3xBismarck

Auch wenn es jetzt nieselt – es ist kein Winter mehr, die große Zeit hat begonnen, die Trainingsfahrten, auf denen mir nicht ein Rad und/oder Krad begegnete, dürften vorbei sein. Die Nase läuft ein wenig, aber das wars auch schon mit der “ Influenza-Epidemie“.  – von jetzt an wird das Wetter und die erwachende Natur mich aufs Rad bringen .Gut, daß es in der dunklen Jahreszeit verlockende Ziele gab, die es leicht machten, sich für 100 oder so km in den Sattel zu schwingen : Bismarcktürme

 

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Blick zurück auf die Bismarcktürme

Als ich mich der unendlichen Rundfahrt anschloß, wie es ja jeder tun kann, der einmal bei Guterbubi nachliest, entdeckte ich in einem Umkreis von ziemlich genau 50km drei erreichbare Türme, die seinerzeit Bismarck gewidmet wurden.

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Durchaus ähnlich sind sie in ihrer Größe und vom Baumaterial, leichte Variationen gibt es im Stil. Für alle drei wurden entsprechende Bismarck-vereine gegründet, in allen steckt privates Kapital. Das spricht für eine Form von Begeisterung, vielleicht auch Dankbarkeit, die unseren politischen Figuren doch selten entgegengebracht wird.

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die Wiedervereinigung beispielsweise, sicher der größte politische Akt nach Reichsgründung und Gründung der Bundesrepublik, ist ja ein durchweg gelungenes Werk, da kann man über technokratische Debatten wie Soli-Abschmelzung denken wie man will. Von Enthusiasmus über den glücklichen Verlauf ist nur noch sehr wenig zu spüren. Uns geht es gut und wir sind Weltmeister.

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Die drei Türme hier waren alle in sehr gepflegtem Zustand, kein Vandalismus, keine Verwahrlosung. vielleicht trug dazu ihre schöne, exponierten Lage bei und die gute Gestaltung der umgebung. Daß sie auf Landkarten nicht alle namentlich verzeichnet waren führe ich eher auf Kopistenfehler zurück. mit Türmen an das Deutsche Reich (Unterton:  Groß-) zu erinnern, war zu Zeiten des (ersten) kalten Krieges sicher nicht de bon ton. So etwas setzt sich dann bei der Neuauflage der Wanderkarte fort.

Karten erfahren zur Zeit überhaupt ein eigenartiges Schicksal, da die mobilen Anwendungen für Mobiltelefone suggerieren, jederzeit entsprechendes Orientierungsmaterial aus dem All abrufen zu können. Ich jedoch kann, gerade in Gegenden ,da die Orientierung am Nötigsten ist, durchaus von Funklöchern berichten, dem Äquivalent zum physischen Vakuum.

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Die früheren, sehr großen Kartenabteilungen der großen Buchhandlungen sind längst Geschichte. Kiepert in Berlin führte beispielsweise eine wahre Karthothek, Herder auch und Hugendubel übernahm anfangs die Tradition. Zwar sind mittlerweile sehr praktische und wetterbeständige Wanderkarten aus plastifiziertem material erschienen, die gut in die Trikottaschen passen, doch geht das oft mit einem Verlust an Präzision einher. Der Standard der IGN oder in Deutschland des amtlichen Kartenmaterials wird nicht mehr angestrebt, vielleicht, weil man dem unbedarften Wanderer ein Zuviel an Komplexität nicht mehr zumutet?

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Mich jedenfalls hat es auch erschüttert, als ich „veraltetes“ Kartenmaterial als Recycling-Briefumschlag wiederverwendet sah.

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Die Türme, die durch mich entdeckt werden wollten, verliehen Trainingsfahrten jedenfalls immer wieder den Reiz kleiner Expeditionen. Was ist nicht alles schon in Bewegung gesetzt worde , nur weil jemand einmal eine Schatzkarte fand. Umso glücklicher, daß die Begegnung zufällig immer bei Sonnenschein zur vollen Mittagszeit stattfand.

Meine Meilen für Brest kamen so besser und  schöner  zustande, als ein monotoner Trainingsplan es je vermocht hätte . Dem Kreuz-Buben danke ich deshalb in dieser Form ganz herzlich für seinen großartigen Einfall, unbekannte Radsportler an unbekannt Orte zu schicken. Vielleicht wird ja eines Tages auch der letzte vorhandene Bismarckturm eingenommen.

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Ein Treffen der Bismarck-Fahrer , mit Ehrenpreisen natürlich, wäre dann ein herrlicher Abschluß. Oh Otto!

 

 

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6 Antworten zu 3xBismarck

  1. mark793 schreibt:

    Zum Thema alte Karten darf ich einen kleinen Schwank beisteuern: Don A. hatte uns vor Jahren mal das hier beschriebene Kartenmaterial in die Hand gedrückt, bevor wir uns auf die Weiterfahrt an den Tegernsee machten (wo wir ein paar Tage in seinem dortigen Zweitwohnsitz logierten). Im ersten Moment habe ich innerlich ein bisschen geschmunzelt, welchen Nutzen sollten uns über fünfzig Jahre alte Karten stiften, wo wir doch ein Navi an Bord hatten. Aber als ich mich dann dort mit Muße darin vertiefte, konnte ich mich kaum losreißen, so viel gab es da zu sehen (oder eben auch nicht) und nachzudenken. Bei all den Sehenswürdigkeiten, die da im schönen Bayernland auf der Karte verzeichnet waren, kann ich mich aber nicht an Bismarcktürme erinnern, womöglich wird man im Freistaat eher „Saupreiß’ntürme“ suchen müssen. 😉

  2. crispsanders schreibt:

    Karten, wie sie im verlinkten Artikel vorkommen, sind ja nun eher Ansichtskarten. Ich nehme zum Zeugen Arno den Schmidt, der sich an alten napoleonischen Karten ergötzte oder eben die papiernen Segnungen des farbigen Meßtischblatts, wie es in massen zB für die Bundeswehr hergestellt wurde…
    Nach wie vor fällt im übrigen die deutsche Straßenkarte gegenüber der französischen ab: Napoleon hat Spuren hinterlassen.

    • mark793 schreibt:

      Es befanden sich in dem Konvolut auch schön gemachte Straßenkarten des Alpenraums. Zu französischen Karten fällt mir zuvörderst die Tranchot-Karte ein, deren Ausschnitte so manchen Wikipedia-Artikel zu hiesigen Gebietskörperschaften zieren und die ich immer wieder gern betrachte. Was sich von den hier umgesetzten Kenntnissen und Fertigkeiten in heutige Straßenkarten herübergerettet hat (und in den Nachfolgern der preußischen Karten nicht), kann ich nicht beurteilen. Wenn ich mir wieder einen Autoatlas oder etwas in der Art kaufe, wird es wahrscheinlich doch ein deutscher sein und kein französischer.

  3. kreuzbube schreibt:

    Es freut mich, das unsere kleine Idee auch Dir neue Anreize für Exkursionen gebracht hat. Was die Navigation betrifft, ist es so wie von Dir beschrieben: Die digitalen Hilfen haben fast jeden von uns schon im Stich gelassen.

    Im Sommer, an der Ostsee, habe ich den ehemaligen Standort des Bismarcksturm bei Heringsdorf mithilfe einer Karte aus den 1930er Jahren gefunden. Die Karte (mit die darin notierten Beschreibungen) zeigte die Waldwege besser an als google maps das tat.

    Und letztlich geht es ja auch darum: Um ein kleines Abenteuer, ums Suchen, ums Finden. Dazu gehört es auch, dass der sofortige Erfolg nicht garantiert ist und dass man vielleicht sogar einmal scheitert, wie das mir auch schon widerfahren ist.

  4. crispsanders schreibt:

    (rk 793) – TranchoT! Der General Vermesser napolaeons. Im Grunde liefert er Bismarck, besser: Preußen die Planvorlage für künftige Reichsgründungen . . .

    (+bub) Habe ja Geschmack gefunden und deshalb deute ich schonmal an,daß es einen Bismarck-surprise-Turm am Wochenende in meinem Radius befindet. Zwischenstopp beim Café Marx, Montabaur. .

    • mark793 schreibt:

      Zu den Preußen, die an Tranchots Arbeit anknüpften, gehörte lt. wikipedia nicht zuletzt ein Major Knackfuß. Der Name klingt, als sei er einem Roman von Rosendorfer entsprungen.

      Ein napoleonisches Großprojekt, auf dessen Spur mich die Rumradelei brachte, ist übrigens der Nordkanal oder Grand canal du Nord, der Neuss mit Antwerpen verbinden sollte, um die renitenten Niederländer vom Rheinhandel abzuschneiden. Lange bevor man die Maas erreichte, hatte sich die politische Großwetterlage wieder geändert, und heute machen sich die verbliebenen Reste jenes Mammutprojekts fast ein wenig kümmerlich aus. Aber zumindest existiert ein Themenradweg zwischen Neuss und Neederwert (NL), die Fietsallee Nordkanal. Das deutsche Teilstück bin ich größtenteils schon gefahren, irgendwann nehme ich auch mal noch das Stück jenseits von Venlo unter die Räder.

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