrhundert (zunehmend abwertend) motorisierte Arbeitnehmer, die sich Ihren Rechtsanspruch auf bezahlten Urlaub erfüllten: lärmend, präpotent, anspruchsvoll.

a1Die zwei Touristen, die ich diesen Sommer aufgelesen habe gehören weder in die eine noch die andere Kategorie.  Zwischen dem Buch Stendhals und dem Werk von Adrian/Humm liegen zwei Jahrhunderte. Beide besuchen dasselbe Land: Frankreich mit Ausnahme Paris. der erste fährt mit der Kutsche von Stadt zu Stadt , die anderen schreiben das Drehbuch ihres RoadMovies . 1838, 2018. Die Jahre dazwischen  bedeuten weniger als man glaubt.

Stendhal läßt Frankreich von einer Figur bereisen, die er natürlich erfunden hat. Kein neugieriger Adliger auf grand tour, sondern ein handlungsreisender in Sachen Stahl dient ihm als Berichterstatter über den Landesteil, der schon damals nur wenige interessiert: die Provinz. Das ist die Welt außerhalb eines Radius von 90 Meilen um die Hauptstadt. Stendhal schreibt dieses Buch, weil sich paris um die Provinz im Grunde einen Teufel schert, außer wenn es einen Familiensitz darin gibt.

Ähnlich unbekannt ist die Provinz, die unsere beiden Zeitgenossen bereisen. Sie haben sich einen alten Peugeot gekauft und fahren im gemächlichen Trott über die alten Landstraßen von Stadt zu Stadt: Opfer der Autobahn, der neuen Infrastruktur. Stendhal beschreibt ein Land zu Beginn der Industrialisierung in dem es überall Eisengießereien, aber noch keine Hochöfen gibt. Adraian und Humm machen eine Reportage über das Leben nach Schließung der Hochöfen und Manufakturen, einen Bericht über ein Frankreich der Deindustrialisierung. Sie fällt mit dem Beginn der Regierung Macron zusammen.

Stendhal kent die Mechanismen, die eine neue Kaste reich machen. Gewinner der Revolution,  Nutznießer des Bonapartismus und Überlebende des ancien régime formieren sich als frühe Kapitalisten neu. Als privilegierter Beobachter einer Epoche, denkt der Handlungsreisende über neue Stahlbrücken nach.  Scharfsichtig eine kurze passage über Vorteile, eine Aktiengesellschaft zu gründen statt Schuldscheine auszugeben. Dazwischen die regionalen Typen, ihre Vorlieben zu Tisch und ihre Strategien beim Verhandeln.

Adrian und Humm bereisen das Ende dieser Geschichte der  Industrialisierung, ohne Ruinentourismus zu betreiben. Sie beschreiben Menschen, die sich zurechtfinden, das Beste draus machen und ihre politischen Optionen klar erkennen. Menschen ohne Illusionen : Landwirte, Sägewerksbetreiber, Bäcker die alle ein tiefes Zugehörigkeitsgefühl zum Land verbindet. Ihre Provinz wollen sie icht aufgeben, umso bitterer empfinden sie, daß man die Provinz dagegen wehrlos der Globalisierung ausliefert.  So wie vor der Revolution der König die Provinzen ausbeuteten

An einem Ort treffen sich unsere Touristen mit zweihundert Jahren Abstand wieder. Der Handlungsreisende in seiner Kutsche, die Bummler im 204 werden gleichermaßen von besonderen Gebäuden angezogen, vor allem Kirchen. Stendhal überzieht seinen Charakter aufs unwahrscheinlichste, wenn er ihn vergleichende Betrachtrungen zu Romanik und Gotik machen läßt. Der 204 der  Journalisten hält vor den letzten Schöpfungen le Corbusiers und begibt sich ins innere der Abtei, wei ein Team von Höhlenforschern.

Der alte Tourist in den Jungen in zwei Punkten voraus: seine Perspektive ist souverän. Er zieht historische Vergleiche und fällt Urteile, die Sprache ist scharf und wendig, es wird sich nicht an Einzelheiten aufgehalten. Die „zwei Kinder unserer Zeit“ dagegen versorgen uns mit vielen Alltagsdetails eines Nachbarlandes, die von den Klischees der Werbekarawanen aus Tourismus und falschen Provinzkommissaren verdeckt werden. Die Einsichten des Älteren werden von den Fakten der Jüngeren nicht widerlegt, sie reichern sie an.  Zwei Bücher für Touristen.

Ich gebe die Titel der Bücher mit vollem Namen an und weiß nicht, ob sie je übersetzt werden.

Stendhal, Mémoires d’un Touriste I, 1838, Maspero 1981

Adrian&Humm, le Tour de la France par deux enfants d’aujourd’hui, Editions des Equatuers , 2018

 

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Das Klavier vom Hotel de Milan -TCR#7 2019

Gerade zurück aus dem Süden. Die ersten Kilometer über die Dörfer ringsum bestätigen die (relativ gute) Form. Der Sommer geht weiter und bringt eine erste Überraschung aus der Welt der Racecaps. Die Uhren werden gerade neu gestellt.

Foto Sung, Cap 66, Fiona Kolbinger TCR nummer 7

Denn das Transcontinental Race ist in diesem Jahr von Bulgarien nach Brest unterwegs. Und die junge Pianistin im Bild oben ist dabei, dieses Rennen als erste Frau zu gewinnen. Sie stammt aus Dresden und studiert in Heidelberg. Und sie spielt Klavier am Kontrollpunkt in Bourg d’Oisans: mehr kann ich über Fiona Kolbinger nicht sagen. Auf den Bildern lächelt sie nach 2000km , nach 3000 km und es ist kein gequältes Lächeln.

Foto Sung , Cap 66, Fiona kolbinger TCR#7

Wenn sie morgen früh in Brest eintrifft, hat sie fast dreimal die Distanz von ParisBrestParis zurückgelegt.http://trackleaders.com/transconrace19 Ihr nächster Konkurrent fährt hundert Kilometer hinter ihr. Viele stecken noch in den Alpen. Leistungen die vielleicht die 1200km von PBP relativieren, aber jeder Körper ist anders, die Teilnehmer des tranconrace zeigen nur, wieviel Potential da ist.

Wenn ich aufwache, wird Fiona Kolbinger Geschichte geschrieben haben. Und sie wird bestätigen, was Experten des Ausdauersports glauben: daß es bei extremen Distanzen keinen Unterschied zwischen Mann und Frau gibt. Eine gute Nachricht.

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Mit dem roten Racer

Manche Räder warten auf ihre Stunde. Das rote Koga, mit etwas über 40 jahren eins der älteren Räder im keller, stand dieses Jahr schon viel zu lang in der Ecke. Jetzt gab es einen Anlaß. 160km für . ..

diesen Umwerfer. Klar, der funktioniert – ein Shimano 600 hat immer funktioniert. Aber ist er nicht ein ulkiges Stück Metall? Oder Blech plus Alu? Diese ganz eigenartige Mischung aus vernieteten und verschraubten Elementen, darauf ein Plastikhäubchen mit Begrenzerschrauben mit eingeprägter Aufschrift: uniglide. Der Uni-Gleiter. Es ist eine der ersten Varianten dieser Serie, so um 1977 entstanden.

Irgendwo absurd und cool, aber macht bestens seine Arbeit, die Hebelverhältnisse sind offenbar sehr gut. Nur Flugrost trübt das Gemüt. Allein, auch für noch so abseitige Kleinteile gibt es inzwischen einen Markt, den wir dem Internet zu verdanken haben.  Ganz in Deiner Nähe taucht ein hübscheres Exemplar dieses Umwerfers auf und die kleine Sammlerseele hüpft vor Freude ;  en selle!

Die Kornblumen winken vom Straßenrand, der Wind steht auf Nordwest, kühl und sonnig. Der Sommer kommt aus dem Norden, die Wolken fliegen dahin, und wenn sie sich vor die Sonne schieben wird es empfindlich kühler. man muß Skandinaven nich tum ihren Sommer beneiden.

Die ersten Momente auf einem Rad, das man lange nicht gefahren ist sind  verwunderlich. Der Körper wird neu vermessen, die Winkel zur Pedalachse, die Neigung des Lenkers, die Bremsgriffe. Dann erinnert er sich, mein Körper.

Das Roadracer ist ein (OR565mm) kurzes, komfortables Rad, das Rad des Amateurrennfahrers;  die 23mm reifen mit 7 bar fühlen sich gerade richtig an, ohne harte Stöße rollt es gedämpft ab, die alte 52×42 Übersetzung erlaubt über Umwerfer  harmonische Übergänge. Hinten der touristische Kranz mit 14 bis 28, das ist die Kombination. Mit 120mm Ausfallerbreite ist dieses Modell sogar noch für einen 5fach Kranz gebaut, mit ein paar Tricks wurden es aber 6.  Die Hebel müssen genau stehen, dann surrt die Kette zufrieden.

Auf nach Süden: der Rückenwind hilft über erste bekannte Wellen, ein kleiner Gravel im Bachtal liegt hinter mir. Das Rad einsitzen, schön kann ich auf dem „Rolls“ die Position ändern, ein wenig vor, ein wenig zurück. 30km wie nix.

Andere Fahrer  sind unterwegs oder machen schon Pause. Ich folge der Berufs- und  Einkaufsstrecke B8, die heute, am Sonntag nicht so übervoll ist. Der Belag ist mittelkörnig und sehr gleichmäßig – ohne Frostplatzer oder Lasterspurrinnen, die viele Landstraßen zeichnen. So kann man leicht der Linie am Rand folgen.

Der strategische Punkt der B8 heißt Waldems/Esch. Hier endet die lange, schnelle Gerade durch den Goldenen Grund, einer langgestreckten Talmulde von offenbar hoher Ergiebigkeit;  die Ausläufer des Taunus rücken näher zusammen. Im Ort gehen Straßen in alle Richtungen auseinander. Rechts hinauf nach Idstein und links hinauf nach Glashütten und Königstein, die alte Frankfurter Straße. Mein Ziel aber liegt geradeaus.

Der Weg führt über Heftrich nach Eppstein, in ruhigen Wellen geht es gemütlich auf und ab. Bald ein Waldstück – im Nebenweg döst der Förster hinter dem Lenkrad- bald eine kleine Steigung.

Radfahrer kennen den Abschnitt sehr gut –  Marathon Idstein, Marathon Hattersheim, alle Vereine der Umgebung nutzen sie. Und da ist schon einer:

Gesellschaft mit Crossrad auf der Sonntagsrunde.Smalltalk unter Radfahrern und die Kilometer vergehen im nu. Eppstein naht –  geblitzt rausche ich durch  –  ein kurzer Espresso: bonjour Total, eine SMS, das Ziel der ersten Etappe kommt näher. Hofheim im Taunus  –

Nach einem letzten Anstieg wartet die Höhle des Sammlers. Werkzeugschränke , Räder, Rahmen, Laufräder und Kleinteile ;  die Freuden alter Rennräder werden geteilt. Zum Umwerfer der aussieht, als sei er 2 Wochen alt kommen noch Lenkerstopfen . So  mache ich mich (glücklich(/beschwingt) auf den Rückweg, gegen den Wind.

Der Blick schweift über die Felder hinunter nach Frankfurt, während ein großer Düsenvogel seine Reise mit einer weiten Schleife antritt. Wer hier wohnt, ist dem Rhein-Main Kessel entkommen und genießt aus Distanz die Stadt, deren Skyline an einem klaren Tag sichtbar ist . Er sieht die Flieger kommen und gehen, leicht versetzt zum Flugkorridor. aircraftspotter.

An der Tankstelle(re-bonjour!) versorge ich mich für die nächsten Aufgaben. Bis hier waren es 70km zum Einrollen. Den Gegenwind, der jetzt auf der Landstraße wartet, will ich nicht. Berge dagegen eher.

Bei Esch (s.o) setze ich Kurs Nordost in den Taunus hinein. Der Paß des Tages nennt sich  Tenne, Danach geht es abwärts ins Weiltal, so läßt sich der Wind kreuzen. Die Weil fließt vom Feldberg aus nordwärts, schlängelt sich durch die Wälder bis Weilburg. Die 20km nehmen wir gern dazu.

Die Tenne ist einer der bekannten Anstiege im „östlichen Hintertaunus“, im Norden des des Feldbergs. Es gibt mehrere Strecken hinauf, ich wähle den geraden Weg über Steinfischbach, ein Dorf in der Senke, bekannt für einen exzellenten Gitarrenbaumeister.  Noch einen Anstieg und dann die Kreuzung zur Tenne

Hier bin ich auf 480Metern angelangt. Der Stempel in der Mitte ist ein überdimensionierter roter Stuhl – Werbung für einen Tischler. Der Blick geht von hier hinüber zum Rheintaunus, geradeaus ist irgendwo Idstein, links hinter den Höhenzügen Wiesbaden. Es ist ein Blick zurück.

Vor mir liegen die Spuren unserer eigenartigen Freizeitvergnügen. In einer abschüssigen Kurve zeichnen sie die Kollision eines entgegenkommenden Motorrads mit dem nach rechts in die Leitplanken ausweichenden Autos. Die Markierungen der Polizei zeichnen das Bild des Dramas in Hieroglyphen ab. Links ist schematisch ein Motorrad abgebildet, darunter ein großer, rostroter Fleck. Weiter oben Spuren von ausgelaufenem Kühlwasser. Da stand dann das Auto.

Menschen, die in ihrer freien Zeit mit dem eigenen Leben spielen. Für mich geht es in die Abfahrt, vorbei an Riedelbach. Mit Sonne im Rücken ins Weiltal.

Just perfect. Mit dem Benzingeruch eines 250GT in der Nase.

Just perfect. Die Baustellen des Sommers – exklusiv

Der Total Tankstelle in Weilmünster geben wir drei Sterne (von 3). Die junge Dame hinter der Theke verliert die Ruhe nicht, findet sogar noch Zeit knusprige Baguettes nachzureichen, während die Rationen an RedBll, Dosenbier Kola und Kippen munter über den Tresen gehen. „Aber nur eine Caprisonne!“ wird das Kind angeherrscht.

Nun der Nachtisch

Für den letzten Teil der Tour einmal etwas Neues probieren: südlich von Weilburg fließen lahn und Weil zusammen. Der Lahnradweg (in lila) beginnt hier und wer genau hinsieht entdeckt in orange unter Odersbach die strategisch wichtige Brücke. Sie ist nur für uns Fußgänger geschaffen. Gleich darunter in der Lahnbeuge ein Campingplatz und dicht daneben durchs Dorf der Weg hinauf, gleich mit 12%.

Aber die Kalorien hatten genug zeit, die Muskeln antworten und es macht an diesem späten nachmittag fast schon Spaß, ganz gleichmäßig am Lenker zu ziehen und das 26er Ritzel zu treten. Denn danach , nach den tannen, nach einem letzten Blick auf den ruhig dösenden warmen Fluß wird es eigentlich geschafft sein.

Bringing the Bike back home.

7 . Juli 2019

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Neue Zeiten, neue Kannibalen

5Über zu geringe Aufmerksamkeit kann sich das 2Rad in den letzten Jahren nicht beklagen. Als Element der Verkehrswende ins Spiel gebracht, als Statement gegen die Dominanz des motorverseuchten Nahverkehrs haben Räder einen leichten politischen Stand, – besonders im Sommer.

Verklärung und Alltag

2In Europa geben Deutsche gern und viel Geld für Ihre Räder aus, (so 700pro Kopf?), schon seit Jahren. Nur darf man dieses Wachstum nicht für den Vorboten einer Verkehrswende halten. Die A3 ist in dieser Zeit nämlich auch nicht leerer geworden.  Das Fahrrad ist und bleibt ein Freizeitobjekt, das (manchmal) als Nutzfahrzeug genutzt wird. Den Zweitwagen opfert man eher selten einem Fahrrad.

Der Lahnradweg, eine schöne Freizeitstrecke durchs nahegelegene Flußtal gibt in diesen Monaten ein sprechendes Bild ab, wenn sich Kohorten an Pollern, Verengungen und anderen kleinen Hindernissen im Weg stehen.

7Am Ende der Mühen wartet ein gepflegtes Automobil, ein Wohnmobil oder ein Fahrradverleih.

Geld und Spiel

4Drei bis vier Magazine widmeten sich in den letzten Jahren allein dem Rennrad. Dem Rennrad und seinen Entwicklungen, Verfeinerungen und Accessoires. Hübsch garniert mit Reiseempfehlungen, ein wenig professionellem Radsport, dazu bunte Socken an Trikotfolklore. Munter ging es von 10  zu 11 und 12 Gängen, elektrifiziert Bremsen zu Scheiben und Laufräder zu Plastikringen. Dazu kann man stehen wie man will, dieses nicht ganz billige Wettrüsten muß funktioniert haben: warum sonst darüber schreiben?

Eine Fallstudie

https://i1.wp.com/www.hifi-archiv.info/Denon%20Kataloge%20und%20Anleitungen/1979%20HiFi-Programm/04.jpg

(hifi -archiv.info)

In den verflossenen, fast karikatural verherrlichten 70ern (einschließlich 34 Bulli-PS) gab es etwas neues: überschüssiges Geld. Nicht unbedingt für Rennräder, es floß zunächst  in andere Kanäle. Räder waren Sportgeräte einer Minderheit oder Lastenesel für Meschen, die sich (immer noch) kein Auto leisten konnten. Das Spielgeld ging damals in Stereo auf, was zu HiFi erblühte. Oder in Farbfernseher, die wuchtigen, an mehreren Deutschen Standorten hergestellten Wohnzimmerkönige, gekrönt vom Videorekorder.

Das Spiel mit der Unterhaltungselektronik lief mehr als ein gutes Jahrzehnt und es hätte immer so weitergehen können, wäre da nicht ein Kannibale aufgetaucht.

Der PC.

Anfangs noch Spielzeug von Nerds, die gerne in grüner Leuchtschrift eigenartige  Zeichen schrieben, wurde er zum Kultgegenstand, selbst wenn man noch nicht wirklich wußte, was man persönlich davon hatte. Dieser Kannibale fraß das Geld, das sonst in die überoptimierte Generation nächster CD Player gesteckt hätte… HiFi schrumpfte und schrumpfte und wanderte zurück in die Nische, aus der der Computer kam. Nerds und Liebhaber.

 

Sport und Status

In diesem Millenium des totalen Konsumismus hieß das Premium Spielzeug auf zwei Rädern Rennrad. Der ausgemergelte Mensch im Latextrikot auf halbjährlich neuem Carbon wurde zum Idol des Mittelklassespartaners. Wir sahen wie die 10k Marke (Mehrwertsteuer incl.)  geknackt wurde. Das muß nicht ewig dauern.

1Denn : der Kannibale der leichten Rennräder ist schon ein paar Jahre unterwegs. Ohne Krisengipfel der Fahrradindustrie, ohne Diskussion um Ladenetze verdrängt er die teuren Rennmaschinen im aus der cash flow Gleichung der Haushalte . Der Kannibale kommt nicht aus Belgien oder obskuren Tälern Kaliforniens- er fährt in unserer Mitte und wuchs langsam heran, die vermeintlich überlegenen Maschinen zu überholen.

9Die neuen Nerds waren unsere Rentnter, die nach Reichweitenvorteilen suchten. Als E-biker der ersten Stunde wuchsen sie unbemerkt im Schatten der Werbekernzielgruppe 19-49 heran.  Anders als beim Computer, kamen diese early adaptors eher vom Ende des humanen Ladezyklus. Lächerliche Gegner für Generation fit for fun, die immer neue Apps auf ihre Di-elektrisch geshifteten Boliden schnallte.  Doch dieser lächerliche Gegner ist zum Kannibalen der schnellen und leichten Hasen geworden.

01Aus dem sperrigen Gewand des rüstigen Rentners in Alugrau ist er in immer engere Carbonanzüge geschlüpft, um als E- Mountainbike die Kaufkraft einer Generation zu saugen, die es für ein teures technisches Spielzeug bereit hält. Als Vorbote sind schon viele bunte Blätter mit dem Zusatz e- aufgetaucht,  die darüber alles wissen.

3So wird das Rennrad dezimiert und bald wieder in die Ecke der Leistungssportler und der jungen Wilden zurückkehren. Die Verkehrswende kann also warten.

 

6Der Rest wird sich in einer (immer noch nicht ganz) ausentwickelten Freizeitgesellschaft  auf jene verteilen, die sich nur ein Rad leisten können.

 

 

 

 

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Der milde Blick zurück nach vorn – IVV 2019

Eroica, Velowino, Inveloveritas, wie auch immer. Private Initiativen werden zu Franchisemodellen, oder eine handvoll Enthusiasten begründet eine schöne Tradition rund um alte Rennräder: die Botschaft hat sich herumgesprochen.

c5Neben alten Traktoren, Oldtimern oder historischen Motorrädern hat auch die Erzählung um das alte Rennrad ihren Platz in der Freizeit-Folklore Europas gefunden. Unter den vielen Mythen des Alltags ist die Geschichte des Stahlrads eher eine Renaissance als ein Abgesang. Die Erzählung , die von Leiden verblichener Helden zu Rade kündet und von sagenhaft primitiven Bedingungen alter Radrennen lebt fort.

Auch wer tausende Kilometer im Jahr fährt bleibt voller Demut, denn er kann über das stählerne Rennrad unmittelbar nachvollziehen, was andere schon lange vor ihm geleistet haben. Kein Motor, keine Aerodynamik, keine geheimen Kraftstoffe.

„Die Pyrenäen mit 24Zähnen, das war das , was wir hatten, wir haben uns keine Fragen gestellt..“ zitiere ich einen Sprinter, der einmal auch das gelbe Trikot trug.

ab1Das Rad hat den unzerstörbaren Vorzug der Schlichtheit – der Aufwand für die perfekte Retrokulisse ist minim, die Nähe zur historischen Rennszene ist viel unmittelbarer, die Maschine spricht für sich.Vor dem Schöpfer sind wir alle gleich.

Dagegen werden bei historischen Sportwagen Konzernabteilungen beschäftigt , Rennwagen fahrfähig zu machen und zu erhalten, vorzuführen um sie wieder einzumotten. Es liegen Galaxien zwischen Zuschauern, Neben- und Hauptdarstellern, deren Adorationswilligkeit geprüft wird und die der Kapitaleinsatz auf Abstand hält.

Anders hier

c01Beim Radsport ist das anders. Es mag zwar seltenerere, kostbarerere und noch unglaubliche leichtererere Maschinen geben: es ist marginal; der Körper entscheidet am Ende, ob es für unter oder über hundert Kilometer reicht. Und der Körper ist sichtbar. Auf einem Rad kann niemand sein Wesen verleugnen oder durch Motorleistung ersetzen.

c2 Kostümierung als Bekenntnis: die historischen Verweise der Trikots machen die Sache sympathisch, schaffen eine historische Nähe. Es gibt kaum einen Sport, der diese direkte Vergleichbarkeit der Kategorien zuläßt. Dafür hat der Amerikaner Lemond einmal einen absolut treffenden Satz geprägt: es tut nicht weniger weh, man wird nur irgendwann schneller. Die Beschränkung auf Stahlräder macht die Teilnehmer noch gleicher.

c7Auch wenn ich nach 200 km genußvoll vom Rad steige, verstehe ich völlig, warum ein anderer Mensch nach 70km glaubt, alle Kreise der Hölle durchlebt zu haben. Denn so ging es mir auch einmal; –  und manchmal kann man schon fragen, ob nicht die durchtrainierten Kilometerfresser ungesünder leben als die Gelegenheitsfahrer. Doch am Ende sitzen sie alle an einem Tisch und lassen sich die gleichen Getränke schmecken.

c6In unserer stark virtualisierten Welt ist auch die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit ein starkes Argument. Wie freute sich ein Kollege, als er endlich keine Meßgeräte mehr an seinem Rad sah. Als er es endlich „ganz“ genießen konnte. Genau das dürfte der Punkt sein: unser Alltag ist verziffert genug, dennoch ist der latente Zwang, ständig zu Messen und zu vergleichen eine Geißel, die immer stärker die Freizeit erfaßt.

c9Vielleicht ist die Fraktion der Retrofahrer auch eine (natürliche) Reaktion darauf.

c4Eine inveloveritas ist jedenfalls die beste Gelegenheit, dem Wahn ein Ende zu bereiten, den andere noch beim Ironman in Frankfurt fetischistisch zelebrieren. Grenzen ausloten geht auch auf einem alten Rad wirklich leicht – völlig ohne Leistungsmessung und  Cardiometer. Und vor allem ohne dieser merkwürdigen, selbstoptimierenden Leistungsspirale, deren Ende ein spezieller Autismus ist. Oder ein overkill.

Hier aber wird eine alte Geschichte neu erzählt, um auf ihren wahren Kern zu kommen:

ao2Siegerbild

Es ist deshalb nicht zwangsläufig eine Veranstaltung für Nostalgiker, Kindheitsträume oder alte Männer auf der Suche nach ihrer verlorenen Jugend. Jedenfalls haben eindeutig frischere Altersklassen das alte Rennrad in Poysdorf wiederentdeckt.Vielleicht auch seine coolness.

ag2Anfangs dachte ich bei den eroici mißtrauisch an die Idee des Simulacrums, eines großen „als ob“,  wie es beispielsweise mit alten Landmaschinen praktiziert wird. man restauriert und führt Traktoren vor, ohne den Gedanken, damit je die praktische Bestimmung zu erfüllen. Beim Rennrad ist es anders. Sobald es bewegt wird.

ao1Viele glückliche und erschöpfte Gesichter, die erstmals die 100km Grenze knacken. Und dann es ist ein wohlfeiler Sport, geradezu spottbillig – jedenfalls für alle, die nicht auf eine limitierte, vergoldete Schaltgruppe angewiesen sind.

ab6Möglicherweise  geht die Reise in die Vergangenheit erst darum richtig los. Kaum jemandem ist bewußt, mit wie wenig Spielgeld man sich ein bestens funktionierendes rennrad (oder Randonneursrad) aufbauen kann. Und wie simpel diese Technologie war, die sich in den letzten 25 Jahren in immer neue, dekadente Zweiglösungen totentwickelt hat. Und es gibt sie immer noch in Mengen. Manch alter Besitzer wartet nur auf den Studenten, in dessen Augen ein Leuchten beim Anblick des Rades aufflackert, auf dem er dann die Nachfolge der unvergeßlichen Momente antritt, die es schon vermittelt hat. . .

ao4Poysdorf hat genau diese Waage : keine Rummel um Retrofetische, ein Dorffest, bei dem die Wiener aufs Land strömen um am Abend glücklich (und ein wenig erschöpft) heimzukehren

 

 

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Die Pastorale – inveloveritas 2019

a15Manche halten die Pastorale für die gelungenste von Beethovens 9 Symphonien. Sie stammt aus seiner Wiener Zeit und es ist leicht denkbar, daß es ein Sonntag im Weinviertel war, der für einige Sätze als Vorlage diente.

Heute ist ein Sonntag im Juni, und es wird wieder ein warmer langer Tag. Wir sind in Poysdorf nahe Posysbrunn. Nördlich von Wien, von der Höhe aus sieht man die Nikolsburg und Mikulov in Tschechien. 500km bin ich auf dem Rad hierhergefahren über die letzten 2 Tage. Mein Teamkamerad vom Team Stuttgart, Tino, hat es sogar auf 627 gebracht. Die Qualifikation für Paris Brest hätte er damit locker in der Tasche. Aber wir wollten nach Wien – oder fast.

aa1.jpg Und heute nur eine kleine Runde ums Weinviertel drehen. Kurzweilige 140 oder „epische“ 210 stehen zur Auswahl. Für mich liegt die Würze in der Kürze.

Am abend vorher noch die Gesundheitskontrolle:

„Wie ist Dein Puls?“

„60“

„Das muß die Aufregung sein.“

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Der Sommer ist  groß, ohne Mühe kommen wir aus dem Bett und steigen auf unsere nackten Räder. Heute eine Shorts mit gut gefettetem Ledereinsatz: sitzt wie eine zweite Haut – und die brauche ich.  Plötzlich wirken die Anstiege so flach, das Rad wie ein Spielzeug.

Die Pastorale beginnt.

Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande

aa2Auf dem Marktplatz sammlen sich die Starter der längsten Runde. Es hat gute Gründe, im Sommer um 6Uhr zu beginnen: die Sonne grüßt und die Luft ist einfach. Wer hier steht, weiß das. Letzte Durchsagen des Veranstalters „…….sehr selektiv.!!“. Ab

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durchs Dorf.

aa6Das Leben ist leicht und die ersten Kilometer auch.  Vorn geht das Rennen bei der ersten Steigung augenblicklich los.  Wir  schauen uns die Kette der bunten Trikots entspannt an.

aa8Poysdorf ist von sanften Hügeln umgeben, Wein wird rundum angebaut , es geht durch kleine Dörfer und sehr diskret haben die Veranstalter orangene Richtungspfeile auf den Boden gesprüht. Nach zwei Verfahrern  passe ich besser auf.

a13Unterwegs werden noch Bekannte vom Vorabend gegrüßt: Moin Goldrad!

Erinnerung an den Vorabend:

Lustiges Zusammensein der Landleute

In Poysdorf gelangt man nach einer gepflasterten Steigung gleich zum Zentrum des Geschehens: ein mit Bäumen und Häusern umstandener Platz, nicht zu klein, nicht zu groß. Rundum Stände, in der Mitte die Bänke und dahinter mittig eine große Bühne.

ab3Dort werden die Räder von den Teilnehmern hinaufgeführt und einzeln untersucht: Startnummernvergabe. Es sind natürlich viele graue Männer unterwegs, manche sehen ambitioniert aus, alle tragen  ihre Lieblingsfarben.

ab4Aber auch ein anderes Publikum entdeckt die inveloveritas. Jünger und (auch) weiblicher. das gefällt umsomehr, als man den heroischen Ernst aus der Sache nehmen darf. Er ist ohnehin nur bei Bruchteilen vorhanden. Die anderen wollen nur spielen, sammeln und saufen.

ab5Habe mich gut unterhalten, die vielen Varianten an Puch Trikots genossen und hier und dort einige kompetente bekannte aus dem Forum wiedergetroffen.

aa3Das schönste an allem war die heitere Stimmung eines Dorffestes, das nicht zum Rummel ausgeartet ist und die umgängliche fast fürsorgliche österreichische Art. Man fühlt sich einfach gut.

Szene am Bach

aa9Wir halten nicht in einem Bachtal, sonden auf einem Bergkegel, der weithin sichtbar von einer Burgruine gekrönt ist. Falkenstein beherrscht das gesamte Land. Dorthin führt eine kernige Naturstrecke. Oben sehen wir: der Wind hat gedreht und eine geschlossene Wolkenbank rückt näher. Nicht weiter schlimm wenn man vergißt, daß unsere Anfahrt heute mit Rückenwind möglich wäre.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMan soll die Dinge nehmen wie sie kommen und hier kommt ein sensationelles zweites Frühstück. Ein unbeschreiblich gutes Rührei und jetzt schon warme Küche. Vielleicht vorgehalten für die 70km Runde , die erst in 2 Stunden startet? Wir lassen uns nicht lumpen, denn 500km verursachen Appetit für mehrere Tage.

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Als wir den Ort verlassen, folgt uns die Wolkenbank dichtauf und schiebt einen Schwall schwüler Luft vor sich her.

a1Den Berkegel hinunter und  wieder hinauf und Richtung Norden an die Grenze. Liechtenstein von Nikolsburg hat dieses Denkmal des Größenwahns seinem Sohn errichten lassen.

a2Dahinter grüßt eine kleine, südmährische Stadt, die einst zur  Herrschaft zählte . Tschechien erkennt man an interessanten Wassertürmen die von weitem  die Form eines riesigen Lollis haben.

a3Zwischendurch kleiner Pannendienst für den jungen Mann, der mit 12 Jahren dabei ist auf einem blauen Gitane, Tour de France Siegerrad 1979-1984. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg zur nächsten Labe.

a4Dann wieder westwärts auf einem Grenzradweg: sehr gut, und erholsam , dichte Hecken und hier höre ich wieder den Pirol. – wie im vergangenen Jahr. Es  bleibt schwül, die Wolkenbank zeiht vor uns dahin, wir haben sie umfahren!!! Early Birds.

Gewitter, Sturm

Kreuz und quer durch die Felder, die Bauern ernten schon erste Kirschen, , noch ein Schotterweg und die zweite Station ist erreicht. Mitten in den Reben. 70km bereits und es fühlt sich wie 30 an. Ein Flensburger neben mir verschluckt sich.

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So genießen wir einen Tropfen, während sich im Hintergrund – also dort, wo wir herkamen eine Gewitterfront entlädt. Blitze durchzucken senkrecht die bleigraue Regenwand. Sie sorgt für eine Naturkatastrophe auf der 70er Runde. Episches Drama.

Wir Hirten von den längeren Distanzen stimmen unterwegs freudige Lieder an, ganz wie Beethoven es in seinem letzten Satz der Pastorale vorgibta12

Hurtig überwinden wir die eingestreuten Schotterpassagen und Wildpfade,  alles Beläge, die mit Conti 25ern fahrbar sind: auch Pannenopfer sahen wir nicht mehr. Zwei drei Tropfen vielleicht, Dörfer mit Getreidespeichern auf denen das allgegenwärtige Raiffeisenwappen prnag. Dann kam die letzte gemeinsame Schwierigkeit des Tage in Sicht, der Buschberg bei km 110.

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Hier sind die zwei Radome, die aus den Wipfeln ragen nur zu erahnen. Berliner werden sie gut kennen: es stehen auf dem Teufelsberg identische. Ein verbindendes Element. Mein üppiges Frühstück zahlt sich aus, die Beine drehen leicht den 4 km langen Anstieg hinauf, auf dessen Gipfel kühle Erfrischungen warten. Es ist eigentlich der Wahnsinn, wie gut es uns geht.

Frohe Gefühle nach dem Sturm

Und wir lassen es uns gutgehen. Schnitzel, Salat, Bier und Mineralwasser, für mich bitte noch ein Kaffee. Im Schatten von Kiefern sind Liegestühle aufgebaut, die Holztische sind einladend, der mechaniker sieht sich Tinos rad an, das hinten Seitenschlag hat.

a14Huch! eine gerissene Speiche. Das war wohl letzte nacht der Aufsetzer. Bei 36 Speichen sind solche  Dinge eher unbedenklich, Tino wird die gesamte Distanz abspulen. Gerade als die Schnellsten der 140er Rund eintreffen machen wir uns auf.

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Und hier trennen sich unsere Wege – ich werde Zeit brauchen meine Sachen zu packen, wieder ans Rad zu schnallen etc. etc. Dann ohne Hast den letzten Kleinzug nach Wien zu bekommen. Aber den Gedanken an die Heimfahrt verdrängen wir. Vorsorglicher Abschied und dann mit Rückenwind Kurs Poysdorf: was für ein Genuß. ac1

Ich wittere meine Chance und nutze sie. Mein Vorsprung auf die 140er Runde ist nur noch von Eddy merckx persönlich aufzuholen. Die Windrichtung stimmt. Nur noch 2km. Großartig , denke ich nch und wähne mich im Ziel. Da geht es aber die Kellergasse hinauf, die ultimative Pavé -Bergwertung mit anschleißender Geheimkontrolle. Ein brutaler, technisch sehr anspruchsvoller Anstieg, der über das Classement entscheidet.   Beobachter am Straßenrand warten auf einbrechende Radsportler. Hier wird Tino in eingien Stunden die letzten Versprengten der 70er Runde überrollen . . . .

ac2Poysdorf!

 

 

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