130513 replay : redoute

130513 Replay Redoute  – Flèche Wallonne zu dritt

Nach allem, was ich zwischen den Rotbuchen, Vogelmieren Ebereschen und Fliederblüten sehen konnte, sind die Ardennen, der Garten Belgiens, die Summe dreier Kräfte. Glücksspiel, Milchquote und Steuervermeidung, wenn ich die anerkannten Einnahmequellen Tourismus und Rennfahren  (F1) außer acht lasse.

Die Kurstadt Spa legt vom Wohlstand Zeugnis ab mit Prachtbauten der belle Epoque, einem zentralen Boulevard und Spielcasino, aber auch neuen vielsternigen hotels , Golfclubs und Tagungszentren. Der Verzicht auf jegliche Industrie sorgt für ein geschlossenes Stadtbild mitten in der grünen Landschaft, die jetzt etwas mehr als tausend Radsportler befahren. Wir sind nicht die Ersten, eher so hintendran um 7h30. Für die lange Strecke sind die meisten schon davon. Daß wir uns die offizielle Anmeldung sparen bringt eine satte Viertelstunde.

Links raus aus Spa in den Maquisard, ein milder Anstieg von 3 oder 4km, der sich an Kühen vorbeischlängelt , die noch nicht ganz ausgeschlafen haben. Wieder ist es kalt, zwar etwas über 10, aber der Wind bläst. Den bekommen wir alsbald ins Gesicht , denn die grobe Richtung geht für 70km nach Westen. Nevermind, die redoute wartet nach der langen Abfahrt ins Tal.

fleche cartedeparcours

Dadurch, daß die Redoute am Beginnn des Parcours lag, konnte ich mit 39×26 angekommen ein großes Stück Motivation auf die folgenden 190km nehmen. Motivierend auch, halb so schwere Menschen auf halb so schweren Maschinen (reine Schätzung) im gleichen Tritt fahren zu sehen.

Der unterschied zur LBL-Fahrt lag nicht nur am Wetter, das diesmal abwechslungsreicher war (wer will schon 10 Stunden in der Sonne sitzen) sondern an der bukolischen Luft und fast autofreien Straßen die durch unzählige Dörfer, Weiler, Sprengel und Einsiedeleien führten.

ardennes schauer

Nach dem Anstieg zu les Forges, hinter dem das Ockers Denkmal geduldig auf Blumen wartet, gaben wir es auf, dem Rhythmus verstreuter Mitfahrer zu folgen, die durch häufiges Umdrehen auch deutlich machten, uns als Begleitung so schnell wie möglich zu verabschieden. Es ist auch nicht heiter, im Waschmitteldunst von Lycra zu reisen, das von einem Eindhovener Inkassobüro oder einem Vermieter von Paintballhallen gestiftet wurde. Wahrscheinlich wurden so auch die Ostertrainingslager auf den Balearen bezahlt, ein Luxus, den le grand Eddy nicht kannte.

Der Weg nach Westen führte über immer neue windige Höhen auf denen der erste Raps blühte. Zu dritt sein war dort sehr notwendig, aber auch völlig hinreichend. Ein anderer Unterschied zur LBL kam von der Strecke, die, wie wir schnell bemerkten, nur sehr wenige gerade Kilometer kannte. Die Zahl der Namenlosen kleinen Anstiege übertraf die der offiziellen „Hellingen“ bei weitem. Wenn das Schild zur nächsten Cote 6km angab, konnte durchaus noch ein kleines Häppchen dazwischen liegen, und das regelmäßig. Es schlaucht.  Gut war die Entscheidung, nicht die offizielle Versorgung zu suchen, die aus Energiekaugummi und kalten Waffeln besteht.

ardennes cs cactus1

Samstags gibt es immer eine kleine Friterie an der Strecke und uns erwartete die urbelgische Spelunke le cactus in Barveux. Nicht, daß es in diesem verregneten Städtchen keine Alternativen gegeben hätte, doch die fettschmalzgeschwängerte Atmosphäre und Aussicht auf triefende Pommes sind für durchnäßte, müde und hungrige Radfahrer unwiderstehlich. Nicht zuletzt, weil die folgenden Schauer und Kilometer den verräterischen Geruch wieder völlig austreiben.

Der Weg nach Westen war sonnig, die letzte kontrolle schloß schon ihre Tore und wir griffen einen bemerkenswerten Anstieg an: la roche à frène, einem bösen Stück Arbeit, kurz mal 16, dann wieder 12% – und ich glaubte, ich sei trainiert! Stück für Stück saugt es die Kraft aus und es ist erst die halbe Strecke. Noch ein Schauer hier, ein sonniger Tannenhang da und wir kreuzen den deutsprachigen Teil der Wallonie. Über den Grat und die Schilder, die vorher Umleitung hießen heißen nun wieder deviation. Da sind die Streckenschilder und irgendwann müsste Stavelot erscheinen. Vorher um Wasser betteln, das uns gerne gewährt wird.

ardennes unterwegs

Die einzige erkennbare Industrie auf der 200km Runde  bestand aus einer gigantisch Holzverarbeitungsanlage im Tal nach Dreisalm, neben der sich Holzstämme der umliegenden hänge Haushoch türmten. Sie werden dort zu MDF verarbeitet, also zerspant und neu gepresst um schließlich als Fertigmöbelelemente in den Discounthallen der Gewerbegebiete zu enden.

Niemand will den Stockeu hinauf und ich kehre nach einem kurzen Ansatz um. Letzte Gels in Stavelot und dann direkt (über den Berg) in die Abfahrt nach Spa. Warum ich die Kette beim Hochschalten in die Speichen setzte, weiß ich nicht. Aber einfach im stehen umzufallen ist ein dummer Tod für einen Radfahrer.

fleche jur finish

Nächstes Jahr wieder, dann sind Stockeu und Thier de Coo dabei und wenn es eine Stunde früheres Aufstehen bedeutet.

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